Diplomarbeit, 2011
90 Seiten, Note: 1,00
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung
2 Grundlagen zur Forderungsverbriefung
2.1 Grundidee und begriffliche Definition der Verbriefung
2.2 Verbriefungsstrukturen nach der unterliegenden Forderungsart
2.3 Verbriefungen nach der Laufzeit (Term- vs. ABCP-Programme)
2.4 Verbriefungsstrukturen nach der Art des Risikotransfers
2.4.1 True Sale Verbriefungsstrukturen
2.4.2 Kreditderivate und Synthetische Kreditverbriefungen
2.4.3 Das externe Rating als wichtiger Indikator von Verbriefungen
2.5 Tranchierung/Subordination und Strukturierung
2.5.1 Das Wasserfallprinzip oder „Aus Landwein wird Qualitätswein“
2.5.2 Mehrfach-Tranchierung oder die „Alchemy of CDO Credit Ratings“
3 Chancen und Risiken von Verbriefungstransaktionen
3.1 Chancen von Verbriefungstransaktionen
3.1.1 Arbitrage-ABS
3.1.2 Balance-Sheet-ABS
3.2 Risiken von Verbriefungstransaktionen
3.2.1 Kreditrisiken von Verbriefungstransaktionen und Credit Enhancements
3.2.2 Systematisches Risiko vs. Systemisches Risiko
4 Identifikation ausgewählter Problem-/Risikopotentiale von ABS und Ableitung von Lösungsansätzen
4.1 Verbriefungsinhärente Problemfelder
4.2 Problemfelder mit Ratings und Ratingagenturen („Ratingcrisis“)
4.2.1 Vergleich verschiedener Ratingansätze
4.2.2 Das Modellrisiko bei der Bewertung von CDOs
4.2.3 ABS-Tranchen-Rating vs. Unternehmensratings und Fehlleistungen seitens der Investoren
4.2.4 Mangel an Ressourcen und steigender Kundendruck
4.2.5 Rating Shopping
4.2.6 Geschäftsmodell und Interessenskonflikte der Ratingagenturen
4.3 Systemische Risikopotentiale und Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Risikoverteilung
5 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit analysiert die internationale Finanzkrise 2007/2008 mit Fokus auf die Rolle von Forderungsverbriefungen (ABS und CDOs). Ziel ist es, die strukturellen Problemfelder und Risikopotentiale dieser Finanzinstrumente zu identifizieren und zu erläutern, wie ihre fehlerhafte Bewertung und Handhabung zu einer globalen Finanzkrise beitragen konnten.
2.5.2 Mehrfach-Tranchierung oder die „Alchemy of CDO Credit Ratings“
Da bei einer ABS-Verbriefung i.e.S. i.d.R. homogene Kreditforderungsportfolios zugrunde liegen und das Risiko z.B. bei Hypothekenkrediten ausschließlich von der Entwicklung in diesem Sektor abhängt, kann durch eine weitere Verbriefungsebene u.a. auch eine Risikodiversifikation erzielt werden. Dabei werden verschiedene Tranchen - dann i.d.R. auch aus unterschiedlichen Kreditforderungen (z.B. Hypotheken- u. Kreditkartenforderungen) - wiederum von einem SIV aufgekauft und erneut tranchiert. Die Refinanzierung findet ebenfalls durch Ausgabe von forderungsbesicherten Wertpapieren - den sog. ABS-CDOs - statt. Dieser Diversifikationseffekt wird u.U. auch mehrfach in Folge genutzt. So kann, wie in nachfolgender Darst. 7 gezeigt, einer Wertpapieremission auch ein Portfolio aus CDOs - dann i.d.R. synthetisch - unterlegt werden, um mittels erneuter Tranchierung einen noch größeren Teil der Wertpapiere einer CDO²-Emission als erstklassig geratete Senior-Tranchen zu (re-)strukturieren. Diese Wertpapiere - die sog. CDOs der Zweiten Generation -, deren Zinsen überwiegend aus den Cashflows von CDOs bedient werden, wurden u.a. als „CDO-Squared“ bezeichnet.
