Lizentiatsarbeit, 2010
110 Seiten, Note: 4
1. Einleitung
2. Militarismusbegriff
2. 1. Die Entstehung der Militarismuskritik
2. 2. Linke Militarismuskritik
3. Roter Militarismus
3. 1. Expansionistische Kriege der Roten Armee
3. 2. Militarisierung der Sowjetgesellschaft
3. 3. Kriegskommunismus als militaristische Verhaltensweise
3. 4. Sowjetische Wirtschaftsmobilisierung als Militarisierung der Wirtschaft
3. 5. Die Rolle der westlichen Ideen bei der Militarisierung der Wirtschaft
3. 6. Schichten und Gruppen in der Sowjetgesellschaft und Antagonismus zwischen den Gruppen als Wurzel des sowjetischen Militarismus
4. Sowjetische Kriegspläne gegen den Westen
4. 1. Der Plan „des zukünftigen Kriegs“
4. 2. Die Kriegsdrohung des Jahres 1927
4. 3. Svečins Kriegsplan
4. 4. Die Pläne „Voller Sieg“ und „Halbsieg“
4. 5. Stalins Vorwurf an Tuchačevskij hinsichtlich des Roten Militarismus
4. 6. Partei-Militär-Beziehungen und Repressalien unter den Armeeangehörigen
4. 7. Verwandlung der Roten Armee in ein stehendes Heer
5. Militär-industrieller Komplex der Sowjetunion
5. 1. Die Rolle der geheimen sowjetisch-deutschen Zusammenarbeit bei der Entstehung der sowjetischen Militärindustrie
5. 2. Vergleich des sowjetischen Militarismus mit seinem nationalsozialistischen Gegenstück
6. Schlussbetrachtung
Die vorliegende Lizenziatsarbeit untersucht die Merkmale und die Entwicklung des sowjetischen Militarismus während der Zwischenkriegszeit. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob in der Sowjetunion ein eigenständiger Militarismus existierte und ob das Militär als dominanter gesellschaftlicher Faktor fungierte oder unter strenger Kontrolle der Kommunistischen Partei stand.
3. 1. Expansionistische Kriege der Roten Armee
Die marxistisch-leninistische Kriegstheorie rechtfertigt den Krieg, wenn er den Interessen des Proletariats dient. Gemäss marxistischer Definition gibt keine expansionistischen Kriege mehr, wenn die Klassengesellschaft überwunden und die sozialistische Gesellschaft eingeführt ist, weil expansionistische Kriege zur Ausbeutung durch die herrschende Klasse dienen. Also rechtfertigt sie den Krieg, wenn er vom Proletariat selbst gegen die herrschende Klasse geführt wird, und verurteilt den Krieg, wenn er gegen die Arbeiterklasse gerichtet ist und der Unterwerfung eines Volkes dient. Hier ergibt sich die Frage zu den von der Roten Armee geführten Kriegen, ob sie gerechte Kriege waren, wie die deutschen Sozialisten unterstellen.
Nach dem Zerfall des russischen Imperiums und der Entstehung des bolschewistischen Russland erklärten nicht-russische Völker des russischen Imperiums ihre Unabhängigkeit. Polen, Finnland, Ukraine, Weissrussland, Lettland, Littau, Estland, Aserbaidschan, Armenien und Georgien wurden souveräne Republiken. Nach Litauen, das als erstes am 16. Februar 1918 seine Eigenständigkeit erklärte, wurde Polen unabhängig.
