Magisterarbeit, 2009
102 Seiten, Note: 1,0
1. David Hume: Versprechen als Konvention
1.1. Affekte, Vernunft, und natürliche Tugenden
1.2. Künstliche Tugenden: Three Laws of Nature
1.3. Versprechen durch Übereinkunft?
1.4. Die Fiktion personaler Identität
2. Hannah Arendt: Versprechen als Konstituens des Handelns
2.1. Die menschliche Bedingtheit und die drei Grundtätigkeiten Arbeiten, Herstellen, Handeln
2.2. Handeln: die politische Tätigkeit
2.3. Die Verbindlichkeit des Versprechens gegen die Aporien des Handelns
2.4. Ist das Halten von Versprechen eine moralische Norm?
2.5. Versprechen und personale Identität
3. Paul Ricœur: Versprechen als Selbst-Bezeugung
3.1. Die Hermeneutik des Selbst
3.2. Versprechen als Sprechhandlung
3.3. Selbigkeit und Selbstheit
3.4. Versprechen als ethische Ausrichtung und moralische Pflicht
3.5. Die Ontologie des Selbst
Die vorliegende Arbeit untersucht den philosophischen Begriff des Versprechens und seine Bedeutung für die Konstitution personaler Identität sowie für soziale Verbindlichkeit bei David Hume, Hannah Arendt und Paul Ricœur. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Versprechen eine Verpflichtung begründen und welche Rolle sie im menschlichen Miteinander spielen, wenn die Zukunft grundsätzlich ungewiss bleibt.
2.3. Die Verbindlichkeit des Versprechens gegen die Aporien des Handelns
Da Handeln und Sprechen ausschließlich in der Mitwelt möglich sind, die Handelnden also nie souverän agieren, ergeben sich aus der Bedingtheit der Pluralität einige Aporien (vgl. Vita Activa, S. 279; 297). Zwar hat auch jedes Handeln einen definierbaren Anfang, kann aber innerhalb des Bezugsgewebes potentiell unendlich andauern, da jedes Handeln Andere affiziert, die selbst zu neuen Anfängen bzw. Taten inspiriert werden. Die Konsequenzen, die sich potentiell ergeben, sind damit für den Einzelnen wie für die Gemeinschaft unabsehbar. Daraus ergibt sich die Unmöglichkeit, einzelne Personen für sämtliche Resultate verwirklichter Initiativen verantwortlich zu machen. Konkrete Taten können insofern bestimmten Akteuren zugerechnet werden, als sie von Sprache begleitet oder Sprechakte sind, jedoch kann derjenige, der einen bestimmten Neuanfang gesetzt hat, nicht für alle sich daraus ergebenden Konsequenzen zu Rechenschaft gezogen werden, da er sie unmöglich im Vorhinein antizipieren kann. Zudem können die in das Bezugsgewebe initiierten Prozesse nicht mehr rückgängig gemacht werden, weil sie notwendig von vielen Menschen in der Pluralität wahrgenommen werden, vielfältige Reaktionen hervorrufen und sich per definitionem der Kontrolle durch einzelne Personen entziehen.
1. David Hume: Versprechen als Konvention: Hume betrachtet das Versprechen als eine künstliche Konvention, die zur Etablierung friedlicher gesellschaftlicher Kooperation und zur Sicherung von Eigentum notwendig ist.
2. Hannah Arendt: Versprechen als Konstituens des Handelns: Arendt analysiert das Versprechen als ein "Heilmittel" gegen die Unvorhersehbarkeit menschlichen Handelns und als essenzielle Bedingung zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Erscheinungsraums.
3. Paul Ricœur: Versprechen als Selbst-Bezeugung: Ricœur deutet das Versprechen als einen Modus der Selbst-Bezeugung, der die Identität einer Person über die Zeit hinweg festigt und ihre ethische Verantwortung im Dialog mit dem Anderen begründet.
Versprechen, Hannah Arendt, Paul Ricœur, David Hume, Handeln, Identität, Verbindlichkeit, Pluralität, Mitwelt, Selbstheit, Selbigkeit, Konvention, Sprechhandlung, Ethik, Verantwortung.
Die Arbeit untersucht philosophisch den Begriff des Versprechens und analysiert, wie dieser Sprechakt eine moralische oder soziale Verbindlichkeit stiftet und Identität konstituiert.
Der Fokus liegt auf den Konzeptionen von David Hume, Hannah Arendt und Paul Ricœur.
Es soll geklärt werden, welche Rolle das Versprechen für die menschliche Kooperation und die personale Identität spielt, insbesondere unter der Bedingung, dass die Zukunft nicht vorhersehbar ist.
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-hermeneutische Methode, um die verschiedenen Positionen zu interpretieren, zu vergleichen und auf ihre Tragfähigkeit hin zu prüfen.
Im Hauptteil werden nacheinander die Theorien Humes, Arendts und Ricœurs detailliert dargestellt und kritisch beleuchtet.
Für Arendt ist das Versprechen eine zentrale Fähigkeit, die das Handeln in einer Welt der Pluralität erst möglich macht, da es als Heilmittel gegen die Unvorhersehbarkeit und Unwiderruflichkeit von Handlungen dient.
Ricœur unterscheidet zwischen "Selbigkeit" und "Selbstheit" und sieht im Versprechen eine Form der Bezeugung, die das Selbst über die Zeit hinweg als identisch und verantwortlich erfahrbar macht.
Hume sieht darin keine natürliche Tugend, sondern eine erlernte Übereinkunft, die primär dem individuellen Nutzenkalkül dient, um gesellschaftliche Austauschprozesse zu ermöglichen.
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