Bachelorarbeit, 2011
158 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung: Die Schlichtung
2 Argumentationsanalyse: Logik und Pragmatik
3 Beschreibung des Konflikts
4 Rhetorik der Moderationsaktivität
4.1 Verbale Selbstdarstellung
4.1.1 Explizite Selbstaussagen
4.1.2 Implizite Selbstaussagen
4.2 Selbststilisierung
4.2.1 Der etwas Unbeholfene
4.2.2 Der Anwalt der RezipientInnen
4.2.3 Die humorvoll entspannte Autorität
5 Konversationelle Beziehungsarbeit
5.1 Konversationelle Beziehungsarbeit zu den RezipientInnen
5.1.1 Rhetorische Verfahren der Mehrfachadressiertheit.
5.1.2 Rhetorisches Stilmittel der Beziehungsarbeit
5.2 Konversationelle Beziehungsarbeit unter den DiskutantInnen
5.2.1 Rhetorische Verfahren zur Betonung der kooperativen Orientierung
5.2.1.1 Wir-Betonung
5.2.1.2 Aufeinander Einschwören
5.2.2 Umgang mit argumentativen Gesprächsaktivitäten bei
5.2.2.1 Umgang mit gesichtsbedrohenden argumentativen
5.2.2.2 Umgang mit blockierenden Gesprächsverfahren
6 Rhetorische Verfahren zur inhaltlichen Konsensfindung
6.1 Defensiv rhetorische Verfahren zur inhaltlichen Konsensfindung
6.1.1 Moderationszyklus
6.1.2 Konklusive Sprechhandlungen
6.2 Offensiv rhetorische Verfahren zur inhaltlichen Konsensfindung
7 Zusammenfassung und Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die rhetorischen Strategien von Dr. Heiner Geißler während der Schlichtungsgespräche zum Projekt "Stuttgart 21". Ziel ist es, zu analysieren, wie Geißler als Moderator agiert, um eine Basis für konstruktive Diskurse zwischen verhärteten Fronten zu schaffen, Vertrauen aufzubauen und inhaltliche Konsensfindungsprozesse zu steuern.
4.2.1 Der etwas Unbeholfene
Gleich zu Beginn der Eingangsrede zeigt Geißler einen eigenen Sprechstil, der ihn unverwechselbar macht. Diese Selbststilisierung zeigt Parallelen zu dem von BARON vorgestellten Typen des „etwas Unbeholfenen“ (BARON 2003: 92), auch wenn es sich hier nicht um den von ihr untersuchten Kontexte handelt. Sie untersuchte Argumentieren im universitären Rahmen einer moderierten Expertendiskussion, nach einem Vortrag im Bereich der Sozialwissenschaften. Dabei beobachtete sie jedoch sprachliche Verhaltensweisen, die auch bei Geißler auftreten. Deswegen wurde hier der Typ des etwas Unbeholfenen für die Beschreibung Geißlers entlehnt, wobei jedoch zu betonen ist, dass die Entlehnung des Typs sich ausschließlich auf die Darstellung des sprachlichen Verhaltens und nicht auf die damit verbundene Funktion bezieht.
Doch was bewirkt an Geißlers Sprechstil nun den etwas Unbeholfen Typen und welche Funktionen erfüllt er? Aspekte Geißlers Sprachverhalten, die diesen Typen stilisieren, illustriert der Ausschnitt seiner Eingangsrede, in dem er sich zum Argumentationsverhalten der DiskutantInnen im Verlauf der Schlichtung äußert.
1 Einleitung: Die Schlichtung: Einführung in das Projekt Stuttgart 21, den eskalierten Konflikt und die Rolle von Dr. Heiner Geißler als Schlichter.
2 Argumentationsanalyse: Logik und Pragmatik: Darstellung des theoretischen Hintergrunds der modernen Argumentationsforschung und der Hinwendung von formaler Logik zur gesprächsanalytischen Pragmatik.
3 Beschreibung des Konflikts: Analyse der konträren Positionen von ProponentInnen (S21) und OpponentInnen (K21) auf Basis des Toulmin-Modells.
4 Rhetorik der Moderationsaktivität: Analyse der verbalen Selbstdarstellung Geißlers und seiner verschiedenen Selbststilisierungen zur Kompetenzstärkung.
5 Konversationelle Beziehungsarbeit: Untersuchung der Mittel, mit denen Geißler die Beziehung zu den beteiligten Parteien sowie den FernsehzuschauerInnen stabilisiert und steuert.
6 Rhetorische Verfahren zur inhaltlichen Konsensfindung: Beschreibung der defensiven und offensiven rhetorischen Techniken Geißlers zur Klärung der Sachinhalte.
7 Zusammenfassung und Resümee: Synthese der Analyseergebnisse und Fazit zur Wirksamkeit der rhetorischen Moderationsstrategien Geißlers.
Stuttgart 21, Schlichtungsgespräche, Heiner Geißler, Gesprächsanalyse, Argumentationsforschung, Moderation, Beziehungsarbeit, Rhetorik, Konfliktlösung, Diskursstrategien, Verbale Selbstdarstellung, Selbststilisierung, Mehrfachadressierung, Perspektivenabschottung, Konsensfindung.
Die Arbeit untersucht die rhetorische Moderation von Dr. Heiner Geißler während der Schlichtungsgespräche zu Stuttgart 21 aus der Perspektive der gesprächsanalytischen Argumentationsforschung.
Die zentralen Felder sind die Rhetorik der Moderation, die konversationelle Beziehungsarbeit und die Verfahren zur inhaltlichen Konsensfindung zwischen den Projektbefürwortern und -gegnern.
Ziel ist es, Geißlers rhetorische Strategien und deren Wirkung sowie Effizienz bei der Steuerung eines komplexen, hochgradig konfliktgeladenen öffentlichen Diskurses zu analysieren.
Es wird eine explorative, induktive Analyse auf Basis authentischer audiovisueller Transkripte unter Anwendung gesprächsanalytischer und rhetorischer Konzepte durchgeführt.
Der Hauptteil analysiert Geißlers Selbstdarstellung, seine Beziehungsarbeit zu Zuschauern und Diskutanten sowie seine spezifischen defensiven und offensiven rhetorischen Techniken zur Strukturierung des Konflikts.
Wichtige Begriffe sind Stuttgart 21, Gesprächsanalyse, Argumentationsforschung, Moderation, Beziehungsarbeit, Rhetorik und Konsensfindung.
Da die Schlichtung im Fernsehen übertragen wurde, muss Geißler sowohl die Diskutanten am Tisch als auch die Fernsehzuschauer ansprechen, was besondere Anforderungen an seine rhetorische Gestaltung stellt.
Geißler versucht, durch verschiedene Techniken wie das Einfordern von Verständlichkeit oder durch das Aufzeigen von Widersprüchen, eine "Perspektivenabschottung" der Diskutanten zu durchbrechen und zur konstruktiven Kooperation zurückzuführen.

