Diplomarbeit, 2003
108 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
1.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
1.2 Auswirkungen auf Kreditinstitute
1.3 Die Risikovorsorge für Kreditrisiken der Kreditinstitute
2. Ziel von Pauschalwertberichtigungen
3. Darstellung im Jahresabschluss der Kreditinstitute
3.1 Rechnungslegung nach HGB / RechKredV
3.2 Rechnungslegung nach IAS
3.3 Rechnungslegung nach US-GAAP
3.4 Empfehlungen der BIZ
4. Klassische Berechnungsmethodik in deutschen Kreditinstituten
4.1 Handelsrechtliche Grundlagen der Bewertung von Forderungen
4.2 Vorgaben zur Ermittlung
4.2.1 Vorgaben des BMF
4.2.2 Unterschiede zu den Vorgaben des Bankenfachausschusses des IdW
4.2.3 Beurteilung der dargestellten Methoden
5. Das Expected Loss Konzept
5.1 Grundlagen
5.2 Traditionelle Ermittlungsverfahren auf Basis historischer Ausfallraten
5.2.1 Segmentierung nach verschiedenen Kreditprodukten bzw. -produktgruppen
5.2.2 Segmentierung nach Geschäftsfeldern
5.2.3 Segmentierung auf Basis einer „Zustandsmatrix”
5.3 Rating-basierte Ermittlungsverfahren auf Basis historischer Ausfallraten
5.3.1 Kreditäquivalent zum Zeitpunkt des Ausfalls
5.3.2 Ausfallwahrscheinlichkeit
5.3.3 Ausfall- bzw. Rückzahlungsquote
5.4 Alternative Verfahren
5.4.1 Kalkulation des Bonitätsrisikos
5.4.2 Indikatormodell marktdeduzierter Risikokosten
5.4.3 Verwendung von Marktpreisen für Kreditrisiken
5.4.4 Anwendung eines Optionspreismodells
6. Exkurs: Unexpected Loss
6.1 Verhältnis zwischen Expected und Unexpected Loss
6.2 Besonderheiten bei der Messung des Unexpected Loss
6.2.1 Verteilungsanomalien
6.2.2 Interdependenzen zum Expected Loss
6.2.3 Portfoliodiversifikation
6.2.4 Weitere Unterschiede
6.3 Anwendung in der Praxis
6.3.1 Verbreitete Simulationsmodelle für Kreditrisiken
6.3.2 Berücksichtigung im Rechnungswesen der Kreditinstitute
7. Übertragung des Expected Loss Konzeptes auf die Ermittlung der Pauschalwertberichtigung
7.1 Einschränkungen
7.2 Anwendungsvoraussetzungen
7.3 Steuerliche Implikationen
8. Vergleichende Betrachtung
8.1 Höhe der zu bildenden Pauschalwertberichtigung
8.2 Granularität & Transparenz
8.3 Reagibilität
8.4 Volatilität
8.5 Komplexität
8.6 Zusammenfassung
9. Anwendung in Kreditinstituten
9.1 Kreditinstitute in Deutschland
9.2 Kreditinstitute international
10. Kritische Würdigung & Ausblick
10.1 Unterentwickelte Rating-Kultur
10.2 Unzureichende Informationstechnologie
10.3 Neue Impulse durch Basel II
10.4 Vorgaben der MaK (Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute)
10.5 Zunehmender Einsatz von Kreditderivaten
10.6 Resümee
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung des Expected Loss Konzepts als modernes Verfahren zur Ermittlung der Pauschalwertberichtigung bei Kreditinstituten, insbesondere im Hinblick auf seine Überlegenheit gegenüber traditionellen, steuerlich motivierten Methoden.
5.4.4 Anwendung eines Optionspreismodells
Allen bislang aufgeführten Verfahren ist gemeinsam, dass erwartete Ausfälle auf Basis einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Segmentierung der zu bewertenden Geschäfte —insbesondere nach Rating-Klassen— ermittelt werden und somit letztlich nur Durchschnittswerte darstellen.
Der optionspreistheoretische Kalkulationsansatz löst sich konzeptionell von diesen Vorgehen; dessen Grundidee besteht vielmehr in einer kreditnehmer- und engagementsindividuellen Kalkulation der Ausfallrisiken. Aus Basis der Optionspreistheorie wird hierbei der Versuch unternommen, aus dem Risiko eines einzelnen Kreditgeschäftes unmittelbar eine Risikoprämie abzuleiten.
Im Vorfeld sind folgende Grundüberlegungen anzustellen:
Die Aufnahme eines Kredits kann als eine Veräußerung von Ansprüchen auf zukünftige Erträge des Unternehmens interpretiert werden. Zur Vereinfachung wird angenommen, bei dem aufgenommenen Fremdkapital des Kreditnehmers handelt es sich um einen einzelnen Kredit mit endfälligen Zins- und Tilgungsleistungen, der also dem Cash Flow-Profil eines Zerobonds entspricht. Die Passivseite des Schuldners besteht also lediglich aus Eigenkapital und der Nullkuponanleihe.
