Examensarbeit, 2010
96 Seiten, Note: 3,0
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen
2.1 Einführung in den Autor Hans Rosenplüt
2.2 Klärung der Gattungsfrage: Märe-Versnovelle
2.3 Was ist unter Schwank zu verstehen?
3. Interpretation der Versnovelle ‚Die Disputation’
3.1 Handschriftliche Überlieferung
3.2 Inhaltsangabe
3.3 Erzähllogik-Sprache
3.4 Bedeutung der Gesten
3.5 Das Judenproblem in ‚Die Disputation’
3.6 Motive des Lachens
3.7 Fazit
4. Interpretation der Versnovelle ‚Der fünfmal getötete Pfarrer’
4.1 Handschriftliche Überlieferung
4.2 Inhaltsangabe
4.3 Erzähllogik-Sprache
4.4 Die Rolle der listigen Frau
4.4.1 Soziale und rechtliche Stellung der Frau im Mittelalter und in der Versnovelle
4.5 Komik des mehrfachen Todes
4.6 Die Rolle des Pfarrers im Spätmittelalter und in der Versnovelle
4.7 Die Rolle des Bauern im Spätmittelalter und in der Versnovelle
4.8 Fazit
5. Interpretation der Versnovelle ‚Die Tinte’
5.1 Handschriftliche Überlieferung
5.2 Inhaltsangabe
5.3 Erzähllogik-Sprache
5.4 Sexualität des Mönches in der Versnovelle
5.5 Die Rolle der Prostituierten im Mittelalter und in der Versnovelle
5.6 Requisiten als Motive für Komik
5.7 Fazit
6. Interpretation der Versnovelle ‚Der fahrende Schüler’
6.1 Handschriftliche Überlieferung
6.2 Inhaltsangabe
6.3 Erzähllogik-Sprache
6.4 Die Rolle des Schülers in der Versnovelle
6.5 Der geplante Ehebruch zwischen der Frau und dem Pfarrer
6.6 Komik in der Versnovelle
6.7 Fazit
7. Schlussbetrachtung
Die Arbeit analysiert die Funktion und Wirkungsweise schwankhafter Versnovellen von Hans Rosenplüt. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Gattung anhand von vier exemplarischen Texten aufzuzeigen und dabei insbesondere die Rolle von Komik, sozialen Konflikten und moralischen Reflexionen im spätmittelalterlichen Kontext zu erörtern.
3.4 Bedeutung der Gesten
Disputationen waren seit dem Hochmittelalter Bestandteil einer intellektuellen Kommunikationskultur. In der mediävalen Gesellschaft dienten die geistigen Wettkämpfe dazu, die Grenzen der Auslegung bestimmter Sachverhalte argumentativ aufzuzeigen und möglichst zu überschreiten. „Die Mehrdeutigkeit der Gesten und die zwingende Notwendigkeit der Bedeutungszuweisung lässt die symbolische Kommunikation zum Thema mittelalterlicher Dichter werden.“
‚Die Disputation’ ist in Rosenplüts Oeuvre ein zentraler Text, der das Erzählmotiv der Gestendisputation aufgreift. „Hans Rosenplüt zielt mit diesem Schwank auf den wunden Punkt von Kommunikationen mittels Gesten, die als Zeichen intentional im Sinne einer sprachlichen Auseinandersetzung genutzt werden sollen.“ In einem Text, in dem mit Gesten gearbeitet wird, bestehen mehrere Deutungsdifferenzen. Diese liegen in der Art der Zeichenverwendung, in der Intention der Zeichenbenutzer, in der Bedeutungszuweisung und in der Rezeptionsweise.
Alle diese Differenzen lassen sich in der ‚Disputation’ wiederfinden. Die Art der Zeichenverwendung besteht in Gesten mittels Händen und Fingern; die Intentionen der beiden Kontrahenten sind deutlich unterschiedlich, ebenso die Bedeutungszuweisung und die Rezeption der Zeichen.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Zielsetzung ein, die Funktionalität der Rosenplüt-Schwänke anhand von vier ausgewählten Versnovellen zu untersuchen.
2. Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel behandelt das Leben und Werk von Hans Rosenplüt sowie die theoretische Problematik der Gattungsbegriffe ‚Märe’ und ‚Schwank’.
3. Interpretation der Versnovelle ‚Die Disputation’: Die Analyse befasst sich mit der Gestendisputation zwischen einem Gelehrten und einem Laien und untersucht die religiösen und sozialen Implikationen sowie das Lachen der Rezipienten.
4. Interpretation der Versnovelle ‚Der fünfmal getötete Pfarrer’: Dieses Kapitel beleuchtet das makabre Motiv des wiederholten Todes eines Geistlichen und die Rolle der Frau als listige Ratgeberin in einer absurden Dorfgemeinschaft.
5. Interpretation der Versnovelle ‚Die Tinte’: Die Untersuchung konzentriert sich auf die tabubrechende Sexualität im Kloster und die Verwendung von Requisiten und Symbolen als komische Mittel.
6. Interpretation der Versnovelle ‚Der fahrende Schüler’: Die Analyse fokussiert auf die Rolle des klugen Schülers, der als Komikverursacher in ein Ehebruchsszenario eingreift und den Geistlichen als Personifikation des Bösen entlarvt.
7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, wie Rosenplüt durch Humor indirekt gesellschaftliche Normen und Missstände kritisiert.
Hans Rosenplüt, schwankhafte Versnovelle, Märe, Schwank, Mittelalter, Gestendisputation, Klerus, Sozialkritik, Komik, Ehebruch, Frauenbild, literarische Tradition, Spätmittelalter, Erzähltechnik, Interpretation
Die Examensarbeit widmet sich einer literaturwissenschaftlichen Untersuchung von vier ausgewählten Versnovellen des spätmittelalterlichen Autors Hans Rosenplüt.
Im Zentrum stehen die Struktur des Schwanks, die Darstellung sozialer Stände, die Rolle von Geistlichen, Frauen und Bauern sowie die Analyse komischer Mechanismen.
Die zentrale Frage lautet: „Wie funktionieren Rosenplüts Schwänke?“ Es soll untersucht werden, wie der Autor Gattungskonventionen nutzt, um Unterhaltung zu generieren und zeitgenössische Themen zu verhandeln.
Die Arbeit kombiniert literaturhistorische Analysen mit der Untersuchung von Handschriftenüberlieferungen und interpretativen Ansätzen zur Märe- und Schwankforschung.
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelinterpretationen der vier Versnovellen ‚Die Disputation’, ‚Der fünfmal getötete Pfarrer’, ‚Die Tinte’ und ‚Der fahrende Schüler’.
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Rosenplüt, Schwank, Märe, Komik, Ehebruch, Kleruskritik und die Analyse von Rollenbildern im Mittelalter aus.
Gesten dienen hier als Karikatur eines Religionsgesprächs, bei dem die unterschiedliche Deutungskompetenz von Akteuren die Machtverhältnisse ironisch aufdeckt.
Im Gegensatz zu den französischen Vorbildern, die oft erotische Motive enthalten, fokussiert sich Rosenplüt stärker auf das Groteske und die makabren Abläufe des wiederholten Todes.
Die schwarze Gesichtsfarbe durch Tinte führt zu einem Missverständnis bei den Mönchen, was der Frau die unentdeckte Flucht ermöglicht und die Groteske des Klosterlebens unterstreicht.
Als überlegene Intelligenzfigur initiiert er das Chaos und führt den Pfarrer durch die Demütigung des Teufelskostüms vor, während er gleichzeitig den Ehebruch verhindert.
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