Bachelorarbeit, 2011
73 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Aktualität des Themas
1.2. Problemstellung
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Der Arbeitgeber katholische Kirche
2.1. Die Freie Wohlfahrtpflege als Gesamtheit aller sozialen Hilfen
2.2. Mitgliedszahlen katholische Kirche Deutschland und deren Entwicklung
3. Homosexualität
3.1. Vermutungen zu Ursachen für Homosexualität
3.2. Geschichtlicher Exkurs zur Homosexualität in Deutschland
3.3. Homosexualität heute
4. Die Einstellung der katholischen Kirche zum Thema Homosexualität
4.1. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls
4.2. Homosexualität in der Bibel
5. Staat und Kirche
5.1. Staat und Kirche in der geschichtlichen Entwicklung
5.2. Die Rechtsquellen der Kirche
6. Die Caritas als Arbeitgeber
6.1. Die Caritas in der geschichtlichen Entwicklung
6.2. Die Grundordnung des kirchlichen Dienstes
6.3. Die Arbeitsvertragsrichtlinien
7. Beispiele für den Umgang der katholischen Kirche mit Loyalitätsverstößen
7.1. Der Fall Kolpingwerk
Vorgeschichte
Der Arbeitsgerichtsprozess
Die Entscheidung des Arbeitsgerichts Frankfurt am Main
Zu den Entscheidungsgründen des Arbeitsgerichts
7.2. Der Fall Bernd Schüth
Vorgeschichte
Der Verlauf des Rechtstreits
Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
7.3. Schlussfolgerungen aus den Fallbeispielen
8. Schutz vor Diskriminierung
8.1. EU Recht und Richtlinien
8.2. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
8.3. Kompetenzmangel der EU?
9. Zur Diskriminierung Homosexueller am Arbeitsplatz
9.1. Out im Office?!
a. Offenheit bezüglich sexueller Identität
b. Faktoren der Organisation, die die Offenheit beeinflussen
c. Ungleichbehandlung und Diskriminierung
10. Erfahrungsberichte zum Thema Homosexualität und Kirche
10.1. Interviewstudie Erfahrungen schwuler Männer und Kirche
10.2. Erfahrungsbericht eines homosexuellen Mitarbeiters in einer Einrichtung der katholischen Kirche
Die Methode
Die Erfahrungen
11. Zusammenfassung & Fazit
11.1. Zusammenfassung der allgemeinen Resultate
11.2. Resultate in Bezug auf die Forschungsfragen der Arbeit
12. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle Rechtslage für homosexuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland. Dabei wird der Konflikt zwischen der individuellen sexuellen Orientierung und den spezifischen Anforderungen kirchlicher Arbeitgeber sowie die daraus resultierenden Herausforderungen beleuchtet.
Die Einstellung der katholischen Kirche zum Thema Homosexualität
Im Gegensatz zu den Fortschritten, die auf inndeutscher und gesellschaftlicher Ebene zu verzeichnen sind, hält die katholische Kirche an traditionellen Sichtweisen fest.
Die Kirche entwickelte im Laufe ihrer Geschichte ein immer differenzierteres Argumentationsgebilde gegen eine Akzeptanz homosexuellen Verhaltens. Die Praxis der Kirche in Bezug auf den Umgang mit Homosexuellen bewegte sich zwischen den Extremen der mittelalterlichen Schwulenverfolgung und der stillschweigenden Akzeptanz homosexueller Lebensweisen (vgl. Knäufl, 2000, S. 21).
Um näher zu erläutern, wie sich die katholische Kirche zum Thema Homosexualität im Einzelnen äußert, wird nachfolgend auf die öffentlich zugänglichen „Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls“ Bezug genommen. Diese Textauszüge dienen Kirchenmitarbeiter(innen), vor allem Bischöfen und Seelsorger(innen) als Handlungsanweisungen. Sie sollen ihnen Rat geben in fraglichen Themen und Überzeugungen verinnerlichen. Die Verlautbarungen bieten einen umfassenden Einblick in das Denkgefüge der katholischen Kirche.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Themas ein, stellt die Forschungslücke dar und definiert die zentrale Fragestellung bezüglich der Rechtslage homosexueller Beschäftigter in kirchlichen Einrichtungen.
2. Der Arbeitgeber katholische Kirche: Dieses Kapitel skizziert die Bedeutung der katholischen Kirche als großer Arbeitgeber in der Freien Wohlfahrtspflege und betrachtet die Mitgliederzahlen in Deutschland.
