Masterarbeit, 2011
85 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Konzeptspezifikationen und deren Anwendung auf Nordkorea
2.1 Erbliche Nachfolge
2.2 Autokratie, Diktatur, Totalitarismus
2.3 Charismatische Herrschaft
2.3.1 Veralltäglichung des Charismas und Post-Totalitarismus?
3. Forschungsstand und Theorien
4. Fallstudie Nordkorea
4.1 Das Kronprinzen-Problem
4.2 Eindeutige Designation
4.3 Haltung des Militärs
4.4 Konstitutionelle Rahmenbedingungen
4.5 Präzedenzfall
5. Alternative Erklärungen
5.1 Ideologie und Personenkult
5.2 Kultur und Politische Kultur
5.3 Die Rollen Südkoreas und Chinas
5.4 Expertenbeurteilungen
6. Fazit
6.1 Ein zweiter dynastischer Machtwechsel?
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Erblichkeit der charismatischen Herrschaft in der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) und analysiert die determinierenden Faktoren des dynastischen Machtwechsels von Kim Il Sung auf Kim Jong-Il sowie die Anzeichen für einen weiteren Übergang auf Kim Jong-Un. Ziel ist es, das Phänomen erblicher Nachfolge in einer nicht-monarchischen, sozialistischen Autokratie theoretisch fundiert zu erklären und die Rolle von Institutionen, Ideologie und politischer Kultur zu beleuchten.
4.1 Das Kronprinzen-Problem
Offiziell besteht die nordkoreanische Führung selbstverständlich darauf, dass die dortige Nachfolge keinerlei Parallelen zu dynastischen Erbfolgen des feudalen Zeitalters aufwiese. Doch wie stellte sich das Kronprinzen-Problem im Falle der Kim-Familiendynastie tatsächlich dar? Zur Beantwortung dieser Frage sind vor allem zwei Aspekte zu berücksichtigen: das externe Umfeld Kim Il Sungs und Kim Jong Ils persönlicher Beitrag zur Realisierung seiner Nachfolge. Im Hinblick auf seine beiden engsten Verbündeten, die Sowjetunion und China, hatte Kim Il Sung eine historische Lektion gelernt. Die beiden Staaten waren offenbar unfähig, einen geordneten Machtwechsel auf einen designierten Nachfolger zu vollziehen. Daher wollte der „Große Führer“ eine direkte Einmischung in die Nachfolgeregelung der DVRK durch sie in jedem Fall verhindern.
Es muss davon ausgegangen werden, dass die gescheiterten Übergabeprozesse in den beiden sozialistischen Staaten enormen Einfluss auf Kim Il Sungs Entscheidung hatten, frühzeitig seinen Sohn als seinen Nachfolger aufzubauen. Während verschiedener Besuche in der Sowjetunion sowie in weiteren osteuropäischen Ländern zwischen 1957 und 1959 erlebten Kim Il Sung und Kim Jong-Il, der seinen Vater begleitete, eine anti-stalinistische Atmosphäre. Chruschtschow, der seit Beginn der 1950er Jahre an Einfluss in der UdSSR gewonnen hatte, kritisierte Stalin bereits in den letzten Jahren seiner Herrschaft scharf. Diese Kritik betraf sowohl konkrete politische Entscheidungen Stalins als auch dessen Führungsstil und den Kult um seine Person. Sogar innerhalb der Bevölkerung wurde öffentlich gegen Stalin protestiert. Für Kim Il Sung waren derartige Szenen, wie sie sich seit der Oktoberrevolution nicht ereignet hatten, schockierend. Es zeigten sich daran für ihn nicht nur die Bedeutung des Nachfolgeproblems, sondern auch die Notwendigkeit entsprechender Vorbereitungen.
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die mediale Faszination für das nordkoreanische Nachfolgethema und begründet die Forschungsfrage nach der Erblichkeit der charismatischen Herrschaft.
2. Konzeptspezifikationen und deren Anwendung auf Nordkorea: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Erbfolge, Autokratie, Totalitarismus und charismatische Herrschaft definiert und deren Anwendbarkeit auf den Fall Nordkorea diskutiert.
3. Forschungsstand und Theorien: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über bestehende wissenschaftliche Ansätze zur erblichen Nachfolge, insbesondere die Theorie von Jason Brownlee, und entwickelt Hypothesen für die vorliegende Fallstudie.
4. Fallstudie Nordkorea: Der Hauptteil analysiert die konkreten Faktoren der nordkoreanischen Erbfolge, darunter das Kronprinzen-Problem, die Rolle der Designation und die entscheidende Bedeutung des Militärs.
5. Alternative Erklärungen: Hier werden ergänzende Einflussfaktoren wie der staatliche Personenkult, die konfuzianische politische Kultur und die geopolitische Rolle der Nachbarstaaten China und Südkorea untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Validität der aufgestellten Hypothesen und wagt eine Prognose über die Stabilität einer potenziellen zweiten dynastischen Nachfolge.
Nordkorea, DVRK, Erbfolge, Dynastie, Kim Il Sung, Kim Jong-Il, Charismatische Herrschaft, Totalitarismus, Militär, Personenkult, Juche, Autokratie, Machtwechsel, politische Kultur, Kronprinzen-Problem
Die Arbeit untersucht das Phänomen der erblichen Nachfolge in der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) und analysiert, wie ein autokratisches Regime den Übergang der Macht vom Vater auf den Sohn legitimiert und organisiert.
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung autokratischer Herrschaftsformen, die Bedeutung des Personenkults, die Machtbasis des Militärs sowie historische und kulturelle Einflüsse wie der Konfuzianismus.
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, wie die Erblichkeit der charismatischen Herrschaft Kim Il Sungs in der DVRK erklärbar ist und welche Faktoren diesen Prozess maßgeblich beeinflusst haben.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Einzelfallstudie, die durch eine fundierte Literaturanalyse sowie durch die Einbeziehung von Experteninterviews gestützt wird.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Fallstudie Nordkorea, wobei insbesondere das Management der Nachfolge durch die Kims, die Rolle der Armee und die Verfassungsänderungen im Zentrum stehen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie nordkoreanische Erbfolge, charismatische Herrschaft nach Max Weber, Machttransfer, Totalitarismus-Debatte und die Rolle der Kim-Dynastie charakterisieren.
Im Gegensatz zu klassischen Monarchien fehlen in Nordkorea de jure rechtliche Grundlagen für eine Erbfolge; das Regime muss daher formale Strukturen schaffen, um den dynastischen Machtanspruch innerhalb einer vorgeblichen Republik zu etablieren.
Das Militär fungierte als entscheidende Stütze für Kim Jong-Il. Durch die Songun-Doktrin (Militär-zuerst-Politik) und die Aufwertung der Nationalen Verteidigungskommission wurde dem Militär eine privilegierte Machtbasis zugesichert, die dessen Unterstützung für den dynastischen Übergang sicherte.
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