Bachelorarbeit, 2010
92 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Die Interpretation der Varusschlacht in der Altertumswissenschaft seit dem 19. Jahrhundert
3 Der römische Germanen- und Germanienbegriff
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Die Entwicklung und Bedeutung des Germanen- und Germanienbegriffes in der römischen Geschichte
3.3 Die Lebensweise der Germanen – Archäologische Erkenntnisse und Beschreibungen antiker Autoren
3.4 Der Bedeutungsrahmen des römischen Germanen- und Germanienbegriffes
4 Die antike Überlieferung über die Varusschlacht
4.1 Die literarische Traditionsbildung um die Varusschlacht in der römischen Geschichtsschreibung
4.2 Die Quellen und ihre Autoren
4.3 Bewertung der antiken Überlieferung und Auswahl der Quellen
5 Die politische Ausgangslage vor der Varusschlacht
5.1 Die Eroberung und Erschließung Germaniens
5.2 Germanien – Eine römische Provinz?
5.3 Germanien als Teil des Imperium Romanum
6 Die Darstellung der Varusschlacht in der antiken Überlieferung
6.1 Das Schlachtereignis
6.2 Angaben über Herkunft und Lebenslauf von Arminius und Varus
6.2.1 Arminius
6.2.2 Publius Quintilius Varus
6.3 Die heimliche Vorbereitung und die möglichen Hintergründe des Aufstandes
6.4 Die Ereignisse unmittelbar nach der Varusschlacht und die römischen Rachefeldzüge
6.5 Die Abberufung des Germanicus
6.6 Ausblick über die weiteren Entwicklungen der römisch-germanischen Beziehungen
6.7 Die Varusschlacht als historischer Wendepunkt und Arminius als Befreier Germaniens?
7 Die Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht
7.1 Die Wiederentdeckung der antiken Überlieferung im 15./16. Jahrhundert und die Entwicklung des Germanenmythos
7.2 Arminius/Hermann als Befreier „Teutschlands“ im 16. Jahrhundert
7.3 Hermann als Liebesheld und Freiheitskämpfer im 17. Jahrhundert
7.4 Hermann als „guter Barbar“ und Opfer des politischen Systems im 18. Jahrhundert
7.5 Hermann als Vorkämpfer der Freiheit und Vaterlandseiniger im 19. Jahrhundert
7.6 Hermann im 20. und 21. Jahrhundert
8 Die Varusschlacht als politischer Mythos
8.1 Vorbemerkungen
8.2 Die Funktionen und Wirkungen der Varusschlacht als politischem Mythos
8.3 Der Beginn der Mythenbildung: Der Arminius-Dialog des Ulrich von Hutten
8.4 Die Varusschlacht als identitätsstiftendes Ereignis?
9 Schlussbemerkungen
10 Quellen- und Literaturverzeichnis
Die Arbeit untersucht einerseits die historischen Fakten der Varusschlacht auf Basis antiker Quellen und aktueller Forschung, andererseits die Entwicklung und Instrumentalisierung dieses Ereignisses als politischer Mythos vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen historischen Geschehen und der mythischen Überhöhung als "Gründungsakt" der deutschen Nation aufzudecken.
Die Darstellung der Varusschlacht in der antiken Überlieferung
Als sich Varus im Jahr 9 n. Chr. mit der 17., 18., und 19. Legion von der Weser auf den Weg zu den Militärbasen an Lippe oder Rhein machte, hatte er laut Cassius Dio nicht im Geringsten mit einem Aufstand der verbündeten Cherusker gerechnet. Diese hatten ihm berichtet, dass es zu einer „Aufstandsbewegung […] bei den Völkerschaften, die von ihm entfernt wohnten“, gekommen war. Bei dieser Nachricht handelte es sich aber nur um einen „wohlüberlegte[n] Plan“, denn: „Varus sollte gegen diese Unruhestifter zu Felde ziehen und auf dem Marsch durch angeblich befreundetes Gebiet mit geringerer Mühe überwältigt werden, anstatt dass er sich, wie bei einem allgemeinen, plötzlichen Ausbruch von Feindseligkeiten gegen ihn zu erwarten war, besonders in acht nahm.“
Das befreundete Gebiet, das Dio erwähnt, war das Stammesgebiet der Cherusker zwischen Weser und Ems. Der Weg, den die Legionen, Reiter und Hilfstruppen und ihr Tross mit Frauen, Kindern, Sklaven und vielen Wagen dann auf dem Marsch zu dem angeblichen Aufstand nahmen, führte durch Berge und Schluchten und war dicht bewaldet, sodass „die Römer bereits vor dem Überfall mit dem Fällen der Bäume, der Anlage von Wegen und der Überbrückung von Geländeabschnitten, wo solches nötig war, Mühe genug hatten“.