3. Homosexualität: Hier werden wissenschaftliche Erklärungsansätze und ein historischer Abriss der Homosexualität in Deutschland von der Strafbarkeit nach Paragraph 175 bis zur heutigen Anerkennung gegeben.
4. Die Einstellung der katholischen Kirche zum Thema Homosexualität: Dieses Kapitel analysiert die offiziellen Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls und die biblische Exegese bezüglich Homosexualität, welche das kirchliche Menschenbild prägen.
5. Staat und Kirche: Hier wird das historische und aktuelle Verhältnis zwischen Staat und Kirche sowie die kirchenrechtliche Autonomie durch das Grundgesetz erläutert.
6. Die Caritas als Arbeitgeber: Eine detaillierte Betrachtung der Caritas als Tendenzbetrieb, ihrer geschichtlichen Entwicklung und der spezifischen Grundordnung des kirchlichen Dienstes.
7. Beispiele für den Umgang der katholischen Kirche mit Loyalitätsverstößen: Anhand der Fallbeispiele "Kolpingwerk" und "Bernd Schüth" wird die Praxis der Kündigung bei Loyalitätsverstößen und die Rolle der Arbeitsgerichtsbarkeit illustriert.
8. Schutz vor Diskriminierung: Untersuchung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) und der Ausnahme für religiöse Einrichtungen, sowie die Grenzen durch europäisches Recht.
9. Zur Diskriminierung Homosexueller am Arbeitsplatz: Auswertung einer Studie von Dominic Frohn über Diskriminierungserfahrungen und das Outing-Verhalten am Arbeitsplatz.
10. Erfahrungsberichte zum Thema Homosexualität und Kirche: Integration einer Interviewstudie sowie eines persönlichen Erfahrungsberichts eines homosexuellen Mitarbeiters zur Lebenswelt in kirchlichen Einrichtungen.
11. Zusammenfassung & Fazit: Die Arbeit resümiert die gewonnenen Erkenntnisse, beantwortet die Forschungsfragen und ordnet die Ergebnisse in den gesellschaftlichen Kontext ein.
12. Ausblick: Ein Plädoyer für einen notwendigen Dialog zwischen der Kirche und dem wissenschaftlichen Fortschritt zur Anpassung der Arbeitsbedingungen.
Katholische Kirche, Homosexualität, Arbeitsrecht, Loyalitätsobliegenheiten, Diskriminierung, Caritas, Grundordnung des kirchlichen Dienstes, AGG, Menschenrechte, Kündigung, Tendenzbetrieb, Coming-out, Lebenspartnerschaft, Arbeitsgerichte, Seelsorge.
Die Arbeit untersucht die Lebens- und Arbeitssituation von homosexuellen Menschen in Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland unter Berücksichtigung rechtlicher und dogmatischer Rahmenbedingungen.
Die Schwerpunkte liegen auf dem kirchlichen Arbeitsrecht (Tendenzschutz), der lehramtlichen Einstellung zur Homosexualität, aktuellen Rechtsprechungen und der Analyse von Diskriminierungserfahrungen.
Das Ziel ist es, die aktuelle Rechtslage für homosexuelle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in katholischen Einrichtungen transparent zu machen und aufzuzeigen, ob ein Konflikt zwischen beruflicher Pflicht und privater Identität besteht.
Es handelt sich um eine qualitative Arbeit, die eine Literaturrecherche, eine Analyse von juristischen Fallbeispielen sowie die Auswertung von Experteninterviews und persönlichen Erfahrungsberichten kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in Grundlagen zum kirchenrechtlichen Status, Analysen zur Einstellung der Kirche, eine Untersuchung des Schutzes vor Diskriminierung sowie eine detaillierte Aufarbeitung konkreter arbeitsrechtlicher Präzedenzfälle.
Zentrale Begriffe sind das kirchliche Selbstbestimmungsrecht, die Loyalitätsobliegenheiten nach der Grundordnung des kirchlichen Dienstes und der Schutz des Privatlebens gemäß der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Der "Dritte Weg" beschreibt das eigenständige System der katholischen Kirche, Arbeitsbedingungen durch paritätisch besetzte Kommissionen festzulegen, anstatt durch klassische Tarifverhandlungen oder einseitige Anordnungen des Arbeitgebers.
Die Fallbeispiele zeigen, dass kirchliche Arbeitgeber zwar auf traditionellen Loyalitätsforderungen beharren, jedoch im Falle einer gerichtlichen Klärung häufiger die Grundrechte der Arbeitnehmer (Privatsphäre) gegenüber dem Tendenzschutz der Kirche an Gewicht gewinnen.
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