Masterarbeit, 2026
80 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Theorieteil
2.1 Proxy Warfare
2.1.1 Proxy Warfare als ideologisch geprägter Großmachtkonflikt (Deutsch, 1963)
2.1.2 Erweiterung des Begriffs Proxy Warfare (Mumford, 2013)
2.1.3 Motivlogiken externer Unterstützung (Wiger & Atwell, 2024)
2.1.4 Proxy Warfare im 21. Jahrhundert (Mumford, 2013)
2.2 Surrogate Warfare (Krieg & Rickli, 2019)
2.3 Entwicklung eines eigenen Analyseansatzes
3. Methodik und Datenbasis
3.1 Datengrundlage
3.2 Typisierung der Unterstützungsleistung
3.3 Territoriale Entwicklung und Motivlage
4. Externe Unterstützung und territoriale Entwicklung
4.1 Unterstützerstaaten
4.2 Entwicklung der finanziellen Unterstützungsleistungen
4.3 Entwicklung der humanitären Unterstützungsleistung
4.4 Entwicklung der militärischen Unterstützungsleistung
4.5 Territoriale Entwicklung in der Ukraine
5. Anwendung des Analyseansatzes: Motivlage, Unterstützungsprofile und Konfliktdynamik
5.1 Europäischer Raum
5.2 Nordamerika
5.3 Indopazifischer Raum
6. Fazit
Das primäre Ziel dieser Masterarbeit besteht darin, die Internationalisierung des Russland-Ukraine-Kriegs über vier Kriegsjahre hinweg (Februar 2022 bis Februar 2026) systematisch zu erfassen und theoretisch einzuordnen. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie sich die externe militärische, finanzielle und humanitäre Unterstützung der Ukraine entwickelt hat und inwiefern sich diese Verläufe mit den geäußerten Motivlagen der Geberstaaten sowie den territorialen Veränderungen auf dem Schlachtfeld in Beziehung setzen lassen.
2.2 Surrogate Warfare (Krieg & Rickli, 2019)
Mumford (2013) hat den Begriff Proxy Warfare gegenüber Karl W. Deutschs (1963) bereits erweitert, indem er die Logik nicht mehr aus der Perspektive des Kalten Krieges versteht, die von ideologischen Großmachtkonflikten geprägt war. Stattdessen bezieht Mumford (2013) Proxy Warfare allgemeiner auf eine indirekte Einflussnahme externe Akteure, die den Ausgang eines bestehenden Konfliktes beeinflussen wollen. Krieg und Rickli (2019) entwickeln den Begriff des Surrogate Warfare als übergeordneten Rahmen für verschiedene Formen ausgelagerter Konflikte. Krieg und Rickli (2019) kritisieren die auf dem Verständnis des Kalten Krieges beruhende und zu enge Auslegung des Begriffs Proxy Warfare und knüpfen damit an die bereits von Mumford (2013) geäußerte begriffliche Erweiterung an. (Krieg & Rickli, 2019, S. 5-6).
Proxy Warfare beschreiben Krieg und Rickli (2019) als ein Konzept, das durch den Kalten Krieg geprägt wurde und sich auf den Einsatz menschlicher Surrogates durch einen Staat bezieht. Proxy Warfare folgt dabei der Logik des Kalten Krieges, in der ein staatlicher Geberstaat einen Proxy nutzt, um außenpolitische oder militärische Ziele in einem Konflikt mit einem anderen Staat zu verfolgen (Krieg & Rickli, 2019, S. 5-6). Surrogate Warfare geht über das Verständnis des Proxy Warfare hinaus und wird von Krieg und Rickli (2019) als „holistic conceptual umbrella“ bezeichnet. Damit beschreiben sie einen übergeordneten theoretischen Rahmen, der verschiedene Konzepte wie „Proxy Warfare“, „Compound Warfare“ und „Remote Warfare“ zusammenführt (Krieg & Rickli, 2019, S. 6).
Krieg und Rickli (2019) erklären Surrogate Warfare vor dem Hintergrund veränderter Sicherheitsbedingungen im 21. Jahrhundert. Dabei gerät die wachsende gesellschaftliche Erwartung an den Staat als Sicherheitsgarant durch transnationale Bedrohungen zunehmend unter Druck. Diese Bedrohungen entstehen unter anderem durch nichtstaatliche Akteure, Medienorganisationen und private Sicherheitsfirmen (Krieg & Rickli, 2019, S. 66). Ein Staat soll laut Krieg und Rickli (2019) Sicherheit für die eigene Bevölkerung bereitstellen, wofür klassische staatliche Fähigkeiten nicht mehr ausreichen (Krieg & Rickli, 2019, S. 56). Die moderne Sicherheitspolitik steht dadurch in einem Dilemma zwischen einem gesellschaftlichen Handlungsdruck und Kostenvermeidung. Deswegen müssen Staaten auf Bedrohungen und Risiken reagieren und gleichzeitig auf die politischen oder gesellschaftlichen Kosten achten (Krieg & Rickli, 2019, S. 57).
1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Problemstellung der Internationalisierung des Russland-Ukraine-Krieges ein, skizziert die Zeitenwende in der Sicherheitspolitik und formuliert die zentrale Forschungsfrage sowie den Aufbau der Arbeit.
