Magisterarbeit, 2008
63 Seiten, Note: 3,0
1. Einleitung
2. Ehebruch
2.1. Elliptisches Erzählen
2.2. Präfigurationen
3. Konvenienzehe – Liebesheirat
3.1. Der Ehehandel und die partnerschaftliche Liebesehe - L ´Adultera
3.2. Die arrangierte Ehe – Effi Briest
3.3. Die Spuk-Ehe
3.4. Die asexuelle höfische Ehe – Graf Petöfy
4. Selbstbestimmung – Fremdbestimmung
4.1. Imaginierte Weiblichkeit
4.2. Naturhaftigkeit
4.3. Die Ehebrecherin zwischen Selbst–und Fremdbestimmung
4.4. Die selbstbestimmte Künstlerin als Gegenbild zur Ehebrecherin
5. Sinnlichkeit – Keuschheit
5.1. Die Ehefrau zwischen `Hure´ und `Heiliger´
5.1.1. Die Kindbraut – Effi Briest
5.1.2. Die sinnliche Ehebrecherin – Melanie van der Straaten
5.1.3. Das „Marienmotiv“ in Graf Petöfy – Franziska Franz
5.2. Ideal der Mütterlichkeit vs. Sinnlichkeit der Ehebrecherin
6. Langeweile – Selbstverwirklichung
6.1. „Bovarisme“ und „femme incomprise“
6.2. Ennui
6.3. Beruf
6.4. Kommunikation
7. Leidenschaft – Vernunft
7.1. Verführung – Effi Briest
7.2. Ohnmacht und Entsagung – Franziska Franz
7.3. Leidenschaft und Musikgenuss – Melanie van der Straaten
8. Schuld – Sühne
8.1. Das „Tyrannisierende Gesellschafts-Etwas“
8.2. Die unschuldig-schuldige Ehebrecherin
Die vorliegende Magisterarbeit analysiert die literarische Darstellung der Ehebrecherin in ausgewählten Romanen Theodor Fontanes. Dabei steht nicht die zeitkritische Einordnung im Vordergrund, sondern die Untersuchung, wie Fontane Geschlecht und weibliche Sexualität im Kontext der bürgerlichen Familie konstruiert, welche Rolle gesellschaftliche Konventionen spielen und inwiefern etablierte Treuevorstellungen problematisiert werden.
3.1. Der Ehehandel und die partnerschaftliche Liebesehe – L ´Adultera
Bei der Ehe zwischen der adligen Melanie de Caparoux und dem wohlhabenden Bourgeois van der Straaten handelt es sich um eine typisch gründerzeitliche Konvenienzehe. Melanies Heiratsmotiv wird vom Erzähler klar benannt: Sie wird die Frau eines wesentlich älteren reichen Mannes, um die vom Vater hinterlassenen Schulden abzutragen, denn sie will nicht gerne „das Vermögen einbüßen.“(LA:28) Im Gegenzug bringt die Siebzehnjährige ihren Adelstitel, ihre Schönheit und ihre Unschuld in die Ehe ein. Durch diesen Tauschhandel wird „[w]eibliche Sexualität […] ökonomisch und sozial definiert, denn die Tochter war nur als Jungfrau tauschbar – zumindest im Rahmen des sich über Anständigkeit definierenden Bürgertums.“25 Van der Straaten sieht in der gebildeten adligen Genferin in erster Linie einen Besitz und ein prestigeträchtiges Vorzeigeobjekt, ähnlich seiner Bildergalerie, mit dem er sich in Gesellschaft schmücken kann, „denn die junge Frau war fast noch mehr sein Stolz als sein Glück.“ Er behandelt Melanie als unmündiges Kind und lässt sich von ihr als „Papachen“ (LA:22) anreden. Die ihr zugeschriebene Kindlichkeit hat zum einen den Zweck, das Ungleichgewicht der ehelichen Rollenverteilung zu festigen, welches auf seiner Dominanz und ihrer Abhängigkeit gründet.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Ehebrecherin in Fontanes Werk sowie Abgrenzung der relevanten Ehebruchromane für die vorliegende Untersuchung.
2. Ehebruch: Darstellung des Ehebruchs als Widerstandsform gegen gesellschaftliche Normen, inklusive einer Analyse der Erzählweise und motivischer Vorwegnahmen.
3. Konvenienzehe – Liebesheirat: Untersuchung des gründerzeitlichen Ehemodells, bei dem Liebe oft ökonomischen Interessen untergeordnet wird, und dessen Scheitern in den analysierten Romanen.
4. Selbstbestimmung – Fremdbestimmung: Analyse der Konstruktion weiblicher Identität zwischen gesellschaftlichen Weiblichkeitsklischees und dem Wunsch nach Eigenständigkeit.
5. Sinnlichkeit – Keuschheit: Untersuchung der künstlichen Spaltung weiblicher Sexualität in "Heilige" und "Hure" sowie der Rolle der Mütterlichkeit.
6. Langeweile – Selbstverwirklichung: Analyse der Ursachen für die Unzufriedenheit und Isolation der Protagonistinnen in ihren Ehen sowie der fehlenden Möglichkeiten zur beruflichen Selbstverwirklichung.
7. Leidenschaft – Vernunft: Untersuchung der Rolle von Leidenschaft als Motor für den Ehebruch und die Suche nach echtem Gefühl versus Vernunftehe.
8. Schuld – Sühne: Analyse der gesellschaftlichen Konsequenzen für die Ehebrecherin und die verschiedenen Arten der Sühne bis hin zur Resignation oder Integration.
Theodor Fontane, Ehebrecherin, Ehebruch, Konvenienzehe, Liebe, Selbstbestimmung, Geschlechterdiskurs, Realismus, Weiblichkeit, Schuld, Sühne, Sexualität, Patriarchat, Gesellschaftskritik, Identität
Die Arbeit untersucht die Figur der Ehebrecherin in Theodor Fontanes Romanen "Effi Briest", "L'Adultera" und "Graf Petöfy" und analysiert, wie diese Frauen mit gesellschaftlichen Erwartungen und patriarchalischen Strukturen brechen.
Zu den Kernbereichen zählen die Kritik an der Konvenienzehe, die Konstruktion weiblicher Identität, die Darstellung von Sexualität und die Spannung zwischen persönlicher Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Fremdbestimmung.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Fontane Geschlecht und weibliche Sexualität innerhalb der bürgerlichen Familie literarisch konstruiert und inwieweit er etablierte Vorstellungen von Ehe und Treue als gesellschaftliche Institutionen problematisiert.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf der Interpretation von Symbolen, Motiven und der Figurenkonstellation (unter Einbeziehung von Sekundärliteratur) basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Eheformen, Identitätsfragen, dem Spannungsfeld zwischen Sinnlichkeit und Keuschheit, dem Problem der Langeweile sowie der Dialektik von Leidenschaft und Vernunft.
Zentrale Begriffe sind Ehebrecherin, Realismus, Konvenienzehe, Selbstbestimmung, Patriarchat, Schuld und Sühne sowie die spezifische Figurenkonstellation in Fontanes Werken.
Der Roman wird in der Einleitung als "Vorstudie" zu "Effi Briest" bezeichnet, bei der jedoch der eigentliche Bruch der Ehe nicht vollzogen wird, weshalb er nicht in den Fokus der Ehebruch-Analyse rückt.
Die Arbeit hinterfragt kritisch, ob es sich dabei um eine echte Emanzipation handelt oder lediglich um eine theatralische Inszenierung der reuigen Sünderin, die sich weiterhin konservativen Weiblichkeitsbildern unterordnet.
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