Solange der Ertragswert des Unternehmens (=Marktwert der Aktiva) den Rückzahlungsbetrag des Kredits (=Marktwert des Fremdkapitals) übersteigt, werden die Ansprüche der Kreditgeber vollständig erfüllt. Eine Krisensituation ergibt sich dagegen immer dann, wenn der Marktwert der Aktiva den Marktwert des Fremdkapitals unterschreitet: Die erwirtschafteten Ergebnisse des Unternehmens reichen in diesem Fall nicht mehr aus, um den Kredit zurückzahlen zu können. Aus streng ökonomischer Sicht wäre es in dieser Konstellation nicht sinnvoll, den Fehlbetrag durch zusätzliches Eigenkapital zu decken, sondern stattdessen Insolvenz anzumelden. In diesem Fall würden die Fremdkapitalgeber statt des vereinbarten Rückzahlungsbetrages letztlich nur den geringeren Unternehmenswert erhalten.
1. Einleitung: Analyse des konjunkturellen Umfelds und dessen Auswirkungen auf die Kreditinstitute, mit Fokus auf die Bedeutung der Risikovorsorge.
2. Ziel von Pauschalwertberichtigungen: Erläuterung der Intention von Pauschalwertberichtigungen als Instrument zur Vorsorge für latente Kreditrisiken.
3. Darstellung im Jahresabschluss der Kreditinstitute: Gegenüberstellung der Offenlegungsvorschriften für Wertberichtigungen nach HGB, IAS und US-GAAP.
4. Klassische Berechnungsmethodik in deutschen Kreditinstituten: Untersuchung der handelsrechtlichen Grundlagen und der spezifischen Berechnungsvorgaben durch BMF und IdW.
5. Das Expected Loss Konzept: Detaillierte Herleitung des Expected Loss als statistischer Erwartungswert und Darstellung verschiedener Quantifizierungsansätze.
6. Exkurs: Unexpected Loss: Abgrenzung von Expected zu Unexpected Loss und Diskussion des Value-at-Risk-Konzepts im Kontext von Kreditrisiken.
7. Übertragung des Expected Loss Konzeptes auf die Ermittlung der Pauschalwertberichtigung: Diskussion der Voraussetzungen und Anforderungen an eine Anwendung dieses Konzepts auf Pauschalwertberichtigungen.
8. Vergleichende Betrachtung: Systematischer Vergleich der Auswirkungen von BMF-Vorgaben versus Expected Loss Ansatz auf die Risikovorsorge.
9. Anwendung in Kreditinstituten: Empirische Auswertung der praktischen Umsetzung des Expected Loss Ansatzes bei großen nationalen und internationalen Banken.
10. Kritische Würdigung & Ausblick: Diskussion der Herausforderungen bei der Implementierung, insbesondere hinsichtlich Rating-Kultur und IT-Infrastruktur, unter Berücksichtigung von Basel II.
Expected Loss, Unexpected Loss, Pauschalwertberichtigung, Kreditrisiko, Risikovorsorge, Rating, Bonitätsrisiko, Ausfallwahrscheinlichkeit, Basel II, Jahresabschluss, HGB, IAS, US-GAAP, Kreditderivate, Risikomanagement.
Die Arbeit untersucht den Übergang von traditionellen, steuerrechtlich geprägten Methoden zur Ermittlung von Pauschalwertberichtigungen hin zu moderneren, risikoorientierten Ansätzen auf Basis des Expected Loss Konzepts in der Bankpraxis.
Zentrale Themen sind die deutsche Bilanzierungspraxis unter HGB, internationale Rechnungslegungsstandards (IAS/US-GAAP), Methoden zur Quantifizierung von Kreditrisiken (Expected und Unexpected Loss) sowie die empirische Anwendung dieser Konzepte in großen internationalen Kreditinstituten.
Die Arbeit zielt darauf ab, zu evaluieren, inwieweit das Expected Loss Konzept eine adäquatere, verursachungsgerechte Bemessung der Pauschalwertberichtigung ermöglicht und welche strukturellen Anforderungen (Rating-Kultur, IT-Systeme) an ein solches Verfahren gestellt werden.
Der Autor kombiniert theoretische Analysen der Rechnungslegungsvorschriften mit modellhaften Berechnungsbeispielen und einer empirischen Analyse aktueller Geschäftsberichte von zehn der größten deutschen sowie internationalen Kreditinstituten.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der klassischen versus modernen Ermittlungsmethoden, die mathematische Fundierung des Expected Loss, die kritische Vergleichsanalyse der verschiedenen Ansätze und schließlich die Darstellung der Anwendungspraxis im Bankensektor.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Expected Loss, Pauschalwertberichtigung, Risikovorsorge, Rating, Bonitätsrisiko, Basel II sowie die verschiedenen Rechnungslegungsstandards geprägt.
Während die BMF-Vorgabe auf einer pauschalen, vergangenheitsorientierten Durchschnittsbildung basiert und steuerpolitisch motiviert ist, setzt das Expected Loss Konzept auf eine transaktionsbasierte, zukunftsorientierte Modellierung unter Einbeziehung kundenindividueller Risikoparameter.
Ein Wechsel zum Expected Loss Ansatz führt zu einer höheren Sensitivität gegenüber konjunkturellen Veränderungen, erfordert jedoch eine deutlich leistungsfähigere IT-Infrastruktur sowie eine hochentwickelte, interne Rating-Kultur zur Bewältigung der gestiegenen Komplexität.
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