Diplomarbeit, 2011
262 Seiten, Note: Gut
1. AUSGANGSÜBERLEGUNG
I. THEORETISCHER TEIL
2. WAS IST EINE BEZIEHUNG?
2.1 PARTNERSCHAFTLICHE BEZIEHUNGEN
2.1.1 Eheliche Treue
2.1.2 Beziehungsgrenzen
2.1.3 Der Ehealltag als Lustkiller
2.2 GESCHICHTE DER LIEBESBEZIEHUNG
2.2.1 Trendwende in der Struktur der Partnerschaften
2.2.2 Die kulturelle Selektion von Veränderungen
2.2.3 Transitorische und Experimentelle Milieus – Beziehungen in der Zukunft
3. LIEBE UND SEXUALITÄT IN MODERNEN GESELLSCHAFTEN
3.1 ARTEN DER LIEBE
3.1.1 Warum gibt es Liebe?
3.1.2 Das Phänomen des Verliebens
3.1.3 Liebe als Faktor für den Zusammenhalt von Paaren
3.2 VERÄNDERUNGEN SEXUELLER EINSTELLUNGEN UND VERHALTENSWEISEN IM 20. JAHRHUNDERT
3.3 SEXUELLES VERHALTEN
4. POLYAMORY
4.1 ABGRENZUNGEN ZWISCHEN POLYFIDELITY, VIELEHE UND FREIE EHE
4.2 FORMEN POLYAMORER BEZIEHUNGEN
4.3 ZUR POLYAMOREN LEBENSWEISE
4.3.1 Benennungen und Beziehungskonstellationen
4.3.2 Eifersucht in polyamoren Beziehungen
4.4 POLYAMORY UND GESELLSCHAFT
4.5 BEISPIELE POLYAMORER BEZIEHUNGEN
4.5.1 Kettenfamilie mit goldener Tür
4.5.2 Eine „komische“ Familie
4.5.3 Lea, Paul und Gerhard
4.5.4 Dirk, Peter und Regina
4.5.5 Tina, Heinz-Ulrich und Steffen
4.5.6 Reinhard, Erhard, Bärbel, Bettina, Vivian, Jürgen, Claus, André, Karin und Rainer
5. BISHERIGE FORSCHUNG ZU POLAMORY
5.1 ZUM STAND DER FORSCHUNG ZU POLYAMORY
5.2 MOTIVE FÜR DIE WAHL EINER NICHT-MONOGAMEN LEBENSWEISE
5.3 SUBJEKTIVE BEGRÜNDUNGEN POLYAMORER BEZIEHUNGEN
5.4 VERBINDLICHKEIT IN POLYAMOREN BEZIEHUNGEN
5.5 DIE BEDEUTUNG DER POLYAMORY FÜR DIE ROLLE DER FRAU
5.6 KOSTEN, BELASTUNGEN UND NUTZEN POLYAMORER BEZIEHUNGEN
5.7 ZUSAMMENFASSUNG UND OFFENE FORSCHUNGSFRAGEN
II. EMPIRISCHER TEIL
6. FRAGESTELLUNGEN
7. VERSUCHSPLAN UND UNTERSUCHUNGSDESIGN
8. UNTERSUCHUNGSMETHODE
8.1 METHODISCHES HERANGEHEN
8.2 UNTERSUCHUNGSDESIGN
8.3 STICHPROBE
8.4 METHODIK UND INSTRUMENTE
8.4.1 Kombination und Integration qualitativer und quanitativer Analyse
8.4.2 Problemzentriertes Interview
8.4.3 Fragebogen zu polyamoren Beziehungen
8.4.4 Triangulationsmodell
8.4.5 Struktur und Datenerhebung
8.5 ENTWICKLUNG DES INTERVIEWLEITFADENS UND FRAGEBOGENS
8.6 GEPLANTE AUSWERTUNG DER DATEN
8.6.1 Geplante Auswertung qualitativer Teil
8.6.2 Geplante statistische Auswertung des Fragebogens
8.7 ETHISCHE UND JURISTISCHE ASPEKTE DER STUDIE
8.8 METHODENKRITISCHE DISKUSSION DER VERSUCHSPLANUNG
8.9 DURCHFÜHRUNG DER STUDIE
9. ERGEBNISSE
9.1 ZUSAMMENSETZUNG DER STICHPROBE
9.1.1 Quantitative Studie
9.2 QUALITATIVER TEIL
9.2.1 Entwicklung der polyamoren Lebensweise
9.2.2 Umstände und Rahmenbedingungen die zur Entstehung der polyamoren Beziehung führten
9.2.3 Faktoren die zur Entstehung der polyamoren Beziehung führten – Veranlagung oder Umstände
9.2.4 Polyamore Beziehungserfahrungen
9.2.5 Partnerwechsel in polyamoren Beziehungen
9.2.6 Favorisierungen, Haupt- und Nebenbeziehungen
9.2.7 Polyamore Beziehungskonstellationen
9.2.8 Eifersucht
9.2.9 Das Erleben der polyamoren Liebe
9.2.10 Belastungen in polyamoren Beziehungen
9.2.11 Positve Ereignisse und Freuden in polyamoren Beziehungen
9.2.12 Spezifisch positiver Stellenwert einer polyamoren Beziehung
9.2.13 Spezifische Probleme und Schwierigkeiten einer polyamoren Beziehung
9.2.14 Gestaltung des Alltags in polyamoren Beziehungen
9.2.15 Polyamorer Beziehungsalltag
9.2.16 Rollenverteilung in polyamoren Beziehungen
9.2.17 Wohn- und Lebensorte polyamorer Beziehungen
9.2.18 Freizeit und Urlaub in polyamoren Beziehungen
9.2.19 Aktivitäten zu Dritt, Viert oder zu Mehreren
9.2.20 Geoutet oder nicht-geoutet gegenüber dem sozialen Umfeld
9.2.21 Wie geht das Umfeld mit der polyamoren Lebensweise um?
9.2.22 Kinder in polyamoren Beziehungen