2. Theorieteil: In diesem Kapitel werden die Konzepte des Proxy Warfare und des Surrogate Warfare von den Grundlagen des Kalten Krieges bis ins 21. Jahrhundert aufgearbeitet, woraus ein eigener dreistufiger Analyseansatz aus Motivlage, Unterstützungsprofil und Konfliktdynamik entwickelt wird.
3. Methodik und Datenbasis: Dieses Kapitel erläutert die Datengrundlage des Ukraine Support Trackers des Kiel Instituts, die Typisierungen der finanziellen, humanitären und militärischen Hilfen sowie die methodische Erfassung territorialer Daten und offizieller Regierungserklärungen.
4. Externe Unterstützung und territoriale Entwicklung: Das Kapitel präsentiert die empirischen Ergebnisse der Unterstützungsleistungen gegliedert nach den Hilfskategorien und den drei Geberregionen sowie den zeitlichen Verlauf der russischen Gebietskontrolle.
5. Anwendung des Analyseansatzes: Motivlage, Unterstützungsprofile und Konfliktdynamik: Hier wird der theoretische Analyseansatz auf den europäischen Raum, Nordamerika und den indopazifischen Raum angewendet, um Diskurse, Hilfsmuster und territoriale Phasen miteinander abzugleichen.
6. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse über die regionalen und zeitlichen Unterschiede der Hilfe zusammen, diskutiert methodische Limitationen und gibt Ausblicke auf künftige Forschungsbedarfe.
Russland-Ukraine-Krieg, Internationalisierung, Proxy Warfare, Surrogate Warfare, Ukraine Support Tracker, Militärhilfe, Finanzhilfen, Humanitäre Hilfe, Motivlagen, Territoriale Kontrolle, Europäische Union, Vereinigte Staaten, Indopazifik, Geopolitik, Zeitenwende
Die Arbeit untersucht die Internationalisierung des Russland-Ukraine-Krieges von Februar 2022 bis Februar 2026 anhand der militärischen, finanziellen und humanitären Hilfsleistungen externer Geberstaaten und setzt diese mit den politischen Motiven der Geber sowie dem Kriegsverlauf in Beziehung.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die theoretische Einordnung moderner Kriegsauslagerung (Proxy und Surrogate Warfare), die quantitative Messung internationaler Unterstützungsströme und den qualitativen Abgleich mit politischen Narrativen und territorialen Geländeveränderungen.
Die zentrale Leitfrage lautet, wie sich die externe militärische, finanzielle und humanitäre Unterstützung der Ukraine über die vier ersten Kriegsjahre entwickelt hat und inwiefern sich diese Verläufe mit den Motivlagen der Staaten und den territorialen Veränderungen verknüpfen lassen.
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen Analyse von 5.566 Dateneinträgen des Ukraine Support Trackers des Kiel Instituts für Weltwirtschaft sowie auf Gebietskontrolldaten von Russia Matters und dem Institute for the Study of War, ergänzt durch qualitative Dokumentenanalysen offizieller Regierungserklärungen.
Der Hauptteil analysiert getrennt nach den Kategorien Finanzhilfe, humanitäre Hilfe und Militärhilfe die Volumina und Subaktivitäten von Geberstaaten aus Europa, Nordamerika und dem indopazifischen Raum und vergleicht diese mit den Phasen ukrainischer und russischer Offensiven.
Prägende Begriffe der Studie sind Proxy Warfare, Surrogate Warfare, Ukraine Support Tracker, Motivlogiken, Alignment, strategisches Sicherheitsinteresse, Konfliktdynamik und territoriale Kontrolle.
Während klassischer Proxy Warfare primär die Auslagerung von Kriegslasten auf menschliche Stellvertreter im Kontext zwischenstaatlicher Rivalitäten meint, dient Surrogate Warfare als umfassenderer Rahmen, der auch technologische Substitute wie Präzisionswaffen, Drohnen, Cyberfähigkeiten und Informationskanäle einbezieht.
Die USA leisteten zwar die absolut höchsten Volumina, stellten ihre erfassten Unterstützungsaktivitäten jedoch nach dem Regierungswechsel zu Donald Trump Anfang 2025 vollständig ein, während Kanada über alle vier Kriegsjahre hinweg kontinuierliche, vor allem auf Krediten basierende Hilfen bereitstellte.
Der indopazifische Raum agiert nicht homogen: Japan stellt fast 98 % der finanziellen Hilfen der Region über Kreditgarantien bereit, Australien fokussiert sich primär auf militärische Lieferungen, Südkorea wandelte seine anfänglich humanitär geprägte Haltung nach der Kooperation Moskaus mit Nordkorea hin zu strategischen Sicherheitsinteressen, und China beschränkte sich auf symbolische humanitäre Hilfen zu Beginn des Krieges.
Nein, die Untersuchung zeigt lediglich punktuelle zeitliche Überlagerungen zwischen bestimmten Hilfspaketen und Frontverläufen, jedoch kein durchgängig lineares Muster, was unter anderem an zeitlichen Verzögerungen zwischen Hilfszusagen und tatsächlicher Auslieferung liegt.
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