Magisterarbeit, 2011
105 Seiten, Note: 2,3
1. Vorwort
2. Der Doppelgänger – eine Begriffserklärung
3. Die Schauerromane
3.1 E.T.A. Hoffmann: „Die Elixiere des Teufels“
3.2 Gustav Meyrink: „Der Golem“
3.3 Alfred Kubin: „Die andere Seite“
4. Die Fremdbestimmung
4.1 Der Faden des Lebens
4.2 Die unsichtbare Intelligenz
4.3 Im Bann
5. Das Doppelgängerphänomen
5.1 Im Zeichen des Kreuzes
5.2 Das Spiegelbild der Seele
5.3 „Der Demiurg ist ein Zwitter“
6. Die Todesthematik
6.1 Die Auferstehung im Kunstwerk
6.2 Zwischen Himmel und Erde
6.3 Das Reich des Todes
7. Das weibliche Geschlecht
7.1 Femme fragile vs. Femme fatale
7.2 Der Hermaphrodit
7.3 Die Medusenschönheit
8. Der Individuationsprozess
8.1 Der Duft der Rose
8.2 Die „Seelenschwängerung“
8.3 „Die eine glänzende Sonne“
9. Strukturelle Merkmale
9.1 Das Parergon
9.2 Glatt wie ein Stück Fett
9.3 Der Alptraum
10. Abschließender Vergleich
11. Schlusswort
Die vorliegende Arbeit untersucht Selbstfindungsprozesse gespaltener Persönlichkeiten in den Schauerromanen „Die Elixiere des Teufels“ von E.T.A. Hoffmann, „Der Golem“ von Gustav Meyrink und „Die andere Seite“ von Alfred Kubin. Ziel ist es, die Rolle des Doppelgängers als Spiegelbild oder Hindernis im Individuationsprozess der Protagonisten sowie den Einfluss von Fremdbestimmung, Todesthematik und Geschlechterrollen auf die psychische Entwicklung zu analysieren.
Die unsichtbare Intelligenz
Auch die Menschen im „Golem“ werden von einer mysteriösen Macht beherrscht. Im Prager Ghetto begegnet der Erzähler dem sagenumwobenen Golem. Alle dreiunddreißig Jahre erscheint diese unheimliche Gestalt und versetzt die Menschen in Angst und Schrecken. Als „Geschöpf der Gedankenwelt und Atmosphäre des Ghettos“ besitzt er eine enorme Macht über das Seelenleben der Menschen. Die innere Verbundenheit mit dem düsteren Ghetto betont das „golemhafte“ dieses Geschöpfes und verwandelt den geheimnisvollen Fremden in ein unheimliches und schreckliches Gespenst. Es symbolisiert die tiefsten Seelenschichten der Ghettobewohner, in die er ungefragt eindringt und ein Gefühl der Besessenheit hervorruft (G 52). Diesem darf jedoch nicht zu viel Bedeutung beigemessen werden, denn erst durch sie erhält er die Möglichkeit, eine körperliche Gestalt anzunehmen. Es besteht demnach ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis.
Und wie jener Golem zu einem Lehmbild in derselben Sekunde erstarrte, in der die geheime Silbe des Lebens aus seinem Munde genommen ward, so müßten auch [...] alle diese Menschen entseelt in einem Augenblick zusammenfallen, löschte man irgendeinen winzigen Begriff, ein nebensächliches Streben [...] in ihrem Hirn aus. (G 33)
Verschiedene Vorzeichen kündigen das „Hereinbrechen jenes Phantoms“ (G 52) ins Reich an:
Der abblätternde Bewurf einer alten Mauer nimmt eine Gestalt an, die einem schreitenden Menschen gleicht; und in Eisblumen am Fenster bilden sich Züge starrer Gesichter. Der Sand vom Dache scheint anders zu fallen als sonst und drängt dem argwöhnischen Beobachter den Verdacht auf, eine unsichtbare Intelligenz, die sich lichtscheu verborgen hält, werfe ihn herab und übe sich in heimlichen Versuchen, allerlei seltsame Umrisse hervorzubringen.
