Bachelorarbeit, 2024
165 Seiten, Note: 1,3
Gender-Erklärung
I. Einleitung
I.1. Problemstellung
I.1.a) Ziele und Herausforderungen der Hilfe
I.1.b) Ökonomische Einflüsse auf das Arbeitsfeld und die Qualität
I.1.c) Fachkräftemangel: Personalstrukturen im Zeichen betriebswirtschaftlicher Zwänge
I.2. Zielsetzung
I.3. Aufbau der Bachelorarbeit
II. Rechtliche Grundlagen stationärer Hilfen zur Erziehung (HzE)
II.1. Heimerziehung als Bestandteil der HzE
II.1.a) HzE (§27 SGB VIII)
II.1.b) Heimerziehung und sonstige betreute Wohnformen (§34 SGB VIII)
II.1.c) Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (§35 SGB VIII) und Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII)
II.1.d) Hilfe für junge Volljährige (§41 SGB VIII)
II.1.e) Mitwirkung, Hilfeplan (§36 SGB VIII)
II.2. Der gesetzliche Rahmen des Leistungsdreiecks
II.2.a) Pflichten öffentlicher Träger
II.2.b) Die Rolle der Leistungserbringenden
II.2.c) Rechtsansprüche für Leistungsempfangende
II.3. Exkurs Arbeitsrecht
II.3.a) Faktorisierte Arbeitszeiten und Bereitschaftsdienste
II.3.b) Arbeitsrechtliche Einflussmöglichkeiten für Sozialarbeitende
III. Theorien und Vorannahmen
III.1. Ökonomisierung
III.1.a) Paradigmenwechsel politischer Zielsetzungen im Sozialstaat
III.1.b) Die Ökonomisierung Sozialer Arbeit in Ostdeutschland
III.1.c) Ökonomische Abhängigkeiten im Leistungsdreieck
III.1.d) Die Effekte auf die sozialpädagogischen Fachkräfte
III.1.d)i. Positive Effekte
III.1.d)ii. Arbeitsverdichtung durch pädagogisch unrelevante Messbarkeitszwänge
III.1.d)iii. Rationalisierungen und der Fachkräftemangel
III.1.d)v. Gesundheitsrisiken und häufige Erkrankungen
III.2. Qualitätsbegriff
III.2.a) Dimensionen des Qualitätsbegriffes
III.2.a)i. Qualität: Betriebswirtschaftslehre vs. Soziale Arbeit
III.2.a)ii. Qualität in den stationären Erziehungshilfen
III.2.b. Qualität am Arbeitsplatz
III.2.c) Kompensationsstrategien für Qualitätssicherung?
III.3. Forschungsfrage
IV. Methodisches Vorgehen
IV.1. Datenerhebung
IV.1.a) Umgang mit Vorwissen und persönlichen Erfahrungen
IV.1.b) Auswahl Erhebungsmethode
IV.1.c) Problemzentriertes, leitfadengestütztes Experteninterview
IV.2. Qualitative Inhaltsanalyse und -auswertung mit „f4analyse“
V. Diskussion der Ergebnisse
V.1. Ergebnisse und Ergebnisdiskussion
V.1.a) Überblick
V.1.b) Die subjektiven Wahrnehmungen des Arbeitsfeldes und intrinsische Qualitätssicherungsanreize
V.1.c) Die Personalsituation als Spiegel der Arbeitsbedingungen durch AG
V.2. Fazit und Ausblick
Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, die Auswirkungen ökonomisch beeinflusster Arbeitsbedingungen auf die Personalsituation in den stationären Erziehungshilfen zu untersuchen und herauszufinden, welche Strategien Fachkräften helfen, die sozialpädagogische Qualität trotz widriger Umstände aufrechtzuerhalten.
I.1. Problemstellung
Die stationären Hilfen zur Erziehung (HzE), hier vor allem die „Heimerziehung oder sonstige betreute Wohnformen“ (§34 SGB VIII) gehören neben der Erziehungsberatung und Sozialpädagogischer Familienhilfe zu den am häufigsten vermittelten Einzelhilfeformen der HzE nach §27 SGB VIII. In 2022 lebten 121.000 junge Menschen in Heimen (Statistisches Bundesamt (DeStatis), a, 2023).
Wie auch allgemein für die HzE festzustellen, ist insbesondere in den für die Fremdunterbringung relevanten Hilfen ein stetig zunehmender Bedarf in der letzten Dekade erkennbar (Siehe Abbildung 1).
Das weite Arbeitsfeld der Heimerziehung soll Kinder- und Jugendliche, welche aus unterschiedlichen Gründen auf eine Unterbringung außerhalb der Herkunftsfamilie angewiesen sind, gemeinsam mit den Personensorgeberechtigten (PerSorgBer) auf eine Rückführung in den Herkunftshaushalt vorbereiten oder wenn dies nicht möglich ist, partizipativ zu einer eigenständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung befähigen, sie dabei sozialpädagogisch professionell begleiten und in familienähnlichen Settings, häufig in sog. dezentralen Wohngruppen (WG) rund um die Uhr betreuen (Jordan et al., 2015, S. 261 ff.).
