Masterarbeit, 2009
89 Seiten, Note: 1,3
Didaktik für das Fach Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft
1. Einleitung
2. Zur Historie, Begründung und Wirksamkeit des frühen Fremdsprachenunterrichts
2.1 Die Anfänge des frühen Fremdsprachenunterrichts
2.2 Entwicklungen der sechziger und siebziger Jahre
2.3 Entwicklungen der achtziger und neunziger Jahre
2.4 Jüngste Entwicklungen und gegenwärtiger Stand
3. Neue psycholinguistische Erkenntnisse und Forderungen für einen wirksamen Frühbeginn
3.1 Stufen des Erstspracherwerbs in seiner Bedeutung für das Fremdsprachenlernen
3.1.1 Die Bedeutung des Inputs der Bezugsperson (caretaker talk) beim Spracherwerb
3.1.2 Natürliche Erwerbsfolge beim Lernen von Erst- und Zweitsprache
3.2 Zweitspracherwerb
3.2.1 Kennzeichen des ungesteuerten Zweitspracherwerbs
3.2.2 Kennzeichen des gesteuerten Zweit-, bzw. Fremdspracherwerbs
3.3 Didaktische und methodische Konsequenzen für einen wirksamen frühen Englischunterricht aus den Erkenntnissen der Psycholinguistik
4. Begründung für Englisch als Leitsprache im Frühbeginn
5. Begründungen für den Englischunterricht ab Klasse 1
5.1 Gesellschafts-politische und wirtschaftliche Argumente für den Frühbeginn
5.2 Pädagogische Argumente für den Frühbeginn
5.2.1 Persönlichkeitsentwicklung
5.2.2 Wirkung auf die Sprachentwicklung
5.3 Entwicklungs- und lernpsychologische Aspekte
5.3.1 Kognitive Entwicklung
5.3.2 Neurophysiologische Aspekte
5.3.3 Gedächtnis
5.3.4 Motivation
5.3.5 Das ideale Alter
5.4 Folgerungen für den Englischunterricht ab Klasse 1
6. Grundlegende Prinzipien des frühen Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule
6.1 Allgemein geltende Prinzipien
6.1.1 Das Input-Prinzip
6.1.2 Das Prinzip der funktionalen Fremdsprachigkeit
6.1.3 Das Prinzip der Kommunikation
6.1.4 Das Prinzip der variierenden Wiederholung oder das Prinzip des Übens
6.1.5 Das Prinzip des kind-, bzw. altersgemäßen Unterrichtens
6.1.6 Das Prinzip der musischen und spielerischen Elemente
6.1.7 Das Bewegungsprinzip
6.1.8 Das Prinzip des multisensorischen Lernens und der verschiedenen Lernertypen
6.1.9 Das Prinzip der Anschaulichkeit
6.1.10 Das Authentizitäts-Prinzip
6.1.10.1 Authentizität des Unterrichtmaterials
6.1.10.2 Authentischer Grundschul-Englischunterricht
6.2 Eingeschränkt geltende Prinzipien
6.2.1 Das Prinzip der Integration
6.2.2 Das Prinzip der Mündlichkeit und der ‚auch schriftlichen Vermittlung‘
6.2.3 Das Prinzip der Progression
7. Stehen die Ziele des aktuellen Lehrplans Englisch für NRW im Einklang mit den bisherigen Erkenntnissen?
8. Studien und Projekte der letzten Jahre zum fremdsprachlichen Frühbeginn
8.1 Die Evaluationsstudie EVENING in NRW
8.2 Die Hamburger Studien KESS 7 und LAU 7 zur Auswirkung des Englischunterrichts in der Grundschule
8.3 Eine empirisch-qualitative Studie zur Behandlung der Ergebnisse des Englischunterrichts in der Grundschule im bayrischen Schulsystem
8.4 WiBe-Projekt in Baden-Württemberg zur Einführung des Englischunterrichts ab Klasse 1
9. Kritik am Fremdsprachenmodell für die Grundschule
9.2 Übergangsproblematik
9.1 Ausbildung der Lehrkräfte
9.1.1 Die Anforderungen an Englischlehrkräfte, deren Erfüllung einen wirksamen frühen Fremdsprachenunterricht ermöglichen
9.1.2 Wie steht es in NRW um die Lehrerausbildung?
10. Fazit/Ausblick
Diese Arbeit untersucht die Begründungsmuster für die Einführung von Englischunterricht ab der ersten Klasse in Nordrhein-Westfalen (NRW) und analysiert, welche organisatorischen sowie didaktisch-methodischen Voraussetzungen für einen wirksamen Unterricht in dieser Altersstufe erforderlich sind. Ziel ist es, die Effekte des frühen Fremdsprachenlernens auf die Schüler und den Unterricht auf Basis psycholinguistischer Erkenntnisse und empirischer Studien zu beleuchten.
