Bachelorarbeit, 2009
101 Seiten, Note: 1,0
1. Das Leben gelingend gestalten – Eine gegenwärtige Perspektive auf die Lebenskunst
2. Lebenskunst in der nachklassischen Antike – Stoische Lebenskunstphilosophie
3. Lebenskunst in der Gegenwart – Konzepte individueller Machbarkeit
4. Stoische und gegenwärtige Lebenskunstkonzepte – Ein Vergleich
5. Lebenskunst und Medium – Gedanken zur Medialität von Lebenskunstkonzepten
6. Selbstgouvernementalisierung und Gelassenheit – Kritische Anmerkungen zur zeitgenössischen Lebenskunst
Die Arbeit untersucht und vergleicht stoische Lebenskunstkonzepte der Antike mit zeitgenössischen Ansätzen der Lebensgestaltung, um deren Medialität und Funktion im Kontext moderner Selbstoptimierung kritisch zu beleuchten.
3. Lebenskunst in der Gegenwart – Konzepte individueller Machbarkeit
Wie anfangen an dieser Stelle, ohne gleich in Allgemeinplätze zu verfallen? Kaum etwas ist schwieriger, als (gut) über die eigene Gegenwart zu schreiben. Sagen wir es so: Es ist ein auffälliges Phänomen unserer Zeit, dass vielerorts das Leben des Menschen als grundsätzlich verbesserungswürdig gilt. Dieser Satz klingt zunächst einmal banal, denn dass etwas, zumal das Leben, jederzeit verbessert werden kann, scheint selbstverständlich und ohnehin immer gültig zu sein. Ich möchte die folgenden Überlegungen zu zeitgenössischen Lebenskunstentwürfen jedoch mit dem Gedanken einleiten, dass eben jene Selbstverständlichkeit bereits Teil eines kulturellen Bewusstseins ist, das gerade nicht alternativlos daherkommt. Denn dass alles immer wieder und weiter optimiert werden kann, ist nicht zwingend die Prämisse einer jeden kulturellen Formation.
Dieter Mersch zufolge orientiert sich die „Kultur unserer Gegenwart […] an einer Kultivierung des Technischen im buchstäblichen Sinne: Techniken der Mobilität, der Lebensbequemlichkeit, der Mediatisierung und Speicherung aller möglichen Daten und Erfahrungen, der Erforschung immer tieferer Bereiche der Natur, um deren Verbesserung willen und um der Erzeugung und Reproduktion weiterer Techniken und aller möglichen Illusionen“84. Geführt wird hier ein Kampf „um ‚Mehr’ und ‚Besser’ und ‚Schneller’ und ‚Öfter’“85. In dieser Beschreibung schwingt freilich bereits eine deutliche Wertung der gegenwärtigen Umstände mit. Den zeitgenössischen Vorhaben, Lebensweisen und Errungenschaften wird eine gewisse Blindheit für das außerhalb jenes Zugangs Mögliche und Bedeutsame unterstellt. Demzufolge verdammt sich die heutige westliche Kultur in ihrer Fokussierung auf die Möglichkeiten zur Optimierung aller erdenklichen Lebensbereiche dazu, sich ständig selbst übertreffen zu müssen. Damit aber verliert sie alternative Lebenshaltungen aus dem Blickfeld und muss stets davon ausgehen, dass die Dinge so, wie sie sind, nie gut genug sein können. Dem entspricht dann auch die Hervorkehrung der „Beschleunigung“ als die „Signatur unseres Zeitalters“.
1. Das Leben gelingend gestalten – Eine gegenwärtige Perspektive auf die Lebenskunst: Die Einleitung etabliert die Fragestellung nach der Konsistenz und Vergleichbarkeit antiker Stoik mit zeitgenössischen Lebensentwürfen.
2. Lebenskunst in der nachklassischen Antike – Stoische Lebenskunstphilosophie: Dieses Kapitel analysiert das stoische Weltbild und die Askese als Mittel zur Erlangung innerer Unerschütterlichkeit.
3. Lebenskunst in der Gegenwart – Konzepte individueller Machbarkeit: Der Autor untersucht den modernen "Quality of Life"-Diskurs und die Tendenz zur ständigen Selbstoptimierung.
4. Stoische und gegenwärtige Lebenskunstkonzepte – Ein Vergleich: Ein direkter Vergleich, der Gemeinsamkeiten in der Suche nach Selbstbeherrschung, aber fundamentale Unterschiede im Ziel des Glücks herausarbeitet.
5. Lebenskunst und Medium – Gedanken zur Medialität von Lebenskunstkonzepten: Eine theoretische Untersuchung darüber, wie Lebenskunstkonzepte als Medien fungieren, um den Zugriff des Menschen auf sein Leben zu vermitteln.
6. Selbstgouvernementalisierung und Gelassenheit – Kritische Anmerkungen zur zeitgenössischen Lebenskunst: Das Fazit kritisiert die modernen Ansätze als Instrumente der Selbstdisziplinierung und reflektiert die Rolle der Gelassenheit.
Lebenskunst, Stoizismus, Selbstoptimierung, Lebensführung, Antike, Gegenwart, Ratgeberliteratur, Medialität, Gelassenheit, Selbstgouvernementalisierung, Autonomie, Macht, Glück, Individuum, Askese.
Die Arbeit analysiert die stoische Lebenskunst der Antike im Vergleich zu heutigen, populären Konzepten der Lebensgestaltung und untersucht, welche Rolle moderne Medien bei der Vermittlung von Glücksversprechen spielen.
Die Schwerpunkte liegen auf der philosophischen Tradition der Lebenskunst, der soziologischen Kritik an modernen Optimierungstechniken und der theoretischen Bestimmung des Medienbegriffs im Kontext der Lebensgestaltung.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der vermeintlich grenzenlosen Machbarkeit des Glücks in der Gegenwart und der antiken stoischen Praxis der "Widerfahrnisbewältigung" aufzudecken.
Der Autor nutzt eine kulturwissenschaftliche und philosophische Analyse, wobei er diskursanalytische Ansätze (insbesondere Foucault) auf Texte der Lebenskunst und der Ratgeberliteratur anwendet.
Der Hauptteil beleuchtet die stoische Lehre, die Psychologie des "Machers" in der modernen Ratgeberliteratur sowie die Medialität, also die Art und Weise, wie Lebenskonzepte vermittelt und verinnerlicht werden.
Wichtige Begriffe sind Selbstgouvernementalisierung, Gelassenheit, Autarkie, Machbarkeit, Medialität und das "starke Selbst".
Die Stoa fordert die Selbstbemächtigung des Einzelnen durch eine radikale Selbstunterwerfung unter die kosmische Natur, was zu einer "Selbstauflösung durch Selbsterhöhung" führt.
Während die Stoa ein ganzheitliches, auf Widerstandsfähigkeit ausgerichtetes Ethos predigt, sind moderne Ansätze primär instrumentell und auf kurzfristige "Lösungen" und Effektivitätssteigerung ausgerichtet.
Medien (wie Bücher, Seminare oder die Sprache selbst) fungieren als Brücke, durch die ein Lebenskunstkonzept überhaupt erst als Konzept existieren und den Menschen anleiten kann.
Der Autor bezweifelt dies, da auch der Ruf nach Gelassenheit in der modernen Welt oft nur als weitere Technik instrumentalisiert wird, um den Einzelnen anpassungsfähig zu halten.
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