Die jungen Menschen und ihre PerSorgeBer finden sich dabei als Hilfeempfangende im sogenannten Leistungsdreieck zwischen den Leistungstragenden und Leistungserbringenden wieder. Leistungstragende sind die öffentlichen Trägerschaften durch die örtlich zuständigen Jugendämter (JAmt/ JÄmter) und ihre übergeordneten Landesbehörden. Als Leistungserbringende sind die Trägerschaften der stationären Einrichtungen, w. z. B. dezentrale WG gemeint (Jordan et al., 2015, S. 382 ff.). Begründet wird die Hilfe durch einen Rechtsanspruch der PerSorgBer auf „Hilfen zur Erziehung“ nach §27 SGB VIII mit dem alleinigen Fokus auf den individuellen Hilfebedarfen der jeweiligen Kinder und Jugendlichen, welche sich nicht zuletzt aus den Normierungen der Kinderrechte der UN-Kinderechtskonvention von 1990 (UN-KRK), zu welchen sich auch die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet hat, ergeben.
I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Ökonomisierung in den stationären Erziehungshilfen ein, beleuchtet die Kernproblematik prekärer Arbeitsbedingungen für Fachkräfte und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
II. Rechtliche Grundlagen stationärer Hilfen zur Erziehung (HzE): Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII, die Rechte und Pflichten im Leistungsdreieck sowie arbeitsrechtliche Besonderheiten wie Bereitschaftsdienste und faktorisierte Arbeitszeiten.
III. Theorien und Vorannahmen: Es werden die theoretischen Perspektiven der Ökonomisierung, des Qualitätsbegriffs und der Arbeitsbelastungen beleuchtet, um daraus fundierte Hypothesen und den Forschungsbedarf abzuleiten.
IV. Methodisches Vorgehen: Die Methodik beschreibt die Durchführung und Auswertung leitfadengestützter Experteninterviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach einem hermeneutischen Ansatz.
V. Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der Interviews mit den theoretischen Vorannahmen verglichen, um Rückschlüsse auf die Personalsituation, Qualitätsverluste und Bewältigungsstrategien zu ziehen.
Heimerziehung, Hilfen zur Erziehung, Ökonomisierung, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Sozialpädagogische Qualität, Leistungsdreieck, Arbeitsrecht, Bereitschaftsdienst, Burnout, Qualitätsmanagement, Experteninterview, Kindeswohl, Bewältigungsstrategien
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen ökonomischen Einflüssen, den Arbeitsbedingungen von Fachkräften und der Personalsituation in den stationären Erziehungshilfen in Ostdeutschland.
Im Fokus stehen die Ökonomisierung Sozialer Arbeit, rechtliche Grundlagen nach dem SGB VIII, der Fachkräftemangel, arbeitsrechtliche Regelungen sowie Qualitäts- und Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz.
Es wird analysiert, welche Auswirkungen die aktuellen Arbeitsbedingungen auf die Personalsituation haben und welche Strategien für Fachkräfte nützlich sind, um die sozialpädagogische Qualität aufrechtzuerhalten.
Es wurde ein qualitativ-empirischer Ansatz gewählt, bei dem leitfadengestützte Experteninterviews mit in der Heimerziehung tätigen Fachkräften und Studierenden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Grundlagen der Ökonomisierung, den Dimensionen des Qualitätsbegriffs nach Donabedian, arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen sowie der empirischen Auswertung der Interviews.
Zentrale Keywords sind Heimerziehung, Ökonomisierung, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, sozialpädagogische Qualität, Leistungsdreieck und Burnout.
Gewerbliche Träger in Form von GmbHs oder gGmbHs stehen im Fokus, da bei ihnen der wirtschaftliche Druck und die Gewinnorientierung besonders stark auf Kosten des Personals ausgetragen werden.
Faktorisierte Bereitschaftszeiten führen zu starker physischer und psychischer Belastung durch Schlafentzug, unzureichende Vergütung und das Gefühl mangelnder Wertschätzung durch den Arbeitgeber.
Das Triple-Mandat nach Staub-Bernasconi beschreibt die Verpflichtung von Sozialarbeitenden gegenüber Wissenschaft, Berufskodex und Menschenrechten, was in der Praxis oft zu enormen Loyalitätskonflikten führt.
Wegen anhaltender Überarbeitung und fehlender externer Ressourcen neigen Fachkräfte zu Mehrarbeit über ihre Belastungsgrenze hinaus, zur Absenkung von Ansprüchen oder entwickeln zynische Verhaltensweisen.
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