Examensarbeit, 2011
29 Seiten, Note: 2,1
1 Einleitung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Stand der Forschung
Kolonialisierung Chinas
2 Das Deutsche Kaiserreich in China
2.1 Der Boxer-Aufstand
2.1.1 Wer waren die Boxer?
2.1.2 Ursachen des Boxeraufstandes
2.1.3 Hunnenrede
2.1.4 Strafaktionen und Hunnenbriefe
2.2 Warum haben die Boxer den Krieg verloren?
2.3 Boxerprotokoll
3 Zusammenfassung
Diese Arbeit untersucht den Boxeraufstand als zentrales Ereignis der chinesisch-westlichen Beziehungen im Jahr 1900 und analysiert dabei insbesondere die Rolle der deutschen Kolonialpolitik im Kaiserreich. Das primäre Ziel ist es, die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Aufstandes aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven kritisch zu beleuchten und die „Wahrheit“ hinter den historischen Ereignissen unter Berücksichtigung kolonialer Machtinteressen zu hinterfragen.
2.1.2 Ursachen des Boxeraufstandes
Die Ursache ist nicht monokausal zu erklären, da die Bewegung aus unterschiedlichen Motivationen entstand und verschiedene äußere Ursachen hatte. Der österreichische Patriot und gläubige Katholik Rosthorn führt in der Reihenfolge ihrer Bedeutung folgende Gründe für den Boxeraufstand:
1. Die europäischen Bestrebungen, China aufzuteilen,
2. Die den Chinesen vertraglich aufgezwungene und gegebenenfalls mit Kanonenbooten durchgesetzte Tätigkeit der Missionare
3. Die dadurch hervorgerufenen Reaktionen
a) In der Bevölkerung
b) Bei einigen fremdfeindlichen Beratern bei Hof und zum Teil auch bei der de facto regierenden Kaiser-Witwe Ci Xi selbst (Kaminski/Unterrieder, S.45).
Der Bau von „ausländischen“ Eisenbahnstrassen durch landwirtschaftlich genutzte Gebiete, die zeitlich parallele Errichtung einer Vielzahl von Kirchengebäuden, die dort, wo es sich um Spitztürme handelte, den chinesischen Vorstellungen von Landschaftsharmonie – Feng-Shui Prinzip – entgegenstanden und als Unglücksbringer gesehen wurden, sowie das vielfach als ungerecht empfundene Auftreten von Missionaren führten bei der chinesischen Bevölkerung zu Verunsicherungen. Missionare engagierten sich in Konfliktfällen häufig für die zum christlichen Glauben konvertierten Chinesen und setzten deren Interessen aufgrund ihrer eigenen „exterritorialen“ Rechtslage durch. Der dadurch ausgelöste Unmut wurde noch verstärkt, weil sich Konvertiten dem traditionellen Kultur- und Verhaltenskodex ihrer Umwelt entzogen und sich dadurch Autoritätsverhältnisse lockerten sowie traditionelle Sozialstrukturen in Frage gestellt wurden. So kam es immer wieder zu Übergriffen auf christlich getaufte Chinesen und auf die Fremde, und zwar in vielen Teilen Chinas, auch in der Provinz Schantung (Hinz 1998: 27).
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Boxeraufstand ein, formuliert die zentralen Forschungsfragen und erläutert den Aufbau sowie den Forschungsstand der Arbeit.
Kolonialisierung Chinas: Das Kapitel beleuchtet die wirtschaftlichen und strategischen Motive der Industrienationen im Zeitalter des Imperialismus sowie die zunehmende Schwächung Chinas durch ausländische Mächte.
2 Das Deutsche Kaiserreich in China: Der Autor untersucht die koloniale Ambition des Deutschen Reiches, insbesondere den Erwerb von Kiautschou, und analysiert die Verflechtungen dieser Politik mit dem Boxeraufstand.
2.1 Der Boxer-Aufstand: Dieser Abschnitt beschreibt die Identität der Boxer, ihre Ursprünge in Not und Widerstand sowie die ideologischen Mythenbildung beider Konfliktparteien.
2.1.1 Wer waren die Boxer?: Hier wird die Entstehung des Geheimbundes Yihetuan und die Reaktion der national gesinnten Bevölkerung auf die ausländische Einflussnahme und Missionierung analysiert.
2.1.2 Ursachen des Boxeraufstandes: Dieses Kapitel identifiziert die vielfältigen, nicht monokausalen Gründe für den Ausbruch des Konflikts, von religiösen Spannungen bis hin zu wirtschaftlicher Not.
2.1.3 Hunnenrede: Die Analyse der berüchtigten Rede Kaiser Wilhelms II. zeigt, wie radikale Rhetorik die Gewalteskalation und das Selbstverständnis der deutschen Truppen beeinflusste.
2.1.4 Strafaktionen und Hunnenbriefe: Es wird die brutale Vorgehensweise der deutschen Strafexpeditionen sowie die kritische Debatte über die sogenannten „Hunnenbriefe“ im Reichstag dargestellt.
2.2 Warum haben die Boxer den Krieg verloren?: Der Autor diskutiert verschiedene historische Erklärungsmodelle für das Scheitern des Boxeraufstandes, von mangelnder Organisation bis hin zur taktischen Haltung der kaiserlichen Führung.
2.3 Boxerprotokoll: Das Kapitel erläutert die diplomatischen und ökonomischen Folgen des Boxerprotokolls sowie die erzwungene Sühne des chinesischen Kaiserhofes.
3 Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die kolonialen Bestrebungen, die Bedeutung des Widerstands für die chinesische Identität und das Ende des deutschen kolonialen Abenteuers in China.
Boxeraufstand, Deutsches Kaiserreich, Imperialismus, Kiautschou, Missionare, Kolonialpolitik, Hunnenrede, Kaiser Wilhelm II., Yihetuan, Sozialdarwinismus, Tsingtau, Chinahandel, Strafexpedition, Boxerprotokoll.
Die Arbeit befasst sich mit dem Boxeraufstand (1900) und der begleitenden Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreiches in China.
Im Zentrum stehen die imperialistische Expansion, die sozialen und religiösen Ursachen des Aufstandes, die aggressive Kriegsrhetorik des deutschen Kaisers sowie die Folgen für die chinesisch-deutschen Beziehungen.
Das Ziel ist es, die „Wahrheit“ über den Boxeraufstand zu eruieren, indem verschiedene Sichtweisen und Interpretationen analysiert und die imperialistische Machtpolitik kritisch hinterfragt werden.
Es handelt sich um eine historische Literatur- und Quellenanalyse, die verschiedene Sammelbände, zeitgenössische Dokumente und historische Standardwerke auswertet.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kolonialisierung Chinas, die Rolle des Deutschen Reiches, die Dynamiken der Boxer-Bewegung, die Ereignisse um die „Hunnenrede“ und die Analyse der nachfolgenden Strafexpeditionen und des Boxerprotokolls.
Die wichtigsten Begriffe sind Boxeraufstand, Imperialismus, Kolonialpolitik, Kiautschou, Missionierung und die Hunnenrede.
Die Rede Wilhelms II. heizte die Stimmung unter den Soldaten massiv an und lieferte eine ideologische Rechtfertigung für exzessive Gewalt, was sich in den später dokumentierten Strafexpeditionen niederschlug.
Die Missionare werden als ein wesentlicher Auslöser der Verunsicherung betrachtet, da ihr Auftreten soziale Strukturen in China destabilisierte und durch die Inanspruchnahme exterritorialer Rechte Konflikte schürte.
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