Bachelorarbeit, 2010
56 Seiten, Note: 2,1
1 Einleitung
2. Sicherheitspolitik, Westintegration und Aufrüstung
2.1 Der Kalte Krieg als Chance für Deutschland
2.2 Die europäische Lösung - Auf dem Weg in die EVG
2.3 Alternative Lösung - Die BRD wird NATO-Mitglied
3. Ablehnung, Protest und Widerstand zur Wiederbewaffnung
3.1 Die ‚Ohne mich’-Bewegung
3.2. Die evangelische Kirche und die Wiederbewaffnungsdebatte
3.2.1 Heinemann und Niemöller - Zwei streitbare Personen
3.2.2 Ablehnung, Zurückhaltung, Zustimmung. Die EKD auf der Suche nach dem richtigen Weg
3.3 Die katholische Kirche im Gleichschritt mit der Regierung
3.4 Die Volksbefragungsinitiative
3.5 Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
3.6 Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
3.7 Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und Wirtschaftverbände
3.8 Die Frankfurter Paulskirchenbewegung
3.9 Die Internationale der Kriegsdienstverweigerer (IdK)
3.10 Die ‚Notgemeinschaft für den Frieden’ und die Gesamtdeutsche Volkspartei (GVP)
3.11 Weitere Gruppen und Strömungen innerhalb der Protest- und Widerstandsbewegungen
4 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Proteste und den Widerstand gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf der Rolle der evangelischen Kirche sowie der Frage, warum es der Wiederbewaffnungsopposition trotz ihrer quantitativen Stärke nicht gelang, die Remilitarisierung Deutschlands zu verhindern.
3.1 Die ‚Ohne mich’-Bewegung
Die ‚Ohne mich’-Bewegung ist die am schwierigsten zu fassende Gruppe aus dem Spektrum der opponierenden Kräfte. Doch ist ihre Motivation leicht nachzuvollziehen. Erich Mede (Bundestagsabgeordneter der FDP) gab im Dezember 1949 eine öffentliche Fragestunde in Bad Honnef. Seine Ausführungen sollen hier als erster Stimmungsbeleg der ‚Ohne mich’-Bewegung gelten. In Bezug auf die Wiederbewaffnung sagte er: „Wer neun Jahre Infanterist war, davon vier Winter und drei Sommer an der Ostfront und die Front nur als Verwundeter verließ, wer das gleiche Regiment als Major mit einem der letzten Schiffe aus Pillau heimgeführt hat, in das er neun Jahre zuvor als Schütze eintrat, wer mehr Kameraden begraben mußte [sic!], als Abgeordnete im Bundestag sitzen, darunter seinen eigenen Vater und Bruder - der kann nur den Kopf schütteln, wenn man heute die Divisionen wieder aufstellen will, die man bei Kriegsende wie Tierherden ins Pferch trieb. Man sollte jeden, der über Remilitarisierung spricht, zunächst über seine militärische Vergangenheit befragen (…). Die Antwort wird manchem die Legitimation berauben, das Wort Remilitarisierung überhaupt in den Mund zu nehmen.“
Nach VOLKMANN fehlt es der ‚Ohne mich’-Bewegung an Organisation. Sie ist ein spontan zusammengekommenes Gebilde, das als Spiegelbild der öffentlichen Meinung in Bezug auf die Wiederbewaffnung verstanden werden kann. Ihr war zueigen, dass sie auf Grund der mangelnden Organisation nicht politisch agierte, sondern nur protestierte. Kurz gesagt: „Unter dieser Gruppenbezeichnung lässt sich alles subsummieren, was sich in einer ersten Aufwallung gegen westdeutsche Aufrüstungsbestrebungen (…) öffentlich artikulierte.“ Somit liegen sehr unterschiedliche Motivationen vor, die sich politisch nur schwer in konkrete Aktionen bündeln ließen. Doch war dies bei genauerer Betrachtung auch nicht das Ziel. „‚Ohne mich!‘ und ‚Ohne uns!‘ waren (…) Parolen eines Selbstverständnisses mit der Tendenz, die drohenden Entwicklungen nicht entschlossen zu wenden, sondern aus ihnen einfach ‚auszusteigen‘.“ Daher ist auch festzustellen, dass es trotz der Ablehnung der Remilitarisierung kaum zu nennenswerten ‚sichtbaren’ Protesten kam. Oftmals fand der Protest sehr privat statt. Anstatt auf die Straße zu gehen und dort den Unmut über die Aussicht einer Wiederbewaffnung kund zu tun, schrieb man Briefe an hohe Politiker, in denen man die persönliche Ablehnung mitteilte.
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Fragestellung und den Fokus der Arbeit auf die Protestbewegung gegen die westdeutsche Wiederbewaffnung unter besonderer Berücksichtigung der evangelischen Kirche.
2. Sicherheitspolitik, Westintegration und Aufrüstung: Dieses Kapitel behandelt die außenpolitischen Rahmenbedingungen unter Konrad Adenauer, die zur Integration der Bundesrepublik in westliche Verteidigungsbündnisse führten.
3. Ablehnung, Protest und Widerstand zur Wiederbewaffnung: Hier werden die verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Akteure sowie deren Strategien und Hindernisse im Widerstand gegen die Wiederbewaffnung detailliert analysiert.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und erläutert, warum die außerparlamentarische Opposition letztlich trotz breiter Ablehnung in der Bevölkerung scheiterte.
Wiederbewaffnung, Bundeswehr, Kalter Krieg, Westintegration, Konrad Adenauer, Ohne mich-Bewegung, Evangelische Kirche, Widerstand, Remilitarisierung, Aufrüstung, Pazifismus, EKD, Protestbewegung, Souveränität, Verteidigungsbeitrag.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung der westdeutschen Wiederbewaffnung nach 1945 und den damit verbundenen Protesten innerhalb der bundesdeutschen Gesellschaft.
Im Zentrum stehen die sicherheitspolitische Westbindung unter Adenauer, die Rolle der evangelischen Kirche, die pazifistische ‚Ohne mich‘-Bewegung sowie die Haltung verschiedener Parteien und Organisationen zur Remilitarisierung.
Das primäre Ziel ist es, die Form und Zielsetzung des Widerstandes gegen die Wiederbewaffnung zu analysieren und zu klären, warum dieser trotz seiner quantitativen Stärke das Vorhaben der Regierung nicht verhindern konnte.
Die Arbeit nutzt klassische Methoden der Geschichtsforschung, darunter das Studium von Sekundärliteratur, die Analyse zeitgenössischer Presseerzeugnisse und offizieller Dokumente sowie die Interpretation politischer Entscheidungsprozesse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der internationalen Sicherheitspolitik und eine umfassende Analyse nationaler Widerstandsgruppen, insbesondere der evangelischen Kirche, der SPD, KPD, des DGB und der GVP.
Wiederbewaffnung, Remilitarisierung, Westintegration, Ohne mich-Bewegung, EKD und Kalter Krieg sind die zentralen Begriffe.
Dies lag primär an der föderativen Struktur der EKD, dem Fehlen eines übergeordneten Entscheidungsgremiums und den internen Differenzen, die eine geschlossene Positionierung unmöglich machten.
Der Antikommunismus führte dazu, dass Proteste, an denen kommunistische Gruppen beteiligt waren, automatisch stigmatisiert und von verfassungstreuen Organisationen abgelehnt wurden, was eine breite Allianz gegen die Aufrüstung verhinderte.
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