Masterarbeit, 2011
103 Seiten
1. Einleitung
2. Gründe für (internationale) Bankenregulierung
3. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht
3.1 Die Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht
3.2 Frühe Arbeitsergebnisse des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht
3.2.1 Baseler Konkordat
3.2.2 Baseler Eigenkapitalvereinbarung (1988)
3.3 Kritiken am Baseler Ausschuss
4. Der Weg zu Basel II
4.1 Die Mängel von Basel I
4.2 Diskussionen im Vorfeld von Basel II
4.2.1 Befürchtungen aus der Finanzwirtschaft
4.2.2 Befürchtungen aus der Realwirtschaft
4.3 Die Umsetzung des Regelwerks Basel II
4.3.1 Qualifizierung vor dem Hintergrund des Völkerrechts
4.3.2 Europäische Union
4.3.3 Deutsche Gesetzgebung
4.3.4 Überblick über die Wirkmechanismen von Basel II
4.3.5 Fazit zur Umsetzung von Basel II
4.4 Heutige Situation und Eintreten der Befürchtungen
4.4.1 Kreditvolumina
4.4.2 Erträge der Banken
4.4.3 Zugang zu Krediten für die Realwirtschaft
4.4.4 Veränderung der Kreditkonditionen
4.5 Zwischenfazit
5. Aktuelle Befürchtungen zu Basel III
5.1 Eintreten der Befürchtungen
5.1.1 Neue Wirkmechanismen unter Basel III
5.1.2 Wahrscheinlichkeit des Eintretens der Befürchtungen
5.2 Rechtliche Einordnung
6. Internationale Diskussion über Basel III
6.1 Amerikanische Sichtweise auf Basel III
6.2 Vorbehalte aus der Europäischen Union
6.3 Deutsche Befürchtungen
6.4 Befürchtete Nichtumsetzung von Basel III in den USA
6.4.1 Mögliche Probleme
6.4.2 Problemlösung
6.4.2.1 Politische Sphären
6.4.2.2 Rechtliche Mittel
6.4.2.3 Wirtschaftliche Dimensionen
7. Zusammenfassung
8. Ausblick
Die Masterarbeit untersucht, ob die Befürchtungen, die im Vorfeld der Einführung von Basel III in Finanz- und Realwirtschaft geäußert wurden, auf einer soliden faktenbasierten Grundlage beruhen oder ob sie als Teil einer politischen Strategie zu verstehen sind. Durch eine historische Analyse der Implementierung von Basel I und Basel II in den deutschen Markt sowie einer Untersuchung der rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Dimensionen wird bewertet, ob Europa durch eine Vorbildfunktion bei der Umsetzung profitiert oder negative volkswirtschaftliche Auswirkungen befürchten muss.
3.2.1 Baseler Konkordat
Als direkter erster Ausfluss der Gründung des Baseler Ausschusses kann das sog. Baseler Konkordat bezeichnet werden, welches sicherstellen soll, „dass keine Auslandsniederlassung einer Bank unbeaufsichtigt bleibt und dass die Aufsicht adäquat ist“. Im 1975 abgefassten Original wird hier etwas ausschweifender, aber inhaltsgleich formuliert: „The Committee is agreed that the basic aim of international co-operation in this field should be to ensure that no foreign banking establishment escapes supervision. […] Furthermore, it is desirable […] that this supervision is adequate.“ Im Grundsatz ist dies eine Folge der schon beschriebenen Herstatt-Krise und des Kollaps der US-amerikanischen Franklin National Bank im Jahr 1974. Diese wickelt ihre Devisengeschäfte auf dem europäischen Markt am Finanzplatz London ab, doch die britische Finanzaufsicht weigert sich damals die von London aus agierenden Niederlassungen von ausländischen Kreditinstituten allein zu überwachen und schließt stattdessen lieber gemeinsame Aufsichts-Abkommen mit den Aufsichtsinstitutionen der jeweiligen Herkunftsländer der Auslandsbanken. Die Befürchtung ist, dass man andernfalls als sog. „Lender of Last Resort“ fungieren, also im Krisenfall für z.B. entstehende Verbindlichkeiten der Franklin National Bank final einstehen müsse.
Das Baseler Konkordat soll also dazu dienen die Zusammenarbeit zwischen den Aufsichtsbehörden der dem Baseler Ausschuss angehörenden Mitglieder zu fördern. Dies alles geschieht vor allem in der Absicht unnötige Überschneidungen („without unnecessary overlapping“) zwischen den Tätigkeitsfeldern der nationalen Aufsichtsbehörden zu vermeiden und trotzdem eine funktionierende Aufsicht auch über ausländische Töchter von Banken zu garantieren. Dabei ist gleichwohl auch eine globale Rolle des Baseler Ausschuss schon zur Gründungszeit angelegt, denn die erste Veröffentlichung enthält ebenfalls eine Passage, nach der der Ausschuss selbst empfiehlt zukünftig die Arbeitsergebnisse mit anderen Ländern zu teilen, vor allem um mit diesen eine Zusammenarbeit zu erreichen („[…] guidelines for co-operation […] should be communicated to other countries with a significant role in international banking, in the hope of obtaining their co-operation too.“).
