Diplomarbeit, 2003
105 Seiten, Note: 1,6
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
1 Einleitung
2 Europa – Traum und Wirklichkeit
2.1 Versuch einer Abgrenzung
2.2 Die Europäische Union als Staatengebilde
2.3 Chancen einer europäischen Identität
3 Eine Identität für Europa
3.1 (Europäische) Identität schaffen
3.2 Identität und Integration
3.2.1 Identität
3.2.2 Integrationstheorien
3.2.3 Integration als Prozess – spezifische Probleme in Europa
4 Öffentlichkeit und Kommunikation
4.1 Der Begriff der Öffentlichkeit
4.2 Die Aufgaben von Öffentlichkeit für eine Demokratie
4.3 Die Funktionalität von Öffentlichkeit
4.4 Kommunikation und Medien
4.5 Wege in eine europäische Öffentlichkeit
4.6 Öffentlichkeit in Europa heute – Probleme und erste Erfolge
5 Medienpolitik in Europa
5.1 Skizzierung
5.2 Kritische Würdigung
5.3 Plädoyer für öffentlich-rechtliche Sender
5.4 Nutzung der Verstärkerfunktion der Medien
5.5 Subventionen für das kulturelle Überleben Europas
6 Die Zukunft einer europäischen Öffentlichkeit
6.1 Öffentlichkeit für Europa – die Utopie einer Arena
6.2 Ausblick/Rahmenbedingungen
7 Fazit: Der Beitrag der Medien zur Europäischen Öffentlichkeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Medien einen Beitrag zur Konstruktion einer europäischen Identität und Öffentlichkeit leisten können, um die langfristige Handlungsfähigkeit und Legitimität der Europäischen Union zu sichern. Dabei wird analysiert, welche Voraussetzungen für eine solche Öffentlichkeit existieren und inwiefern der aktuelle Zustand der Medienlandschaft eine europäische Integration behindert oder fördert.
3.2.3 Integration als Prozess – spezifische Probleme in Europa
Bei der Integration innerhalb der Europäischen Union handelt es sich um eine sehr spezielle Form. Es muss keine von außerhalb kommende Bevölkerungsgruppe in ein bereits bestehendes System integriert werden, sondern die bisher nebeneinander existierenden Systeme müssen vereint werden.
Der Prozess der Integration durchläuft im Normalfall vier Hauptphasen: culture shock, honeymoon phase, crisis period und readjustment period. Nach der ersten Konfrontation mit einer neuen Kultur kommt dementsprechend die Phase, in der alles an jener neuen Kultur fasziniert. Darauf folgt eine persönliche Krise, in der der Betroffene sich ausgeschlossen fühlt, er empfindet die sogenannte personal inadequacy. Beendet wird der Integrationsprozess durch eine Anpassung an die neue Kultur. Neben diesem Prozess der acculturation, den jedweder Einwanderer durchläuft, findet auf Seiten der Gastgeberkultur eine cultural adaption statt; Sitten und Gebräuche der Einwanderer werden übernommen und mischen sich mit der Urkultur des Gastlandes.
Der hier skizzierte Verarbeitungsprozess kann so in Europa nicht stattfinden, weil es sich bei der Europäisierung nicht um den viel zitierten „Sprung ins kalte Wasser“ handelt. Es findet keine Mischung der Kulturen außerhalb des jeweiligen Heimatterritoriums statt; Einwanderer und Gastgeber existieren nicht. Dem Kulturschock wird ein positiver Effekt zugeschrieben: „[C]ulture shock is thought of as a profound learning experience that leads to a high degree of self-awareness and personal growth.” Durch die Tatsache, dass sich das alltägliche Leben des Einzelnen nicht nennenswert verändert, geht der Lerneffekt des Kulturschocks verloren. Das Verlassen des persönlichen kulturellen Hintergrunds wäre für den Lerneffekt der Integration wichtig.
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit einer europäischen Identität für die langfristige Stabilität der EU und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Rolle der Medien in diesem Prozess.
2 Europa – Traum und Wirklichkeit: Dieses Kapitel widmet sich der Schwierigkeit, Europa begrifflich und geografisch abzugrenzen und beleuchtet die EU als Staatengebilde sowie die Chancen einer europäischen Identität.
3 Eine Identität für Europa: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Integration diskutiert und untersucht, wie eine kollektive europäische Identität trotz heterogener nationaler Strukturen entstehen kann.
4 Öffentlichkeit und Kommunikation: Dieses Kapitel analysiert die Konzepte der Öffentlichkeit und Kommunikation als zentrale Voraussetzungen für die Ausbildung eines demokratischen Willens auf europäischer Ebene.
5 Medienpolitik in Europa: Es wird untersucht, wie die EU die Rahmenbedingungen für Medien und Journalismus setzt und warum dies maßgeblich von einer ökonomischen Perspektive geprägt ist.
6 Die Zukunft einer europäischen Öffentlichkeit: Dieser Teil entwirft eine idealtypische Öffentlichkeit für Europa und diskutiert notwendige Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung von Journalismus-Infrastrukturen.
7 Fazit: Der Beitrag der Medien zur Europäischen Öffentlichkeit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Medien zwar keine Identität "herstellen" können, jedoch eine Plattform für den grenzüberschreitenden Diskurs bieten müssen.
Europäische Union, Öffentlichkeit, Medien, Identität, Integration, Kommunikation, Journalismus, Demokratiedefizit, Medienpolitik, Systemtheorie, europäische Integration, Öffentlichkeitsdefizit, Interkulturelle Kommunikation
Die Arbeit analysiert die entscheidende Rolle, die Medien für die Entwicklung einer europäischen Öffentlichkeit und damit für die europäische Integration spielen.
Die Schwerpunkte liegen auf den Konzepten der europäischen Identität, den theoretischen Ansätzen zur Integration, der Funktionsweise von Öffentlichkeit in Demokratien und der Analyse der europäischen Medienpolitik.
Das primäre Ziel ist es zu untersuchen, wie Medien dazu beitragen können, eine europäische Öffentlichkeit als legitimierende Arena für den europäischen Diskurs wahr werden zu lassen.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse, wobei insbesondere systemtheoretische Ansätze und medienwissenschaftliche Konzepte (z. B. Agenda-Setting) herangezogen werden.
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der Integration vor allem die Ebenen der Öffentlichkeit, die Rolle des Journalismus als "vierte Macht" und die Problematik national gefärbter Berichterstattung in Europa untersucht.
Die zentralen Schlagworte sind Europäische Union, Öffentlichkeit, Medien, Identität, Integration sowie europäische Medienpolitik.
Die Verstärkerfunktion nach Joseph T. Klapper wird als Möglichkeit diskutiert, den europäischen Integrationsgedanken gezielt auf die politische Agenda zu setzen, anstatt nur passiv über Ereignisse zu berichten.
Die Autorin kritisiert die Zersplitterung und die starke nationale Ausrichtung der Medien, die oft nur das nationale Interesse bedienen, anstatt einen europaweiten Diskurs zu fördern, was die Bildung einer gemeinsamen Identität erschwert.
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