9.2.23 Erziehung der Kinder in polyamoren Beziehungen
9.2.24 Zukunftsperspektiven polyamorer Beziehungen
9.2.25 Erwähnenswerte Themen
9.2.26 Zusammenfassung der Ergebnisse des qualitativen Teils
9.3 QUANTITATIVER TEIL
9.3.1 Beschreibung der Stichprobe
9.3.2 Struktur der Beziehungen
9.3.3 Kinder in polyamoren Beziehungen
9.3.4 Lebensweise in polyamoren Beziehungen
9.3.5 Stellenwert der polyamoren Partner und Partnerinnen
9.3.6 Die Beziehungsqualität polyamorer Beziehungen
9.3.7 Soziale Unterstützung in polyamoren Beziehungen
9.3.8 Umgang mit Konflikten und Eifersucht in polyamoren Beziehungen
9.3.9 Sexualität in polyamoren Beziehungen
9.3.10 Offene Frage
9.3.10.1 Polyamore Beziehungen, Definition, Gestaltung
9.3.10.2 Kritik am Fragebogen
9.4 VERKNÜPFUNG DER QUALITATIVEN UND QUANTITATIVEN ERGEBNISSE IM SINNE DER TRIANGULATION
9.4.1 Struktur der Beziehungen
9.4.2 Kinder in polyamoren Beziehungen
9.4.3 Polyamore Lebensweise
9.4.4 Stellenwert der Partner und Partnerinnen
9.4.5 Umgang mit Konflikten und Eifersucht
10. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION
10.1 ZUSAMMENFASSUNG
10.2 DISKUSSION DER ERGEBNISSE
10.3 METHODISCHE PROBLEME DER STUDIE
10.4 IMPLIKATIONEN/KONSEQUENZEN DER ERGEBNISSE FÜR FORSCHUNG UND PRAXIS
10.5 WEITERFÜHRENDE FORSCHUNGSNOTWENDIGKEITEN
Die vorliegende Diplomarbeit widmet sich der wissenschaftlichen Erforschung des Phänomens Polyamory im deutschsprachigen Raum. Das primäre Ziel ist es, dieses Beziehungsmodell, das bisher kaum empirisch erfasst wurde, mittels einer Kombination aus qualitativen Interviews und quantitativen Fragebogendaten zu explorieren und zu verstehen, wie polyamor lebende Menschen ihren Beziehungsalltag, ihre Sexualität sowie ihre Gefühle und sozialen Rahmenbedingungen gestalten.
4. POLYAMORY
Laut einem Postulat von Noel (2006) tauchte Polyamory in der Literatur erstmals um 1990, im sozialkulturellen Kontext als eine Beziehungsstruktur auf, in der eine Person sich dafür entscheiden kann, mehr als eine Person zur gleichen Zeit zu lieben und Sex zu haben und darüber auch offen sprechen zu können.
Im Internet findet man auf der Seite der freien Enzyklopädie Wikipedia (2006, S. 1) folgende Definition zu Polyamory:
„Polyamory – von griech. polys, „viel“ und lat. amor, „Liebe“ mit griechischer Endung – ist ein Oberbegriff für die Praxis, Liebesbeziehungen zu mehr als einem Menschen zur gleichen Zeit zu haben, mit vollem Wissen und Einverständnis aller beteiligten Partner. Die angestrebten Beziehungen sind langfristig und vertrauensvoll angelegt und schließen normalerweise (aber nicht unbedingt) Verliebtheit und Teilen von Zärtlichkeit und Sexualität mit ein. Der Begriff der Liebe wird also weiter gefasst als bei der romantischen Zweierbeziehung. Menschen, die solche Beziehungen bevorzugen oder führen, werden als „polyamor“ oder „polyamorös“ bezeichnet. Die seit den 1960er Jahren entstandene polyamore Subkultur bezeichnet weiterhin auch ein Erfahrungs- und Kommunikationsnetz von Menschen, die die Idee von nicht ausschließlichen Beziehungen fördern wollen und bereit sind, in solchen Beziehungen zu leben, und sich hierin gegenseitig unterstützen. Politisch stellt die polyamore Subkultur die Vorstellung in Frage, dass Zweierbeziehungen die einzig erstrebenswerte oder mögliche Form des Zusammenlebens in Beziehungen darstellen (Mono-Normativität) und bejaht, dass ein Mensch mit mehreren anderen Personen zur gleichen Zeit Liebesbeziehungen haben kann.“ (Wikipedia, 2006, S. 1)
1. AUSGANGSÜBERLEGUNG: Die Autorin erläutert den Mangel an wissenschaftlicher Forschung zu Polyamory im deutschsprachigen Raum und begründet das Interesse an einer methodischen Untersuchung dieses Phänomens.
