Bachelorarbeit, 2007
44 Seiten, Note: 1,8
Einleitung
1. Krankheit im Mittelalter
1.1. Sichtweisen von Krankheit im Mittelalter
1.2. Das Fürsorgewesen im mittelalterlichen Abendland
2. Der Umgang mit Lepra im Spiegel der Quellen
2.1. Religiöse Argumentation des Mittelalters
2.2. Medizinische Sicht und Therapie der Lepra
2.3. Reglementierungen
2.3.1. Die Lepraschau
2.3.2. Orte der Absonderung: Die Leprosorien
3. Fazit: Der Lepröse – ausgegrenzt oder umsorgt?
Diese Arbeit untersucht die soziale und rechtliche Stellung von Leprakranken in der mittelalterlichen Stadtgesellschaft des Hoch- und Spätmittelalters. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Lepröse primär als ausgegrenzte Randgruppe behandelt wurden oder ob sie durch das christliche Fürsorgewesen integriert und umsorgt waren.
Die Lepraschau
Eine frühe Erkennung der Krankheit war wichtig, um eine schnelle Trennung von den Gesunden zu gewährleisten und weitere Ansteckung zu verhindern. Im Frühmittelalter wurde der Aussatzverdächtige meist von Priestern – wie im Buch Leviticus vorgesehen – besehen. Ansonsten waren es vermutlich vor allem die Leprösen selbst, die eine Diagnose erstellten, hatten sie doch Erfahrung mit der Krankheit. Seit dem 12. Jahrhundert begann sich allmählich eine organisierte Lepraschau herauszubilden; Leprosenmeister, meist erfahrene Lepröse, führten die Untersuchung an den „Verdächtigen“ durch. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts wurden sie durch Ärzte und Wundärzte ergänzt bzw. ersetzt.
So lässt die vom Mainzer Erzbischof Uriell erlassene Leprosenordnung aus dem Jahre 1512 verlauten, dass die Lepraschau für das Siechenhaus St. Jörgen einen neue Prüfmeister benötige, da kein Doktor der Arznei mehr für die Probe zur Verfügung stände. Da die Schau „in allen landen den armen zu nutz und gutem vergönnt“, unterstütze der Erzbischof sie, auch im Andenken an seinen Vorgänger Erzbischof Bertold, und übergebe sie wieder in Verantwortung des Stadtrates, damit dieser sich um die Anstellung neuer Prüfmeister kümmere. Der Rat solle einen „tugentlichen und verstendigen ProbirMeister“ auswählen, „samb Zweier den geschicktesten auß dem Siechhauß“. Die Sondersiechen hätten bereits einen Prüfmeister, nämlich einen ehemaligen Pfleger des Siechenhauses, gewählt. Sollten die Beschauer einmal Zweifel bei einer Diagnose verspüren, so sollen sie sich an „einen verstendigen Doctor der arzeney uff Unser facultet“ wenden. Hier ist augenscheinlich, welches Kompetenzgerangel es in der freien Stadt Mainz, die gleichzeitig katholischer Bischofssitz war, zwischen den Räten und dem Bischof gegeben haben muss.
Einleitung: Einführung in die Thematik der Lepra als mittelalterliche Seuche sowie Darstellung des Forschungsstandes und der Quellenlage.
1. Krankheit im Mittelalter: Analyse der zeitgenössischen Vorstellungen von Krankheit als Sündenstrafe oder göttliche Prüfung sowie Erläuterung des mittelalterlichen Spitalwesens.
2. Der Umgang mit Lepra im Spiegel der Quellen: Untersuchung der religiösen und medizinischen Begründungen für den Umgang mit Lepra und der Reglementierungen durch Lepraschauen und Leprosorien.
3. Fazit: Der Lepröse – ausgegrenzt oder umsorgt?: Synthese der Ergebnisse, welche die Ambivalenz zwischen Ausgrenzung und christlicher Fürsorge aufzeigt.
Lepra, Mittelalter, Stadtgesellschaft, Leprosorium, Lepraschau, Fürsorgewesen, caritas, Aussatz, Stigmatisierung, Sozialgeschichte, Medizinhistorie, Säftlehre, Hospitalwesen, Randgruppen, christliche Nächstenliebe.
Die Arbeit behandelt die Lebensrealität und den gesellschaftlichen Status von Leprakranken in der mittelalterlichen Stadt des Hoch- und Spätmittelalters.
Die zentralen Themen umfassen die religiösen und medizinischen Deutungen der Krankheit, das städtische Fürsorgewesen und die obrigkeitsstaatlichen Kontrollmaßnahmen wie die Lepraschau.
Die Arbeit fragt, ob Lepröse in der mittelalterlichen Stadt gezielt ausgegrenzt wurden oder ob sie als Teil der christlichen Fürsorgepflicht eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe erfuhren.
Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von Quellenmaterial, insbesondere Leprosenordnungen und zeitgenössische medizinische Traktate, unter Einbeziehung sozialgeschichtlicher Forschungsliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der allgemeinen Krankheitssicht im Mittelalter, der spezifischen religiösen und medizinischen Argumente zur Lepra sowie die konkrete rechtliche und soziale Reglementierung durch Lepraschauen und die Unterbringung in Leprosorien.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Lepra, caritas, Leprosorium, Lepraschau, Stigmatisierung und Sozialgeschichte.
Der Glaube war ambivalent: Einerseits wurde Lepra als Sündenstrafe oder "Kainsmal" betrachtet, andererseits wurde der Lepröse als "leidender Gottesknecht" nach dem Vorbild Hiobs oder des armen Lazarus als Objekt christlicher Barmherzigkeit gesehen.
Das Ergebnis einer Lepraschau entschied über den gesellschaftlichen Status; eine positive Diagnose bedeutete oft das Stigma der rechtlichen "Toten" und die erzwungene Absonderung vom bürgerlichen Leben.
Nein, sie waren zwar Orte der Absonderung, aber auch Institutionen, die den Leprösen eine Grundversorgung, Unterkunft und soziale Kontakte innerhalb der Stadtgesellschaft boten.
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