Examensarbeit, 2008
62 Seiten, Note: 2,0
I. Einleitung
II. Die Intrige
2.1 Intrigenstruktur und Intrigant
2.2 Die Intrige im barocken Trauerspiel des 17. Jahrhunderts
2.3 Die Intrige im bürgerlichen Trauerspiel des 18. Jahrhunderts
III. Der Intrigant im bürgerlichen Trauerspiel
3.1 Intrigante Frauen
3.1.1 Marwood – die Intrigantin par excellence
3.1.2 Orsina – die vernünftige Buhlerin
3.1.3 Lady Milford – die bekehrte Verführerin
3.1.4 Entwicklung der Intrigantinnenfigur
3.2 Männliche Intriganten
3.2.1 Henley –der dämonisierte Intrigant in Perfektion
3.2.2 Marinelli – der hybride Kammerherr
3.2.3 Wurm – der Bürgerliche mit höfischer Raffinesse
3.2.4 Desportes – der Intrigant unter Intriganten
3.2.5 Entwicklung der Intrigantenfigur
IV. Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur des Intriganten in ausgewählten deutschen bürgerlichen Trauerspielen des 18. Jahrhunderts. Das primäre Ziel besteht in der Erstellung einer Typologie, welche die geschlechtsspezifischen Unterschiede, die dramaturgische Funktion der Intrige sowie deren Auswirkungen auf die bürgerliche Familie analysiert.
3.1.1 Marwood – die Intrigantin par excellence
In G. E. Lessings bürgerlichem Trauerspiel „Miß Sara Sampson“ (1755), das als erstes überhaupt in Deutschland gilt, wird die Familie durch die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Sir William Sampson und Sara repräsentiert. Die Mutter ist bei der Geburt Saras verstorben. Obwohl sie dem Landadel angehören, verkörpern Vater und Tochter durch ihre bürgerlichen Wertvorstellungen sowie der auf Empfindung und Vernunft gegründeten Haltung die bürgerliche Familie. Dies wird auch durch den neutralen Schauplatz, ein Gasthof außerhalb der adligen Welt, suggeriert. Die Harmonie der Familie wird erstmals durch den adligen Mellefont gestört, mit dem Sara ohne Wissen des Vaters flüchtet. Der heiratsscheue Verführer spinnt dazu zwar keine Intrige, aber er zögert die in Aussicht gestellte Hochzeit immer wieder hinaus. Aus gesellschaftlicher Sicht hat Sara mit ihrer Flucht ihre Gehorsamspflicht gegenüber der väterlichen Autorität verletzt. Auch das uneheliche Zusammenleben mit ihrem Geliebten in dem Gasthof widerspricht den bürgerlichen Wertvorstellungen.
In dieser Situation greift nun Mellefonts ehemalige Geliebte Marwood in das Geschehen ein. Mit ihrer Verführungsattacke nimmt sie entscheidenden Einfluss auf die Aussöhnung. Obwohl sich ihre Intrige zunächst nur gegen Mellefont richtet, zerstört die unbürgerliche Intrigantin am Ende die Hoffnung auf das Familienglück der ganzen Familie Sampson. Schon bevor sie zum ersten Mal auftritt, erfährt man von Marwood nur Schlechtes. Interessant hierbei ist, dass sie zunächst ausschließlich aus männlicher Perspektive dargestellt wird. Schon im Personenverzeichnis wird deutlich, dass sie nach dem Maßstab der von den männlichen Protagonisten vertretenen bürgerlicher Moral beurteilt wird, da sie als „Mellefonts alte Liebste“ über ihn definiert wird. Norton, der Diener Mellefonts, bezeichnet sie als „böse[] Marwood“ (I,3), Mellefont zählt sie zu den „lasterhafte[n] Weibsbilder[n]“ (ebd.), die er mit „Furie[n]“ und dem „Satan“ (I,9) verbindet. Im weiteren Verlauf wird sie als verführerische und zugleich unheilbringende „Schlange“ (II,3) bezeichnet, die ebenso klug wie gefährlich ist. Ihre Dämonisierung erfolgt immer in Abhängigkeit zur Perfektionierung Saras. Die alternde Marwood als „Schande ihres Geschlechts“ (II,6) wird damit in absolut negativem Kontrast zur jungen, „unschuldigen“ Sara, der „Beste[n] ihres Geschlechts“ (III,3) gesetzt.
I. Einleitung: Die Einleitung stellt das Vorhaben dar, die Figur des Intriganten in deutschen bürgerlichen Trauerspielen des 18. Jahrhunderts anhand ausgewählter Werke zu untersuchen und eine Typologie zu entwerfen.
II. Die Intrige: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Intrigantenbegriffs sowie dessen Entwicklung und dramaturgische Funktion im barocken Trauerspiel des 17. Jahrhunderts.
