Wissenschaftliche Studie, 2011
13 Seiten
Die Schriftstellerin (113 -124)
Die Besucherin (128 - 139)
Der Unterpächter (143 - 155)
Der Kinderfreund (157 - 169)
Die unberechtigte Eigenbesitzerin (172 -185)
Epilog (187 - 189)
Abschließende Betrachtung
Die vorliegende Untersuchung analysiert Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung" im Hinblick auf die Darstellung von Familiengeschichte, den Verlust von Heimat und das Altern im Kontext politischer Wandlungsprozesse in der DDR und nach der Wiedervereinigung.
Die Schriftstellerin (113 -124)
Mit diesem Text wird ein Kapitel aufgeschlagen, das bis in die Biografie der Autorin hineinreicht. Das Geschehen verlagert sich daher in einen Bereich, der zunehmend autobiografische Anteile umfasst. Dies geschieht jedoch sehr verhalten und ohne Namensnennungen. Die Großmutter der Autorin wird lediglich als "Schriftstellerin" bezeichnet, und die Autorin spricht von sich selbst als "Enkelin". Die Figuren erhalten weiche Konturen und werden auf einige markante Merkmale reduziert, so dass sie nicht scharf und plastisch abgebildet werden.
Das Geschehen scheint sich hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang abzuspielen, der hin und wieder Einblicke in ausgewählte Bereiche der Familiengeschichte gewährt und anderes eher verhüllt, so dass der Leser aufgefordert ist, seine Eindrücke zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen, das letztlich aber nur ausschnitthaft bleibt. Daher werden hier einige Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Gestalten eingefügt, die vielleicht zur Erhellung beitragen können.
Die Schriftstellerin (113 -124): Dieses Kapitel beleuchtet durch die Figur der Großmutter die Schwierigkeiten einer Rückkehr aus der Emigration und das schwierige Arrangement mit den politischen Verhältnissen der DDR.
Die Besucherin (128 - 139): Hier rückt die mütterliche Linie in den Fokus, wobei die Problematik des Alterns und das Gefühl des Fremdseins in einer veränderten Welt thematisiert werden.
Der Unterpächter (143 - 155): Die Erzählung befasst sich mit einer unglücklichen Ehe und der Identitätsproblematik einer Frau auf der Suche nach ihren wahren familiären Wurzeln nach dem Mauerfall.
Der Kinderfreund (157 - 169): Das Kapitel thematisiert die Kindheit der Autorin aus der Perspektive eines ehemaligen Spielgefährten, wobei Aspekte von Sexualität, Gewalt und sozialer Schichtung zum Tragen kommen.
Die unberechtigte Eigenbesitzerin (172 -185): Der Text schildert den schmerzhaften Abschied von der Kindheitswelt durch den bürokratischen Rechtsstreit um Eigentumsverhältnisse nach der Wende.
Epilog (187 - 189): Der letzte Abschnitt protokolliert den physischen Abriss des Hauses und schließt den Kreis des Werdens und Vergehens.
Abschließende Betrachtung: Eine Analyse der multiperspektivischen Erzählweise und der musikalischen Struktur des Romans, der die Autorin als Dirigentin eines polyphonen Werkes zeigt.
Heimsuchung, Jenny Erpenbeck, Heimatverlust, DDR-Geschichte, Identität, Altern, Rückblendeverfahren, Familiengeschichte, Erinnerung, Eigentumsverhältnisse, Literaturanalyse, Kindheit, Heimatbegriff, Erzähltechnik, Bewusstwerdung
Die Arbeit liefert eine detaillierte literaturwissenschaftliche Analyse des Romans "Heimsuchung" von Jenny Erpenbeck, mit einem Fokus auf die erzählerische Konstruktion von Geschichte und Erinnerung.
Zentral sind der Prozess des Erinnerns, der Umgang mit dem Verlust von Heimat, das Altern im Schatten politischer Umbrüche sowie die komplexe Beziehung zwischen Privatem und gesellschaftlicher Historie.
Das Ziel ist es, die vielschichtigen Erzählstrukturen des Romans offenzulegen und aufzuzeigen, wie Erpenbeck individuelle Schicksale mit den historischen Realitäten des 20. Jahrhunderts verknüpft.
Die Untersuchung nutzt eine werkimmanente Interpretation, kombiniert mit einer Analyse der Erzählweise (insbesondere des Rückblendeverfahrens) und der verwendeten Montagetechnik.
Der Hauptteil gliedert sich kapitelweise in die Analyse der verschiedenen Erzählfäden, vom Schicksal der Großmutter über die Perspektive der Besucherin bis hin zum rechtlichen und physischen Abwicklungsprozess am Ende.
Wesentliche Begriffe sind "multiperspektivisches Erzählen", "Heimatbegriff", "Zeitebenen", "Eigentumsverhältnisse" und die "Symbolik des Verfalls".
Sie dient als erste zentrale Identifikationsfigur, deren Biografie beispielhaft für die Schwierigkeiten steht, nach der Emigration im neuen politischen System der DDR Fuß zu fassen.
Der Abriss wird nicht nur als physischer Akt gesehen, sondern als endgültiges Ende eines Lebensabschnitts und als Abschluss der "Heimsuchung", der jedoch durch das Prinzip des "Werdens und Vergehens" eine tröstliche Perspektive behält.
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