Diplomarbeit, 2003
102 Seiten, Note: 2,0
1 Problemstellung
2 Erziehungs- und sozialisationstheoretische Überlegungen
2.1 Abgrenzung der Begriffe Erziehung und Sozialisation
2.2 Migrationsforschung in der erziehungswissenschaftlichen Forschung
3 Migration in Deutschland
3.1 Geschichtliche Anmerkungen
3.1.1 Europas wandernde Arbeiter
3.1.2 Von fremden Arbeitern zu Migranten
3.2 Migrationsforschung
3.2.1 Individualistische Sichtweise
3.2.2 Systemische Sichtweise
4 Entwurf eines sozioökologischen Modells zur Erfassung von Schulerfolgsdeterminanten in Migrantenschullaufbahnen
4.1 Bronfenbrenners sozioökologisches Modell als Modell bikultureller Entwicklungsprozesse
4.2 Determinanten des Exosystems
4.3 Determinanten des Mesosystems
4.4 Determinanten des Mikrosystems
4.5 Individuelle Schülermerkmale
4.6 Zusammenfassende Interpretation
5 Prozess der Integration unter dem Gesichtspunkt der Zweisprachigkeit und des Bilingualismus
5.1 Begriffsbestimmung
5.2 Selbstkonzept bei ausländischen Heranwachsenden
5.3 Prozess des Zweitspracherwerbs
5.3.1 Spracherwerbsbedingungen im Integrationsprozess unter Berücksichtigung des Selbstkonzeptes
5.3.2 Modelle zweisprachiger Erziehung
5.3.3 Sprachunterricht multinationaler Regelklassen unter Submersions Bedingungen
5.3.4 Motivationsbezogene Aspekte
5.3.5 Auswirkungen der sozialen Kontakte auf den Zweitspracherwerb
5.4 Deutsch als Muttersprache, Zweitsprache oder Fremdsprache
6 Förderungsprogramme zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Integration
6.1 Die Organisation der Sprachförderung
6.2 Staatliche Institutionen
6.2.1 Sprachverband Deutsch e.V.
6.2.2 Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge
6.3 Maßnahmen innerhalb des Schulwesens
6.3.1 Deutsch für Ausländer als Zusatzfach
6.3.2 Unterricht in der Muttersprache als Zusatzfach
6.4 Weitere Förderungsmöglichkeiten
7 Fallanalyse
7.1 Methodische Vorüberlegungen
7.2 Migrationsbiographie
7.3 Schulische Entwicklung in der Heimat und in Deutschland
7.4 Auswirkungen der Determinanten der ökologischen Systeme auf den Schulerfolg der Explorandin
8 Zusammenfassende Interpretation und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Spracherwerbsproblematik als wesentliche Determinante der Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft, wobei der Fokus auf der Identifikation von Einflussfaktoren für den Schulerfolg liegt, um daraus konkrete Handlungsanweisungen für die pädagogische Praxis und Sprachförderung abzuleiten.
3.1.1 Europas wandernde Arbeiter
Der Grund der großräumigen Arbeitsmigration wird oftmals als Folge neuzeitlicher Wirtschaftsentwicklungen verstanden. Durch die Industrialisierung kam es zur Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte und zur Emigration, der Auswanderung in andere Länder. Eine Triebfeder ist dabei die Suche nach besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen. Allein zwischen 1861 und 1929 wanderten dreißig Millionen Menschen, zumeist Europäer, in die USA aus (vgl. CASTLES 1991, S. 132). Durch die spätere nationalsozialistische Kriegswirtschaft wurden weitere zwölf Millionen Menschen als Arbeitskräfte zwangsverschleppt, die meisten davon von Ost nach Westeuropa. Politisch motivierte Migrationsbewegungen folgten in den anschließenden Jahrzehnten: 1956 aus Ungarn, 1968 aus der CSSR, 1981 aus Polen, 1989 aus Rumänien sowie der ehemaligen DDR und seit 1991 kommen Kriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien sowie anderen Kriegsgebieten.
Die staatlich geförderte Arbeitsmigration begann Mitte des 20. Jahrhunderts. Die Industriegebiete im Nordwesten Europas benötigten Arbeitskräfte, um den Wirtschaftsaufschwung vorantreiben zu können. Dieser Bedarf wurde – getreu dem damaligen Motto „Kohle gegen Menschen“ – größtenteils aus Europas bzw. aus dem Südwesten Europas gedeckt. So wurden 1954 italienische und spanische „Gast“- bzw. „Fremdarbeiter“ in belgischen und nordfranzösischen Produktionsbereichen wie Bergbau- und Stahlgebiete eingesetzt, die bei den einheimischen Arbeitern wenig beliebt waren (vgl. VIEHBÖCK/BRATIC 1994, S. 13).