Das expansionistische Gesicht der Roten Armee liess sich nicht lange verbergen. Nach den Erfolgen im Bürgerkrieg gegen die Weissen begann die Rote Armee ihre Offensive. In den Jahren 1918/19 wurden die unabhängigen Republiken Belarus und Ukraine von der bolschewistischen Armee besetzt. Nach dem Verzicht der Türkei auf den Südkaukasus konnte Sowjetrussland das Gebiet besetzen. Die Truppen der Osmanischen Armee verliessen Aserbaidschan nach dem Ersten Weltkrieg, wo sie seit zwei Jahren stationiert waren. Ohne osmanische Hilfe wagten die südkaukasischen Republiken nicht gegen die Rotarmisten zu kämpfen. Das am 27. April 1920 okkupierte Land Aserbaidschan versuchte durch die lokalen Proteste seine Unabhängigkeit zu schützen. Die Rotarmisten schlugen den letzten Aufstand, welcher die Besetzung Armeniens und Georgiens verlangsamte, in der westaserbaidschanischen Stadt Gandscha brutal nieder. Im November 1920 und im Februar 1921 kapitulierten Armenien und Georgien, die nicht in der Lage waren, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen.
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert das Ziel der Arbeit, die Merkmale des sowjetischen Militarismus in der Zwischenkriegszeit zu identifizieren und dessen Existenz anhand neuer Archivfunde zu hinterfragen.
2. Militarismusbegriff: Dieses Kapitel erläutert die historischen Ursprünge und die theoretische Entwicklung des Militarismusbegriffs durch liberale und sozialistische Denker.
3. Roter Militarismus: Hier wird untersucht, wie die Rote Armee und die sowjetische Gesellschaft militarisiert wurden und inwieweit Klassenantagonismen den sowjetischen Militarismus begründeten.
4. Sowjetische Kriegspläne gegen den Westen: Dieses Kapitel analysiert die geheimen strategischen Planungen der Sowjetunion, die auf eine aggressive Ausweitung und Sicherung der Macht abzielten.
5. Militär-industrieller Komplex der Sowjetunion: Der letzte Teil behandelt die Entstehung und Entwicklung des MIK und vergleicht den sowjetischen Militarismus mit dem nationalsozialistischen Gegenstück.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass der sowjetische Militarismus eine offene Form annahm, die ideologisch und praktisch auf Machtsicherung ausgerichtet war.
Sowjetischer Militarismus, Rote Armee, Zwischenkriegszeit, Militarisierung, Kriegspläne, Klassenkampf, Stalinismus, Militär-industrieller Komplex, Nomenklatura, Sowjetunion, Bolschewismus, Aufrüstung, Repressalien, Weltrevolution, Expansionismus.
Die Arbeit untersucht das Phänomen des sowjetischen Militarismus in der Zwischenkriegszeit und analysiert, inwieweit dieses Herrschafts- und Gesellschaftssystem unter Stalin militarisiert war.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die theoretische Definition des Militarismus, die Militarisierung der sowjetischen Gesellschaft, geheime Kriegspläne gegen den Westen und die Entstehung des militär-industriellen Komplexes.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, ob in der UdSSR ein Militarismus existierte, der über die reine Landesverteidigung hinausging und ob dieser Prozess durch die Kommunistische Partei aktiv vorangetrieben wurde.
Der Autor nutzt eine historisch-kritische Quellenanalyse, bei der er auf neu zugänglich gewordene Archivdokumente, Zeitzeugenerinnerungen und historische Forschungsliteratur zurückgreift.
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Roten Armee, dem Kriegskommunismus, der Rolle westlicher Ideen bei der Wirtschaftsmobilisierung sowie den internen Repressalien innerhalb der Parteielite.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Sowjetischer Militarismus, Rote Armee, Kriegspläne, MIK (militär-industrieller Komplex) und Stalinismus.
Die Arbeit verdeutlicht, dass das Militär unter Stalin kein unabhängiger Akteur war, sondern stets unter der strengen Kontrolle der Parteiführung stand, wobei Repressalien der Machtsicherung dienten.
Der Autor schlussfolgert, dass sowohl der sowjetische als auch der nationalsozialistische Militarismus als "doppelter Militarismus" eingestuft werden können, da sie sowohl auf interne Stabilität als auch auf aggressive Außenpolitik ausgerichtet waren.
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