Magisterarbeit, 1998
135 Seiten, Note: 1,0
1. Vorbemerkung
1.1. Eine sehr kurze Geschichte der Sorben
1.2. Eine knappe Skizze der heutigen Situation
2. Einleitung und Fragestellung
3. Begriffsbestimmung
3.1. Ethnie, Ethnizität, ethnische Identität
3.2. Suche nach objektivem Sorbisch-Sein
3.3. Ethnizität ohne ethnische Gruppe?
3.3.1. Das Verschwinden der Sorben - die essentialistische Erklärung
3.3.2. Die konstruktivistische Erklärung
3.3.3. Ethnizität als essentielle Qualität
3.3.2.1. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker
3.3.2.2. Multikulturalismus
3.4. Diskurs
3.4.1. Ethnische Identität als Diskurs
3.4.2. Zwei Möglichkeiten: Mikro- oder Makroebene?
4. Drei sorbische Ethnizitätsdiskurse
4.1. Die sorbische Nation
4.1.1. Erfundene Nationen
4.1.2. Wie entsteht eine Nation?
4.1.3. Vor dem Erwachen
4.1.4. Die sorbische Wiedergeburt
4.2. Die Sorben in der DDR
4.2.1. Wertungen und Widersprüche
4.2.2. Geschichtsbild und Ziele der Nationalitätenpolitik
4.2.3. Integration statt Unterschied
4.2.3.1. Verordnete Integration
4.2.3.2. Probleme der Integration
4.2.3.3. Chancen der Integration
4.3. Einschub: Wendezeiten
4.4. Horno
4.4.1. Der Kontext
4.4.2. Instrumentalisierte und authentische Identität
4.4.3. Was bedeutet „Sorbisch“ in Horno?
4.4.4. Das sorbische Siedlungsgebiet
4.4.5. Gegenargumente
4.4.6. Schlußfolgerungen
5. Schlußbetrachtung
Die Arbeit untersucht Diskurse sorbischer Ethnizität, wobei der Fokus weniger auf empirischer Forschung über die Sorben liegt, sondern darauf, ethnische Identität als kontextabhängigen Diskurs zu entwickeln. Die Forschungsfrage hinterfragt, wie „Sorbisch-Sein“ in verschiedenen historischen und gesellschaftlichen Situationen konstruiert, instrumentalisiert und verhandelt wird.
3.2. Suche nach objektivem Sorbisch-Sein
„Ethnic communities, so easily recognizable from a distance, seem to dissolve before our eyes the closer we come and the more we attempt to pin them down.“ (Smith 1986: 2) Der Effekt, den Smith beschreibt, charakterisiert treffend meine Erfahrungen in der Annäherung daran, was „Sorbisch-Sein“ bedeutet.
Aus der Ferne betrachtet, ist die Existenz der Sorben nicht von der Hand zu weisen. Daß in der Lausitz die Sorben zu Hause sind, ist ein weithin akzeptierter Fakt: zahlreiche Publikationen zeugen davon, wissenschaftliche ebenso wie Broschüren für Touristen, zweisprachige Beschilderung definiert den geographischen Raum des sorbischen Siedlungsgebietes, zahlreiche Institutionen, die finanzielle Förderung der sorbischen Minderheit, Sorbengesetze und anders mehr sind äußerst realer und greifbarer Ausdruck dieser Existenz. Und all dies bezieht sich eindeutig auf eine Gruppe, die als Volk begriffen wird, die über eine eigene Sprache verfügt, eine Abstammungsgemeinschaft anders als die deutsche darstellt, eine spezifische Kultur besitzt - also auf eine ethnische Gruppe.
Aus größerer Nähe jedoch ergeben sich einige Schwierigkeiten, versucht man die Sorben anhand objektiver Merkmalskataloge wie den vier Punkten von Barth oder den 18 Punkten von Wilking/Kroll (oder jedem anderen Merkmalskatalog) definitorisch zu erfassen.
1. Vorbemerkung: Einführung in die Thematik der Sorben als ethnische Minderheit und Darstellung der Ausgangslage der Arbeit.
2. Einleitung und Fragestellung: Erläuterung des diskursanalytischen Ansatzes, der nicht auf eine empirische Bestandsaufnahme der Sorben abzielt, sondern auf die Konstruktion ethnischer Identität.
3. Begriffsbestimmung: Theoretische Auseinandersetzung mit den Begriffen Ethnie, Ethnizität und Identität im Spannungsfeld zwischen primordialen und konstruktivistischen Ansätzen.
4. Drei sorbische Ethnizitätsdiskurse: Analyse der Konstruktion von Ethnizität in drei Kontexten: die nationale Wiedergeburt, die DDR-Politik und der Konflikt um das Dorf Horno.
5. Schlußbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse, wonach Ethnizität nicht als statische Eigenschaft, sondern als prozessualer, diskursiver Akt verstanden werden muss.
Sorben, Ethnizität, ethnische Identität, Diskursanalyse, Konstruktivismus, Minderheitenpolitik, DDR, Sorbische Wiedergeburt, Horno, Umsiedlung, nationale Identität, Integration, Kultur, Sorbengesetz, Ethnologie.
Die Arbeit analysiert, wie das Konzept „Sorbisch-Sein“ diskursiv konstruiert und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten verwendet wird.
Die zentralen Themen sind nationale Identitätsbildung, das Verhältnis zwischen Minderheit und Mehrheitsgesellschaft sowie die Instrumentalisierung von Identität in politischen Konflikten.
Das Ziel ist es, den Begriff der ethnischen Identität nicht als empirische Eigenschaft einer Gruppe zu verstehen, sondern als ein Produkt diskursiver Prozesse und Machtverhältnisse.
Die Arbeit nutzt einen diskursanalytischen Ansatz und verzichtet bewusst auf die klassische teilnehmende Beobachtung, um die Rolle der Diskursträger und die Konstruiertheit von Ethnizität hervorzuheben.
Der Hauptteil gliedert sich in drei historische und aktuelle Diskurse: die sorbische Nationwerdung im 19. Jahrhundert, die offizielle Nationalitätenpolitik der DDR und den aktuellen Kampf um das Dorf Horno.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ethnizität, Sorbisch-Sein, Diskursanalyse, Konstruktivismus und nationale Identität charakterisiert.
Während in der DDR eine "Integration ohne Unterschied" staatlich verordnet und kulturelle Identität in institutionalisierte Bahnen gelenkt wurde, ist heute die Situation durch ein Ringen um Sichtbarkeit und die Instrumentalisierung von Identität im marktwirtschaftlichen Kontext geprägt.
Horno dient als aktuelles Fallbeispiel, in dem sorbische Identität nicht mehr nur kulturell definiert, sondern als politisches und juristisches Argument im Kampf gegen die Abbaggerung eingesetzt wird.
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