Bachelorarbeit, 2011
26 Seiten, Note: 2.7
1. Einleitung
2. Die phonologische Bewusstheit
3. Legasthenie
3.1 Zwischen Legasthenie und LRS: Begriffsklärung mit historischen Aspekten
3.2 Der ungestörte Schriftspracherwerb
3.3 Die Vorläufermerkmale des Schriftspracherwerbs
3.4 Das Erscheinungsbild der Legasthenie und ihre Ursachen
3.5 Zwischenfazit
4. Früherkennung und Fördermöglichkeit
4.1 Früherkennungsmöglichkeit: BISC
4.2 Fördermöglichkeit: Würzburger Trainingsprogramm
4.3 Kritische Würdigung des BISC und Würzburger Trainingsprogramms
5. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Rolle der phonologischen Bewusstheit innerhalb des Schriftspracherwerbs und deren Bedeutung im Kontext der Legasthenie (LRS). Ziel ist es, durch die Analyse wissenschaftlicher Modelle und Förderkonzepte zu klären, inwiefern eine unzureichend ausgebildete phonologische Bewusstheit als ursächlicher Faktor für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten betrachtet werden kann.
3.2 Der ungestörte Schriftspracherwerb
Der Erfolg im Schriftspracherwerb ist bedingt durch operierendes Wissen des lautlichen Prinzips unserer geschriebenen Sprache. Diesem Prinzip liegt zu Grunde, dass sich die Elemente der geschriebenen Sprache auf lautliche Einheiten beziehen. In der Wissenschaft ist dieser Kernpunkt der deutschen Sprache unter der Korrespondenzregel bekannt. Beim Lesen wird die Graphem- Phonem- Korrespondenz zu Grunde gelegt. Beim Schreibprozess heißt es dementsprechend, dass von einer Phonem- Graphem- Korrespondenz ausgegangen werden muss (Küspert 1988: 65, Dudenredaktion 2006: 66, 68). Das phonologische Prinzip wird weitestgehend auf der zweiten Entwicklungsstufe im Schriftspracherwerb erlernt. Zunächst muss sich der Schüler allerdings von der Bedeutungsebene der Sprache lösen und sich den sprachlichen Strukturen widmen (Küspert 1998: 66).
Als Darstellung des Schriftspracherwerbs in Modellform wird die Annahme Eichlers als Grundlage genutzt (in Thomé 2004: 40-41). Sein Ausgangspunkt ist die Psycholinguistik, in welcher der Schriftspracherwerb in verschiedenen Stufen und Strategien gesehen wird. Unumstritten sind diese Stufen dem Modell von Frith (19864) sehr nah, wenn nicht identisch. Die Entwicklungsstufen sind rein erklärend und gehen fließend ineinander über. Eichlers Modell wird meinerseits durch Angaben von Küspert, Schulte- Körne und Scheerer- Neumann ergänzt. Da sich das Verständnis der drei Autoren in Grundzügen ebenfalls dem Modell von Frith zuordnen lässt, findet keine Verfälschung von Eichlers Modell statt, sondern lediglich Ergänzungen im Sinne der Vollständigkeit.
Die erste Stufe ist die logographemische Phase. Ausgehend vom Leselernprozess erkennen die Kinder Wörter durch markante Details wieder (Eichler in Thomé 2004: 40). Das kann bei dem Wort Post zum Beispiel das entsprechende Symbol, das Horn, sein. Von einem „richtigen“ Lesen kann aber noch nicht gesprochen werden. Das Schreiben ist nicht im eigentlichen Sinn zu verstehen. Vielmehr ist es ein „kritzeln“ und wird daher in zahlreicher Literatur auch als „Kritzelschrift“, ein imitieren von Schrift, definiert. Die Wörter werden dementsprechend ohne die Kenntnis der Lautbuchstabenzuordnung aufgeschrieben (Schulte- Körne in Thomé 2004: 76).
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des Schriftspracherwerbs dar und führt in die Fragestellung ein, welche Rolle die phonologische Bewusstheit im Rahmen der Legasthenie einnimmt.
2. Die phonologische Bewusstheit: Das Kapitel definiert die phonologische Bewusstheit als metasprachliche Fähigkeit und unterscheidet zwischen der Ausprägung im weiteren und engeren Sinn.
3. Legasthenie: Dieses Kapitel erörtert die historische Begriffsentwicklung, erläutert das Modell des ungestörten Schriftspracherwerbs und analysiert die Ursachen sowie das Erscheinungsbild der Legasthenie.
4. Früherkennung und Fördermöglichkeit: Das Kapitel stellt das Bielefelder Screening (BISC) zur Früherkennung sowie das Würzburger Trainingsprogramm zur Prävention vor und unterzieht diese einer kritischen Würdigung.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zur Bedeutung der phonologischen Bewusstheit zusammen und identifiziert offenen Forschungsbedarf hinsichtlich weiterführender Förderkonzepte.
Legasthenie, LRS, phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, BISC, Würzburger Trainingsprogramm, Früherkennung, Phonemsynthese, Phonemanalyse, Vorläufermerkmale, Laut-Buchstaben-Zuordnung, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Prävention, Sprachwissenschaft, metasprachliche Bewusstheit.
Die Arbeit untersucht die wissenschaftlichen Zusammenhänge zwischen der phonologischen Bewusstheit und dem Phänomen der Legasthenie im Rahmen des Schriftspracherwerbs.
Die zentralen Felder sind die Definition der phonologischen Bewusstheit, die Stufen des normalen Schriftspracherwerbs sowie diagnostische und präventive Förderprogramme.
Das primäre Ziel ist es, die Rolle der phonologischen Bewusstheit als ursächlichen Faktor für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten zu klären und deren Bedeutung für die vorschulische Förderung zu evaluieren.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Analyse und Auswertung einschlägiger fachwissenschaftlicher Literatur, Studien und Modellen zum Schriftspracherwerb basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur phonologischen Bewusstheit, eine historische und begriffliche Einordnung der Legasthenie sowie die detaillierte Darstellung von Früherkennungs- und Trainingsprogrammen.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie phonologische Bewusstheit, Schriftspracherwerb, BISC, Würzburger Trainingsprogramm und Prävention charakterisiert.
Die Differenzierung ist essentiell, da die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinn bereits vorschulisch vorhanden ist, während sich die Fähigkeiten im engeren Sinn meist erst parallel zum erlernten Schriftspracherwerb in der Schule entwickeln.
Die Kritik bezieht sich primär auf den hohen zeitlichen Aufwand, die befürchtete begrenzte Trefferquote bei Risikokindern sowie die Frage, inwieweit die dort geprüften Leistungen tatsächlich durch Interventionen trainierbar sind.
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