Diplomarbeit, 2003
103 Seiten, Note: 6 (Bestnote in der CH)
Einleitung
Teil I: Exkurs in die Geschichte
1.1 Geschlechterrollen im Wandel historischer Epochen
1.1.1 Ursprung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
1.1.2 Strukturwandel in der „Institution Familie“
1.1.3 Geschichte geschlechtsspezifischer Bildung und Erziehung > Koedukation
1.1.4 Theorie und Geschichte von Gleichheit und Verschiedenheit
1.1.5 Geschichte der Frauen > „Her-Story“
1.1.6 Persönliches Fazit
Teil II: Theoretische Grundlagen
2.1 Sozialisation aus soziologischer Perspektive
2.1.1 Sozialisationseinflüsse
2.1.2 Sozialisationsphasen
2.1.3 Sozialisation, Lernen und Erziehung
2.1.4 Normen, Erwartungen und soziale Rollen
2.1.5 Biologisches und soziales Geschlecht
2.1.6 Geschlecht: eine alltägliche Erfahrung
2.1.7 Geschlecht als soziale Kategorie
2.1.8 Die Polarisierung der Geschlechter
2.1.9 Persönliche Fazit
2.2 Sozialisation aus psychoanalytischer Perspektive
2.2.1 Psychosexuelle Entwicklung und Geschlechtsidentität
2.2.2 Theorie der Objektbeziehungen
2.2.3 Persönliches Fazit
2.3 Sozialisation aus pädagogischer Perspektive
2.3.1 Die Bildung von Geschlechtscharakteren in der Pädagogik
2.3.2 Die übergangene Geschlechterdifferenz
2.3.3 Pädagogik der Gleichstellung
2.3.4 Androgynitätspädagogik
2.3.5 Persönliches Fazit
Teil III: Gender Studies /Geschlechterforschung
3.1 Geschlechterdifferenz und Differenztheorien
3.1.1 Konstuktivismus-Theorie
3.1.2 Feministischer Dekonstruktivismus
3.1.3 Persönliches Fazit
3.2 Wahrnehmung, Denken und Sprache
3.2.1 „weiblich“ und „männlich“: Wahrnehmung und Denkstrukturen
3.2.2 Sprache: Linguistische Geschlechterforschung
3.2.3 Persönliches Fazit
3.3 Einflüsse der Medien – Mediensozialisation
3.3.1 Das Mädchen- und Jungenbild im Fernsehen
3.3.2 Geschlechtsspezifische Medienpräferenzen
3.3.3 Persönliches Fazit
3.4 Geschlechtsspezifische Sozialisation und Statistik
3.4.1 Physischer und psychischer Gesundheitszustand im Geschlechtervergleich
3.4.2 Sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Knaben
3.4.3 Delinquentes Verhalten im Geschlechtervergleich
3.4.4 Geschlechtsspezifische Unterschiede in Ausbildung und Berufsfindung
3.4.5 Persönliches Fazit
Teil IV: Schlussfolgerung
4.1 Konsequenzen für die (sozial-) pädagogische Praxis
4.1.1 Praxisbeispiele
4.1.2 Thesen
4.1.3 Pädagogische Möglichkeiten und Grenzen als weibliche Sozialpädagogin
4.2 Schlusswort
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen geschlechtsspezifischer Sozialisation und dem Anspruch einer gleichberechtigten Pädagogik. Ziel ist es, die Ursprünge der Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sowie Frauen und Männern zu verstehen und pädagogische Lösungsansätze zu entwickeln, die den individuellen und geschlechtlichen Verschiedenheiten gerecht werden.
1.1.1 Ursprung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung
Wir können davon ausgehen, dass in der frühen Menschheitsgeschichte die Mehrheit der Bevölkerung den ganzen Tag damit beschäftigt war, die notwendigen Lebensmittel zu beschaffen und zu produzieren. Da es noch keine Möglichkeit zur Geburtenkontrolle gab, waren die Frauen - solange sie aufnahmefähig waren - andauernd schwanger oder hatten einen Säugling, der gestillt werden musste.
