Bachelorarbeit, 2011
93 Seiten, Note: 1,32
1 Einleitung
2 Übergänge – Transitionen: Theoretische Zugänge
2.1 Betrachtungsweisen und Vorläufer der Konzeption von Übergang
2.2 Bezeichnung Übergang – Begriff Transition
2.3 Zentrale theoretische Grundlagen der Transitionsforschung
2.3.1 Der ökopsychologische Ansatz nach Urie Bronfenbrenner
2.3.2 Das ökopsychologische Modell zur Schulfähigkeit nach Horst Nickel
2.3.3 Das kontextuelle System-Modell
2.3.4 Das Stressmodell von Richard S. Lazarus
2.3.5 Entwicklungspsychologie der Lebensspanne
2.3.6 Modell der kritischen Lebensereignisse nach Sigrun-Heide Filipp
2.4 Das Transitionsmodell – der theoretische Rahmen für die pädagogische Übergangsgestaltung
3 Die Bildungsorte und Akteure der Transition
3.1 Bildungsorte – Historische Entwicklung der Trennung
3.2 Aktuelle Organisation und Struktur der Bildungsorte
3.2.1 Familie als Ort der Bildung
3.2.2 Kindertagesstätte und Grundschule
3.3 Das Bildungsverständnis
3.3.1 Sicht auf Bildung
3.3.2 Bildungsbereiche und Basiskompetenzen
3.4 Die Akteure der Transition
3.4.1 Die Kompetenz des sozialen Systems – Kinderfreundschaften
3.4.2 Die aktiven Akteure: Kinder und Eltern
3.4.3 Die begleitenden Akteure: die pädagogischen Fachkräfte
3.4.4 Exkurs: Gatekeeper
3.4.5 Exkurs: Ehrenamtliche und Honorarkräfte
4 Zusammenhang: Teilhabe und Bildungschancen im Übergangskontext
4.1 Einführung der Begriffe Kapital und Habitus nach Pierre Bourdieu
4.2 Anschlussfähiges Wissen
4.3 Teilhabe, Bildung und Chancen
4.3.1 Recht auf gesellschaftliche Teilhabe – Recht auf Bildung
4.3.2 Mechanismen der Bildungsexklusion
4.3.3 Ungleiche Kindheiten – Studien zu Bildungspraktiken der Familien
4.3.4 Ressourcenunterschiede und Milieus
4.3.5 Milieutypische, familiäre Alltagspraktiken und bildungsrelevanter Habitus
4.3.6 Elemente des familienbezogenen Habitus
5 Konsequenzen für die Übergangsgestaltung
5.1 Weiterer Ausbau der Kindertagesbetreuung
5.2 Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Übergangsgestaltung
5.3 Bestehende Übergangsmodelle in Deutschland
5.3.1 Zentrale Ansatzpunkte der Übergangsbegleitung
5.3.2 Anforderung und Herausforderungen der pädagogischen Akteure
5.3.3 Die Einstellung als Grundvoraussetzung
6 Ausblick
Die vorliegende Bachelor Thesis untersucht, welche Aspekte der Übergangsbegleitung vom Kindergarten in die Grundschule für die Teilhabe und die Bildungschancen von Kindern von entscheidender Bedeutung sind. Dabei wird analysiert, wie strukturelle, pädagogische und soziologische Faktoren diesen Prozess beeinflussen und wie Bildungsbenachteiligung bereits in dieser Phase durch ungleiche Voraussetzungen entstehen kann.
2.3.1 Der ökopsychologische Ansatz nach Urie Bronfenbrenner
Der amerikanische Entwicklungspsychologe Urie Bronfenbrenner versucht in seinem Werk „Die Ökologie der menschlichen Entwicklung“, erschienen im Jahr 1981, die Grundparameter des theoretischen Modells der Systemtheorie zu definieren, welche den Anforderungen dieser sachlichen und systematischen Vorgehensweise genügen, um dieses Modell wissenschaftlich nutzen zu können. Die jeweiligen äußeren Bedingungen – unter denen Kinder aufwachsen, stellt er als zentrales Thema zur Verfügung.
Er bietet eine theoretische Perspektive für die Erforschung menschlicher Entwicklung an und beschreibt als Ausgangspunkt eine in ihrer Entwicklung begriffene Person, die jeweils in Bezug zu ihrer Umwelt zu sehen ist, und die entstehende Wechselwirkung zwischen beiden. Entwicklung wird dabei definiert als eine ständige und anhaltende Veränderung der Art und Weise, wie das Individuum die Umwelt beobachtet, wahrnimmt und sich mit ihr auseinandersetzt (vgl. Bronfenbrenner 1981). Den Begriff der Umwelt beschreibt er mit „ineinandergeschachtelten“ Systemen, die sich in drei Ebenen aufteilen lassen (ebda., S. 20).
