Magisterarbeit, 2010
60 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
II. Methodik
II.1. Ricœurs Kreis der Mimesis
II.2. Grundzüge der theoretischen Erschließung von Erinnerung und Gedächtnis
II.3. Trauma und Literatur
II.4. Gedächtniskonzepte der Literaturwissenschaft
III. Erzählweise und Erinnerung
III.1. Erzähler und Erzählstruktur in Falling Man
III.2. Netherland: Erinnerung als Erzählstrategie
IV. Erinnerung an 9/11
IV.1. Bilder statt Worte
IV.1.1. Wiederkehrende Bilder in Falling Man
IV.1.2. Bildhaftigkeit in Netherland
IV.2. Verarbeitungsstrategien
IV.3. Erinnerungsdiskurse: Verhandlung von kollektiver Erinnerung
V. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den Romanen "Falling Man" von Don DeLillo und "Netherland" von Joseph O'Neill literarisch erinnert und verarbeitet werden. Dabei liegt der Fokus auf der Wechselwirkung zwischen individueller Traumaverarbeitung und der Konstruktion kollektiver Gedächtnisse.
III.1. Erzähler und Erzählstruktur in Falling Man
Zwar werden Erinnerungsprozesse in Netherland wesentlich stärker für die Erzählweise genutzt. Trotzdem sollen an dieser Stelle auch die Erzählsituation und der Erzähler in Falling Man untersucht werden, da diese entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung des Erzählten durch den Leser haben.
Zunächst einmal handelt es sich beim Erzähler in Falling Man um einen heterodiegetischen Erzähler mit wechselnder interner Fokalisierung. Er ist also nicht allwissend, sondern weiß jeweils immer nur so viel wie seine Fokalisierungsinstanz. Diese wechselt regelmäßig zwischen Lianne und Keith, geht aber auch kurzzeitig auf Nebenfiguren über. Dabei hat der Erzähler eine Innensicht auf seine jeweilige Fokalisierungsinstanz und beobachtet nicht nur von außen, wie folgende Passage zeigt: „She heard the buzzer and walked over to the intercom to listen to the doorman‘s announcement. She knew what it was in advance. This would be Martin on the way up, her mother‘s lover“ (FM 16). Die wechselnde Fokalisierung ermöglicht es, nicht nur Einblick in die Erinnerungen einer Figur zu gewähren, sondern die Erinnerungen verschiedener Figuren in Dialog zu setzen und so „Funktionsweisen und Probleme der kollektiven Gedächtnisstiftung [zu] offenbaren“ (Neumann 2005: 168). Allerdings bleiben die konkurrierenden Erinnerungen und Deutungen nebeneinander stehen (siehe vor allem Kapitel IV.3) und sorgen für Streit und Entfremdung (Nina, Martin, Lianne) oder sie werden von einer ungelösten Traumatisierung überschattet (Keith).
Einleitung: Es wird die zentrale Bedeutung des 11. Septembers als kollektives Medienereignis und die Schwierigkeit seiner literarischen Darstellung skizziert.
II. Methodik: Einführung in Paul Ricœurs Mimesis-Kreis und die Anwendung von Traumatheorie sowie Gedächtniskonzepten zur Analyse literarischer Texte.
III. Erzählweise und Erinnerung: Untersuchung der unterschiedlichen Erzählformen in "Falling Man" und "Netherland" und deren Einfluss auf die Erinnerungskonstruktion.
IV. Erinnerung an 9/11: Detaillierte Analyse der bildlichen Darstellung des Traumas, der Verarbeitungsstrategien der Figuren und der Verhandlung von Erinnerungsdiskursen.
V. Fazit und Ausblick: Zusammenfassender Vergleich der Ergebnisse, wobei die unterschiedlichen Formen der Traumaverarbeitung und der Abschluss der Krise hervorgehoben werden.
9/11, Falling Man, Netherland, Trauma, kollektives Gedächtnis, Erinnerung, Identität, Mimesis, Literaturwissenschaft, Don DeLillo, Joseph O'Neill, Narratologie, Terroranschläge, Traumaverarbeitung, Erinnerungskultur
Die Arbeit analysiert die literarische Verarbeitung des 11. Septembers in zwei ausgewählten zeitgenössischen Romanen.
Die Schwerpunkte liegen auf Erinnerungstheorie, Traumatheorie, Identitätsbildung und der Rolle der Literatur für das kollektive Gedächtnis.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie 9/11 in den Romanen erinnert wird und welche Bilder und Deutungen für die Gegenwart entstehen.
Es wird primär ein erinnerungstheoretischer Ansatz gewählt, basierend auf Paul Ricœurs Mimesis-Konzept sowie Ansätzen von Aleida Assmann und Astrid Erll.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Erzählweise, die Untersuchung der bildlichen Repräsentation von 9/11 und die Darstellung von Verarbeitungsstrategien der Protagonisten.
Die wichtigsten Begriffe sind 9/11, Trauma, Mimesis, kollektives Gedächtnis und Identitätskrise.
In "Falling Man" ist 9/11 ein traumatischer Auslöser, der das Verhalten der Figuren direkt bestimmt, während es in "Netherland" eher unterschwellig als Atmosphäre einer posttraumatischen Gesellschaft präsent ist.
Weil 9/11 als nationales Trauma verstanden wird, das die gewohnte Ordnung der Zeit stört und eine sinnstiftende, narrative Verarbeitung durch die Literatur erforderlich macht.
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