1 Einleitung: Einführung in das historische Ereignis der Varusschlacht und die Forschungsfrage bezüglich der anschließenden Mythenbildung.
2 Die Interpretation der Varusschlacht in der Altertumswissenschaft seit dem 19. Jahrhundert: Darstellung der Entwicklung historischer Sichtweisen auf die Schlacht als Wendepunkt der Geschichte.
3 Der römische Germanen- und Germanienbegriff: Analyse der römischen Ordnungsbegriffe, der germanischen Lebensweise und der Stammesstrukturen.
4 Die antike Überlieferung über die Varusschlacht: Untersuchung der römischen Traditionsbildung und Bewertung der zentralen antiken Quellen.
5 Die politische Ausgangslage vor der Varusschlacht: Erörterung der römischen Eroberungsstrategien und des Status Germaniens als (potenzielle) Provinz.
6 Die Darstellung der Varusschlacht in der antiken Überlieferung: Detaillierte Rekonstruktion des Schlachtverlaufs, der Biografien von Akteuren und der historischen Einordnung.
7 Die Rezeptionsgeschichte der Varusschlacht: Chronologische Darstellung der Wiederentdeckung und künstlerisch-literarischen Verarbeitung der Varusschlacht vom 16. bis zum 21. Jahrhundert.
8 Die Varusschlacht als politischer Mythos: Theoretische Herleitung und Analyse des politischen Mythos als identitätsstiftendes Instrument.
9 Schlussbemerkungen: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich der historischen Realität versus der Mythenbildung.
10 Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Varusschlacht, Arminius, Hermann, Germanien, Römisches Reich, Politische Mythen, Rezeptionsgeschichte, Germanenmythos, Tacitus, Geschichtsschreibung, Nationale Identität, Hermannsdenkmal, Wendepunkt, Publius Quintilius Varus, Humanismus.
Die Arbeit untersucht das historische Ereignis der Varusschlacht und dessen langfristige Umdeutung zum deutschen Gründungsmythos, insbesondere durch die Rezeption antiker Schriften in der Neuzeit.
Im Fokus stehen die römische Germanienpolitik, die antike Quellenlage, die Entwicklung des "Germanenbegriffs" sowie die Instrumentalisierung des Arminiusstoffes für politische Zwecke in den vergangenen 500 Jahren.
Die Autorin geht der Frage nach, ob die Varusschlacht historisch tatsächlich einen "Wendepunkt" darstellte oder ob diese Einordnung primär das Resultat einer über Jahrhunderte gewachsenen mythischen Überhöhung ist.
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf einer fundierten Auswertung zeitgenössischer antiker Überlieferungen und moderner fachwissenschaftlicher Forschungsliteratur basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der antiken Ereignisse sowie eine umfassende rezeptionsgeschichtliche Untersuchung, die von der Wiederentdeckung der Germania des Tacitus im 16. Jahrhundert bis hin zur heutigen musealen Vermarktung in Kalkriese reicht.
Die wichtigsten Begriffe sind: Varusschlacht, Arminius, politischer Mythos, Identitätsstiftung, römische Geschichtsschreibung, Germanenmythos, Rezeptionsgeschichte.
Arminius dient im Mythos als idealisierte Projektionsfläche für deutsche Tugenden wie Freiheitsliebe und militärische Stärke; seine Stilisierung zum "ersten deutschen Freiheitskämpfer" ist dabei maßgeblich durch das Urteil des Tacitus geprägt worden.
Kalkriese verdeutlicht die Problematik einer "musealen Vermarktung" historischer Stätten, da die Verknüpfung archäologischer Funde mit nationalen Identitätskonzepten heute als wissenschaftlich problematisch und historisch überhöht kritisiert wird.
Die Reformation förderte die Popularisierung des Arminiusstoffes, wobei Reformatoren diesen teilweise in den Kontext eines nationalen Stolzes stellten, um sich gegen die päpstliche Vorherrschaft aus Rom abzugrenzen.
Während Varus kurz nach der Schlacht als tragisches Opfer galt, verschlechterte sich sein Bild in der späteren Historiografie durch den Einfluss innerrömischer Machtpolitik und die Notwendigkeit, eine Erklärung für die katastrophale Niederlage zu finden.
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