„Es muss damals ökonomischer und praktischer gewesen sein, dass die Frauen jene Arbeiten übernahmen, die sich mit Schwangerschaft, Geburt und Stillen vereinbaren liessen. Dies waren die Arbeiten, die im Haus und nahe am Haus zu erledigen waren, also die Hausarbeit. Aus eben solchen ökonomischen Gründen mussten wohl die Männer die Arbeit ausser Haus übernehmen. Das war zunächst die Jagd, danach der Feldbau. Da diese Aufgaben gelernt werden mussten, muss es auch ökonomischer gewesen sein, dass nicht alle Kinder für alles ausgebildet wurden, sondern die Mädchen für die Arbeiten im Haus und die Jungen für die Arbeiten ausser Haus. Die Hausarbeit war noch zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Art Wissenschaft gewesen: man musste wissen, wie man Nahrung konserviert, Kleidung herstellt (also spinnen, weben, nähen), u.a.m. Auch die Pflege von Säuglingen ohne Milchpulver, Säuglingskost in Gläsern, Papierwindeln usw. war etwas, was einer Ausbildung bedurfte.“ Gisela Ulmann, in: Über den Umgang mit Kindern. 1987
Einleitung: Die Autorin legt ihre Beweggründe und das methodische Vorgehen für die Diplomarbeit dar, indem sie das Spannungsfeld zwischen Geschlechterrollen und der Notwendigkeit einer gleichberechtigten Pädagogik skizziert.
Teil I: Exkurs in die Geschichte: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Wandel von Geschlechterrollen, die Entwicklung der Institution Familie sowie die Geschichte der Bildung und Erziehung mit dem Ziel, tief verwurzelte Strukturen zu verstehen.
Teil II: Theoretische Grundlagen: Hier werden soziologische, psychoanalytische und pädagogische Perspektiven der Sozialisation dargelegt, um zu hinterfragen, ob geschlechtsspezifische Eigenschaften naturgegeben sind oder konstruiert werden.
Teil III: Gender Studies /Geschlechterforschung: Dieser Teil widmet sich modernen Theorien zur Geschlechterdifferenz, der Konstruktion von Identität durch Sprache und Medien sowie einer statistischen Analyse geschlechtsspezifischer Lebenslagen.
Teil IV: Schlussfolgerung: Die Autorin leitet aus den theoretischen Erkenntnissen Konsequenzen für die pädagogische Praxis ab, formuliert Thesen und reflektiert ihre eigene Rolle als Sozialpädagogin.
Geschlechtsspezifische Sozialisation, gleichberechtigte Pädagogik, Gender Studies, Geschlechterrollen, Pädagogik der Vielfalt, Konstruktivismus, Psychoanalyse, Mediensozialisation, Geschlechterhierarchie, Identitätsbildung, Androgynitätspädagogik, Machtstrukturen, Patriarchat, Erziehungswissenschaft, Selbstwahrnehmung.
Die Arbeit analysiert kritisch das Spannungsfeld zwischen der geschlechtsspezifischen Sozialisation von Kindern und dem pädagogischen Ideal der Gleichberechtigung, unter Einbeziehung historischer, soziologischer und psychologischer Aspekte.
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung von Geschlechterrollen, der theoretischen Verankerung von Geschlechtsidentität (z. B. durch Sozialisation und Medien) sowie den praktischen Auswirkungen auf die (sozial-)pädagogische Arbeit.
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die Entstehung von Geschlechtsidentitäten zu erlangen und Wege zu finden, wie pädagogisches Handeln der individuellen Verschiedenheit von Kindern gerecht werden kann.
Die Arbeit ist als interdisziplinäre Untersuchung angelegt, die Literaturanalyse (Geschichte, Soziologie, Psychoanalyse, Gender Studies) mit persönlichen Praxisreflexionen aus dem sozialpädagogischen Alltag verknüpft.
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte (z. B. Sozialisation, Objektbeziehungstheorie, Konstruktivismus) erarbeitet und anhand von Statistiken und Beispielen aus der Medienwelt auf ihre Relevanz für die pädagogische Praxis geprüft.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Gender", "Sozialisation", "Gleichberechtigung", "Konstruktivismus" und "Pädagogik der Vielfalt" zentral charakterisiert.
Sie sieht die Schule als eine der wichtigsten Sozialisationsinstanzen, die oft unfreiwillig die tradierte geschlechtsspezifische Erziehung fortsetzt, anstatt demokratische Gleichberechtigung aktiv vorzuleben.
Sie plädiert für eine "Pädagogik der Vielfalt", die darauf abzielt, Kindern Selbstachtung und Anerkennung des Anderen zu vermitteln, anstatt sie in starre Geschlechterkategorien zu zwingen.
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