Abschlussarbeit, 2022
40 Seiten
1. Einleitung
2. Umweltethische Aspekte der Schöpfungsverantwortung am Beispiel der Genesis-Schöpfungsberichte
2.1. Schöpfungsmythen und deren Auftrag für den Menschen
2.2. Apokalyptische Betrachtung der Schöpfung
3. Generationengerechtigkeit und das Phänomen der Zukunftsangst
3.1. Kampf gegen den Klimawandel unter Corona
3.2. Die politische Generation Z im Vergleich
3.3. Fridays for Future: wissenschaftliche, gebildet, weiblich
3.4. Die gesellschaftliche Unterstützung von Fridays for Future
4. Umweltethik: Ethische Betrachtungsweisen der Nachhaltigkeit
4.1. Hinführung: Arten der Ethik
4.2. Themenfelder der Umweltethik
4.3. Deontologie der Umweltethik
5. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen biblisch fundierter Schöpfungsverantwortung, moderner Umweltethik und dem jugendlichen Klimaaktivismus der Generation Greta. Im Zentrum steht die Leitfrage, inwiefern die Protestbewegung Fridays for Future den traditionellen Herrschafts- und Bewahrungsauftrag aus den Schöpfungsmythen im Kontext moderner Zukunftsängste und Generationengerechtigkeit neu interpretiert und wie sich dieser Aktivismus innerhalb theoretischer Modelle der Umweltethik verorten lässt.
3.3. Fridays for Future: wissenschaftliche, gebildet, weiblich
Teune 2020 benennt den Verhaltenskodex, zu dem man sich bei den Protestaktionen durch eine Fridays for Future Strike Culture (Fridays for Future 2020) verpflichtet habe. Sie besteht aus den Punkten: (vgl. Teune 2020, S. 138)
No violence, No property damage, No littering, No profit, No hate, Minimize your carbon footprint, Always refer to science.
Ebenso zeigt Hurrelmann 2020 auf, dass die Wissenschaftsorientierung ein auffälliges Merkmal der Generation Greta sei: Fridays for Future prägt die junge Generation. Vorgehen und Botschaften dieser Bewegung passen zu den Einstellungen junger Menschen. Greta Thunberg habe eine politische Jugendbewegung losgetreten, doch sie sei keine Ideologin. Sie falle eher durch eine radikale Wissenschaftsorientierung auf. Thunberg und Fridays for Future greifen in ihrer Argumentation fast ausschließlich auf die Ergebnisse der Forschung zum Klimawandel zurück. Sie messen die Politik an ihren eigenen Versprechen, vor allem am internationalen Pariser Klimaschutzabkommen von 2015. (vgl. ebd., S. 231f.)
Die Bewegung stützt sich in ihrem Anliegen auf wissenschaftliche Urteile, diskutiert diese empirisch fundiert: „Die formulierte Absicht der Bewegung, die Rettung des Planeten, erfolgt dabei aus einer zutiefst vernünftigen Haltung, die auch die Politik nicht negieren kann.“ (Neuser 2021, S. 18)
Dies betont auch Leggewie 2021 und vergleicht Friday for Future mit anderen Protestbewegungen: „[…] Dabei darf man die Wucht und Wirkung der Fridays-for-Future-Versammlungen weder über- noch unterschätzen, die mit der Schüler- und Studentenbewegung um 1968 und 1990 einige Gemeinsamkeiten und sehr viele Unterschiede aufweist.“ (Leggewie 2021, S. 212) Der heutige Modus sei eindeutig „follow the science“ (vgl. ebd.) Es handle sich bei der Bewegung, die von Greta Thunberg initiiert wurde, um die Wiedereinsetzung der naturwissenschaftlichen Autorität, ohne dabei ganz auf Gesellschaftskritik zu verzichten. (vgl. ebd.) Ein wesentlicher Unterschied zu früheren Protestbewegungen liege darin, dass das industrielle Wachstumsmodell am Ende sei, auf dem die Umverteilungsvorstellungen und Gerechtigkeitsideale der älteren Protestbewegung noch wesentlich beruhten.
1. Einleitung: Das einleitende Kapitel führt in die Problemstellung ein und skizziert das Anliegen der Arbeit, theologische Schöpfungslehre, jugendlichen Klimaaktivismus und umweltethische Pflichtenmodelle miteinander in Dialog zu bringen.
