Bachelorarbeit, 2011
122 Seiten, Note: 1,3
1 Forschungsfrage und Herangehensweise
2 Konstruktion der Wirklichkeit
2.1 Konstruktivismus
2.2 Das individuelle Gedächtnis
2.2.1 Wahrnehmung und Speicherung von Informationen
2.2.2 Erinnerung
2.2.3 Vergessen
2.2.4 Der Einfluss der Emotionen
2.2.5 Fazit
2.3 Das kulturelle Gedächtnis
2.3.1 Forschungsgeschichtlicher Hintergrund
2.3.2 Begriff
2.3.3 Einführung
2.3.4 Topoi des kulturellen Gedächtnisses
2.3.5 Soziale Funktionen
2.3.6 Erinnerungspolitik
2.3.7 Kulturelles Gedächtnis in den Medien
2.3.8 Kulturelles Gedächtnis und Geschichtswissenschaft
3 Geschichte der deutschen Minderheit in Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesien
3.1 Deutsche Besiedelung und Herrschaft der Habsburger
3.2 Erstarken des Nationalgedankens
3.3 Neuordnung nach 1918
3.4 Volkstumsbewegung
3.5 Die „Sudetenkrise“
3.6 Protektorat Böhmen und Mähren
3.7 Zwangsumsiedlung, Flucht, Vertreibung
3.8 Beneš-Dekrete
3.9 Fazit
4 Erinnerungskulturen der Vertreibung
4.1.1 Die deutsche Erinnerungskultur der Vertreibung
4.1.1.1 1945-1957: Vergangenheitspolitik
4.1.1.2 1958-1984: Kritik der Vergangenheitsbewältigung
4.1.1.3 Ab 1985: Erinnerung
4.1.2 Die tschechoslowakische Erinnerungskultur der Vertreibung
4.1.2.1 1945-1989
4.1.2.2 Ab 1989
4.1.3 Fazit
5 Die „Sudetendeutsche Landsmannschaft“
5.1 Konstruktion einer Volksgruppe
5.2 Organisation und Aktivitäten
5.3 Ziele
5.4 Die „Sudetendeutsche Zeitung“
5.5 Rechtsradikale Einflüsse
5.6 Die SL als Repräsentation der „Volksgruppe” ?
5.7 Fazit
6 Empirische Untersuchung der Sudetendeutschen Zeitung
6.1 Hypothesen
6.2 Konzeption der Inhaltsanalyse
6.2.1 Stichprobe
6.2.2 Vorgehen
6.2.2.1 Codierung auf Artikelebene
6.2.2.2 Codierung auf Aussagenebene
6.3 Ergebnisse
6.3.1 Anlässe zur kulturellen Erinnerung
6.3.1.1 Anlässe und Themen
6.3.1.2 Beteiligung von Politikern
6.3.1.3 Vorkommen codierter Aussagen
6.3.1.4 Zwischenfazit
6.3.2 Topoi des kulturellen Gedächtnisses
6.3.2.1 Graphische Auswertung
6.3.2.2 Analyse
6.3.3 Umgang mit der Vergangenheit
6.3.3.1 Graphische Auswertung
6.3.3.2 Analyse
6.3.3.3 Zwischenfazit
6.4 Gesamtfazit der Inhaltsanalyse
7 Fazit
Die Arbeit untersucht, wie Kollektive durch mediale Konstruktionen ihre eigene Wirklichkeit und Vergangenheit formen, wobei das „kulturelle Gedächtnis“ im Zentrum der Analyse steht. Am Beispiel der „Sudetendeutschen Zeitung“ soll empirisch nachgewiesen werden, wie diese Vertriebenenorganisation ihre Identität durch selektive Erinnerung und narrative Deutungsmuster stützt.
