Lizentiatsarbeit, 2009
120 Seiten, Note: gut
1. Einleitung: Zur Bedeutung europäischer Öffentlichkeit
1.1 Das Öffentlichkeits- und das Demokratiedefizit in der Europäischen Union
1.2 Europäische Öffentlichkeit am Beispiel des Georgien-Kriegs 2008: Krieg als Kommunikationsereignis
1.3 Fragestellungen und Aufbau der Arbeit
1.4 Forschungsfragen
2. Exkurs: Strukturwandel der Öffentlichkeit
2.1 Zum Begriff der Leitmedien
3. Forschungsstand zu europäischer Öffentlichkeit
3.1 Ambivalente Befunde
3.2 Die EU und ihre politischen Institutionen
3.3 Transnationale Medien und transnationale Medienunternehmen
3.4 Europäische Öffentlichkeit am Beispiel von Kriegen
3.5 Zwischenfazit
4. Theorie
4.1 Öffentlichkeitsbegriff und Nicht-Existenz einer Theorie ‚europäischer Öffentlichkeit’
4.2 Gegenüberstellung von Jürgen Gerhards und Klaus Eder: „impossibility school“ versus „automatism school“
4.2.1 Europäische Öffentlichkeit bei Jürgen Gerhards
4.2.2 Europäische Öffentlichkeit bei Klaus Eder
4.2.3 Kritik an den Konzeptionen Gerhards’ und Eders
4.3 Zusammenführung in einem integrativen Modell bei Hartmut Wessler
4.4 Arenamodell von Öffentlichkeit
5. Darlegungen zur EU-Berichterstattung
6. Georgien-Krieg 2008: Chronologie des Krieges
7. Methode: Inhaltsanalyse
7.1 Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung
7.1.1 Definition von Auswahl- und Analyseeinheiten
7.1.2 Untersuchungszeitraum und Zeitungsartikel
7.1.3 Operationalisierung und Codebuch
7.2 Inhaltsanalyse von EU-Dokumenten
8. Befunde im synchronen Vergleich
8.1 Qualitätszeitungen
8.1.1 Medienarena NZZ
8.1.2 Medienarena FAZ
8.1.3 Medienarena Le Monde
8.2 Boulevardzeitungen
8.2.1 Medienarena Der Blick
8.2.2 Medienarena BILD-Zeitung
8.2.3 Medienarena Le Parisien
9. Quantitative Befunde und diachroner Vergleich
10. Fazit
11. Literaturverzeichnis
Anhang A: Codebuch
Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten am Beispiel des Georgien-Kriegs 2008
Allgemeines zum Material
Codieranweisungen
Validität der Messung
Analyseeinheit
Allgemeines
Ebene Artikel
Ebene Sprecher
Die vorliegende Arbeit untersucht theoretisch und empirisch die Förderung der Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten durch das Schlüsselereignis des Georgien-Kriegs 2008. Ziel ist es, anhand einer vergleichenden Analyse von Qualitäts- und Boulevardpresse in Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu prüfen, ob sich Merkmale einer europäischen Öffentlichkeit identifizieren lassen und wie wirkungsvoll die Öffentlichkeitsarbeit der EU-Institutionen dabei wahrgenommen wird.
1.2 Europäische Öffentlichkeit am Beispiel des Georgien-Kriegs 2008: Krieg als Kommunikationsereignis
Europäische Öffentlichkeit lässt sich sowohl in vergleichenden Längsschnittanalysen, als auch in spezifischen Fallstudien untersuchen. Erforscht werden dabei z. B. die Medienberichterstattung verschiedener Länder zur Europapolitik und zur europäischen Integration im Zeitverlauf (vgl. Klein et al. 2003), konkrete Anlässe wie Europäische Ratspräsidentschaften (vgl. Hahn et al. 2008), punktuelle Ereignisse in Form von Skandalen in den EU-Institutionen (vgl. Meyer 2002), Wahlkämpfe zum Europäischen Parlament und nicht zuletzt auch Kriege wie z. B. Golf-, Kosovo- und Irakkrieg (vgl. Kevin 2003, Lucht/Tréfás 2006, Wessler et al. 2008).
Der Zusammenhang von Krieg und europäischer, bzw. allgemeiner formuliert, transnationaler Öffentlichkeit wird insbesondere auch in der Kommunikationswissenschaft thematisiert, die sich in jüngerer Zeit ‚Krieg als Medienereignis’ („media event“) oder als Kommunikationsereignis zuwendet, das ein starkes Integrations- und Transnationalisierungspotenzial hat. Freilich handelt es sich dabei sicherlich nicht um ein neues Thema, denn bereits 1995 problematisierte Jürgen Wilke die Verknüpfung, die etwa darin besteht, ‚Krieg als Medienereignis’ zu analysieren. Dabei führt er die historische Dimension des Themas aus und beschreibt ‚Konstanten und Wandel eines endlosen Themas’ (vgl. Wilke 1995: 21). In diesem Zusammenhang sei dabei u. a. „Krieg als ‚Vater’ der Presse“ zu bezeichnen (vgl. ebd. 22). Bereits der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 werde Wilke zufolge in der aktuellen Forschung als Medienereignis bezeichnet und im Zusammenhang des Krimkriegs im 19. Jahrhundert sei auf die Bedeutung der öffentlichen Meinung hingewiesen (vgl. ebd. 32). Der Begriff Medienereignis im vorliegenden Kontext dieser Arbeit meint nun, dass der Georgien-Krieg 2008 als faktisches Ereignis einzuordnen ist, das durch die mediale Präsentation spezifisch geprägt wird (vgl. ebd. 21).
