Bachelorarbeit, 2017
46 Seiten, Note: 2.0
1. Einleitung
2. Die Ursprünge des Hume’s Law
2.1 Humes Ablehnung eines auf dem Verstand beruhenden Moralsystems in „A Treatise of Human Nature“
2.2 Mögliche Inkonsistenzen in der Moralphilosophie David Humes
3. John Searles Versuch eines Gegenbeispiels
3.1 Einwände gegen Searles Gegenbeispiel
3.2 Die „ceteris paribus“ Bedingung
3.3 Die Reaktion John Leslie Mackies
4. Semantische Fragen
4.1 Der logische Status von „ist“ und „soll“
4.2 „Versprechen“ und „Verpflichtung“
4.3 „Institutional Facts“
5. Erklärungsversuche für die unterschiedlichen Ansichten
5.1 Was ist der Konflikt zum „Hume’s Law“?
5.2 Eine Frage von Kognitivismus oder Nonkognitivismus?
6. Offene Fragen
7. Fazit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Kritik an David Humes Moralphilosophie – insbesondere in Bezug auf das sogenannte „Hume’s Law“ (das Verbot, von rein deskriptiven Ist-Aussagen auf normative Soll-Aussagen zu schließen) – kritisch zu untersuchen und dabei zentrale Gegenentwürfe, wie die Sprechakt- und Institutionalismustheorie von John R. Searle sowie die Replik von John Leslie Mackie, auf ihre Stichhaltigkeit und logische Konsistenz zu prüfen.
Einleitung
Das sogenannte „Hume’s Law“, oder auch Is-Ought-Problem, beschreibt die Problematik, moralisch gültige Urteile aus nur Fakten enthaltenden Aussagen zu treffen. Die ursprüngliche Formulierung, auf die alle späteren Kritiken zurückgehen, findet sich in: „A Treatise of Human Nature“:
„In every system of morality, which I have hitherto met with, I have always remark’d, that the author proceeds for some time in the ordinary way of reasoning, and establishes the being of a God, or makes observations concerning human affairs; when of a sudden I am surpriz’d to find, that instead of the usual copulations of propositions, is, and is not, I meet with no proposition that is not connected with an ought, or an ought not. This change is imperceptible; but is, however, of the last consequence. For as this ought, or ought not, expresses some new relation or affirmation, ’tis necessary that it shou’d be observ’d and explain’d; and at the same time that a reason shou’d be given, for what seems altogether inconceivable, how this new relation can be a deduction from others, which are entirely different from it. But as authors do not commonly use this precaution, I shall presume to recommend it to the reader; and am persuaded, that this small attention wou’d subvert all the vulgar systems of morality, and let us see, that the distinction of vice and virtue is not founded merely on the relations of objects, nor is perceiv’d by reason.“
Die Kritik an Hume’s Law hat zwei Aspekte, zum einen den gegen die ursprüngliche Fassung von Hume selbst gerichteten, zum anderen gegen ihre populäre Rezeption, die viele als fehlerhaft erkannt zu haben glauben. Beide sollen im Folgenden behandelt werden, maßgeblich ist hierbei, mit welcher Variante sich der gerade besprochene Autor befasst.
Viele Autoren haben sich Gedanken über die Interpretation der genannten Passage in der Treatise und eine Erwiderung auf sie gemacht. Von ihnen können im Rahmen dieser Arbeit nur einige streiflichtartig behandelt werden. Von den anderen Autoren, die hier nicht behandelt werden, zu erwähnen sind die Arbeiten von Nowell-Smith, Hare und Prior, die das „Hume’s Law“ im Kern für gültig erachten. Auch Karl Popper lässt sich diesem Lager zuordnen.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das sogenannte „Hume’s Law“ und die Problematik des Übergangs von Ist- zu Soll-Aussagen ein, umreißt die zwei Hauptstränge der Kritik und skizziert den Aufbau der Arbeit.
2. Die Ursprünge des Hume’s Law: Dieses Kapitel rekonstruiert Humes Ablehnung verstandesbasierter Moralsysteme in „A Treatise of Human Nature“ und geht potenziellen Inkonsistenzen in seiner Moralphilosophie nach.
3. John Searles Versuch eines Gegenbeispiels: Es wird Searles berühmter Versuch analysiert, anhand von Sprechakten und der Fünf-Schritte-Deduktion den logischen Sprung vom Sein zum Soll zu vollziehen, gefolgt von der Diskussion spezifischer Einwände und Bedingungen.
4. Semantische Fragen: Hier werden der logische Status von „ist“ und „soll“, sprachliche Nuancen bei Versprechen und Verpflichtungen sowie die Natur „institutioneller Fakten“ tiefgehend untersucht.
5. Erklärungsversuche für die unterschiedlichen Ansichten: Dieses Kapitel beleuchtet den genauen Kernkonflikt zum Hume’s Law und stellt Überlegungen an, inwiefern kognitivistische und nonkognitivistische Positionen berührt werden.
6. Offene Fragen: Es werden verbleibende Unklarheiten, verdeckte Prämissen und Grenzen der besprochenen Lösungsansätze kritisch reflektiert.
7. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bewertet den Erfolg von Searles und Mackies Versuchen, das Is-Ought-Problem zu überwinden.
Hume’s Law, Is-Ought-Problem, David Hume, John R. Searle, John Leslie Mackie, Moralphilosophie, Sprechakttheorie, institutionelle Fakten, deskriptiv, evaluativ, Kognitivismus, Nonkognitivismus, Ethik, Philosophie.
Die Arbeit befasst sich mit der philosophischen Kritik an David Humes Moralphilosophie, insbesondere mit dem sogenannten „Hume’s Law“ und der Frage, ob logische Schlüsse von rein deskriptiven Tatsachen auf normative Soll-Aussagen zulässig sind.
Zentrale Themenfelder sind die Analyse von Humes Texten, John Searles Sprechakt-basiertes Gegenbeispiel, die Rolle institutioneller Fakten, semantische Analysen von Sprachmustern sowie die Gegenüberstellung von kognitivistischen und nonkognitivistischen Metaethiken.
Das Ziel ist herauszufinden, ob die Versuche von Philosophen wie John R. Searle und John Leslie Mackie gelungen sind, die Widerlegung des Hume’s Law zu rechtfertigen und logische Brücken zwischen „Sein“ und „Soll“ zu schlagen.
Es handelt sich um eine textanalytische, philosophiehistorische und sprachanalytische Untersuchung, bei der primäre Textquellen (insbesondere Humes „Treatise“ und Searles „Speech Acts“) sowie sekundäre Fachliteratur kritisch rezipiert und logisch dekonstruiert werden.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Betrachtung von Searles Gegenbeispiel, den Einwänden gegen dasselbe, der Bedeutung der ceteris-paribus-Bedingung, den sprachlichen Nuancen von Versprechen sowie den Repliksuchenden Beiträgen von Mackie.
Hume’s Law, Is-Ought-Problem, John R. Searle, institutionelle Fakten, Sprechakttheorie, Kognitivismus und Moralphilosophie.
Searle argumentiert über den institutionellen Kontext von Sprachhandlungen: Wer ein Versprechen abgibt, begibt sich in ein Regelsystem, in dem die Verpflichtung, das Versprechen einzuhalten, begrifflich bereits enthalten ist, wodurch ein logischer Übergang vom Ist zum Soll möglich werden soll.
Mackie wirft Searle vor, externe Fragen (die Rechtfertigung der Institution selbst) mit internen Fragen (Regelbefolgung innerhalb der Institution) zu vermischen und den Begriff des Versprechens fälschlicherweise als rein deskriptiv zu behandeln.
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