Magisterarbeit, 2009
136 Seiten, Note: 1,7
1. EINLEITUNG
2. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS – EINE LÉGENDE UNIVERSELLE
3. DAS TRAGISCHE ALS ZEIT- UND KONTEXTABHÄNGIGER BEGRIFF
4. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS BEI EURIPIDES
4.1. DER TRAGISCHE HANDLUNGSSTRANG
4.1.1. Die Enthüllung der verbotenen Leidenschaft (Erste Hauptszene)
4.1.2. Das Scheitern des Kuppelversuchs und Phaidras Racheplan (Zweite Hauptszene)
4.1.3. Die Bestrafung des Hippolytos (Dritte Hauptszene)
4.2. DIE TRAGISCHEN FIGUREN
4.2.1. Hippolytos
4.2.2. Phaidra
4.2.3. Theseus
4.2.4. Die Amme
4.3. TRAGIK BEI EURIPIDES: DIE HAMARTIA DES TRAGISCHEN HELDEN
4.3.1. Der Begriff der hamartia
4.3.2. Die hamartia des Hippolytos
4.3.3. Die hamartia der anderen Figuren
4.4. DIE SCHULDFRAGE BEI EURIPIDES
5. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS BEI SENECA
5.1. DER TRAGISCHE HANDLUNGSSTRANG
5.1.1. Die domina-nutrix-Szene
5.1.2. Die Hippolytus-nutrix-Szene
5.1.3. Die Phaedra-Hippolytus-Szene
5.1.4. Verleumdung und Fluch
5.1.5. Das tragische Ende: Phaedras Schuldbekenntnis
5.2. DIE TRAGISCHEN FIGUREN
5.2.1. Phaedra
5.2.2. Hippolytus
5.2.3. Theseus
5.2.4. Die Amme
5.3. TRAGIK BEI SENECA: DIE VERKEHRUNG DER KOSMISCHEN ORDNUNG
5.3.1. Seneca und der Stoizismus
5.3.1.1. Die antike Stoa und ihre Philosophie der Affekte
5.3.1.2. Senecas philosophische Schriften als Interpretationsgrundlage der Tragödien
5.3.1.3. Senecas Tragödien: natura versa est
5.3.2. Phaedra: vicit ac regnat furor
5.3.3. furor bei den anderen Figuren
5.4. DIE SCHULDFRAGE BEI SENECA
6. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS BEI RACINE
6.1. RACINE UND DIE PRÉFACE DER PHÈDRE
6.2. DER TRAGISCHE HANDLUNGSSTRANG
6.2.1. Die Geständnisse vor den Vertrauten (I, 1 und I, 3)
6.2.2. Die Geständnisse vor den Geliebten (II, 2 und II, 5)
6.2.3. Thésées Rückkehr und der Verleumdungsplan (III,3)
6.2.4. Verleumdung und Verfluchung des Hippolyte (IV, 1, 2)
6.2.5. Phèdres Eifersucht (IV, 4f.)
6.2.6. Phèdres Selbstbestrafung (V, 7)
6.3. DIE TRAGISCHEN FIGUREN
6.3.1. Phèdre
6.3.2. Hippolyte
6.3.3. Thésée
6.3.4. Oeone
6.3.5. Aricie
6.4. TRAGIK BEI RACINE: DIE AUTONOMISIERUNG DER LEIDENSCHAFT
6.4.1. Hintergrund: Das Menschenbild des Jansenismus
6.4.1.1. Der Jansenismus: Theologie und Geschichte
6.4.1.2. Phèdre als jansenistisches Stück
6.4.2. Die Anthropologie der Schwäche im 17. Jh.
6.4.2.1. Racine und die Leidenschaften
6.4.2.2. Racine und der Durchbruch des Archaischen
6.4.3. Phèdre und die autonome Leidenschaft
6.4.4. Die faiblesse des Hippolyte
6.5. DIE SCHULDFRAGE BEI RACINE
7. RÉSUMÉ
Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die eingehende Untersuchung des Wandels des Phädra-Hippolytos-Mythos in der europäischen Literaturgeschichte. Anhand der drei bedeutendsten literarischen Bearbeitungen von Euripides, Seneca und Racine wird analysiert, wie sich die jeweilige Konzeption des Tragischen in den Texten widerspiegelt und welche Rückschlüsse dies auf das Menschenbild und die Weltanschauung der jeweiligen Epoche zulässt.
