Magisterarbeit, 1995
150 Seiten, Note: 1.0
Einleitung
Kapitel 1 Die praktische Philosophie Kants als Hintergrund für Fichtes Religionslehre
1.1 Kants Anspruch an eine Moralphilosophie
1.2 Kants Pflichtbegriff
1.3 Der kategorische Imperativ
1.4 Die Korrelation von Freiheit und Sittlichkeit
1.4.1 Das Faktum der Vernunft
1.4.2 Der Mensch als Bürger zweier Welten: Die Begriffe "intelligibler" und "empirischer" Charakter
1.5 Die Postulatenlehre
1.5.1 Die Konzeption des höchsten Gutes: Ist die Einheit von Tugend und Glückseligkeit möglich?
1.5.2 Die Antinomie der praktischen Vernunft
1.5.3 Die Postulate der Unsterblichkeit der Seele und der Existenz Gottes: Garanten des höchsten Gutes?
1.5.4 Das Postulat der Freiheit
1.5.5 Schlußbetrachtung zur Postulatenlehre
Kapitel 2 Der transzendentale Fragehorizont bei Kant und Fichte
2.1 Kant und Fichte: Die Frage nach der Einheit der Erkenntnis
2.2 Synthesis und Transzendentalphilosophie
2.3 Die "Ding an sich"-Problematik
2.4 Fichtes Entwicklung der Transzendentalphilosophie
2.4.1 Fichte und Spinoza
Kapitel 3 Der transzendentale Aufbau der Religionslehre
3.1 Der Aufstieg zum Absoluten: Die "Anweisung zum seligen Leben" aus der Perspektive der Wissenschaftslehre von 1804
3.2 Das "in sich geschlossene Singulum"
3.3 Die Differenz des Absoluten zum absoluten Wissen: Das Gesetz der Projektion
3.3.1 Der Begriff der absoluten Liebe als höchstes Einheits- und Spaltungsprinzip
3.3.2 Das Gesetz der Reflexion
3.4 Das Schema der Fünffachheit
3.4.1 Der Standpunkt der Sinnlichkeit
3.4.2 Die Stufe der Legalität
3.4.3 Der Standpunkt der Moralität
3.4.4 Der Standpunkt der Religion
3.4.5 Der Standpunkt der Wissenschaft
Kapitel 4 Die Kantischen Postulate aus der Perspektive von Fichtes Religionslehre
4.1 Die Glückseligkeit "jenseits des Grabes": Die Unsterblichkeit der Seele in der Religionslehre
4.2 Freiheit als unerläßliche Bedingung der Sittlichkeit - Kants Freiheitspostulat im Lichte der Anweisung
4.3 "Es ist, außer Gott, gar nichts wahrhaftig"
Schlussbetrachtung
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Kants praktischer Philosophie und Fichtes Religionslehre, insbesondere der Anweisung zum seligen Leben (1806), und hinterfragt, ob Fichtes Kritik an Kant berechtigt ist oder ob strukturelle Gemeinsamkeiten überwiegen.
Die Korrelation von Freiheit und Sittlichkeit
Wie sich gezeigt hat, formuliert Kants handlungstheoretische These einen analytischen Zusammenhang von Freiheit und Moral. Das moralische Gesetz existiert "als die Vorstellung des Gesetzes an sich selbst ... freilich nur im vernünftigen Wesen ... " (GMS; BA15), und nur wenn es von uns erkannt und anerkannt wird, im Sinne der "Achtung für dieses praktische Gesetz", können wir daraus auf unsere Freiheit schließen (ebd.). Deshalb ist das moralische Gesetz als Innengesetzlichkeit im Menschen der Erkenntnisgrund (ratio cognoscendi) der Freiheit, diese aber wiederum der Seinsgrund (ratio essendi) für dieses Gesetz (KpV;5). Das bedeutet, daß die Freiheit ihren Status für uns in der Anerkennung des moralischen Gesetzes gewinnt, aus der wir sie für uns erschließen.
