Masterarbeit, 2011
107 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Organisierte Kriminalität als Faktor für die Destabilisierung der Demokratie
2.1 Entstehung von Kriminalität
2.2 Definition der „Organisierten Kriminalität“
2.3 Auswirkungen der Organisierten Kriminalität auf die Demokratie
3. Problemstellung und Ziel der Arbeit
4. Drogenhandel in Kolumbien
4.1 Geographische Lage
4.2 Historischer Abriss des Drogenhandels
4.3 Quantitativer und qualitativer Überblick
4.4 Akteure
4.4.1 Organisierte Kriminalität
4.4.1.1 Medellín-Kartell
4.4.1.2 Cali-Kartell
4.4.1.3 Norte del Valle-Kartell
4.4.2 Guerilla/Paramilitärs
4.4.2.1 Guerilla
4.4.2.1.1 FARC
4.4.2.1.2 ELN
4.4.2.2 Paramilitärs
4.5 Probleme/Hindernisse bei der Bekämpfung des Drogenhandels
4.5.1 Korruption
4.5.2 Unzureichendes staatliches Gewaltmonopol
5. Drogenhandel in Mexiko
5.1 Historischer Abriss
5.2 Quantitativer und qualitativer Überblick
5.3 Akteure
5.3.1 Colima-Kartell
5.3.2 Herrera-Familie
5.3.3 Sinaloa-Kartell
5.3.4 Golf-Kartell
5.3.5 Tijuana-Kartell
5.3.6 Juárez-Kartell
5.3.7 Sonora-Kartell
5.3.8 Beltrán Leyva-Kartell
5.3.9 Michoacana-Familie
5.3.10 Los Zetas
5.4 Probleme/Hindernisse bei der Bekämpfung des Drogenhandels
5.4.1 Korruption
5.4.2 Unzureichendes staatliches Gewaltmonopol
6. Bekämpfung des Drogenhandels
6.1 Allgemeine Bekämpfungsversuche der Drogenkriminalität
6.1.1 Militärische Bekämpfung
6.1.2 Erntevernichtung
6.1.3 Multilaterale Kooperation
6.1.4 Militärische Abrieglung von Drogenanbaugebieten
6.1.5 Anti-Geldwäsche-Ansätze
6.1.6 „Institutional Capacity Building“
6.1.7 Mehrdimensionale Initiativen
6.2 Anti-Drogenpolitik in Kolumbien und Mexiko – Überblick, Bewertung, Ausblick
6.2.1 Kolumbien
6.2.2 Mexiko
6.2.3 Vergleich der Anti-Drogenpolitik in Kolumbien und Mexiko
7. Beurteilung der Auswirkungen von Drogenkriminalität auf die Demokratie
Diese Arbeit untersucht, ob und wie organisierte Kriminalität (OK) demokratische Staaten destabilisieren kann, indem sie deren institutionelle Grundlagen – insbesondere das staatliche Gewaltmonopol und die Rechtsstaatlichkeit – untergräbt. Anhand der Fallbeispiele Kolumbien und Mexiko wird analysiert, wie Drogenkartelle und illegale bewaffnete Gruppen politische Prozesse korrumpieren und gesellschaftliche Strukturen schwächen.
2.2 Definition der „Organisierten Kriminalität“
Organisierte Kriminalität (OK) stellt ein schwer zu fassendes und komplexes Phänomen dar. Eine einheitliche Definition, die alle Facetten der OK einschließt, gilt es zu finden. De facto existieren zahlreiche, teilweise kontroverse Ansätze, um jene Erscheinungsform von Kriminalität zu definieren. Frühe Definitionsansätze aus den 50er und 60er Jahren befassen sich mit OK lediglich im Kontext der Verdeutlichung umfassender gesellschaftlicher Zusammenhänge, nicht aber als einen eigenständigen Forschungsgegenstand (Lampe 1998: S.133-134).
Im Allgemeinen beinhaltet OK normativ definierte Verhaltensformen, die zunächst einmal gegen geltendes Recht verstoßen und das Verhältnis der daran beteiligten Personen untereinander und zu den legalen Bereichen der Gesellschaft, Staat und Wirtschaft beschreiben (ebd.: S. 164).
Wie bereits von Chambliss (1978) festgestellt, gibt es unterschiedliche Erscheinungsformen von OK. Seinem theoretischen Ansatz nach geht sie zumeist von angesehenen und einflussreichen Vertretern der Gesellschaft aus, die maßgeblich die Unterwelt generieren.
