Masterarbeit, 2010
86 Seiten, Note: 1,8
1 Bestandsaufnahme
2 Hinführung zum Thema
2.1 Leitfragen
2.2 Quellenlage und Forschungsstand
2.3 Strukturierung
3 Popkultur: Probleme einer Definition
4 Das RAF-Logo
4.1 Die Entstehung des RAF-Logos
4.2 Beispiele für die Verwendung des (abgewandelten) RAF-Logos
4.2.1 Wasser Armee Friedrichshain (WAF)
4.2.2 „Ring Deutscher Makler (RDM)“
4.2.3 „Image Fulgurator“
4.2.4 Rote Gourmet Fraktion
4.2.5 „Sylt“
4.2.6 „Radieschen Auf Frischkäse“
4.2.7 „WIZO“
5 Die RAF als Gegenstand in der gegenwärtigen Musikszene
5.1 „RAF“ von WIZO
5.2 „Die Söhne Stammheims“ von Jan Delay
5.3 „Kinderzimmer“ von DAF
6 Mode und Terrorismus
6.1 „Prada Meinhof“ und die Zeitschrift Crash!
6.2 Die Fotostrecke in der Tussi Deluxe und der Max-Artikel
6.3 „Prada Meinhof“ von Maegde und Knechte Elternhaus
6.4 „Prada Meinhof“ als umgangssprachliche Bezeichnung
7 Analyse: Gemeinsame gesellschaftliche Bedeutungsgrundlage?
7.1 Analyse, erster Teil: Die Logos
7.1.1 Der „Image Fulgurator“
7.1.2 Die Rote Gourmet Fraktion
7.1.3 Die Ärzte und ihr Sylt-Logo
7.1.4 Die Wasser Armee Friedrichshain
7.1.5 Die Titanic und der „Ring Deutscher Makler“
7.1.6 Die Dödelhaie und WIZO
7.1.7 Zusammenfassung
7.2 Analyse, zweiter Teil: die Musik
7.2.1 „R.A.F.“ von WIZO
7.2.2 „Die Söhne Stammheims“ von Jan Delay
7.2.3 „Kinderzimmer“ von DAF
7.2.4 Zusammenfassung
7.3 Analyse, dritter Teil: die Mode(-fotografie)
7.3.1 Die Fotostrecke in der Tussi Deluxe und Max
7.3.2 „Prada Meinhof“ von Maegde und Knechte Elternhaus
8 Aufklärung oder Verklärung?
8.1 Die Frage nach dem Alter der handelnden Personen
8.2 „Mythos RAF“?
8.3 Die Art der Verarbeitung von Geschichte in der Popkultur
8.4 Die Voraussetzungen zum Verständnis der Untersuchungsobjekte
9 Fazit
Die Arbeit untersucht die Perzeption und mediale Verarbeitung der Roten Armee Fraktion (RAF) innerhalb der deutschen Popkultur nach deren Selbstauflösung. Der Fokus liegt dabei auf der Frage, ob diese künstlerischen und medialen Bezugnahmen eine Heroisierung oder Verklärung darstellen oder als eigenständige Form der Auseinandersetzung mit der Geschichte zu werten sind.
4.1 Die Entstehung des RAF-Logos
Zum ersten Mal tauchte ein RAF-Logo (siehe Abbildung 1) im April 1971 auf, abgedruckt am Ende eines Textes mit dem Titel „Das Konzept Stadtguerilla“. Die Erstellung des Symbols fällt daher wohl in die Zeit Ende 1970, Anfang 1971 und als Urheber sind Mitglieder der RAF selbst zu vermuten, auch wenn die Personen nicht bekannt sind. Der Begriff „Logo“ wird seit den 1980er Jahren verwendet, als „grafisch-typografisches Kürzel“ zum „Kern einer Corporate Identity“ wurden. Folgt man dem Autor Butz Peters, so könnte vermutlich Holger Meins grundlegende Arbeit für jenes Logo geleistet haben, da „er damals als Einziger in der Gruppe eine graphische Ausbildung besaß und viel zeichnete – er hatte vier Semester Malen und Zeichnen an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste Hamburg studiert“.