2. Umweltethische Aspekte der Schöpfungsverantwortung am Beispiel der Genesis-Schöpfungsberichte: Dieses Kapitel widmet sich der sprachlichen und theologischen Exegese des biblischen Herrschaftsauftrags und kontrastiert den Gedanken des Bewahrens der Schöpfung mit gegenwärtigen dystopischen sowie apokalyptischen Zukunftsszenarien renommierter Autoren wie Jonathan Franzen.
3. Generationengerechtigkeit und das Phänomen der Zukunftsangst: Der Abschnitt analysiert die soziologischen Profile der Generation Z, die Entstehungsgeschichte von Fridays for Future, deren Bewährungsprobe während der Pandemie sowie die gesellschaftliche Polarisierung und Akzeptanz des Klimastreiks anhand empirischer Studien.
4. Umweltethik: Ethische Betrachtungsweisen der Nachhaltigkeit: Dieses Kapitel systematisiert zentrale ethische Grundbegriffe, differenziert anthropozentrische von physiozentrischen Konzepten und untersucht den Klimaschutz anhand von Immanuel Kants Pflichtenethik im Rahmen vollkommener und unvollkommener Verpflichtungen.
5. Schluss: Das Fazit resümiert die Aktualität des Schöpfungsauftrags, betont die Notwendigkeit generationenübergreifender Solidarität und plädiert dafür, den Klimaschutz aus ethischer Perspektive von einer unvollkommenen in eine verbindliche Pflicht zu überführen.
Nachhaltigkeit, Generationengerechtigkeit, Generation Greta, Fridays for Future, Schöpfungsverantwortung, Umweltethik, Deontologie, Anthropozentrismus, Physiozentrismus, Klimawandel, Greta Thunberg, Generation Z, unvollkommene Pflichten, Ökozentrismus
Die Arbeit analysiert die Schnittstelle zwischen theologischen Schöpfungsberichten, der soziologischen Dynamik der Fridays-for-Future-Bewegung und den normativen Kategorien der philosophischen Umweltethik vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Klimakrise.
Zu den thematischen Hauptfeldern zählen die theologische Exegese des biblischen Auftrags zur Schöpfungsverantwortung, die Protestkultur und Zusammensetzung der Generation Z sowie die umweltethische Klassifikation von Naturwerten und Pflichten.
Das Ziel besteht darin aufzuzeigen, wie der von Jugendlichen erhobene Anspruch auf Generationengerechtigkeit ethisch begründet ist und warum die Schöpfungsverantwortung im gesellschaftlichen Handeln verbindlicher verankert werden muss.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Theorie- und Literaturarbeit, die theologische Quellentexte, soziologische Jugend- und Einstellungsstudien sowie umweltethische Fachliteratur auswertet und synthetisiert.
Der Hauptteil behandelt die Entstehungsgeschichte und die Kernmerkmale von Fridays for Future unter Pandemiebedingungen, empirische Daten zur gesellschaftlichen Unterstützung sowie umweltethische Denkmodelle vom Utilitarismus bis zur deontologischen Pflichtenlehre.
Prägende Fachbegriffe sind Schöpfungsverantwortung, Generationengerechtigkeit, Deontologie, anthropozentrischer versus physiozentrischer Wertansatz sowie unvollkommene Pflichten.
Die Arbeit betont unter Berufung auf theologische und sprachwissenschaftliche Erkenntnisse, dass Begriffe wie „bebauen und bewahren“ oder das hebräische „kabash“ nicht als Freibrief zur Ausbeutung der Erde zu verstehen sind, sondern als treuhänderische Verantwortung im Sinne einer „Stewardship-Interpretation“.
Aus Sicht der umweltethischen Deontologie wird der Klimaschutz in der breiten Gesellschaft bislang zumeist nur als eine „unvollkommene Pflicht“ begriffen, die Spielräume für unverbindliches Verhalten und Aufschub belässt, anstatt als strikt bindende Handlungsnorm befolgt zu werden.
Studien belegen, dass die Kernaktivisten überdurchschnittlich jung, hochgebildet und weiblich geprägt sind, wobei sich die Bewegung dezidiert auf den wissenschaftlichen Konsens stützt und keine ideologische Sonderstellung für sich fordert.
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