Masterarbeit, 2010
177 Seiten, Note: 5,5
Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg
1. Einleitung
1.1 Erkenntnisleitende Fragestellung
1.2 Methodische Vorgehensweise
1.3 Forschungsstand
1.3.1 Projekt Referenzrahmen
1.3.2 Quellen und Quellenkritik
2. Gefangenschaft und Gefangenenlager in den USA
2.1 Verhörmethodik
2.2 Das Lager Fort Hunt
2.2.1 Quellen aus Fort Hunt und die Erforschung des „German mind“
2.3 Sozigraphie der Gefangenen
3. Themenschwerpunkte in Verhören und Abhörprotokollen von Offizieren und Unteroffizieren
3.1 Politische Einstellung Moral
3.1.1 „Lumpen und Verbreche“: Offiziere sprechen über die politische Elite des Reiches und das nationalsozialistische Regime
3.1.1.1 Der Hytlermythos schlägt durch: Aussagen der Unteroffiziere
3.1.2 „Jetzt sagt doch jeder er ist Anti-Nazi“: Einstellung der Offiziere zum Nationalsozialismus: Ideologie, Nazis und Antinazis
3.1.2.1 „Ich bin kein regelrechter Nazi aber Deutscher“: Unteroffiziere und der Nationalsozialismus
3.1.3 „Besser ein König aus Gottesgnaden als ein Hitler aus Berchtesgaden“: Offiziere zu Widerstand und Untergrundorganisationen
3.1.3.1 Unteroffiziere: „Widerstand gibt es nicht – kennt man nicht
3.1.4 „Solch ein Irrsinn dieser ganze Krieg“: Offiziere über den Kriegsausgang, Heimatfront- und Frontmoral
3.1.4.1 Unteroffiziere: „Wir sind kaputt. Es hat keinen Sinn mehr.“
3.1.5 Deutschland nach dem Krieg: Ende einer Ära oder Zeit für Veränderung?
3.1.5.1 „Wir werden sowieso nie Ruhe und Frieden haben.“ Nachkriegserwartungen der Unteroffiziere
3.1.6 Weniger offene Gespräch als indirekte Hinweise: Offiziere und die Propaganda
3.1.6.1 Geheimwaffe
3.1.6.2 Etwas wahres muss dran sein: Unteroffiziere über die Propaganda
3.2 Krieg
3.2.1 Sprudelnde Informationsquellen: Aussagen der Offiziere über den Krieg
3.2.1.1 Was sage ich den Zellenkameraden? Der Zwiespalt der Unteroffiziere
3.2.2 „Aber spionieren werde ich nicht …“ Die Offiziere und der Kriegsverrat
3.2.2.1 „Aber das bleibt unter uns.“ Das Misstrauen der Unteroffiziere gegenüber den Mitgefangenen
3.2.2.2 Kriegsverratsdebatte
3.2.3 „Mensch, was sind das für Sadisten?“ Kriegsverbrechen in den Offiziersgesprächen
3.2.3.1 „Das habe ich auch nie getan. Niemals.“ Unteroffiziere über Kriegsverbrechen
3.2.3.2 Kein Thema: Die Juden
3.3 Nationen
3.3.1 Zwischen Misstrauen und militärischer Achtung: Das Russlandbild der Offiziere
3.3.1.1 „Das sind keine Menschen“: Das Russlandbild der Unteroffiziere
3.3.2 „Die Retter“: Das Bild der USA und der Alliierten bei den Offizieren
3.3.2.1 Was wollen die USA in Europa?
4. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden
4.1 Die Referenzrahmentheorie und die Quellen aus Fort Hunt
4.1.1 Der Mord an den Juden und den Russen
4.2 Milgram und Salomon Asch
4.2.1 Verschiebung der Referenzrahmen: Krieg-Gefangenschaft-Familie
5. Schlussteil
Die Masterarbeit untersucht die Wahrnehmungen und Deutungen deutscher Offiziere und Unteroffiziere, die während des Zweiten Weltkriegs in Fort Hunt in Kriegsgefangenschaft gerieten. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Situationsänderung „Krieg – Gefangenschaft“ die Deutungsmuster der Gefangenen beeinflusste und welche Themen für sie von Relevanz waren.
