Fachbuch, 2011
66 Seiten
Vorwort
Banden durchwühlten die Gräber
Die Unterwölblinger Gruppe von etwa 2300/2200 bis 1800 v. Chr.
Anmerkungen
Literatur
Bildquellen
Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert
Der Autor Ernst Probst
Bücher von Ernst Probst
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturhistorischen Aspekte der Unterwölblinger Gruppe, einer frühbronzezeitlichen Kultur, die zwischen 2300/2200 und 1800 v. Chr. in Niederösterreich siedelte. Ziel ist es, ein umfassendes Bild der damaligen Lebensumstände zu zeichnen, wobei anthropologische Erkenntnisse zu Anatomie, Gesundheit und Bestattungssitten ebenso wie Analysen der materiellen Hinterlassenschaften im Fokus stehen.
Banden durchwühlten die Gräber
Bei der Benennung von Kulturen gingen die Prähistoriker gelegentlich seltsame Wege. Sie verwendeten dabei nicht immer den Namen des am frühesten entdeckten oder bis dahin bedeutendsten Fundorts einer neu erkannten Kultur, sondern mitunter einen ganz anderen. So geschah es auch mit der von etwa 2300/2200 bis 1800 v. Chr. südlich der Donau zwischen Enns und Wienerwald in Niederösterreich heimischen Kultur. Diese hätte man eigentlich nach dem Ort Gemeinlebarn bezeichnen müssen, denn die dort entdeckten Gräberfelder galten seit der Publikation des Wiener Prähistorikers Josef Szombathy (1853–1943) von 1929 als die bedeutendsten frühbronzezeitlichen Friedhöfe in jenem Gebiet. Statt dessen prägte 1937 der am Urgeschichtlichen Institut in Wien tätige Prähistoriker Richard Pittioni (1906–1985) den Begriff »Kultur von Unterwölbling«, der später zum Ausdruck Unterwölblinger Gruppe verkürzt wurde.
Richard Pittioni hatte weder in Gemeinlebarn noch in Unterwölbling selbst gegraben. In Gemeinlebarn sind schon 1885 die frühesten Gräber entdeckt worden, in Unterwölbling erst 1908. Pittioni untersuchte lediglich die von anderen Ausgräbern dort zwischen 1908 und 1930 geborgenen Funde, wobei er sie als typisch für eine neue Kultur identifizierte. Den Fundort Gemeinlebarn berücksichtigte er deswegen nicht bei der Namenswahl, weil dort bereits bedeutende Funde der Urnenfelder- und Hallstatt-Kultur bekannt waren.
Die Menschen der Unterwölblinger Gruppe gehörten mindestens zwei sozialen Schichten an. Bei der reichen Oberschicht waren die Gräber viel tiefer ausgehoben als bei der armen Bevölkerung, die als Grundschicht bezeichnet wird. So hob man im Gräberfeld Franzhausen I für einen vornehmen Mann ein 4,29 Meter tiefes Grab aus. Im Gegensatz dazu wurden im selben Gräberfeld ärmere Erwachsene und Kleinkinder in merklich geringerer Tiefe bestattet. Im extremsten Fall lag ein Toter nur 37 Zentimeter unter der Erdoberfläche.
Vorwort: Dieses Kapitel gibt einen einführenden Überblick über den zeitlichen und geografischen Rahmen der Unterwölblinger Gruppe und stellt den Autor sowie die wissenschaftliche Einbettung des Werkes vor.
Banden durchwühlten die Gräber: Hier werden die Entdeckung und Benennung der Kultur sowie die sozialen Strukturen, Lebensbedingungen und Bestattungsrituale anhand der bedeutenden Gräberfelder wie Franzhausen und Gemeinlebarn detailliert analysiert.
Anmerkungen: In diesem Abschnitt werden ergänzende wissenschaftliche Erläuterungen und Quellenverweise zu den im Text genannten Fundorten und Rettungsgrabungen bereitgestellt.
Literatur: Dieses Kapitel enthält ein detailliertes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Fachpublikationen.
Bildquellen: Hier werden die Nachweise für die verwendeten Fotos und Zeichnungen aufgelistet.
Die wissenschaftliche Graphikerin Friederike Hilscher-Ehlert: Ein biografischer Abriss über die Künstlerin, die die archäologischen Lebensbilder für das Buch erstellt hat.
Der Autor Ernst Probst: Ein kurzer Lebenslauf des Wissenschaftsautors, der seine journalistische Laufbahn und seine publizistische Arbeit beschreibt.
Bücher von Ernst Probst: Eine Zusammenstellung der zahlreichen Werke des Autors zu Themen der Ur- und Frühgeschichte sowie weiteren wissenschaftlichen Gebieten.
Unterwölblinger Gruppe, Frühbronzezeit, Niederösterreich, Franzhausen, Gemeinlebarn, Bestattungskultur, Archäologie, Prähistorik, Schmuckfunde, soziale Schichtung, Metallhandwerk, Siedlungsarchäologie, Anthropologie, Urgeschichte, Fundkomplexe.
Die Arbeit befasst sich mit der Unterwölblinger Gruppe, einer prägenden Kultur der Frühbronzezeit in Niederösterreich, und deren soziokulturellen Strukturen.
Zentral sind die Analyse von Gräberfeldern, das tägliche Leben der Menschen, die soziale Differenzierung sowie die kunstfertige Herstellung von Schmuck und Metallobjekten.
Ziel ist es, basierend auf archäologischen Grabungsdaten ein ganzheitliches Bild der Bewohner zu zeichnen, von ihrer körperlichen Konstitution bis hin zu ihrem Handelsnetzwerk.
Der Autor nutzt eine multidisziplinäre Auswertung archäologischer Berichte, anthropologischer Skelettuntersuchungen sowie kunsthistorischer Analysen der Fundstücke.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Auswertung der Bestattungssitten, die Identifikation sozialer Klassen anhand der Grabtiefe und Beigaben sowie die Interpretation von Siedlungsresten.
Die zentralen Begriffe sind Frühbronzezeit, Unterwölblinger Gruppe, Grabbeigaben, Archäologie und Niederösterreich.
Sie geben Aufschluss über die körperliche Arbeit, Mangelernährung, Krankheiten und die oft geringe Lebenserwartung sowie die hohe Sterblichkeit bei Frauen und Kindern.
Obwohl Gemeinlebarn bedeutende Funde lieferte, wählte Richard Pittioni 1937 den Begriff Unterwölblinger Gruppe, da in Gemeinlebarn auch andere Zeitepochen wie die Urnenfelder- und Hallstatt-Kultur vertreten waren.
Die Funktion dieser tönernen Objekte ist wissenschaftlich umstritten; sie werden unter anderem als Votivgaben oder religiöse Symbole gedeutet.
Skelettfunde in Siedlungsgruben mit Anzeichen von stumpfer Gewalteinwirkung belegen, dass Konflikte und Auseinandersetzungen, möglicherweise sogar rituelle Tötungen, Bestandteil der bronzezeitlichen Gesellschaft waren.
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