Magisterarbeit, 2000
75 Seiten, Note: 2,0
I. Vorbemerkungen
II. Qualitäten und Ausprägungen der Gewalt
a. Reiting
b. Beineberg
c. Törleß
d. Basini
e. Božena und die Dorfbewohner
f. Das Internat und die Schulklasse
g. Einordnung und Gesamtschau
III. Von Gewalt, Macht und Grenzen
IV. Die Diktatoren in nucleo
V. Schlußbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Kurzroman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ von Robert Musil hinsichtlich der Darstellung, Ausprägung und Wirkung von Gewalt auf die beteiligten Protagonisten sowie deren Einbettung in den gesellschaftlichen Gesamtkontext.
II. Qualitäten und Ausprägungen der Gewalt
Einräumend, daß die unterschiedlichen Qualitäten der Gewalt eng mit den jeweiligen Personen verknüpft sind, soll dieser Themenpunkt auch von diesen Figuren ausgehend dargestellt werden. Im einzelnen sind hier die Zöglinge Reiting, Beineberg, Törleß und Basini sowie in weiteren Abschnitten die Dorfbewohner (hier vornehmlich Božena) und die Internatsklasse zu betrachten. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Beziehungen und Verhaltensweisen zu bzw. gegenüber Basini; darüber hinaus werden aber auch die Abhängigkeiten und Interdependenzen zwischen allen Protagonisten berücksichtigt.
Musil selber schrieb in einem Brief über die Darstellung seiner Helden: „Die Zeichnung der Charaktere ist stilisiert, alles auf die kürzeste Linie zusammengefaßt, keine vollen Menschen dargestellt, sondern jeweils nur deren Schwerlinie.“ Und genau um diese Schwerlinie der einzelnen Personen in bezug auf Basini und die ihm widerfahrende Gewalt geht es in dieser Arbeit.
Ausgangspunkt für alle Behandlungen und Bestrafungsmaßnahmen, die Basini im Verlauf der Handlung ertragen muß, ist ein Diebstahl, den er begangen hat und von Reiting aufgedeckt wurde. Die Aufdeckung der Verfehlung Basinis drängt ihn in eine defensive Rolle, die die drei anderen (Reiting, Beineberg und Törleß) die Oberhand über ihren Mitschüler gewinnen läßt. Wie diese Konstellation aufgebaut ist, und wie jeder einzelne sich in diesem Gefüge verhält, wird nunmehr dargestellt.
I. Vorbemerkungen: Einleitung in das Thema des Kurzromans mit Fokus auf Gewaltphänomene unter bewusster Ausklammerung des späteren Hauptwerks „Der Mann ohne Eigenschaften“.
II. Qualitäten und Ausprägungen der Gewalt: Detaillierte Analyse der individuellen Charaktere und ihrer Rollen im gewaltsamen Gefüge sowie eine abschließende Synopse der Motive und Sanktionen.
III. Von Gewalt, Macht und Grenzen: Theoretische Reflexion über Machtmechanismen und die räumliche sowie psychologische Bedeutung von Grenzen im Internat.
IV. Die Diktatoren in nucleo: Untersuchung der antizipatorischen Darstellung von Machtstrukturen im Roman in Bezug auf spätere historische Entwicklungen des 20. Jahrhunderts.
V. Schlußbemerkungen: Zusammenfassende Einschätzung der literarischen Bedeutung des Romans und der Vielschichtigkeit seiner Forschung.
Robert Musil, Törleß, Gewalt, Internat, Machtstrukturen, Masochismus, Sadismus, Pubertät, Selbstjustiz, Basini, Reiting, Beineberg, Grenze, Erziehung, Psychologie.
Die Arbeit analysiert Robert Musils „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“ im Hinblick auf die Mechanismen und Ausprägungen von Gewalt und Macht innerhalb eines Internats.
Zentrale Themen sind die psychische und physische Gewalt, die Rolle der Internatsschüler, die Konstruktion von Macht sowie der Einfluss von Pubertät und Sozialisation.
Das Ziel ist es, die differenzierten Rollen der Charaktere in einem gewaltsamen System und ihre Motivationen zu untersuchen, ohne dabei den Bezug zum gesellschaftlichen Kontext zu verlieren.
Die Untersuchung erfolgt auf Basis einer detaillierten Textanalyse des Primärtextes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zu psychologischen und gesellschaftskritischen Aspekten.
Der Hauptteil analysiert die individuellen Profile von Reiting, Beineberg, Törleß und Basini sowie die internen Machtverhältnisse und die Rolle des Internats als abgeschlossenes System.
Wichtige Begriffe sind Gewalt, Macht, Internat, Pubertät, Törleß und die spezifische "Grenzerfahrung" der Charaktere.
Die "Grenze" ist ein Leitmotiv, das den Übergang zwischen Moral, Sprache, Kontrolle und psychischen Zuständen der Protagonisten markiert und maßgeblich für ihre Identitätsfindung ist.
Die Arbeit diskutiert kritisch, inwieweit Musil in seinem frühen Werk bereits Strukturen totalitärer Machtausübung des 20. Jahrhunderts vorweggenommen hat, ohne dies bewusst beabsichtigt zu haben.
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