Magisterarbeit, 2007
88 Seiten
1. Einleitung – Thematische Schwerpunkte und Vorgehensweise der Arbeit
2. Zum kultur- und literaturgeschichtlichen Hintergrund
2.1 Die Postmoderne
2.1.1 Versuch einer Begriffsbestimmung
2.1.2 Literarische Ausprägungen der Postmoderne
3. Plotmuster und –elemente
3.1. “I am the alpha and omega of narrators” – Unzuverlässiges Erzählen in Atkinsons Romanen
3.1.1 Zum Begriff des unzuverlässigen Erzählers
3.1.2. Ruby
3.1.3 Isobel
3.1.4 Effie
3.2 “Is this real?” – Magische Elemente in Human Croquet
3.2.1 Der Magische Realismus im Kontext der Postmoderne
3.2.2 Zeitreisen
3.2.3 Alternative Realitäten
3.2.4 Metamorphosen
4. Strukturen der Dialogizität und Selbstreflexivität
4.1 Intertextualität
4.1.1 Arten und Funktionen der Intertextualität
4.1.2 Shakespeares romantische Komödien und andere Intertexte in Human Croquet
4.1.3 Der Gebrauch von Märchen
4.2 Metafiktion
4.2.1 Zum Begriff Metafiktion
4.2.2 Die Kunst des Erzählens in Emotionally Weird
4.2.3 Stilistische und graphische Strategien der Metafiktion
4.2.4 Metafiktion im Detektivroman
4.3. Historiographische Metafiktion
4.3.1 Das Konzept der Historiographischen Metafiktion
4.3.2 Zur Rekonstruktion der vergessenen und ungeschriebenen Geschichte der Frauen
4.3.3 Die Literarische Gestaltung weiblicher Geschichtserfahrung in Behind the Scenes at the Museum
4.3.4 Historische Figuren in Human Croquet
5. Schlussfolgerung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstrukturen in fünf ausgewählten Romanen von Kate Atkinson, um aufzuzeigen, wie die Autorin gezielt postmoderne Erzählstrategien einsetzt, um konventionelle Wirklichkeitsdarstellungen zu hinterfragen und zu parodieren.
3.1.2 Ruby
Mit den Worten “I exist!” beginnt die autodiegetische Erzählerin in Behind the Scenes at the Museum ihre Erzählung. Es ist der Moment ihrer Zeugung und Ruby, so der Name der Erzählerin, verfolgt von nun an das Geschehen aus dem Leib ihrer Mutter Bunty. Aus dieser Position behauptet sie, nicht nur die Gedanken und Träume ihrer Mutter zu kennen (“I’m privy to all kinds of inside information”), sondern auch Einsicht in alles zu haben, was sich außerhalb ereignet. So stellt Ruby dem Leser zunächst ihre beiden Schwestern Gillian und Patricia vor und berichtet dann im Detail den Ablauf ihres ersten Tages als heimliche Augenzeugin. Dabei scheint sie eine Art Vogelperspektive einzunehmen, die es ihr erlaubt, das Geschehen an verschiedenen Orten simultan zu überblicken. Neben einem umfassenden Überblick über die gegenwärtigen Ereignisse, hat Ruby auch Einblick in die Vergangenheit und die Zukunft. Indem sie die Erzählerin der Fußnoten ist, gibt Ruby vor, über Informationen zu verfügen, die ihr spezifisches Erkenntnisvermögen als Ich-Erzählerin übersteigen.
Darüber hinaus macht Ruby zahlreiche Andeutungen bezüglich zukünftiger Ereignisse. So weist sie in Form einer Prolepse auf den frühen Tod ihrer Schwester Gillian hin und deutet mehrfach den Brand in ihrem elterlichen Haus voraus.
Not much of a future as it turned out, as she gets run over by a pale blue Hillman Husky in 1959 but how are any of us to know this?
Da Ruby als Ich-Erzählerin gemäß den literarischen Konventionen nur über einen kognitiv eingeschränkten Erkenntnishorizont verfügen kann, steht es ihr bezüglich ihrer erzähltechnischen Funktion nicht zu, Einblicke in die Bewusstseinsprozesse anderer Figuren oder zukünftige Ereignisse zu haben. Ihre scheinbare Allwissenheit ist demzufolge ein erstes Signal für die mangelnde Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen.
1. Einleitung – Thematische Schwerpunkte und Vorgehensweise der Arbeit: Einführung in das Werk von Kate Atkinson und Vorstellung der zu untersuchenden Romane sowie der methodischen Herangehensweise der Arbeit.
2. Zum kultur- und literaturgeschichtlichen Hintergrund: Darstellung der theoretischen Grundlagen der Postmoderne und ihrer spezifischen Ausprägungen in der Literatur.
3. Plotmuster und –elemente: Analyse von unzuverlässigem Erzählen und der Verwendung magischer Elemente wie Zeitreisen und Metamorphosen in den Romanen.
4. Strukturen der Dialogizität und Selbstreflexivität: Untersuchung von Intertextualität, Metafiktion und historiographischer Metafiktion als zentrale postmoderne Erzählwerkzeuge.
5. Schlussfolgerung: Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Bestätigung der Ausgangsthese, dass Atkinsons Romane komplexe postmoderne Erzählungen darstellen.
Postmoderne, Kate Atkinson, unzuverlässiges Erzählen, Magischer Realismus, Intertextualität, Metafiktion, Historiographische Metafiktion, Detektivroman, Identität, Sprache, Wirklichkeitskonstruktion, Narrativität, Erzählstrukturen, Weibliche Geschichtserfahrung, Poststrukturalismus.
Die Arbeit analysiert die spezifischen post-modernen Erzählstrukturen in den Romanen der britischen Autorin Kate Atkinson.
Die Schwerpunkte liegen auf dem unzuverlässigen Erzählen, dem Magischen Realismus, der Intertextualität, verschiedenen Formen der Metafiktion und der historiographischen Metafiktion.
Es soll nachgewiesen werden, dass die Autorin gezielt postmoderne Strategien anwendet, um konventionelle Erzählweisen zu unterwandern und die Subjektivität von Geschichte und Wahrheit zu thematisieren.
Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die sich auf einschlägige Erzähltheorien und Konzepte der Postmoderne stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Bereiche: Plotmuster (unzuverlässiges Erzählen, magische Elemente), Strukturen der Dialogizität und Selbstreflexivität (Intertextualität, Metafiktion) sowie die historiographische Metafiktion.
Die wichtigsten Schlagworte sind Postmoderne, Intertextualität, Metafiktion, unzuverlässiges Erzählen und historiographische Metafiktion.
Die Metamorphose fungiert als Ausdruck der Identitätsinstabilität und verdeutlicht die postmoderne Skepsis gegenüber der Vorstellung einer stabilen, unveränderlichen Persönlichkeit.
Die Fußnoten dienen als metafiktionales Instrument, um die Grenze zwischen akademischem Diskurs und Fiktion zu verwischen und zu demonstrieren, dass Geschichte stets ein subjektiver und konstruierter Prozess ist.
Die Arbeit unterscheidet zwischen der diegetisch verdeckten Selbstreflexion klassischer Detektivgeschichten und der offeneren, post-modernen Metafiktionalität, die die Literarizität des Erzählens aktiv ausstellt.
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