Beide jeweils teilnehmenden Länder profitierten dabei von dieser Art der Kooperation: Das entsendende Land erhoffte sich einen „Export“ von Arbeitslosen und über den Rücktransfer von Devisen eine positive Bilanzierung der Auslandsverschuldung. Für das Aufnahmeland war der „Gastarbeiter“ als „Arbeiter auf Zeit“ ein willkommener Konjunkturpuffer, und den Arbeiter selbst lockten höhere Verdienstmöglichkeiten.
1 Problemstellung: Einleitung in das Thema, welches Migration als dauerhaftes Phänomen betrachtet und die forschungsleitenden Fragen zur Integrationsproblematik formuliert.
2 Erziehungs- und sozialisationstheoretische Überlegungen: Abgrenzung der Begriffe Erziehung und Sozialisation sowie Einordnung der Migrationsforschung in die erziehungswissenschaftliche Forschung.
3 Migration in Deutschland: Historischer Abriss über Wanderungsbewegungen und Erläuterung individualistischer sowie systemischer Sichtweisen der Migrationsforschung.
4 Entwurf eines sozioökologischen Modells zur Erfassung von Schulerfolgsdeterminanten in Migrantenschullaufbahnen: Entwicklung eines theoretischen Modells basierend auf Bronfenbrenner zur Analyse von Faktoren im Exo-, Meso- und Mikrosystem.
5 Prozess der Integration unter dem Gesichtspunkt der Zweisprachigkeit und des Bilingualismus: Untersuchung der Identitätsbildung und des Zweitspracherwerbs als entscheidende Integrationsfaktoren bei Jugendlichen.
6 Förderungsprogramme zur Verbesserung der Rahmenbedingungen der Integration: Darstellung verschiedener Maßnahmen und Institutionen zur Sprachförderung im Kindergarten, in der Schule und in der Erwachsenenbildung.
7 Fallanalyse: Biographische Einzelfallstudie einer Migrantin zur Anwendung der theoretischen Determinanten und Nachvollziehung ihrer schulischen Entwicklung.
8 Zusammenfassende Interpretation und Ausblick: Resümee der Arbeit mit dem Fazit, dass Sprachkompetenz eine Schlüsselvoraussetzung für die Integration ist, aber ein ganzheitlicher, wertorientierter Ansatz notwendig bleibt.
Migration, Integration, Zweisprachigkeit, Bilingualismus, Schulerfolg, Migrantenkinder, Bronfenbrenner, Sozioökologisches Modell, Sprachförderung, Identitätsbildung, Sozialisation, Ausländerpädagogik, Fallanalyse, Fremdsprache, Zweitsprache
Die Arbeit befasst sich mit der Spracherwerbsproblematik als zentralem Faktor für eine gelungene Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft.
Zu den Schwerpunkten zählen die Migrationsforschung, die erziehungswissenschaftliche Betrachtung von Schulerfolgsdeterminanten, der Prozess des Zweitspracherwerbs sowie verschiedene staatliche und schulische Förderungsmodelle.
Das Ziel ist es, die Einflussfaktoren auf den Schulerfolg von Migrantenkindern darzustellen, die Spracherwerbsproblematik als Determinante zu kennzeichnen und existierende Fördermaßnahmen kritisch zu untersuchen, um Handlungsempfehlungen zu generieren.
Die Arbeit kombiniert einen theoretischen Rahmen (basierend auf Bronfenbrenners sozioökologischem Modell) mit einer explorativen biographischen Einzelfallanalyse (Fallanalyse einer Migrantin).
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch das sozioökologische Modell, eine Untersuchung der Zweisprachigkeit und ihrer Auswirkung auf das Selbstkonzept sowie eine Analyse bestehender Förderprogramme.
Die zentralen Schlagworte sind Integration, Migration, Zweisprachigkeit, Schulerfolg und Sozioökologisches Modell.
Sprache wird als entscheidender Schlüssel zur Integration betrachtet, deren Erwerb und Förderung maßgeblich durch die verschiedenen ökologischen Systeme wie Familie, Schule und Freizeitumfeld beeinflusst wird.
Der Autor kritisiert eine mangelnde Abstimmung der Institutionen, eine ineffiziente Mittelverwendung und plädiert für eine koordinierte, frühzeitige Förderung, die auch die Muttersprache der Migranten einbezieht.
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