2.1 Intrigenstruktur und Intrigant: Hier werden die etymologischen Wurzeln und die allgemeinen Strategien des Intriganten, wie Verstellung und Manipulation, definiert.
2.2 Die Intrige im barocken Trauerspiel des 17. Jahrhunderts: Es wird die Rolle des Intriganten als Ratgeber und „böser Geist“ im höfischen Kontext des barocken Dramas analysiert.
2.3 Die Intrige im bürgerlichen Trauerspiel des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beschreibt den Wandel vom höfischen zum privaten Schauplatz und die damit verbundene neue Rolle des Intriganten als Störfaktor der bürgerlichen Familie.
III. Der Intrigant im bürgerlichen Trauerspiel: Der Hauptteil analysiert detailliert weibliche und männliche Intrigantenfiguren in ihrer geschlechtsspezifischen Ausgestaltung.
3.1 Intrigante Frauen: Untersuchung der Darstellung von Frauen als Intrigantinnen und deren moralische Bewertung durch männliche Autoren.
3.1.1 Marwood – die Intrigantin par excellence: Analyse der Figur Marwood aus Lessings „Miss Sara Sampson“ als zerstörerische Gegenspielerin.
3.1.2 Orsina – die vernünftige Buhlerin: Untersuchung der intelligenten, aber affektgesteuerten Gräfin Orsina aus Lessings „Emilia Galotti“.
3.1.3 Lady Milford – die bekehrte Verführerin: Analyse von Lady Milfords Ambivalenz zwischen höfischer Rolle und dem Streben nach bürgerlicher Moral in Schillers „Kabale und Liebe“.
3.1.4 Entwicklung der Intrigantinnenfigur: Zusammenfassende Betrachtung der Entwicklung des Intrigantinnentyps und dessen Abwertung im Verlauf des Jahrhunderts.
3.2 Männliche Intriganten: Untersuchung der Darstellung und Funktion männlicher Intriganten in ausgewählten Trauerspielen.
3.2.1 Henley – der dämonisierte Intrigant in Perfektion: Analyse von Henleys teuflischer Intrige in Brawes „Der Freygeist“.
3.2.2 Marinelli – der hybride Kammerherr: Untersuchung von Marinellis Rolle als machtbewusster Intrigant in „Emilia Galotti“.
3.2.3 Wurm – der Bürgerliche mit höfischer Raffinesse: Analyse der Figur Wurm in „Kabale und Liebe“ und seinem Aufstieg zum Hauptagressor.
3.2.4 Desportes – der Intrigant unter Intriganten: Betrachtung der Rolle von Desportes in Lenz’ „Die Soldaten“.
3.2.5 Entwicklung der Intrigantenfigur: Synthese über die Autonomisierung und zunehmende Komplexität der männlichen Intrigantenrolle.
IV. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und skizziert den Niedergang der Intrigantenfigur sowie das Ende der Gattung des bürgerlichen Trauerspiels.
Intrige, Intrigant, bürgerliches Trauerspiel, Aufklärung, Familienideal, Macht, Manipulation, Geschlechterrollen, Lessing, Schiller, Lenz, Mätresse, Verstellung, Tugend, Bürgertum.
Die Arbeit analysiert die literarische Figur des Intriganten in deutschen bürgerlichen Trauerspielen des 18. Jahrhunderts und deren Wandel in Funktion und Bedeutung.
Zu den Schwerpunkten zählen die Typologie des Intriganten, die geschlechtsspezifische Rollenverteilung, die Spannung zwischen höfischer und bürgerlicher Welt sowie der Einfluss auf das Familienideal.
Das Ziel ist die Erstellung einer Typologie, die aufzeigt, wie sich der Intrigant von einem bloßen Werkzeug höfischer Macht zu einer autonom handelnden Figur entwickelt hat.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von ausgewählten Schlüsseltexten (z. B. Lessing, Schiller, Lenz) und bezieht soziologische Aspekte des Familienbildes zur Zeit der Aufklärung ein.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse weiblicher und männlicher Intriganten, wobei sowohl die spezifischen Motive als auch die dramaturgische Funktion der Charaktere in den Stücken untersucht werden.
Zentrale Begriffe sind Intrige, Intrigant, Aufklärung, bürgerliches Trauerspiel, Macht und Manipulation.
Weibliche Intriganten werden oft als "Intrigantinnen aus Leidenschaft" dargestellt, deren Handeln durch Enttäuschung oder Eifersucht motiviert ist, während Männer zunehmend als autonom agierende Regieinstanzen auftreten.
Die bürgerliche Familie bildet den Schutzraum, der durch den Intriganten als externen Störfaktor aufgebrochen wird, um das Wertesystem der Familie zu zerstören.
Wurm beherrscht sowohl die höfische als auch die bürgerliche Sphäre und kann sich als Sekretär erfolgreich von seinem Auftraggeber emanzipieren, um die Handlung eigenständig zu bestimmen.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