2.3.1 Forschungsgeschichtlicher Hintergrund
Schon bei Plato finden sich Gedanken zur Theorie des kulturellen Gedächtnisses. Im modernen Sinne wurde der Begriff dagegen erst ab Ende des 19. / Beginn des 20. Jahrhunderts geprägt und erlebte seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts einen breiten Aufschwung.25 Als wichtigster Vertreter gilt der französische Soziologe und Philosoph Maurice Halbwachs (1877 - 1945), der die Theorie des „mémoire collective“ („kulturelles Gedächtnis“) begründete26 und mit seinen Werken „Les Cadres sociaux de la mémoire“ („Der soziale Rahmen des Gedächtnisses“,1925) und „La Mémoire collective“ (1950 posthum veröffentlicht) bis in die Gegenwart prägt.27 28
Schon von Beginn der Forschungen an wurden diese Ansätze zum kulturellen Gedächtnis international und in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen weiterverfolgt. Bedeutende Studien zu dem Phänomen stammen beispielsweise von Sigmund Freud, Henri Bergson, Emile Durkheim und Frederick Bartlett.29
Forschungsfrage und Herangehensweise: Die Arbeit erläutert die theoretische Basis des kulturellen Gedächtnisses und führt in die Fallstudie der „Sudetendeutschen Zeitung“ ein, um zu zeigen, wie Kollektive ihre Version der Vergangenheit konstruieren.
Konstruktion der Wirklichkeit: Dieses Kapitel behandelt erkenntnistheoretische Grundlagen des Konstruktivismus sowie die psychologische Funktionsweise individueller und kultureller Gedächtnisprozesse.
Geschichte der deutschen Minderheit in Böhmen, Mähren und Österreich-Schlesien: Hier wird der historische Kontext der deutschen Minderheit von der Besiedelung bis zur Vertreibung nach 1945 als Basis für die spätere Inhaltsanalyse dargestellt.
Erinnerungskulturen der Vertreibung: Das Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Erinnerungskulturen der deutschen Vertriebenen und der tschechoslowakischen Gesellschaft über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Die „Sudetendeutsche Landsmannschaft“: Diese Sektion stellt die Organisation, ihre Ziele und ihre Funktion als politischer Akteur vor, der maßgeblich an der Konstruktion der „sudetendeutschen Volksgruppe“ beteiligt ist.
Empirische Untersuchung der Sudetendeutschen Zeitung: Das empirische Herzstück der Arbeit, in dem die Hypothesen zur identitätsstiftenden Berichterstattung der Verbandszeitung anhand einer Inhaltsanalyse überprüft werden.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Unfähigkeit zur Versöhnung, wenn kollektive Gedächtnisse in veränderungsresistenten Mythen gefangen bleiben.
Kulturelles Gedächtnis, Wirklichkeitskonstruktion, Sudetendeutsche Landsmannschaft, Sudetendeutsche Zeitung, Vertreibung, Identität, Inhaltsanalyse, Erinnerungskultur, Kollektives Gedächtnis, Minderheiten, Nationalsozialismus, Geschichtswissenschaft, Mythen, Narrative, Versöhnung.
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Kollektive ihre eigene Version der Geschichte erschaffen und durch Medien an ihre Mitglieder vermitteln.
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des kulturellen Gedächtnisses, der Geschichte der Sudetendeutschen und der medialen Konstruktion von Gruppenidentität.
Das Ziel ist es, am Beispiel der „Sudetendeutschen Zeitung“ empirisch nachzuvollziehen, wie ein Medium genutzt wird, um ein spezifisches kulturelles Gedächtnis zu konstruieren.
Es wird eine empirische Inhaltsanalyse von zwölf Ausgaben der „Sudetendeutschen Zeitung“ aus den Jahren 2009 und 2010 durchgeführt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine historische Aufarbeitung der sudetendeutschen Geschichte und eine empirische Analyse der Berichterstattung.
Wichtige Begriffe sind kulturelles Gedächtnis, Konstruktivismus, Identitätsstiftung, Vertreibungsgeschichte und mediale Wirklichkeitskonstruktion.
Die Beneš-Dekrete werden als zentraler Konfliktpunkt zwischen den sudetendeutschen Positionen und der tschechischen Geschichtspolitik analysiert.
Die „Sudetendeutsche Zeitung“ fungiert als offizielles Kommunikationsorgan der Landsmannschaft und ist damit ein zentraler Träger der Gruppenidentität und Interessenvertretung.
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