Die Verbriefungskaskade wurde in der Praxis sogar noch weiter getrieben. Bis zu sechs Verbriefungsstufen sollen üblich gewesen sein. Es wird gar von CDOs mit unglaublichen bis zu 24 Verbriefungsstufen berichtet. Durch diesen mehrfachen Tranchierungseffekt („resecuritizations“) werden sowohl eine umfassendere Diversifikation der zugrunde liegenden Forderungen und Risikoklassen erreicht als auch höhere Zinsmargen und somit höhere Residualerträge für die Investoren der jeweiligen Equity-/Junior Tranche(n) generiert. Anfallende Transaktionskosten sowie Beratungshonorare der Sponsorbanken werden zudem relativ günstiger finanziert. Die v.g. Effekte können durch Fristentransformation über ABCPs noch verstärkt werden. Zudem waren mittels Mehrfachtranchierung synthetische CDOs billiger und einfacher aufzulegen als traditionelle ABS i.e.S., insbesondere auch da mit dem Rückgang des Immobilienbooms in den USA der Strom neuer Hypotheken als „real“ Underlyings zu versiegen drohte.
1 Einleitung: Einführung in die internationale Finanzkrise 2007/2008 und Darlegung der Zielsetzung, das Instrument der Forderungsverbriefung als Ursachenfaktor kritisch zu untersuchen.
2 Grundlagen zur Forderungsverbriefung: Erläuterung der technischen Funktionsweise, der verschiedenen Verbriefungsarten sowie des Tranchierungs- und Strukturierungsprozesses.
3 Chancen und Risiken von Verbriefungstransaktionen: Gegenüberstellung der Motive für Verbriefungen (Arbitrage vs. Bilanzpolitik) und der damit verbundenen Kredit- sowie strukturellen Risiken.
4 Identifikation ausgewählter Problem-/Risikopotentiale von ABS und Ableitung von Lösungsansätzen: Analyse der verbriefungsinhärenten Problemfelder, der kritischen Rolle von Ratingagenturen und der systemischen Gefahren durch Vernetzung.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit zur Rolle der Verbriefung in der Krise und notwendige Lehren für die Zukunft hinsichtlich der Finanzmarktstabilität.
ABS, CDO, Verbriefung, Finanzkrise, Ratingagenturen, Kreditrisiko, Strukturierung, Tranchierung, Modellrisiko, Risikodiversifikation, Systemisches Risiko, Subprime-Krise, Finanzinstrumente, Securitization, Liquidität
Die Arbeit untersucht die internationale Finanzkrise 2007/2008 und analysiert dabei insbesondere die Rolle von Forderungsverbriefungen als neuartige Finanzinstrumente, die maßgeblich zur Entstehung und Ausbreitung der Krise beigetragen haben.
Zentral sind die Funktionsweise von ABS und CDO, die Rolle der Ratingagenturen bei der Bewertung dieser Produkte, das Konzept des Risikotransfers sowie systemische Risiken im Finanzsektor.
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen Verbriefungstransaktionen, der "Ratingkrise" und dem Platzen der US-Immobilienblase aufzuzeigen, um zu einem besseren Verständnis der Krisenursachen beizutragen.
Die Arbeit stützt sich auf eine umfassende Literaturrecherche und die Analyse aktueller fachwissenschaftlicher Quellen, um die komplexen Strukturen und Risikopotentiale von Verbriefungen zu identifizieren.
Der Hauptteil erörtert zunächst die Grundlagen (Definitionen, Strukturen, Tranchierung) und analysiert dann die Chancen sowie spezifische Risiken (Kredit-, Markt- und rechtliche Risiken) und die systemischen Probleme bei der Bewertung durch Ratingagenturen.
Wichtige Begriffe sind ABS, CDO, Rating, Risiko, Verbriefung, Finanzkrise, Tranchierung, Modellrisiko und Diversifikation.
Das Wasserfallprinzip beschreibt die hierarchische Verteilung von Zahlungsströmen auf die verschiedenen Tranchen eines verbrieften Portfolios, wobei höherrangige Tranchen vorrangig bedient werden.
Die Arbeit zeigt, dass die Ratingagenturen durch fehlerhafte Modellannahmen (Modellrisiko) und Interessenkonflikte (z.B. Rating Shopping) zur Überbewertung der strukturierten Finanzprodukte beitrugen und damit das Vertrauen der Investoren fehlleiteten.
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