Diplomarbeit, 2008
91 Seiten, Note: 1
Prolog
I. Psychobiographische Annäherung
1. Die familiale Bildungsgeschichte
1.1. Destruktionswunsch und Verfolgungsangst
1.1.2. Melanie Kleins entwicklungspsychologische Konzeption
1.1.3. Die Fixierung des Fusionswunsches
1.1.4. Der Mythos von der glücklichen Kindheit Trakls
1.2. Die missglückte Lösung des Ödipuskomplexes
1.2.1. Die Desintegration der Triade
1.2.2. Das frühe Schicksal der Triebe und die verzerrte Dynamik des Ödipuskomplexes
1.2.3. Trakls Beziehung zu seiner Schwester Grete
1.3. Schizophrenie und Familie
2. Der abortive Ausgang der Adoleszenzkrise
2.1. Adoleszenz und Gesellschaft
2.1.1. Generationskrise im Expressionismus
2.1.2. Spaltung der Vater-Imago und Trakls Entscheidung für den Dichterberuf
2.1.3. Realselbst und Idealselbst: der Berufsrollenkonflikt
2.2. Trakls Kampf gegen die Dämonen des Blutes
2.2.1. Das Versagen der Triebneutralisierung
2.2.2. Inzestwunsch und Vernichtungsangst
2.2.3. Das Gedicht als Sühne
II. Überführungen
1. Über Phantasie als elementare Domäne poetischer Semiose
2. Die Modellierung der Finsternis
3. Die hintergründig wirksame, vordergründig negierte Perichorese von Realität und Realem des Begehrens
A. Über sekundäre Bearbeitung
B. Die Metamorphose des Signifikanten
4. Vorlauf zur Symptomatik eines enantiotropischen Symbolmodus
5. Stimmen jenseits des Urteils
6. Fortführung des Treidelpfades zu einer Psychologie der Phantasie
6.1. Das Unbewusste, als Grundmatrix der Alalie und als semiotisches System
6.2. Kreativität im Horizont des Modells von Lawrence Kubie
III. Einstellungen
1. Poetische Episteme
1.1. Eine subsidiäre Formel
1.2. Einstellungsgewinde I
1.3. Dialektische Zurichtung von empfindungs- mit gewissheits- verankertem Sprechen und umgekehrt
2. Die Wahrheit des Subjekts
2.1. Zum figuralen Sprechmodus
2.2. Einstellungsgewinde II – psychotropische Andeutungen
2.3. Einstellungsgewinde III – Die Alchemie
3. Dia-Gnosis des poetischen Subjekts
3.1. Poeta propheticus
3.2. Schluss
Die Arbeit untersucht das poetische Subjekt im Werk von Georg Trakl durch eine psychoanalytisch fundierte, hermeneutische Analyse, um die Korrelation zwischen seiner psychischen Verfassung, der Genese seiner Dichtung und dem gesellschaftlichen Kontext seiner Zeit aufzudecken.
1.2.1. Die Desintegration der Triade
Das Familien-Milieu, in dem sich Georg Trakls Persönlichkeit formiert, hauptsächlich bezeichnet durch die (divers bezeugte) emotionale Indifferenz seiner Mutter ihm und den Geschwistern gegenüber sowie einer in der Optik emotiv interaktionellem Getriebes defiziente Allianz zwischen den Eltern und der weitgehenden Abgezogenheit des Vaters zugunsten seiner Geschäftsgebaren, dies Milieu offenbare markante Beziehungsstörungen:
Es ist jedoch nicht damit getan, die schismatische Ehe der Eltern als eine ‚schmerzliche Erfahrung’ des Jungen zu bezeichnen und diese als biographisches Faktum abzubuchen: der Riß in der Elternkoalition definiert ein pathogenes Sozialisationsfeld, wird zu einem wichtigen Moment der verzerrten seelischen Bildungsgeschichte Georg Trakls.
Georg ist drei Jahre alt, als die Gouvernante Marie Boring 1890 zur Erziehung der traklschen Kinder angestellt wird, eine, wie Otto Basil sie in seiner Trakl-Monographie deutlich prädiziert, strenggläubige, fast fanatische Katholikin, deren Missionseifer sowohl zu Differenzen zwischen ihr und den Auftraggebern geführt hätten, als auch Dynamo für den kuriosen Sachverhalt gewesen sei, dass die Traklkinder untereinander französisch gesprochen hätten, hingegen mit den Eltern und Dienstboten deutsch.
I. Psychobiographische Annäherung: Untersucht die frühen familiären Bedingungen, die Ödipus-Problematik und die Adoleszenzkrise als Ursprung für Trakls psychische Disposition.
II. Überführungen: Analysiert Phantasie, Traum und Trakls poetische Sprachverwendung als "Sühne" sowie seine Versuche, der Realität durch eine "psychotropische" Weltanschauung zu begegnen.
III. Einstellungen: Fasst die Ergebnisse in einer philosophisch-poetischen Synthese zusammen, die das poetische Subjekt als Mandatar eines autopoietischen Supranaturalen begreift.
Georg Trakl, Psychoanalyse, Psychobiographie, Ödipuskomplex, Adoleszenzkrise, Phantasie, Traum, Schizophrenie, poetisches Subjekt, Sühne, Symbolbildung, Sprachphilosophie, Dia-Gnosis, Unbewusstes, Literaturtheorie
Die Diplomarbeit widmet sich einer tiefenpsychologischen Untersuchung des Werkes und der Persönlichkeit des Dichters Georg Trakl unter dem Aspekt der "Dia-Gnosis".
Die zentralen Themen sind die frühkindliche Sozialisation, die Übertragung individueller Konflikte auf gesellschaftliche Diskurse sowie die Rolle der Dichtung als psychischer Sühne- und Bewältigungsmechanismus.
Das Ziel ist es, die "Dia-Gnosis" des poetischen Subjekts zu bestimmen und zu verstehen, wie Trakl seine psychische Realität in eine spezifische, poetische Weltanschauung überführt.
Es wird eine hermeneutisch-qualitative Methode angewandt, die primär auf psychoanalytischen Ansätzen (u.a. nach Melanie Klein und Lawrence Kubie) basiert und diese mit literaturwissenschaftlicher Analyse verknüpft.
Der Hauptteil erstreckt sich von einer psychobiographischen Analyse über die theoretische Auseinandersetzung mit "Überführungen" (der Rolle von Phantasie und Traum) bis hin zur Darstellung der "Einstellungen" des Dichters zur Welt und zur Sprache.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Psychobiographie, Inzestwunsch, Schizophrenie-Disposition, poetische Semiose, psychotropische Dichtung und das Bild des Dichters als Prophet.
Die Arbeit arbeitet heraus, dass für Trakl die "Wahrheit des Subjekts" weniger in objektiver Korrektheit liegt, sondern in einer authentischen Offenbarung seiner Existentialität durch den poetischen Akt.
Ihre Beziehung zu Trakl wird als inzestuös und als zentrales Element in der Analyse seiner missglückten ödipalen Entwicklung und seiner Suche nach symbiotischer Nähe verhandelt.
Das Gedicht wird nicht nur als ästhetisches Produkt betrachtet, sondern als ein dem zwangsneurotischen Ritual naher Versuch, unbewusste Schuldgefühle zu besänftigen.
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