Masterarbeit, 2011
93 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
2 Neorassismus und Transkulturalität. Ein Theoriebaustein.
2.1 Das Ende des Rassismus – der Beginn eines neuen Rassismus?
2.2 Von Rasse zu Rassismus
2.3 Neo-Rassismus und seine Konstituenten
2.3.1 Ethnie und Ethnozentrismus
2.3.2 Kulturnation und Leitkultur
2.3.3 Neorassismus – ein kultureller Rassismus
2.4 Transkulturalität
3 Moritz Netenjakob: Macho Man
3.1 Autor und Rezeption
3.2 Handlungsgerüst
3.3 Erzählposition
3.4 „Der türkische Macho“ – Konstruktion des türkischen Mannes
3.5 Stereotypisierte und ethnozentrische Bilder in Macho Man
3.5.1 Die Magie der orientalischen Kräfte
3.5.2 Die Binärstruktur der deutschen und türkischen Kultur
4 Sten Nadolny: Selim oder Die Gabe der Rede
4.1 Autor und Rezeption
4.2 Textstruktur und Handlung
4.3 Die Multiperspektivität des Textes
4.4 Stereotype Darstellungen
4.5 Zwischen Transkulturalität und Xenophobie / Neorassismus
4.5.1 Fremdenhass und Gleichgültigkeit
4.5.2 Das Dilemma ethnozentrischer Sicht
4.5.3 Transkulturelle Aspekte
5 Analyse: Martin Mosebach: Die Türkin
5.1 Autor und Rezeption
5.2 Handlung und Struktur
5.3 Perspektive(n) des Textes
5.3.1 Strukturelle Ausgrenzung der türkischen Perspektive
5.3.2 Hegemoniale Erzählposition des Ich-Erzählers
5.4 Personencharakteristik: Pupuseh
5.5 Macht- und neorassistischer Diskurs in Die Türkin
6 Zusammenfassung, Ergebnisse
6.1 Kultur als statisches Ordnungssystem
6.2 Der Stellenwert der Ethnie als Rassen-Ersatz
6.3 Gleichberechtigung oder Diskriminierung: Relevanz der Perspektiven
6.4 Stereotype Darstellungsweisen
6.5 Das Dilemma des Ethnozentrismus
6.6 Chancen des transkulturellen Konzepts
6.7 Ausblick
Diese Masterarbeit untersucht den Einfluss kultureller Theorien auf die deutsche Gegenwartsliteratur. Ziel ist es, anhand ausgewählter Romane aufzuzeigen, wie Konzepte des Neorassismus und der Transkulturalität die Darstellung deutsch-türkischer Beziehungen prägen und welche Rolle ethnozentrische Sichtweisen in diesen Texten spielen.
Die Binärstruktur der deutschen und türkischen Kultur
Die Vorstellung zweier Nationalkulturen, die sich in der Liebesgeschichte Aylins und Daniels begegnen, bleibt zu verfestigt, als dass man hier von einem transkulturellen Text sprechen könnte. In aller Deutlichkeit zeigt sich das an den Beschreibungen Aylins durch Daniel, für den Aylin weiterhin eine „Ausländerin“, eine Türkin ist:
‚Sie heißt Aylin.‘
‚Aylin?‘
‚Ja, sie ist Türkin.‘
Obwohl in Deutschland geboren und aufgewachsen, wird Aylin von Daniel als Ausländerin bezeichnet, was man durchaus als Herablassung betrachten könnte. Die Türken haben in Deutschland eine eigene parallele Kultur installiert, so die Vorstellung Daniels, die in der Disco-Szene des Romans in schönster Art und Weise bedient wird. Der Ich-Erzähler taucht hier im wahrsten Sinne des Wortes in eine Parallelwelt ein, in der er mit komplizierten Verwandtschaftsverhältnissen, übertretenen Tempolimits im BMW-Cabrio, Satinhosen und übersteigerter Sexualität konfrontiert wird, die in ihrer Gesamtheit für Daniel die türkische Kultur ergeben. In den Beschreibungen dieser Partynacht vermischen sich einerseits die Klischeevorstellungen von türkischen Machos, einer türkischen Proll-Kultur mit der Sinnlichkeit türkischer Frauen andererseits. In dieser Nacht avanciert Daniel zum Macho in Reinkultur, man könnte auf den ersten Blick annehmen, es spielte sich wenn kein transkultureller, so doch ein interkultureller Prozess statt, ein Austausch zwischen den Kulturen.