Nach Abadinsky (1990) lassen sich acht Charakteristika von Organisierter Kriminalität anführen: 1. „Organisierte Kriminalität folgt keiner Ideologie, ist aber interessiert an Macht und Geld. 2. Sie strebt nach politischem Schutz für ihre illegalen Aktivitäten. 3. Es gibt eine klare vertikale Machtstruktur, von der die Autorität ausgeht. 4. Es gibt viele unterschiedliche „Dienstgrade“ zwischen dem Boss, den Leutnants und Soldaten. 5. Es sind strikte Anforderungen und Regeln für eine Mitgliedschaft in einer Gruppe der organisierten Kriminalität, wie z. B. ethnischer Hintergrund, kriminelle Laufbahn etc. vorhanden. 6. Die Gruppe ist fortlaufend und nicht generationsübergreifend. 7. Gewalt ist ein akzeptiertes Mittel, welches unter anderem dazu verwendet wird, um die angestrebte Monopolstellung bzw. Dominanz in einem Territorium oder einer Industrie gegen Polizei und rivalisierende Organisationen zu verteidigen oder herzustellen. Zur Stärkung der Monopolstellung der Organisation werden zudem Bestechungsgelder eingesetzt, um die Operationen und die Mitglieder der Organisation zu schützen. 8. Bei den kriminellen Operationen vollzieht sich stets eine Arbeitsteilung aus dem funktionellen Grund der Effizienz und des Erfolges der Gruppe.“
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Destabilisierung demokratischer Staaten durch organisierte Drogenkriminalität.
2. Organisierte Kriminalität als Faktor für die Destabilisierung der Demokratie: Theoretische Herleitung der Zusammenhänge zwischen kriminellen Strukturen und dem Zerfall demokratischer Normen und Institutionen.
3. Problemstellung und Ziel der Arbeit: Präzisierung der Forschungsziele und Formulierung der Arbeitshypothese für die nachfolgenden Fallanalysen.
4. Drogenhandel in Kolumbien: Historische und akteursbezogene Analyse der kolumbianischen Situation sowie die Hindernisse bei der Bekämpfung des dortigen Drogenhandels.
5. Drogenhandel in Mexiko: Untersuchung der Akteure, Strukturen und spezifischen Herausforderungen im mexikanischen Kontext des Drogenhandels.
6. Bekämpfung des Drogenhandels: Internationale Ansätze zur Bekämpfung und detaillierte Bewertung der Anti-Drogenpolitik in Kolumbien und Mexiko.
7. Beurteilung der Auswirkungen von Drogenkriminalität auf die Demokratie: Zusammenfassende Bewertung der destabilisierenden Effekte auf die verschiedenen Teilregime der Demokratie.
Organisierte Kriminalität, Drogenhandel, Demokratie, Destabilisierung, Kolumbien, Mexiko, Kartelle, Korruption, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltmonopol, Geldwäsche, Militarisierung, Sicherheitspolitik, Failed State, Drogenbekämpfung.
Die Arbeit analysiert, wie organisierte Kriminalität, insbesondere der Drogenhandel, die Stabilität und Funktionstüchtigkeit demokratischer Institutionen in Kolumbien und Mexiko gefährdet.
Zentral sind die Destabilisierung demokratischer Systeme, die Analyse der Organisationsstrukturen von Drogenkartellen, die Rolle staatlicher Akteure sowie die Wirksamkeit internationaler und nationaler Bekämpfungsstrategien.
Es wird untersucht, inwieweit organisierte Kriminalität zur Aushöhlung der Demokratie beiträgt, wenn staatliche Institutionen wie Justiz, Polizei und Militär durch Korruption und Gewalt an der Erfüllung ihres Mandats gehindert werden.
Die Arbeit nutzt einen systemtheoretischen Ansatz (Embedded Democracy) zur Analyse von Demokratiedefekten und führt einen vergleichenden Fallstudien-Ansatz (Kolumbien und Mexiko) durch.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Destabilisierungsfaktoren sowie eine empirische Fallanalyse der Akteure und der Anti-Drogenpolitik in Kolumbien und Mexiko.
Kernelemente sind Begriffe wie Organisierte Kriminalität, Rechtsstaatlichkeit, Korruption, Gewaltmonopol und Demokratiedefekte.
Das Militär übernimmt in beiden Ländern eine zentrale Rolle, wobei die Arbeit kritisch beleuchtet, dass eine Militarisierung der Drogenbekämpfung häufig zu Menschenrechtsverletzungen führt und die demokratische Kontrolle durch die zivile Judikative schwächt.
Während Kolumbien historisch als Hauptanbau- und Produktionsland bekannt ist, fungiert Mexiko primär als Transitland für den US-Drogenmarkt, wobei sich dort eine Vielzahl an kriminellen Organisationen um Marktanteile und Korridore bekämpft.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass zwar in beiden Ländern massive Defekte der Rechtsstaatlichkeit und des Gewaltmonopols vorliegen, ein vollkommener Staatszerfall (Failed State) jedoch noch nicht erreicht ist, da staatliche Strukturen trotz der Infiltrierung weiterhin operieren.
Die Arbeit zeigt, dass die Initiative zwar sicherheitspolitische Zusammenarbeit fördert, aber aufgrund der starken Fokussierung auf Technologie und Ausrüstung institutionelle Reformen vernachlässigt, weshalb die langfristige Wirkung kritisch hinterfragt wird.
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