3.1 Stufen des Erstspracherwerbs in seiner Bedeutung für das Fremdsprachenlernen
Die erste Phase der Lautproduktion im Säuglingsalter ist von Schreien und Gurrlauten geprägt und wird ab dem 4. Monat durch Lachen und vereinzelte Laute ersetzt, die in der folgenden Lallphase durch rhythmische Lautgebilde, die Silben ähneln, abgelöst werden. In dieser Phase beginnt das Kind bestimmte Lautkomplexe zu wiederholen und gezielt zu artikulieren, was als erste sprachliche Verständigung gilt (vgl. Böttger 2005, 36). Der Kehlkopf des Kindes wandert nach unten und ermöglicht so erst die Produktion von Sprache. Die Evolution hat also dafür gesorgt, dass erst die mentalen Voraussetzungen gegeben sind, bevor zu sprechen begonnen werden kann (vgl. Bleyhl 2000, 20). Das Kind verliert im Laufe dieser zweiten Phase zunehmend die Fähigkeit zur vielfältigen Lauterzeugung und beginnt damit, nur noch die Phoneme seiner Erstsprache zum weiteren Sprachaufbau zu nutzen (vgl. Böttger 2005, 36). Schwerhörige oder taube Babys kommen auch in die Lallphase, allerdings produzieren sie laut durchgeführten Studien andere Laute als gesunde Babys. Dies unterstützt die These, dass schon das Lallen eine linguistische Fähigkeit ist, die durch den erhaltenen sprachlichen Input gesteuert wird. Taube Kinder, die anstatt auditivem sprachlichen Input einen Input über Zeichensprache erhalten, können zwischen dem vierten und siebten Monat anstelle von phonetischen Lautgebilden einzelne Elemente der Zeichensprache produzieren (vgl. Fromkin/Rodman/Hyams 2003, 354). „Babbling illustrates the readiness of the human mind to respond to linguistic cues from a very early stage” (ebd.). Babys haben also schon sehr früh die Veranlagung dazu, Sprachelemente zu dekodieren, auch ohne sofort sprechen zu können.
Das Kind setzt die Sprech-Bemühungen fort, wenn die von ihm gebildeten Sprachlaute von der Bezugsperson nachgeahmt werden, und somit dem Kind als Anreiz dienen, sie ebenfalls zu wiederholen. Wenn die Bezugsperson von sich aus dem Kind Laute vorspricht, ahmt dieses nur sprachliche Laute nach, jedoch keine „nichtsprachlichen“ (Weinert/Grimm 2008, 509f) Laute, da letztere anscheinend vom Kind nicht als Reize wahrgenommen werden (vgl. ebd.; Böttger 2005, 36).
Wenn die Kinder Wörter der Erwachsenensprache nachahmen, verfestigen sich weitere Lautgebilde, auch wenn der Sinn noch nicht verstanden wird. Diese „Imitation ist ein wesentlicher Faktor für die Sprachentwicklung, da wie auch in der Psychologie durch Nachahmen von Verhalten anhand eines Modells Verhalten erworben wird“ (Böttger 2005, 37).
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Einführung des Englischunterrichts ab der ersten Klasse in NRW ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, die Begründungen und Voraussetzungen für diesen frühen Unterricht zu untersuchen.
2. Zur Historie, Begründung und Wirksamkeit des frühen Fremdsprachenunterrichts: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über Ansätze des Fremdsprachenunterrichts in Deutschland seit den zwanziger Jahren und analysiert die Gründe für das Scheitern früherer Versuche.
3. Neue psycholinguistische Erkenntnisse und Forderungen für einen wirksamen Frühbeginn: Hier werden Parallelen zwischen Erstspracherwerb und Fremdsprachenlernen aufgezeigt und die Bedeutung von Input sowie didaktische Konsequenzen für den Englischunterricht diskutiert.
4. Begründung für Englisch als Leitsprache im Frühbeginn: Es wird dargelegt, warum Englisch aufgrund seiner Allgegenwärtigkeit im Alltag und seiner Funktion als internationale Verkehrssprache als die Leitsprache für den Frühbeginn ausgewählt wurde.