Meins habe zudem schon vorher einen Stern mit stilisierter Waffe und Schriftzug entworfen. Ab 1986 benutzte die RAF dann nur noch das Logo in der Form, wie es allgemein geläufig ist (siehe Abbildung 2): Der Stern ist nun rot, davor befindet sich die schwarze Maschinenpistole (Modell „MP5“ von Heckler&Koch) und wieder davor die drei weißen Buchstaben RAF. Angeblich habe Andreas Baader einen Bekannten, den Grafikdesigner Holm von Czettritz, darum gebeten, das bisherige Logo zu überarbeiten. Doch dieser habe abgelehnt: „In seiner Rustikalität hat das eine Originalität, die würde ich nicht verändern. Das muss diesen rauen Ursprungscharakter behalten. Das sag ich dir als Markenartikler.“
1 Bestandsaufnahme: Einführung in die Diskussion über die mediale Instrumentalisierung des RAF-Terrorismus als "Pop-Phänomen" durch Künstler und Mode-Designer.
2 Hinführung zum Thema: Definition der zentralen Fragestellung, der Quellenlage und der methodischen Vorgehensweise der Untersuchung.
3 Popkultur: Probleme einer Definition: Theoretische Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Begriff der Popkultur und dessen Anwendbarkeit auf die untersuchten Phänomene.
4 Das RAF-Logo: Untersuchung der historischen Genese des RAF-Emblems und Analyse ausgewählter Adaptionen durch verschiedene Akteure.
5 Die RAF als Gegenstand in der gegenwärtigen Musikszene: Analyse von Musikstücken (WIZO, Jan Delay, DAF) und deren Umgang mit dem RAF-Thema.
6 Mode und Terrorismus: Betrachtung der Verbindung zwischen Terrorismus-Symbolik und Mode, insbesondere am Beispiel von „Prada Meinhof“.
7 Analyse: Gemeinsame gesellschaftliche Bedeutungsgrundlage?: Synthese der vorangegangenen Fallbeispiele hinsichtlich ihrer Intentionen und Bedeutung.
8 Aufklärung oder Verklärung?: Diskussion darüber, ob die mediale Nutzung der RAF eine Mythologisierung darstellt oder eine Form der Auseinandersetzung erfordert.
9 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die mediale "RAF-Rezeption" vor allem durch ein Verständnis des jeweiligen Kontextes lesbar wird.
Rote Armee Fraktion, RAF, Popkultur, Prada Meinhof, Mythos RAF, Terrorismus, Medienkritik, Logo-Adaption, Stadtguerilla, Musik, Modefotografie, Geschichtsverarbeitung, Zeitgeschichte, Satire, Ideologie.
Die Masterarbeit befasst sich mit der Frage, wie die Rote Armee Fraktion (RAF) nach ihrer Auflösung 1998 in der deutschen Popkultur rezipiert und ästhetisch verarbeitet wird.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Nutzung von RAF-Symbolen (insbesondere das Logo), die Thematisierung der Gruppe in Songtexten der Musikszene sowie die Verwendung des Slogans "Prada Meinhof" im Bereich der Mode.
Die zentrale Frage ist, ob die popkulturelle Verarbeitung der RAF als eine unkritische Heroisierung des Terrorismus oder als eine bewusste, teils satirische Form der historischen Auseinandersetzung zu verstehen ist.
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Methode, bei der Medienberichte, Songtexte und visuelle Quellen (Logos, Modestrecken) vor dem Hintergrund bestehender geschichtswissenschaftlicher und soziologischer Pop-Theorien betrachtet werden.
Der Hauptteil analysiert konkret die Entstehung und Abwandlung des RAF-Logos, interpretiert die Intentionen von Musikern (wie WIZO oder Jan Delay) und hinterfragt die Hintergründe von Fotostrecken und Mode-Aufdrucken im Kontext von Medienkritik.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören RAF-Perzeption, popkulturelle Verarbeitung, Medialisierung des Terrors, Mythosbildung, Enthistorisierung und ästhetische Inszenierung.
Andreas Schiko ist der Urheber der kritisierten "Tussi Deluxe"-Fotostrecke. Seine Aussagen in einem Experteninterview geben direkte Einblicke in die Intentionen der Macher, die oft nicht als Heroisierung, sondern als bewusste Medienkritik verstanden werden wollten.
Das WAF-Logo integriert einen Wassertank auf die Maschinenpistole des Original-RAF-Logos, wodurch die Waffe in eine symbolische Wasserpistole transformiert wird, was den parodistischen Charakter der Gruppe unterstreicht.
Der Begriff wird als Beispiel für die "Domestizierung des Radikalen" angeführt, bei der historische Symbole des Linksterrorismus zu einem modischen "Style-Objekt" entfremdet werden, was von Kritikern oft als geschichtsloses Konsumgut wahrgenommen wird.
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