Magisterarbeit, 2011
76 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Videoclips
2.1. Videoclips als Bestandteil einer visuellen Kultur
2.2. Medienökonomische Positionierung
2.3. Formale Aspekte
2.4. Videoclipästhetik
3. Der Wüsten-Topos
3.1. Die Wüste als Erfahrungsraum und Symbol
3.2. Visualisierung des Wüsten-Topos
3.2.1. Wüstenfilme
4. Raumkonzepte
4.1. Der relationale Raum
4.2. Die Wüste als Archetyp des glatten Raums
4.3. Heterotopien
4.3.1. Einsamkeitstechniken
4.4. Einsamkeitsorte der Moderne
5. Raumkonfigurationen in Videoclips
6. Exemplarische Analysen
6.1. Einsamkeitsorte und -techniken in Chris Cunninghams Frozen
6.2. Die Visualisierung des Unbewussten in Saxons und Hellfritschs Knife
6.3. Identität und Magie in Joaquín Cambres Pal Norte
7. Schlussbetrachtungen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ästhetische und raumtheoretische Bedeutung der Wüste als Topos in zeitgenössischen Musikvideos. Dabei wird analysiert, wie Regisseure die Wüste als geografisches Setting nutzen, um durch raumkonstruktive Ansätze und die Verbindung von Bild, Musik und Text neue, teils surreale oder symbolische Erfahrungsräume zu schaffen.
Die Wüste als Erfahrungsraum und Symbol
„Das Thema ist so grenzenlos wie die Wüste selbst“ heißt es in dem Aufsatz „Symbolik der Wüste“ von Stefan Deeg, Michel Hermann und Levin Goldschmidt.50 Dennoch begeben sich die Autoren auf den Weg und vollziehen, über die Quellen der drei großen Schriftreligionen51, die semantische Aufladung des Wüstenbegriffs in einem religiös philosophischen Kontext nach, in dem die Wüstenbilder noch eng mit ihrem topografischen Referenten52 verknüpft sind. Unter der Prämisse eines Raumbegriffes, der das Raumerleben als eine psycho-physische Grundgegebenheit ansieht und somit den „erlebten Raum“53 in den Vordergrund der Betrachtung stellt, bieten sie eine erste Definition: „Die Wüste wird als undifferenzierter Raum erfahren: weglos, umrißlos, man verliert die Orientierung, verirrt sich; die Wüste ist still, öd und leer. Sie ist unfruchtbar, lebensfeindlich“.54 In der amorphen Struktur des Ortes sehen die Autoren den Anreiz zur symbolischen Aufladung begründet:
Sie kann der Ort des Verderbens sein. Wegen ihrer Leere wirft sie den Menschen auf sich selbst zurück, der seine Phantasmagorien in sie hineinprojiziert; das kann glückbringend wie schauerlich ausfallen. Und sie kann zum Ort der Begegnung mit dem Höchsten werden. [...] Auch liegt der Gedanke nahe, dass die Preisgabe in einem sozial leeren Raum die Individuation fördert.55
Über die Auswertung der Referenztexte erarbeiten die Autoren fünf Facetten des Wüstenbegriffs, die einen Einblick in die Mehrdeutigkeit des Gegenstandes verschaffen. Die Nähe zu Gott ist eines der Potentiale der Wüste. Dieses kann sich im Positiven in einer Begegnung mit Gott ausdrücken, im Negativen aber auch in der Bestrafung Gottes, was die Wüste schließlich zum Ort der Buße, der Erprobung oder der Bewährung werden lässt. Ein zweites Thema ist die Wüste als Ort der Askese, wie sie von den Anachoreten, Eremiten oder Wüstenvätern praktiziert wurde.
1. Einleitung: Einführung in das Thema der Wüste im Videoclip und Darstellung der raumtheoretischen Relevanz.
2. Videoclips: Beleuchtung der medienökonomischen, formalen und ästhetischen Aspekte von Musikvideos als Bestandteil der Gegenwartskultur.
3. Der Wüsten-Topos: Theoretische Herleitung der Wüste als Symbol sowie Analyse der filmischen Visualisierungsformen von Wüstenlandschaften.
4. Raumkonzepte: Vorstellung zentraler raumtheoretischer Ansätze (Relationaler Raum, Glatter/Gekerbter Raum, Heterotopien, Nicht-Orte) zur Analyse von Filmräumen.
5. Raumkonfigurationen in Videoclips: Zusammenführung von Musikstruktur und visueller Raumkonstitution als dynamischer Prozess.
6. Exemplarische Analysen: Detaillierte Fallstudien zu den Musikvideos Frozen, Knife und Pal Norte hinsichtlich ihrer Raumgestaltung.
7. Schlussbetrachtungen: Fazit zur Eignung der Wüste als Rohstoff für künstlerische Grenzerfahrungen und zur Anwendbarkeit der gewählten Theorien.
Wüsten-Topos, Musikvideo, Videoclipästhetik, Raumtheorie, Glatter Raum, Heterotopien, Nicht-Ort, Raumkonfiguration, Visuelle Kultur, Metamorphose, Chris Cunningham, Madonna, Pal Norte, Raumsoziologie, Symbolik der Wüste.
Die Arbeit untersucht, wie Musikvideos den kulturhistorisch aufgeladenen Topos der Wüste visuell inszenieren und wie diese Räume raumtheoretisch gefasst werden können.
Zentrale Themen sind die Ästhetik des Musikvideos, die Raumtheorie (unter Einbezug von Foucault, Deleuze/Guattari und Augé) sowie die spezifische Rolle der Wüste als Raum für Metamorphosen und Identitätsbildung.
Das Ziel ist es, ein begriffliches Instrumentarium zu entwickeln, um zu analysieren, wie in einem genuin bewegten Medium wie dem Videoclip Wüstenräume als dynamische, prozesshafte Orte konstituiert werden.
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, die medienwissenschaftliche Analysen mit raumtheoretischen Theorien der Soziologie und Philosophie verknüpft.
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung der Raumkonzepte sowie der exemplarischen Analyse dreier spezifischer Musikvideos, um die theoretischen Ansätze in der Praxis zu prüfen.
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von Musikstrukturen (z.B. Rhythmisierung) mit filmischen Gestaltungsmitteln aus, wobei die Wüste sowohl als Naturraum als auch als Metapher für Einsamkeit und Transformation betrachtet wird.
Nach der Definition von Ekkehard Knörer zeichnet sich der Wüstenfilm durch den Zerfall des klassischen filmischen Rahmens aus, was die Wüste als einen Ort der Destabilisierung von Figur und Raum erfahrbar macht.
In "Frozen" fungiert die Metamorphose als zentrales Gestaltungselement, durch welches das starre Körperbild aufgehoben wird, um die Künstlerin als spirituelles Wesen in einer steten, raumverändernden Transformation zu zeigen.
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