2. WAS IST EINE BEZIEHUNG?: In diesem Kapitel werden grundlegende sozialpsychologische Definitionen von Beziehungen diskutiert, um einen theoretischen Rahmen für komplexere Beziehungsmodelle zu schaffen.
3. LIEBE UND SEXUALITÄT IN MODERNEN GESELLSCHAFTEN: Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung und psychologische Bedeutung von Liebe und Sexualität sowie den Wandel gesellschaftlicher Normen im 20. Jahrhundert.
4. POLYAMORY: Hier werden der Begriff Polyamory definiert, Abgrenzungen zu anderen Modellen vorgenommen und Beispiele für unterschiedliche polyamore Beziehungskonstellationen angeführt.
5. BISHERIGE FORSCHUNG ZU POLAMORY: Dieser Abschnitt bietet einen Exkurs über den bisherigen Forschungsstand, inklusive Studien zu Motiven, Eifersucht, Belastungen und der Rolle der Frau.
6. FRAGESTELLUNGEN: Die zentralen Forschungsfragen der Diplomarbeit werden präzisiert, die sich auf soziodemografische Aspekte, Beziehungsstruktur, Sexualität und das soziale Umfeld konzentrieren.
7. VERSUCHSPLAN UND UNTERSUCHUNGSDESIGN: Die methodische Vorgehensweise wird dargelegt, wobei die Schwierigkeiten bei der Erfassung einer soziokulturellen Randgruppe diskutiert werden.
8. UNTERSUCHUNGSMETHODE: Die Autorin beschreibt den Einsatz eines Mixed-Method-Designs, bestehend aus problemzentrierten Interviews und einem standardisierten Fragebogen, zur Triangulation der Daten.
9. ERGEBNISSE: In diesem umfangreichen Kapitel werden die qualitativen Interviewdaten sowie die statistischen Ergebnisse der quantitativen Befragung detailliert ausgewertet und verknüpft.
10. ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION: Die Ergebnisse werden kritisch reflektiert, methodische Grenzen der Studie aufgezeigt und Konsequenzen für die psychologische Forschung und Praxis sowie zukünftige Forschungsbedarfe formuliert.
Polyamory, nicht-monogame Lebensweise, Beziehungsgestaltung, Eifersucht, Triangulation, Partnerschaft, emotionale Bindung, soziale Unterstützung, Rollenverteilung, Sexualität, Beziehungsqualität, empirische Forschung, qualitative Interviews, quantitativer Fragebogen, Identität.
Die Diplomarbeit untersucht das Beziehungsmodell Polyamory, bei dem Menschen einvernehmlich mehrere Liebesbeziehungen gleichzeitig führen, und analysiert die Art und Weise, wie diese Beziehungen gestaltet und erlebt werden.
Zentrale Themen sind die Beziehungsqualität, der Umgang mit Emotionen wie Eifersucht, die Bedeutung von Sexualität, die Rollenverteilung sowie die gesellschaftliche Wahrnehmung und der Alltag von polyamor lebenden Menschen.
Das Ziel ist eine explorative Untersuchung der Lebenswelt von polyamor lebenden Personen, um fundierte wissenschaftliche Einblicke in ein bisher kaum beforschtes gesellschaftliches Randphänomen zu gewinnen.
Die Autorin nutzt einen Mixed-Method-Ansatz: Sie führt problemzentrierte qualitative Interviews mit acht Probanden durch und ergänzt diese durch eine quantitative Datenerhebung mittels standardisierter Fragebögen mit 69 Teilnehmenden.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil, der das Verständnis von Liebe und Beziehung historisch und psychologisch einordnet, sowie einen empirischen Teil, der die Ergebnisse der Befragungen auswertet und diskutiert.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Polyamory, Triangulation, Eifersucht, Beziehungsgestaltung, Autonomie und nicht-monogame Lebensweise gekennzeichnet.
Die Arbeit betont, dass Polyamory im Gegensatz zum Swingen auf langfristige, emotional verbundene Beziehungen abzielt und nicht primär auf rein sexuelle Begegnungen fokussiert ist.
Die meisten Befragten sehen Eifersucht als Indikator für ungelöste Kommunikationsthemen und nutzen den Dialog mit den Partnern, um die zugrunde liegenden Bedürfnisse oder Ängste zu klären.
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