Bachelorarbeit, 2010
55 Seiten
1. Einleitung
2. Geschlechterordnungen und Rollenbilder – Mann und Frau stehen zur Diskussion
3. ‚Neue Kinder‘, ‚Neue Mädchen‘, ‚Neue Sachlichkeit‘ – die Kinderliteratur der 1920er Jahre
4. Geschlechterkonstruktionen in den „Emil“ -Romanen (1929; 1934), „Pünktchen und Anton“ (1931) und „Das doppelte Lottchen“ (1949) – Eine exemplarische Analyse
4.1 „Emil und die Detektive“ (1929) und „Emil und die drei Zwillinge“ (1934) – Von ganzen und halben Jungen
4.2 „Pünktchen und Anton“(1931) – Gleichstellung oder hierarchische Geschlechterverhältnisse?
4.3 „Das doppelte Lottchen“ (1949) – Evas Töchter und ein fast richtiger Mann
5. Figuren- und Familienkonstellationen
5.1 Frauenfiguren - Mütter, Patente Kerle, Evas Töchter
5.2 Männerfiguren - (Stief-)Väter, Musterknaben, erzählerische Überväter
6. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Geschlechterbild in ausgewählten Kinderromanen von Erich Kästner. Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, ob das Geschlechterverständnis in Kästners Werk tatsächlich so einseitig ist, wie es Teile der bisherigen Forschung annehmen, oder ob durch die Analyse von Rollenbildern und Geschlechterkonstruktionen eine größere Vielschichtigkeit erkennbar wird.
4.2 „Pünktchen und Anton“(1931) – Gleichstellung oder hierarchische Geschlechterverhältnisse?
Als eine Weiterentwicklung der Mädchenfigur Pony Hütchen wird Pünktchen verstanden. Ist Pony noch stark an bestehende Rollenerwartungen gebunden, auch wenn sie sie ironisch reflektiert, schert sich Pünktchen wenig um die Regeln der Erwachsenenwelt und schafft sich mit ihrer Phantasie eigene Freiräume mit eigenen Normen.
Erzählt wird in „PA“ ein tageweiser Ausschnitt aus der Geschichte der Freundschaft zwischen dem reichen Mädchens Luise Pogge, genannt Pünktchen, und dem sozial schwachen Jungen Anton Gast. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft sind sie beste Freunde. Beide Kinder haben Probleme mit ihren Eltern. Antons Mutter ist krank, so dass er sie umsorgen und Geld verdienen muss, Pünktchens Eltern haben wenig Zeit. So arbeitet Herr Pogge viel und Frau Pogge legt ihren Schwerpunkt mehr auf repräsentative gesellschaftliche Tätigkeiten denn auf ihre mütterlichen Aufgaben. Das Motiv der Elternferne ist auch in dieser Geschichte Kästners gegeben.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Forschungsgeschichte und führt die zentrale Fragestellung zur Einseitigkeit von Kästners Geschlechterbild ein.
2. Geschlechterordnungen und Rollenbilder – Mann und Frau stehen zur Diskussion: Dieses Kapitel liefert einen historischen Überblick über Rollenbilder und definiert theoretische Grundlagen zur Geschlechterdifferenz.
3. ‚Neue Kinder‘, ‚Neue Mädchen‘, ‚Neue Sachlichkeit‘ – die Kinderliteratur der 1920er Jahre: Der Kontext der ‚Neuen Sachlichkeit‘ wird erörtert und als Grundlage für das Rollenverständnis zwischen Kindern und Erwachsenen herausgearbeitet.
4. Geschlechterkonstruktionen in den „Emil“ -Romanen (1929; 1934), „Pünktchen und Anton“ (1931) und „Das doppelte Lottchen“ (1949) – Eine exemplarische Analyse: Hier erfolgt die detaillierte Untersuchung der vier Romane hinsichtlich Geschlechterrollen und deren Dekonstruktion.
4.1 „Emil und die Detektive“ (1929) und „Emil und die drei Zwillinge“ (1934) – Von ganzen und halben Jungen: Analyse von Emils Rollenverhalten und der ironisierten Darstellung von Männlichkeitsstereotypen.
4.2 „Pünktchen und Anton“(1931) – Gleichstellung oder hierarchische Geschlechterverhältnisse?: Untersuchung der Freundschaft von Pünktchen und Anton als Ausdruck eines veränderten Geschlechterdiskurses.
4.3 „Das doppelte Lottchen“ (1949) – Evas Töchter und ein fast richtiger Mann: Analyse der Zwillingsfiguren und der Thematisierung von Scheidung sowie Rollenflexibilität.
5. Figuren- und Familienkonstellationen: Zusammenfassende Betrachtung der Frauen- und Männerfiguren sowie deren familiärer Einbettung.
5.1 Frauenfiguren - Mütter, Patente Kerle, Evas Töchter: Untersuchung der Mutterbilder und der Mädchenrollen im Kontext der ‚Neuen Frau‘.
5.2 Männerfiguren - (Stief-)Väter, Musterknaben, erzählerische Überväter: Auseinandersetzung mit der Vaterrolle und dem Bild der männlichen Hauptverdiener.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung von Kästners Werk in die Tradition der Aufklärung.
Erich Kästner, Geschlechterordnung, Rollenbilder, Neue Sachlichkeit, Kinderliteratur, Geschlechterkonstruktion, Performativität, Doing Gender, Familienkonstellation, Emanzipation, Dekonstruktion, Rollenspiel, Weimarer Republik, Vaterbild, Mutterbild
Die Arbeit untersucht das Geschlechterbild in Erich Kästners Romanen für Kinder und hinterfragt, ob dieses wirklich so stereotyp ist, wie oft behauptet wird.
Die zentralen Themen sind Rollenbilder, Geschlechterordnungen, das Konzept der ‚Neuen Sachlichkeit‘ sowie die Figuren- und Familienkonstellationen.
Ziel ist es, die einseitige Kritik an Kästners Geschlechterbild zu prüfen und die Vielschichtigkeit seiner Texte in Bezug auf Geschlechterkonstruktionen aufzuzeigen.
Es wird ein dekonstruktivistischer Ansatz gewählt, der Widersprüche und Vielfalt innerhalb der Texte zulässt, ergänzt durch eine Figurenanalyse.
Der Hauptteil analysiert die Geschlechterkonstruktion in den Emil-Romanen, Pünktchen und Anton sowie Das doppelte Lottchen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Geschlechterordnung, Rollenbilder, Neue Sachlichkeit, Doing Gender und Dekonstruktion charakterisieren.
Väter werden entgegen der Forschung nicht als generell schwach bewertet, sondern ihre Rolle wird als verhandelbar und zwischen Tradition und Moderne schwankend dargestellt.
Das Rollenspiel dient dazu, gesellschaftliche Erwartungen an das Geschlecht offenzulegen und durch ironische Brechungen oder Umkehrungen kritisch zu hinterfragen.
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