1. Einleitung: Zur Bedeutung europäischer Öffentlichkeit: Diese Einleitung stellt die Bedeutung einer europäischen Öffentlichkeit vor dem Hintergrund des Demokratiedefizits der EU dar und führt in das Fallbeispiel des Georgien-Kriegs 2008 als Forschungsgegenstand ein.
2. Exkurs: Strukturwandel der Öffentlichkeit: Hier wird der theoretische Rahmen des Strukturwandels der Öffentlichkeit nach Habermas und die Bedeutung von Leitmedien für die politische Berichterstattung erörtert.
3. Forschungsstand zu europäischer Öffentlichkeit: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bisherige Forschung, die von ambivalenten Befunden zur Europäisierung bis hin zu verschiedenen Ansätzen wie der Analyse von EU-Institutionen und Kriegsberichterstattung reicht.
4. Theorie: Hier werden theoretische Grundlagen wie der Öffentlichkeitsbegriff sowie die Kontroverse zwischen der "impossibility school" und der "automatism school" detailliert gegenübergestellt und kritisch diskutiert.
5. Darlegungen zur EU-Berichterstattung: Dieses Kapitel thematisiert die Rahmenbedingungen der Berichterstattung über die EU, einschließlich der Rolle der Korrespondenten in Brüssel und der Kommunikationsstrategien der EU.
6. Georgien-Krieg 2008: Chronologie des Krieges: Dieses Kapitel liefert eine chronologische Aufarbeitung des militärischen Konflikts zwischen Georgien und Russland im August 2008 als zeitlichen Rahmen für die Studie.
7. Methode: Inhaltsanalyse: Das Kapitel beschreibt das zweistufige Vorgehen der empirischen Analyse, definiert die untersuchten Medien sowie den Zeitrahmen und erläutert die Operationalisierung der Europäisierungs-Dimensionen.
8. Befunde im synchronen Vergleich: Hier werden die Ergebnisse der Inhaltsanalyse für Qualitätszeitungen und Boulevardmedien in Deutschland, Frankreich und der Schweiz im direkten Vergleich gegenübergestellt.
9. Quantitative Befunde und diachroner Vergleich: Dieses Kapitel ergänzt die qualitativen Analysen durch quantitative Daten und bettet die Ergebnisse in den Kontext früherer Studien ein.
10. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und reflektiert die vorsichtige Bestätigung einer langsamen Entwicklung europäischer Öffentlichkeit durch das untersuchte Medienereignis.
Europäische Öffentlichkeit, Europäisierung, Georgien-Krieg 2008, Medienberichterstattung, Qualitätszeitungen, Boulevardpresse, Demokratiedefizit, Transnationalisierung, Kommunikationsereignis, Medienarena, Identitätsbildung, EU-Institutionen, Inhaltsanalyse, Leitmedien, Politische Kommunikation.
Die Arbeit analysiert, inwiefern ein konkretes internationales Krisenereignis, der Georgien-Krieg 2008, zur Europäisierung nationaler Öffentlichkeiten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz beigetragen hat.
Zentrale Themen sind die Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit, die Rolle von Leitmedien, das Demokratiedefizit der EU sowie die Auswirkungen von Krisenkommunikation auf die Identitätsbildung.
Das Hauptziel ist zu untersuchen, ob sich in der Presseberichterstattung zum Georgien-Krieg Merkmale einer europäischen Öffentlichkeit zeigen und wie EU-Institutionen in diesem Diskurs wahrgenommen werden.
Die Autorin verwendet eine zweistufige Inhaltsanalyse: eine qualitative und quantitative Untersuchung von Zeitungsartikeln (Qualitäts- und Boulevardpresse) sowie eine ergänzende Analyse relevanter EU-Dokumente.
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Hintergrund zur Öffentlichkeit, den Forschungsstand, eine detaillierte Inhaltsanalyse der Berichterstattung in verschiedenen Ländern sowie einen diachronen Vergleich mit früheren Studien.
Zu den Schlüsselbegriffen gehören Europäisierung, Medienarena, transnationale Kommunikation, Diskurskonvergenz, vertikale und horizontale Europäisierung sowie das Arenamodell der Öffentlichkeit.
Der Georgien-Krieg wurde als "Katalysator" für Kommunikationsverdichtung gewählt, da er die erste militärische Auseinandersetzung auf europäischem Boden im 21. Jahrhundert war und als EU-externes Ereignis die Reaktionen auf europäische Krisendiplomatie sichtbar machte.
Die Differenzierung ist entscheidend, da sie aufzeigt, dass Qualitätsmedien eine höhere Affinität zu europäischer Berichterstattung aufweisen, während Boulevardmedien nationale Themen und emotive Darstellungen priorisieren.
Das Fazit fällt vorsichtig aus: Während Ansätze einer europäischen Öffentlichkeit erkennbar sind, zeigt die Inhaltsanalyse, dass nationale Interessen und Akteure die Berichterstattung weiterhin stark dominieren und die Sichtbarkeit der EU-Institutionen gering bleibt.
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