Magisterarbeit, 2011
96 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Zentrale Begriffe - Verwendung und Einordnung
2.1 Berufliche Weiterbildung unter aktuellen Rahmenbedingungen
2.1.1 Strukturen und erweiterte Lernkontexte
2.1.2 Sozioökonomische Rahmenbedingungen
2.1.3 Lebenslanges Lernen als bildungspolitscher Entwurf
2.1.4 Berufliche Weiterbildung und Kompetenzentwicklung
2.2 Lernwiderstand - vorläufige Beschreibung und Einordnung
2.2.1 Begriffliche Verwendung
2.2.2 Einordnung als Phänomen
3. Analyse möglicher Generatoren von Lernwiderständen
3.1 Außerhalb der Person liegende Einflussfaktoren
3.1.1 Gesellschafts-, Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik
3.1.2 Institutionelle Rahmenbedingungen
3.1.3 Lehrer-Lerner-Interaktion
3.1.4 Lehr-Lern-Arrangement
3.1.4.1 Traditionelle Unterrichtsmethoden
3.1.4.2 Selbstgesteuertes Lernen
3.2 Personale Einflussfaktoren
3.2.1 Subjektive Bewertung von Lernangeboten
3.2.2 Bewusste und unbewusste Emotionen
3.2.3 (Lern-) Biographische Erfahrungen
3.2.4 Aktuelle Situiertheit
4. Lernwiderstände theoretisch gefasst
4.1 Kognitionstheoretische Lerntheorien
4.2 Konstruktivistische Erkenntnistheorie
4.3 Subjektwissenschaftliche Grundlegung des Lernens
4.4 Emotionale Grundlagen des Denkens - Affektlogik
4.5 Beziehungstheoretische Perspektive
4.6 Zusammenfassung Theorien
5. Implikationen für die Unterstützung von Lernprozessen
5.1 Weiterbildungsberatung als individuelle Orientierungshilfe
5.2 Institutionelle Rahmenbedingungen für expansives Lernen
5.3 Hinweise für einen Umgang mit Lern-Widerstand in der Lehr-Lern-Situation
5.4 Lernberatung als Unterstützung im Lernprozess
5.5 Zusammenfassung Implikationen
6. Zusammenfassung
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Erscheinungsformen von Lernwiderständen in der formalisierten beruflichen Weiterbildung, um Wege für einen reflektierten Umgang mit diesen Widerständen durch Lehrende und Bildungseinrichtungen aufzuzeigen.
3.1.4.1 Traditionelle Unterrichtsmethoden
Wenn in Kapitel 3.1.2 von „Dozentenzentriertem Frontalunterricht“ oder „vorlesungsähnlicher Tätigkeit“ die Rede war, so sind hiermit nur einige der „traditionellen Unterrichtsmethoden“ angesprochen, die in der beruflichen Weiterbildung nach wie vor verbreitet sind. Hinsichtlich ihrer Akzeptanz durch die Lernenden ergibt sich zunächst jedoch kein eindeutiges Bild.
Formalisiertes institutionalisiertes Lernen ist „systematisch geplant, sachlogisch sequenziert, nach Entwicklungsstufen differenziert, zweckbezogen institutionalisiert und rechtlich geregelt - aber dafür meist lebensferner und für die Lernenden uninteressanter..“ (Dohmen, 2004, S. 28) Bei traditionellen Unterrichtsmethoden steht die Instruktion im Vordergrund: Inhalte werden präsentiert und erklärt, die Lernenden werden angeleitet, ihr Lernfortschritt wird kontrolliert, dabei nehmen sie eine vorwiegend passive Position ein. Die Lerninhalte sind fertig entwickelt und klar strukturiert, Ziel ist es, dass die Lernenden die gesetzten Leistungskriterien erfüllen - die Überprüfung des Lernerfolgs ist dabei von größter Bedeutung. (vgl. Reinmann-Rothmeier/Mandl 1997, S. 359f) Wie in Kap. 3.1.3 aufgezeigt, entspricht diese Form des Unterrichts mittlerweile nicht nur nicht mehr pädagogischen Vorstellungen von „selbstgesteuertem“ Lernen, sondern es gibt auch zunehmend Teilnehmer, die sich offen gegen diese einseitige Art der Vermittlung aussprechen oder die als Reaktion hierauf unaufmerksam sind, Seitengespräche führen, Anlässe suchen, den Raum zu verlassen oder sich mit PC, Mobiltelefon o.ä. beschäftigen.