5. Begründungen für den Englischunterricht ab Klasse 1: Dieses Kapitel analysiert gesellschaftspolitische, wirtschaftliche und pädagogische Argumente, wie die Erziehung zu Toleranz und die kognitive Förderung, die für einen frühen Beginn des Englischunterrichts sprechen.
6. Grundlegende Prinzipien des frühen Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule: Es werden systematisch Prinzipien wie das Input-Prinzip, das Bewegungsprinzip und Authentizität erläutert, die einen wirksamen und kindgemäßen Unterricht gewährleisten sollen.
7. Stehen die Ziele des aktuellen Lehrplans Englisch für NRW im Einklang mit den bisherigen Erkenntnissen?: Das Kapitel untersucht, ob die im Lehrplan formulierten Kompetenzerwartungen mit den zuvor erarbeiteten Prinzipien und psycholinguistischen Erkenntnissen vereinbar sind.
8. Studien und Projekte der letzten Jahre zum fremdsprachlichen Frühbeginn: Die Wirksamkeit des frühen Fremdsprachenlernens wird anhand ausgewählter Studien wie EVENING, KESS 7 und dem WiBe-Projekt empirisch beleuchtet.
9. Kritik am Fremdsprachenmodell für die Grundschule: Hier werden die Übergangsproblematik zur Sekundarstufe sowie Mängel in der Lehrerausbildung kritisch hinterfragt.
10. Fazit/Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse, die unterstreicht, dass ein früher Beginn bei adäquaten Rahmenbedingungen sinnvoll ist, aber die Qualität des Unterrichts von qualifizierten Lehrkräften und einer kontinuierlichen Kooperation abhängt.
Englischunterricht, Grundschule, Fremdsprachenlernen, Frühbeginn, NRW, Erstspracherwerb, Input-Prinzip, Mehrsprachigkeit, Kognitive Entwicklung, Lehrerausbildung, Interkulturelles Lernen, Motivation, Sprachbewusstheit, Zweitspracherwerb, Didaktik.
Die Arbeit analysiert die Begründungsmuster und die Wirksamkeit der Einführung von Englischunterricht an staatlichen Grundschulen ab der ersten Klasse, insbesondere im Kontext von Nordrhein-Westfalen.
Die zentralen Felder umfassen psycholinguistische Grundlagen des Spracherwerbs, pädagogische und sozioökonomische Argumente für den Frühbeginn, methodische Prinzipien für den Unterricht sowie die Evaluation durch empirische Studien und die Problematik der Lehrerausbildung.
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob und wie ein früher Beginn des Englischunterrichts begründet werden kann und welche organisatorischen sowie didaktischen Voraussetzungen notwendig sind, um einen erfolgreichen und wirksamen Unterricht zu gewährleisten.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse psycholinguistischer und entwicklungspsychologischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung und Diskussion vorliegender empirischer Studien und Projekte zum frühen Fremdsprachenunterricht.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, psycholinguistische Erkenntnisse, die Begründungen für Englisch als Leitsprache, pädagogische und kognitive Aspekte, didaktische Prinzipien sowie die Analyse von Lehrplänen und aktuellen Studien.
Wesentliche Begriffe sind Englischunterricht, Grundschule, Fremdsprachenlernen, Frühbeginn, NRW, Erstspracherwerb, Input-Prinzip, Kognitive Entwicklung und Lehrerausbildung.
Die Autorin betrachtet die aktuelle Ausbildungssituation kritisch und hält die unzureichende Qualifikation vieler Lehrkräfte – oft durch kurzfristige Fortbildungen ersetzt statt durch ein Fachstudium – für ein wesentliches Problem, das die Wirksamkeit des Unterrichts gefährden kann.
Der Übergang wird als problematisch eingestuft, da häufig ein mangelnder Informationsaustausch zwischen den Schulformen besteht. Die Autorin fordert eine ernsthafte Kooperation und eine didaktisch-methodische Anknüpfung an die in der Grundschule erworbenen Kompetenzen.
Die Arbeit stellt fest, dass es kein exakt bestimmbares „ideales Alter“ gibt, betont jedoch, dass der Zeitraum um das sechste bis siebte Lebensjahr besonders günstig für die auditive Sensibilität und damit für den Erwerb einer guten Aussprache und eines natürlichen Sprachflusses ist.
Die Ziele werden als weitgehend vereinbar betrachtet, wobei jedoch das Lesen und der Einsatz von Schrift bereits in Klasse 1 kritisch hinterfragt werden, da diese den Fokus auf das Hörverstehen und die Mündlichkeit schwächen könnten.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