„Ich bin Generation Golf, fahre Ford Ka, aber jetzt passe ich perfekt in ein BMW Cabrio.“
Auto- und Heterostereotyp werden in diesem Satz deutlich: Daniel definiert sich selbst als Mitglied der Generation Golf, die wie alle Generationen ein Konstrukt sozialwissenschaftlicher Forschungen ist, das BMW Cabrio entstammt der Vorstellungswelt einer türkischen Proll-Kultur.
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Globalisierung und kultureller Theorien für die germanistische Literaturwissenschaft ein und begründet die Auswahl von Neorassismus und Transkulturalität als Analysekonzepte.
2 Neorassismus und Transkulturalität. Ein Theoriebaustein.: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen erarbeitet, wobei der Übergang von klassischem Rassismus zum kulturell begründeten Neorassismus sowie das Konzept der Transkulturalität gegenübergestellt werden.
3 Moritz Netenjakob: Macho Man: Die Analyse zeigt, wie dieser Comedy-Roman durch die Konstruktion des „türkischen Machos“ und die Verwendung stereotyper Bilder eine binäre Weltanschauung festigt.
4 Sten Nadolny: Selim oder Die Gabe der Rede: Das Kapitel untersucht Nadolnys polyphone Erzählweise und wie der Autor versucht, durch Multiperspektivität dem Vorwurf des Neorassismus zu entgehen, auch wenn ethnozentrische Tendenzen bestehen bleiben.
5 Analyse: Martin Mosebach: Die Türkin: Hier wird die hegemoniale Erzählposition des Ich-Erzählers kritisch beleuchtet, die Pupuseh als Objekt in einem machtbasierten, neorassistischen Diskurs inszeniert.
6 Zusammenfassung, Ergebnisse: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei insbesondere die Persistenz statischer Kulturbegriffe und die Schwierigkeit der Dekonstruktion von Ethnozentrismus in der Literatur hervorgehoben werden.
Neorassismus, Transkulturalität, Deutsch-türkische Literatur, Identitätskonstruktion, Ethnozentrismus, Stereotypisierung, Multiperspektivität, Interkulturelle Germanistik, Kulturelle Differenz, Literaturanalyse, Machtdiskurse, Globalisierung, Kulturmodell, Migrationsliteratur, Statischer Kulturbegriff.
Die Arbeit analysiert, wie sich Theorien zu Neorassismus und Transkulturalität in zeitgenössischen deutschen Romanen mit deutsch-türkischer Thematik widerspiegeln und wie diese Texte Identitäten und kulturelle Differenzen konstruieren.
Zentral sind die Untersuchung von Machtverhältnissen in literarischen Diskursen, die Rolle von Stereotypen in der kulturellen Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie die Spannung zwischen statischen Kulturkonzepten und transkulturellen Ansätzen.
Das Ziel ist die qualitative Analyse, ob und wie neorassistische Denkmuster oder transkulturelle Offenheit die literarische Darstellung von Begegnungen zwischen Deutschen und Türken beeinflussen.
Es wird eine qualitative Textanalyse angewendet, die auf literaturwissenschaftlichen und kulturtheoretischen Ansätzen basiert und die Erzählstrukturen sowie Perspektivierungen der ausgewählten Romane untersucht.
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Einzeltextanalyse der Romane „Macho Man“ von Moritz Netenjakob, „Selim oder Die Gabe der Rede“ von Sten Nadolny und „Die Türkin“ von Martin Mosebach unter Einbeziehung des zuvor entwickelten Theoriebausteins.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Neorassismus, Transkulturalität, Identitätskonstruktion, Ethnozentrismus, Stereotypisierung und Multiperspektivität definiert.
Die Analyse zeigt, dass das Genre des „Comedy-Romans“ hier als Dilemma fungiert: Zwar wird Ironie eingesetzt, doch die ständige Reproduktion von Klischees über türkische Männer droht in neorassistische Argumentationsmuster umzuschlagen, anstatt sie zu dekonstruieren.
Nadolny wählt eine polyphone bzw. multiperspektivische Erzählweise durch das „Roman-im-Roman“-Konstrukt, wodurch er versucht, eine einseitig hegemoniale Sichtweise zu vermeiden, auch wenn eine vollständige Auflösung der eigenen Perspektivvorgaben des Autors kaum möglich bleibt.
Sie wird als passives, handlungsunfähiges Objekt charakterisiert, da die Erzählung ausschließlich aus der Sicht eines Ich-Erzählers erfolgt, der sie lediglich als Projektionsfläche für seine eigene (kulturelle) Überlegenheit und als „unberührbare“ Naturerscheinung wahrnimmt.
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