Aus Sicht der Lehrenden sind die klassischen Unterrichtsmethoden verbunden mit einer Vorstellung von Bildungsprozessen, die Lehren als von außen induziertes Lernen versteht, und die mit großen Wirkungserwartungen in Bezug auf dieses Lehr-Handeln und dem Glauben an einen reibungslosen Ablauf des Lehr-Lern-Prozesses als Normalfall verbunden ist (vgl. Häcker 1999, S. 39) Eine solche Vorstellung hat jedoch Konsequenzen: die Lernenden werden letztlich als Objekte dieser Prozesse konzipiert (vgl. Arnold 1993, S. 27, zit. nach Häcker 1999, S. 39) und eine mögliche Abwehr, Zurückweisung, Verweigerung oder Unengagiertheit im Hinblick auf die Lernanforderungen wird unter dieser Prämisse, als «Störung» des Lehr-Lern-Prozesses wahrgenommen, dem dann von Seiten der Lehrenden mit Brechen des Widerstandes, der disziplinarischen Vorbeugung oder Strategien der Glättung und Unspürbarmachung begegnet wird.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert Lernwiderstände in der formalen Weiterbildung als Phänomen, das bei Lehrpersonen häufig Ratlosigkeit auslöst und untersucht deren Ursachen sowie Implikationen für die Lehrpraxis.
2. Zentrale Begriffe - Verwendung und Einordnung: Dieser Abschnitt klärt die Begriffe formalisierte berufliche Weiterbildung und Lernwiderstand vor dem Hintergrund sozioökonomischer Rahmenbedingungen.
3. Analyse möglicher Generatoren von Lernwiderständen: Hier werden strukturelle, institutionelle und personale Einflussfaktoren identifiziert, die Lernwiderstände begünstigen oder hervorrufen können.
4. Lernwiderstände theoretisch gefasst: Unterschiedliche Lerntheorien wie Kognitivismus, Konstruktivismus und die subjektwissenschaftliche Grundlegung werden hinsichtlich ihres Erklärungsbeitrags für Lernwiderstände diskutiert.
5. Implikationen für die Unterstützung von Lernprozessen: Dieses Kapitel erörtert Ansätze wie Weiterbildungs- und Lernberatung, um Lernwiderstände konstruktiv zu begleiten und Lernprozesse zu unterstützen.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die Lernwiderstände als nicht zwingendes, sondern vielschichtiges Phänomen bestätigt, für dessen Umgang reflexive und beratungsorientierte Ansätze notwendig sind.
Lernwiderstand, berufliche Weiterbildung, Lernberatung, Erwachsenenbildung, Selbststeuerung, Lernkultur, konstruktivistische Didaktik, Affektlogik, Teilnehmerorientierung, Bildungsbiographie, Lernprozess, Weiterbildungsberatung, Lehrmethoden, Lernbarrieren, Subjektwissenschaft.
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Lernwiderstände in der formalen beruflichen Weiterbildung und analysiert, warum Teilnehmer sich gegen Lernangebote zur Wehr setzen oder diese nur defensiv bewältigen.
Die Arbeit beleuchtet die institutionellen Bedingungen von Weiterbildung, die Rolle der Lehrenden, das Konzept des lebenslangen Lernens sowie personale Faktoren wie Emotionen und Lernbiographien der Teilnehmenden.
Es wird untersucht, welche Ursachen Lernwiderstände in organisierten Lehr-Lern-Prozessen haben und wie Lehrende sowie Einrichtungen lernförderliche Strategien entwickeln können, anstatt Widerstände nur als Störungen zu betrachten.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Referenzierung empirischer Leitstudien, um theoretische Konzepte (z.B. Konstruktivismus, Affektlogik, Subjektwissenschaft) kritisch auf das Problem der Lernwiderstände anzuwenden.
Der Hauptteil analysiert Generatoren von Lernwiderständen – unterteilt in äußere institutionelle Faktoren (z.B. Frontalunterricht, Machtgefälle) und innere personale Faktoren (z.B. Deutungsmuster, Emotionen) – und stellt theoretische Erklärungsmodelle gegenüber.
Zentrale Begriffe sind Lernwiderstand, Selbststeuerung, Lernberatung, Subjektorientierung und die kritische Auseinandersetzung mit formalen Bildungsstrukturen.
Die Arbeit betont, dass Kognition und Emotion untrennbar verbunden sind. Lernwiderstände sind oft Ausdruck unbewusster emotionaler Schutzvorgänge oder resultieren aus einer als unangemessen empfundenen "Biographischen Zumutung" durch den Lernstoff.
Lernberatung wird als zentrales Support-Instrument gesehen, das Teilnehmer befähigen soll, ihre Lernprozesse selbstverantwortlich zu gestalten und Lernwiderstände durch Reflexion auf einer Metaebene produktiv zu bearbeiten.
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