Magisterarbeit, 2003
79 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Die Psychoanalyse nach S. Freud
2.1 Die psychosexuelle Entwicklung
2.2 Zur Entstehung von Neurosen
2.2.1 Die Verdrängung
2.2.2 Fixierung und Regression
2.2.3 Die Symptombildung
2.3 Ergänzungen zu Freuds Ansatz
3. Psychoanalytische Familientherapie nach H. E. Richter
3.1 Übertragung und narzisstische Projektion
3.2 Rollentypen
3.2.1 Das Kind als Substitut für einen anderen Partner
3.2.1.1 Das Kind als Substitut für eine Elternfigur
3.2.1.2 Das Kind als Gatten-Substitut
3.2.1.3 Das Kind als Substitut für eine Geschwisterfigur
3.2.2 Das Kind als Substitut für einen Aspekt des eigenen Selbst
3.2.2.1 Das Kind als Abbild schlechthin
3.2.2.2 Das Kind als Substitut des idealen Selbst
3.2.2.3 Das Kind als Substitut der negativen Identität
3.2.3 Das Kind als umstrittener Bundesgenosse
3.3 Zusammenfassung
4. Systemische Familientherapie nach H. Stierlin
4.1 Die fünf Perspektiven der systemischen Familientherapie
4.1.1 Die bezogene Individuation
4.1.2 Die Interaktionsmodi von Bindung und Ausstoßung
4.1.3 Die Delegation
4.1.4 Die Mehrgenerationenperspektive von Vermächtnis und Verdienst
4.1.5 Der Status der Gegenseitigkeit
4.2 Innerer Besitz vs. äußeres Eigentum
4.3 Ein Beispiel
5. Der Vergleich
5.1 Psychoanalyse und psychoanalytische Familientherapie
5.2 Psychoanalyse und systemische Familientherapie
5.3 Psychoanalytische und systemische Familientherapie
6. Erziehung und Neurosen
7. Fazit
Die Arbeit vergleicht die psychoanalytische Familientherapie nach H. E. Richter und die systemische Familientherapie nach H. Stierlin, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Bezug zur klassischen Psychoanalyse sowie in ihrer therapeutischen Herangehensweise an Familienkonflikte aufzuzeigen.
3.2 Rollentypen
Wie bereits erwähnt wurde, lässt sich zwischen zwei Arten von, durch den elterlichen Konflikt motivierten, Rollenvorschriften unterscheiden: Das Kind soll entweder einen anderen Partner ersetzen oder als Substitut für einen Aspekt des elterlichen Selbst dienen. Im ersten Fall ist der Prozess der Übertragung im Spiel, während im zweiten Fall eine narzisstische Projektion vollzogen wird. Diese beiden Hauptgruppen lassen sich noch weiter untergliedern, nämlich im Hinblick darauf, welche Partner bzw. welche Aspekte des eigenen Selbst das Kind ersetzen soll. Soll das Kind einen anderen Partner ersetzen, so erhält es meist den Auftrag entweder eine Elternfigur, einen Ehepartner oder eine Geschwisterfigur zu substituieren. Erhält das Kind hingegen die Rolle, einen Aspekt des elterlichen Selbst zu substituieren, so kann es entweder als Abbild schlechthin, als Substitut des idealen Selbst oder als Substitut der negativen Identität dienen. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Aufzählung nicht vollständig sein kann. Vielmehr handelt es sich bei den aufgeführten Rollen um „Idealtypen“, die in solch reiner Form nicht in der Realität vorkommen. In der Praxis sind durchaus noch weitere Rollen-Konstellationen bzw. vermischte Rollen anzutreffen, wobei meistens jedoch ein Aspekt der elterlichen Phantasien überwiegt und eine Kategorisierung möglich macht.
1. Einleitung: Einführung in die Familientherapie, ihre Abgrenzung zur Psychoanalyse und Formulierung der leitenden Forschungsfragen zur Eltern-Kind-Beziehung.
2. Die Psychoanalyse nach S. Freud: Darstellung der psychoanalytischen Grundlagen, insbesondere der psychosexuellen Entwicklung, der Neurosenentstehung und der Rolle des psychischen Konflikts.
3. Psychoanalytische Familientherapie nach H. E. Richter: Analyse der Rollentheorie, die beschreibt, wie Eltern ihre unbewussten Erwartungen und Konflikte durch das Kind ausleben.
4. Systemische Familientherapie nach H. Stierlin: Erläuterung der systemischen Perspektive und der fünf Hauptgesichtspunkte (Individuation, Bindung/Ausstoßung, Delegation, Mehrgenerationenperspektive, Gegenseitigkeit) zur Erfassung von Familienbeziehungen.
5. Der Vergleich: Gegenüberstellung der drei Ansätze, um theoretische Verbindungen und Unterschiede in der therapeutischen Praxis zu verdeutlichen.
6. Erziehung und Neurosen: Diskussion der Auswirkungen elterlicher Erziehungsmethoden (Einschüchterung, Verführung, Laxheit) auf die psychische Gesundheit des Kindes.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Modelle und ihrer Bedeutung für die Behandlung von Familienkonflikten sowie Ausblick auf Weiterentwicklungsmöglichkeiten.
Psychoanalyse, systemische Familientherapie, Eltern-Kind-Beziehung, Neurose, Rollentheorie, Übertragung, narzisstische Projektion, Delegation, bezogene Individuation, Symptombildung, psychischer Konflikt, Triebpsychologie, Familienbeziehungsnetz, therapeutische Intervention.
Die Arbeit untersucht die theoretischen Verbindungen und Unterschiede zwischen der klassischen Psychoanalyse und zwei bedeutenden familientherapeutischen Ansätzen: der psychoanalytischen Familientherapie von Horst-Eberhard Richter und der systemischen Familientherapie von Helm Stierlin.
Zentrale Themen sind die psychosexuelle Entwicklung nach Freud, die Mechanismen von Übertragung und narzisstischer Projektion bei Richter sowie systemische Prozesse wie Delegation und bezogene Individuation bei Stierlin.
Das primäre Ziel ist ein Vergleich dieser Modelle, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie elterliche Einflüsse neurosefördernd wirken und wie diese Ansätze zur Lösung von Familienkonflikten beitragen.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur sowie der psychodynamischen und systemtheoretischen Konzepte der Familientherapie basiert.
Der Hauptteil analysiert detailliert die theoretischen Grundlagen der drei Ansätze, die spezifischen Rollenvorschriften bei Richter und die fünf systemischen Perspektiven von Stierlin, gefolgt von einem direkten Vergleich dieser Theorien.
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Psychoanalyse, systemische Familientherapie, Rollentheorie, narzisstische Projektion, Delegation, bezogene Individuation und Familienkonflikte.
Stierlin betont, dass eine „Rolle“ eher aufgesetzte Verhaltensmuster bezeichnet, während eine „Mission“ eine tiefere Dimension von Verpflichtung, Vertrauen und existenzieller Sinnhaltigkeit für das Kind beinhaltet.
Dieser Begriff beschreibt einen Zustand in Familien, in dem das System erstarrt ist und sich trotz heftiger Konflikte nicht weiterentwickelt, ähnlich einem „Boxkampf im Clinch“, wobei individuelle Handlungsspielräume ausgelöscht sind.
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