Inhaltlich kann festgehalten werden, dass durch dieses erste Schriftstück, welches vom Umfang her nur aus fünf Seiten besteht, die sog. Aufsicht nach Heimatlandprinzip vorgeschlagen wird. Die Heimatlandaufsicht ist also primär verantwortlich für alle Bereiche einer Bankengruppe, auch im Ausland. Auf Grund schnell offenkundig werdender Schwächen des Baseler Konkordats werden vermehrt Änderungen durch spätere Schriftstücke vorgenommen (1979, 1983).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die globalisierte Finanzwelt nach der Weltfinanzkrise ein und stellt die zentrale Frage, ob Europa die Anforderungen von Basel III leisten kann und welche politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen daraus resultieren.
2. Gründe für (internationale) Bankenregulierung: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit einer Bankenregulierung und Aufsicht, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten, und hinterfragt, warum Regierungen vermehrt eine internationale Kooperation in diesem Bereich anstreben.
3. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht: Der Abschnitt erläutert Entstehung, Struktur und Rolle des Baseler Ausschusses, der als internationales Gremium zur Bankenaufsicht fungiert, jedoch keinen formellen supranationalen Status besitzt.
4. Der Weg zu Basel II: Hier werden die Mängel des Regelwerks Basel I identifiziert, die Diskussionen im Vorfeld von Basel II beleuchtet und die praktische Umsetzung in der Europäischen Union und in Deutschland, inklusive der Kritik und der tatsächlichen wirtschaftlichen Auswirkungen, untersucht.
5. Aktuelle Befürchtungen zu Basel III: Dieser Teil widmet sich den neuen Anforderungen von Basel III, analysiert die Befürchtungen hinsichtlich Kreditverfügbarkeit und Kapitalanforderungen und stellt diese einer realistischen Einschätzung ihrer Wahrscheinlichkeit gegenüber.
6. Internationale Diskussion über Basel III: Es wird die unterschiedliche Haltung von USA, EU und Deutschland zu Basel III dargelegt und analysiert, welche Probleme eine eventuelle Nichtumsetzung in den USA für die internationale Finanzarchitektur bedeuten könnte.
7. Zusammenfassung: Der abschließende Teil fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und verdeutlicht, dass viele der geäußerten Befürchtungen empirisch nicht haltbar sind, während Herausforderungen bei der internationalen Harmonisierung bestehen bleiben.
8. Ausblick: Der Ausblick thematisiert die Herausforderungen einer grenzüberschreitenden Bankenaufsicht angesichts unterschiedlicher nationaler rechtlicher und kultureller Gegebenheiten und identifiziert zukünftige Regulierungsfelder.
Bankenregulierung, Baseler Ausschuss, Basel I, Basel II, Basel III, Eigenkapitalanforderungen, Bankenaufsicht, Weltfinanzkrise, Kreditklemme, Risikomanagement, Finanzmarktstabilität, Kernkapital, Liquiditätsstandards, Völkerrecht, Finanzwirtschaft
Die Arbeit untersucht kritisch, ob die Befürchtungen der Finanz- und Realwirtschaft bezüglich der Einführung von Basel III berechtigt sind, indem sie die historischen Erfahrungen mit Basel I und II vergleicht.
Die Arbeit fokussiert sich auf Bankenregulierung, die Geschichte und Arbeitsweise des Baseler Ausschusses, die rechtliche Einordnung von Regelwerken sowie deren wirtschaftliche Auswirkungen auf Kreditmärkte und deutsche Unternehmen.
Das Ziel ist zu klären, ob Europa im Wettbewerb der Finanzräume von einer Vorbildfunktion bei der Umsetzung von Basel III profitiert oder ob negative volkswirtschaftliche Effekte, wie beispielsweise ein eingeschränkter Kreditzugang, zu erwarten sind.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Datenmaterial zu Finanzmärkten und Unternehmensgründungen, um Hypothesen zur Regulierungs- und Wirtschaftsentwicklung zu überprüfen.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Entstehung und Mängel von Basel I und II, deren nationale Umsetzung in Deutschland sowie die aktuellen Kontroversen um Basel III und die globale Diskussion.
Zentrale Begriffe sind Bankenregulierung, Basel-Regelwerke, Finanzmarktstabilität, Eigenkapital, Risikomanagement und internationale Aufsicht.
Die Arbeit sieht ein Risiko in der unzureichenden oder verzögerten Umsetzung von Basel III durch die USA, was zu Wettbewerbsverzerrungen und einer Schwächung der globalen Finanzmarktstabilität führen könnte.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Befürchtung einer Kreditklemme empirisch nicht nachweisbar ist; vielmehr hat sich der Kreditzugang verändert, aber nicht im befürchteten Maße verschlechtert.
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