Bachelorarbeit, 2008
45 Seiten, Note: 1,7
1. Fragen an die reflexive Soziologie
2. Luhmanns Einwände gegen den Kulturbegriff
2.1. Die Erfindung der Kultur
2.1.1. Romantische Natur und bürgerliche Kultur
2.1.2. Die moderne Ausprägung des Kulturbegriffs
2.2. Kultur als Grenze
2.2.1. Inklusion und Exklusion
2.2.2. Funktionssysteme differenzierter Gesellschaften
2.3. Kultur zum Gegenstand
3. Konsequenzen der Vorwürfe Luhmanns für eine Definition des Kulturbegriffs
4. Semantik, gepflegte Semantik und Kultur
4.1. Semantik
4.2. Gepflegte Semantik
4.3. Kultur als surplus?
5. Das Gedächtnis der Gesellschaft
5.1. Kommunikation
5.2. Kontingenz
6. Ergebnisse der Definition von Kultur systemtheoretischer Soziologie
7. Die Anschlussfähigkeit der Systemtheorie – die Rezeption Luhmanns in der Kulturtheorie
8. Ein Paradigmenwechsel in den Kulturwissenschaften?
Die Arbeit untersucht Niklas Luhmanns Verständnis von Kultur innerhalb seiner systemtheoretischen Soziologie, insbesondere unter Einbeziehung der Problematik des gesellschaftlichen Gedächtnisses, um zu klären, ob sich dieser systemtheoretische Kulturbegriff sinnvoll für die Kulturwissenschaften fruchtbar machen lässt.
2.1. Die Erfindung der Kultur
Mannigfaltigkeit von Kultur ist für Luhmann durch die Theorie offener Systeme erklärbares Phänomen: Für alle Systeme gelten gleiche Gesetzmäßigkeiten, seien es lebende, psychische oder soziale Systeme. Umweltveränderungen die im System nicht vorgesehen waren erzeugen darin Strukturveränderungen. Irritierende, störende Informationen führen in Systemen zur Selektion neuer Strukturen. Die Mannigfaltigkeit von Kultur führt Luhmann ursächlich auf die Vielgestalt möglicher Störungen zurück. Was Luhmann wundert ist die Vielfalt an unzureichenden Erklärungsversuchen und Begriffen. Dieses Defizit sieht er in mangelhafter, irritierender Begriffsbildung begründet und versucht diese durch eine historische Analyse des Kulturbegriffs nachzuvollziehen.
Den Ausgangspunkt der Begriffsbildung verortet er in der antiken Zeichenlehre. Dort findet er bereits erkennbar getrennt vom religiösen Kult eine Theorie des künstlichen Gedächtnisses auf, die ohne ein Zeichen für Kultur entwickelt und gebraucht wurde. Bis ins ausgehende Mittelalter sind aus Sicht Luhmanns an dieser Fassung der Zeichenlehre keine einschneidenden Veränderungen aufgetreten. Die Zeichenlehre verändert sich erst mit zunehmender Ausdifferenzierung des Kunstsystems zum einen und des Verlusts der Verbindlichkeit der Kunst als Vorbild Anfang des 18. Jahrhunderts. Vorher schaffte der mit der Aufklärung angestoßene Säkularisierungsprozess einen Leerraum im telos, der mit der Sakralisierung des Künstlerischen aufgefüllt worden war. Der maßgeblichen Unterschied in der Kunstbetrachtung des 18. Jahrhunderts sieht Luhmann darin, dass nicht mehr Kunst und ihre Regeln in Diskussionen über ästhetische Maximen verglichen werden, sondern eine 'abgehobene Sphäre' sich entwickelt.
1. Fragen an die reflexive Soziologie: Einleitung in die Problematik des Kulturbegriffs und dessen Kritik aus Sicht der systemtheoretischen Soziologie.
2. Luhmanns Einwände gegen den Kulturbegriff: Untersuchung der historischen Herleitung und Luhmanns Kritik an der begrifflichen Unschärfe von Kultur.
3. Konsequenzen der Vorwürfe Luhmanns für eine Definition des Kulturbegriffs: Diskussion, wie Kultur trotz der Kritik als soziales Phänomen systemtheoretisch begrifflich fassbar gemacht werden kann.
4. Semantik, gepflegte Semantik und Kultur: Analyse der zentralen Konzepte Semantik und gepflegte Semantik sowie deren Abgrenzung und Verflechtung.
5. Das Gedächtnis der Gesellschaft: Untersuchung der Funktion von Kultur als gesellschaftliches Gedächtnis zur Stabilisierung von Sinn.
6. Ergebnisse der Definition von Kultur systemtheoretischer Soziologie: Zusammenfassende Betrachtung der erarbeiteten systemtheoretischen Definition von Kultur.
7. Die Anschlussfähigkeit der Systemtheorie – die Rezeption Luhmanns in der Kulturtheorie: Diskussion über die Rezeptionsmöglichkeiten der Systemtheorie innerhalb der kulturwissenschaftlichen Debatten.
8. Ein Paradigmenwechsel in den Kulturwissenschaften?: Fazit über das Potential der systemtheoretischen Methode für einen Paradigmenwechsel in den Kulturwissenschaften.
Niklas Luhmann, Systemtheorie, Kulturbegriff, Semantik, Gepflegte Semantik, Gesellschaftliches Gedächtnis, Kommunikation, Kontingenz, Beobachtung zweiter Ordnung, Soziale Systeme, Sinnverarbeitung, Inklusion, Exklusion, Kulturtheorie, Paradigmenwechsel.
Die Arbeit beschäftigt sich mit Niklas Luhmanns kritischer Auseinandersetzung mit dem Begriff „Kultur“ und untersucht, wie die soziologische Systemtheorie diesen Begriff neu und präziser bestimmen kann.
Die zentralen Themen umfassen die Systemtheorie, den Begriff der Semantik, die Funktion von Kultur als gesellschaftlichem Gedächtnis sowie das Verhältnis von Kommunikation und Sinn.
Das Ziel ist es, zu klären, ob der systemtheoretische Kulturbegriff sinnvoll in die Kulturwissenschaften integriert werden kann und welche methodischen Konsequenzen sich daraus ergeben.
Die Arbeit nutzt die systemtheoretische Methode nach Niklas Luhmann, insbesondere die Analyse von Semantiken, Differenzierungen (System/Umwelt) und die Beobachtung zweiter Ordnung.
Im Hauptteil werden Luhmanns Einwände gegen traditionelle Kulturbegriffe analysiert, die Begriffe Semantik und gepflegte Semantik definiert sowie Kultur als Speicher für Sinn im gesellschaftlichen Gedächtnis expliziert.
Wichtige Begriffe sind Systemtheorie, Semantik, Kultur, Gedächtnis, Kommunikation, Kontingenz und Beobachtung.
Kontingenz bezeichnet bei Luhmann, dass alles, was ist, auch anders sein könnte; dies ist die Grundbedingung für die Arbeit von sozialen Systemen und die Notwendigkeit von Sinnstiftung.
Luhmann kritisiert, dass „Kultur“ oft unscharf definiert ist, als unkritische Schichtattribut verwendet wird und keinen wirklichen theoretischen Fortschritt für die Erklärung gesellschaftlicher Prozesse bietet.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