1. Vorwort: Einführung in die Thematik der Identitätssuche und Spaltung bei Hoffmann, Meyrink und Kubin.
2. Der Doppelgänger – eine Begriffserklärung: Überblick über literarische Definitionen und die Entwicklung des Doppelgängermotivs.
3. Die Schauerromane: Kurzvorstellung der drei Hauptwerke und ihrer Entstehungskontexte.
4. Die Fremdbestimmung: Analyse der Einflussnahme höherer, oft unheimlicher Mächte auf die Protagonisten.
5. Das Doppelgängerphänomen: Untersuchung der Erscheinungsformen und Wirkungsweisen der Doppelgänger in den Romanen.
6. Die Todesthematik: Erörterung der Rolle des Todes als Erlösung oder Grenze im Selbstfindungsprozess.
7. Das weibliche Geschlecht: Beleuchtung der ambivalente Rolle der Frau als Projektionsfläche oder Gefahrenquelle.
8. Der Individuationsprozess: Betrachtung der bewussten oder unbewussten Entwicklung der Protagonisten hin zu einer höheren Bewusstseinsebene.
9. Strukturelle Merkmale: Analyse der erzählerischen Mittel, wie Rahmen- und Binnenerzählungen sowie die Rolle des Traums.
10. Abschließender Vergleich: Synthese der Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Behandlung der Motive über die drei Werke hinweg.
11. Schlusswort: Zusammenfassende Reflexion über die Zeitlosigkeit und Faszination der Doppelgängerthematik.
Doppelgänger, Schauerroman, E.T.A. Hoffmann, Gustav Meyrink, Alfred Kubin, Identitätssuche, Individuationsprozess, Fremdbestimmung, Phantastik, Unheimliches, Traummotiv, Todesthematik, Besessenheit, Androgynie, Bewusstseinsspaltung
Die Arbeit untersucht, wie Protagonisten in drei zentralen Schauerromanen mit ihrer inneren Spaltung und der Begegnung mit einem "zweiten Ich" umgehen, um ihre wahre Identität zu finden.
Zentral sind die Themen Fremdbestimmung durch Mächte, das Doppelgängerphänomen, der Einfluss weiblicher Figuren, die Todesthematik sowie die strukturelle Verschränkung von Traum und Wirklichkeit.
Das Ziel ist es, die Funktion des Doppelgängers als Begleiter oder Hindernis im Individuationsprozess zu ergründen und aufzuzeigen, wie die Protagonisten eine höhere Bewusstseinsebene anstreben.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die verschiedene Primärtexte in einen Vergleich setzt und durch psychologische sowie kunsthistorische Interpretationsansätze ergänzt.
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Fremdbestimmung, zum Doppelgängerphänomen, der Rolle des weiblichen Geschlechts und der Todesthematik, wobei die drei Romane jeweils anhand dieser Aspekte untersucht werden.
Wichtige Begriffe sind Doppelgänger, Identitätssuche, Individuationsprozess, Phantastik, Unheimliches, Traumdeutung und Besessenheit.
Der Traum dient als zentrales Element, das die Grenze zwischen Realität und Einbildungskraft verschwimmen lässt und die Frage aufwirft, ob die gesamte Handlung des Romans als eine psychische Projektion des Erzählers zu verstehen ist.
Der Golem agiert weniger als psychologischer Doppelgänger im klassischen Sinn, sondern als kollektives, atmosphärisches Phänomen, das die tiefsten, verdrängten Schichten der gesamten Ghettobewohner repräsentiert.
Der Hermaphrodit symbolisiert die Vereinigung von Gegensätzen (männlich/weiblich, gut/böse) und gilt als Erfüllung des Individuationsprozesses, indem er eine Einheit darstellt, die über die irdische Existenz hinausgeht.
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