Urie Bronfenbrenner macht in diesem Zusammenhang auf Forschungsergebnisse aufmerksam, die belegen, dass beispielsweise strukturelle, organisatorische Veränderungen in Entbindungsstationen die Beziehungen zwischen Neugeborenen und ihren Müttern beeinflussen und nach einigen Jahren noch Auswirkungen zu erkennen sind. Transformiert man die Erkenntnisse seiner Theorie auf den Übergang von der Kindetagesstätte in die Schule (zwei Systeme), so führt eine gelingende Gestaltung des Übergangs zu möglichen „Strukturveränderungen der Lebensbereiche in der Gesellschaft und zu entsprechenden Folgen für das Verhalten und die Entwicklung“ des sich im Übergang befindenden Menschen ( ebda., S. 21). In der ersten Ebene wird die Familie nach Bronfenbrenner als soziale Gruppierung – als Mikrosystem – angesehen und die jeweiligen Familienmitglieder, also auch das zukünftige Schulkind, bilden die „Elemente“ besagten Systems. Jedes beteiligte „familiale Element“ ist Teil des verflochtenen Systems, verbunden durch Interaktionen, Beziehungen und Verhalten der einzelnen Familienmitglieder.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Übergangs von der Kindertagesstätte in die Schule ein und stellt die Forschungsfrage nach den für Teilhabe und Bildungschancen relevanten Aspekten.
2 Übergänge – Transitionen: Theoretische Zugänge: Dieses Kapitel erläutert die wichtigsten theoretischen Ansätze der Transitionsforschung, wie das ökopsychologische Modell und Stresstheorien, um den Übergangsprozess wissenschaftlich zu fundieren.
3 Die Bildungsorte und Akteure der Transition: Hier werden die Institutionen Kindergarten und Schule sowie deren Akteure und das zugrunde liegende Bildungsverständnis analysiert, um die strukturelle Trennung und die Bedeutung von Kooperation zu beleuchten.
4 Zusammenhang: Teilhabe und Bildungschancen im Übergangskontext: In diesem Kapitel erfolgt eine tiefgehende Analyse von Bildungsungleichheit unter Verwendung der Begriffe Kapital und Habitus nach Pierre Bourdieu sowie aktueller empirischer Studien.
5 Konsequenzen für die Übergangsgestaltung: Abschließend werden Handlungsempfehlungen, bestehende Modelle sowie die notwendige "professionelle pädagogische Einstellung" als Basis für eine gelingende Übergangsgestaltung vorgestellt.
6 Ausblick: Der Ausblick resümiert die theoretischen Erkenntnisse und verdeutlicht anhand eines fiktiven Beispiels die Bedeutung von Ressourcen und individueller Begleitung.
Übergang, Transition, Bildungschancen, Teilhabe, Kindertagesstätte, Grundschule, Kapital, Habitus, Pädagogische Fachkräfte, Bildungsgerechtigkeit, Familiärer Hintergrund, Schulfähigkeit, Professionalisierung, Bildungsbenachteiligung, Sozialkapital
Die Arbeit untersucht den institutionellen Übergang von Kindern von der Kindertagesstätte in die Grundschule und analysiert, welche Faktoren dabei maßgeblich für die Bildungschancen und die Teilhabe der Kinder sind.
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen von Transitionen, die Rolle der unterschiedlichen Bildungsorte, der Einfluss des familiären Kapitals und Habitus sowie die Anforderungen an das pädagogische Fachpersonal im Übergangskontext.
Das Ziel ist es, herauszufinden, welche Aspekte der Übergangsbegleitung für Teilhabe und Bildungschancen bedeutsam sind und wo Mechanismen der Bildungsbenachteiligung im Übergangskontext entstehen.
Die Autorin stützt sich maßgeblich auf die ökosystemische Theorie von Urie Bronfenbrenner, das Stressmodell von Richard S. Lazarus, die Theorie der kritischen Lebensereignisse von Sigrun-Heide Filipp sowie die Kapitalsorten- und Habitustheorie von Pierre Bourdieu.
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Bildungsorte, der Identifikation von Akteuren (Kinder, Eltern, Fachkräfte), den Ursachen von Bildungsungleichheit sowie der Diskussion pädagogischer Handlungsempfehlungen und Konzepte zur Übergangsgestaltung.
Die wichtigsten Begriffe sind Übergang, Transition, Kapital, Habitus, Bildungschancen, Bildungsbenachteiligung und professionelle pädagogische Einstellung.
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, dass Bildungsexklusion nicht nur durch formale, organisatorische Zuweisungen (hart) erfolgt, sondern maßgeblich auch durch pädagogische Kultur und habituelle Prägungen (weich) beeinflusst wird.
Pädagogische Fachkräfte agieren als Gatekeeper, da sie in einer Machtposition über die "Weichenstellung" im Bildungsweg entscheiden; eine unreflektierte Nutzung dieser Rolle kann herkunftsabhängige Selektion verstärken.
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