Es bedeutet nicht, daß wir das Sittengesetz als ratio cognoscendi der Freiheit nur kennen müssen, um daraus zu folgern, daß wir frei sind: So weisen also "Freiheit und unbedingtes praktisches Gesetz ... wechselweise auf einander zurück" (KpV;53), indem der Mensch urteilt, "daß er etwas kann, darum weil er sich bewußt ist, daß er es soll, und erkennt in sich die Freiheit, die ihm sonst ohne das moralische Gesetz unbekannt geblieben wäre." (KpV;54)
Ein freies Wesen, das sich von der Vernunft leiten läßt, hat demnach im Sittengesetz, das im kategorischen Sollen seinen Ausdruck findet, ein Motiv, dieses Gesetz zu befolgen.43 Insofern sein Wille kausal aus seiner selbstgesetzgebenden Funktion bestimmt wird, ist der Mensch unabhängig von äußeren Ursachen und handelt autonom und damit frei, denn mit "der Idee der Freiheit ist nun der Begriff der Autonomie unzertrennlich verbunden (GMS;BA108). Wenn Kant diese Verknüpfung von Freiheit und Moral in der Beziehung auf moralische Handlungen aufweist, drängt sich die Frage auf, ob auch unmoralische Handlungen auf die Freiheit des Menschen zurückgeführt werden können. Sind Handlungen frei, obwohl sie der Vernunft widersprechen und deshalb unmoralisch oder nicht erlaubt sind? Kants Freiheitskonzeption impliziert nicht, daß nur Handlungen, die dem Verallgemeinerungsprinzip des Sittengesetzes entsprechen, frei sind.
Die praktische Philosophie Kants als Hintergrund für Fichtes Religionslehre: Dieses Kapitel erläutert Kants Moralphilosophie, insbesondere den Pflichtbegriff, den kategorischen Imperativ und die Postulatenlehre, als Ausgangsbasis für Fichtes spätere Überlegungen.
Der transzendentale Fragehorizont bei Kant und Fichte: Hier wird die transzendentale Methode beider Philosophen verglichen, wobei Fichtes Weiterentwicklung zur Wissenschaftslehre im Vordergrund steht.
Der transzendentale Aufbau der Religionslehre: Dieser Teil analysiert Fichtes Anweisung zum seligen Leben und sein Verständnis des Absoluten als ein "in sich geschlossenes Singulum", welches sich durch Reflexion und Projektion entfaltet.
Die Kantischen Postulate aus der Perspektive von Fichtes Religionslehre: Abschließend werden die Postulate Kants (Unsterblichkeit, Existenz Gottes, Freiheit) kritisch im Lichte der Fichteschen Religionsphilosophie reflektiert.
Kant, Fichte, praktische Philosophie, Moralphilosophie, Postulatenlehre, Freiheit, Sittlichkeit, Wissenschaftslehre, Anweisung zum seligen Leben, kategorischer Imperativ, transzendentaler Idealismus, höchstes Gut, Unsterblichkeit, Gottesbeweis, Autonomie.
Die Arbeit untersucht die philosophische Beziehung zwischen Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte im Hinblick auf deren praktische Philosophie und Religionsauffassung.
Die zentralen Themen umfassen die Moralphilosophie, die transzendentale Freiheit, die Postulatenlehre sowie die Entwicklung von Fichtes Wissenschaftslehre zur Religionsphilosophie.
Das Ziel ist es, Fichtes Kritik an Kants Grundlagen der Moral zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit Fichte über Kant hinausgeht oder wo sich strukturelle Gemeinsamkeiten in ihren Systemen finden lassen.
Die Arbeit verwendet eine textnahe, vergleichende philosophiegeschichtliche Methode, um die Begründungszusammenhänge bei beiden Denkern zu rekonstruieren und zu relativieren.
Im Hauptteil werden Kants praktische Philosophie, der transzendentale Horizont, der Aufbau von Fichtes Religionslehre und die spezifische Bedeutung der Kantischen Postulate in Fichtes System detailliert diskutiert.
Die wichtigsten Begriffe sind Kant, Fichte, Freiheit, Sollen, Sittlichkeit, Postulatenlehre, Wissenschaftslehre und das Absolute.
Die Autorin argumentiert, dass Fichtes Kritik an Kants Pflichtbegriff teilweise auf ähnlichen Missverständnissen beruht wie die von Schiller, und dass sie Kants systematisches Anliegen, eine Autonomie des Willens zu begründen, nicht vollständig erfasst.
Das höchste Gut ist für Kant der Ausgangspunkt der Postulate, da es die Einheit von Tugend und Glückseligkeit postuliert, deren Realisierung nach Kants Auffassung einen intelligiblen Urheber (Gott) und eine Fortdauer der Seele erfordert.
Fichte betrachtet die Postulate als eine "synthesis post factum" und sieht in seinem eigenen Modell des Absoluten als Realgrund das Unbedingte bereits immanent, wodurch die traditionelle Form der Postulatenlehre für ihn hinfällig wird.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