2. Gefangenschaft und Gefangenenlager in den USA
Das Gefangenenlagersystem in Amerika nahm seinen Anfang mit der Landung in Nordafrika im Herbst 1942. Beim Kriegseintritt der USA wurde die Unterbringung von Gefangenen noch nicht eingeplant, daher mussten die Lager im Verlaufe des Feldzuges gebaut werden, um die wachsende Anzahl Gefangener aufzufangen. Im Juli 1944 war die Zahl der Hauptlager schliesslich auf 98 und im Mai 1945 auf 155 angewachsen. Bis zum Kriegsende wuchs die Zahl deutscher Kriegsgefangener auf 378’000 an, sodass nebst den grossen Hauptlagerkomplexen vermehrt kleinere Lager gebaut wurden. Bei Kriegsende standen insgesamt 550 Lager in 45 der 48 amerikanischen Bundesstaaten. Dabei versuchten die Amerikaner ein Lagersystem mit getrennten Unterbringungen von „Nazis“ und „Antinazis“ zu bewerkstelligen. Wie in der vorliegenden Arbeit noch aufgezeigt wird, war diese Einteilung jedoch mit der Problematik konfrontiert, dass eine klare Trennung beziehungsweise Charakterisierung von Nazis und Antinazis in diesem Sinne nicht möglich war.
Die Lager in den USA boten jeweils Platz für 2000 bis 4000 Gefangene. Die Barackenkomplexe waren nebst den Unterkünften der Gefangenen und Angestellten mit einem Lazarett, einer Kirche, Anlagen zur Strom- und Wasserversorgung und einer Küche, diversen Lagerhäusern sowie einem grossen Areal für Appell- und Sportplätze ausgestattet. Gebaut wurde die Mehrheit der Lager, sprich zwei Drittel, im Süden und Südwesten des Landes, um die Gefahr ausgebrochener Häftlinge gering zu halten.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die erkenntnisleitende Fragestellung ein, umreißt die methodische Vorgehensweise bei der Quellenanalyse und gibt einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand.
2. Gefangenschaft und Gefangenenlager in den USA: Hier werden die Entstehung des amerikanischen Lagersystems, die Verhörmethodik sowie das spezifische Lager Fort Hunt als Ort der Informationsgewinnung detailliert beschrieben.
3. Themenschwerpunkte in Verhören und Abhörprotokollen von Offizieren und Unteroffizieren: Dieses Hauptkapitel analysiert die politischen Einstellungen, das Moralverständnis sowie die Sichtweisen auf den Krieg, das NS-Regime und verschiedene Nationen in den Gesprächen der Gefangenen.
4. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden: Dieses Kapitel überträgt die Referenzrahmentheorie des Sozialpsychologen Harald Welzer auf die Quellen aus Fort Hunt, um das Verhalten und die Deutungsmuster der Täter in einen sozialpsychologischen Kontext zu setzen.
5. Schlussteil: Der Schlussteil synthetisiert die Erkenntnisse der Arbeit und reflektiert über die Grenzen der Quellenanalyse, während er die Bedeutung des Referenzrahmenansatzes für die Mentalitätsgeschichte unterstreicht.
Fort Hunt, Kriegsgefangenschaft, Offiziere, Unteroffiziere, Verhörprotokolle, Abhörprotokolle, Nationalsozialismus, Wehrmacht, Referenzrahmentheorie, Zweiter Weltkrieg, Kriegsverbrechen, Propaganda, Soldat, Mentalitätsgeschichte, Quellenanalyse.
Die Arbeit untersucht die Wahrnehmungen und Deutungen deutscher Offiziere und Unteroffiziere, die während des Zweiten Weltkriegs in Fort Hunt, USA, in Kriegsgefangenschaft waren.
Die zentralen Themen umfassen die politische Einstellung der Gefangenen, ihre Sicht auf das NS-Regime, den Kriegsverlauf, andere Nationen sowie ihr Verständnis von Kriegsverbrechen und Verrat.
Das Ziel ist zu analysieren, wie die Erfahrung der Gefangenschaft die Deutungsmuster der Soldaten veränderte und ob sich eine Neuorientierung der Einstellung feststellen lässt.
Die Autorin wertete bisher nicht untersuchte Quellen der National Archives and Records Administration (NARA) in Washington aus und korrelierte diese mit der Referenzrahmentheorie der Sozialpsychologie.
Im Hauptteil werden die thematischen Schwerpunkte in Verhören und Abhörprotokollen detailliert dargelegt, insbesondere die politische Moral, das Russlandbild, das Bild der Alliierten sowie die Reflexion über den eigenen Verrat.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fort Hunt, Kriegsgefangenschaft, Referenzrahmentheorie, Wehrmacht und NS-Ideologie charakterisiert.
Fort Hunt war ein spezielles geheimes Lager, in dem ausgewählte Gefangene untergebracht waren, von denen die Verhöroffiziere besonders wertvolle Informationen erhofften, was eine exzellente Quellenlage bietet.
Die Gefangenen neigen dazu, die Schuld für Kriegsverbrechen auf die SS abzuwälzen und sich selbst oft als bloße Befehlsempfänger oder Opfer der Umstände darzustellen, wobei ein ausgeprägter Rechtfertigungsdruck erkennbar ist.
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