4.1.1. Die Enthüllung der verbotenen Leidenschaft (Erste Hauptszene)
Im Mittelpunkt des ersten Epeisodions des euripideischen Stücks erleben wir die von Qualen zerrissene und wie an einer „echten“ Krankheit leidende Phaidra, die in ihrem geschwächten Zustand auf einem Bett vor den Palast getragen wurde. Für den des Mythenstoffes kundigen Leser ist schnell klar, dass dieser kranke Zustand der Königin nichts als die Folge ihrer verborgenen Liebesleidenschaft für den Stiefsohn ist. Ihre ständig wechselnden verworrenen Wünsche und Phantasien stellen die ahnungslose Amme, die wohlwollend darum bemüht ist, Phädra von ihren Qualen zu befreien, vor das große Rätsel, wer oder was die Königin überhaupt in einen derartigen Zustand versetzt habe. Im Bewusstsein ihres selbstvergessenen Wahnsinns entzieht sich Phaidra immer mehr der Außenwelt um sie herum und wird schließlich nur noch von dem Wunsch, zu sterben, beherrscht. Die Amme, die schon fast keine Hoffnung mehr auf eine Preisgabe des Geheimnisses ihrer Herrin setzt, wird von der Chorführerin ermutigt, einen letzten Versuch zu unternehmen, die Ursache für das unerklärliche Leiden der Königin doch noch zu erfahren. Allerdings erst als die Amme – nun schon zornig - darauf hinweist, dass Phaidra mit ihrem Tod die Kinder des väterlichen Besitzes beraube und in diesem Zusammenhang auch Hippolytos als Anwärter des Erbes namentlich erwähnt, gelingt es ihr, die Königin zum Sprechen zu bringen.
1. EINLEITUNG: Hinführung zur Bedeutung des antiken Phädra-Hippolytos-Mythos und Definition des Ziels der Untersuchung hinsichtlich des Wandels der Tragikkonzepte.
2. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS – EINE LÉGENDE UNIVERSELLE: Überblick über die Stoffgeschichte und Verbreitung des Mythos in verschiedenen Kulturen als archetypisches Erzählgut.
3. DAS TRAGISCHE ALS ZEIT- UND KONTEXTABHÄNGIGER BEGRIFF: Theoretische Begriffsbestimmung des "Tragischen" als wandelbares literarisches Phänomen unter Einbeziehung philosophischer Positionen wie Aristoteles und späterer Denker.
4. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS BEI EURIPIDES: Analyse der antiken Tragödie unter besonderer Berücksichtigung der hamartia als Fehlbarkeit des Helden und der damit verbundenen Schuldfrage.
5. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS BEI SENECA: Untersuchung der römischen Fassung, die durch den Einfluss der stoischen Philosophie und eine neue Anthropologie der Affekte geprägt ist.
6. DER PHÄDRA-HIPPOLYTOS-MYTHOS BEI RACINE: Darstellung der klassizistischen Bearbeitung und deren jansenistischer Prägung, die den Menschen als durch Leidenschaft fremdbestimmtes Wesen zeigt.
7. RÉSUMÉ: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und abschließende Bewertung der unterschiedlichen Tragikmodelle im diachronen Vergleich.
Phädra-Hippolytos-Mythos, Tragödie, Euripides, Seneca, Racine, hamartia, Stoa, Affekte, Jansenismus, Leidenschaft, Schuld, Mythos, psychologische Charakterzeichnung, Antike, französische Klassik.
Die Arbeit untersucht den Wandel und die Rezeption des antiken Mythos von Phädra und Hippolytos über mehrere Jahrhunderte hinweg, primär am Beispiel der Tragödien von Euripides, Seneca und Racine.
Zentral sind die unterschiedlichen Konzeptionen des Tragischen in den jeweiligen Epochen, die Rolle der Leidenschaft als treibende Kraft sowie die philosophische und theologische Einbettung der menschlichen Schuldfrage.
Das primäre Ziel ist es, den Wandel des Hippolytos-Mythos anhand dieser drei literarischen Schöpfungen detailliert herauszuarbeiten und aufzuzeigen, wie unterschiedliche Weltanschauungen die Darstellung des Tragischen beeinflussen.
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl auf close reading der Primärtexte als auch auf eine fundierte theoretische Auseinandersetzung mit der jeweiligen Tragödientheorie (z.B. Aristoteles, Stoa, Jansenismus) setzt.
Der Hauptteil gliedert sich in drei analoge Abschnitte, die jeweils Euripides, Seneca und Racine gewidmet sind. Dabei werden der Handlungsstrang, die tragischen Figuren, die spezifische Tragikauffassung und die jeweilige Schuldfrage analysiert.
Zu den prägenden Fachbegriffen gehören hamartia (Fehlbarkeit), furor (Raserei), passion (Leidenschaft), stoische Ataraxie, jansenistischer Pessimismus und das Konzept der menschlichen Autonomie bzw. Fremdbestimmtheit.
Während bei Euripides die hamartia, also ein oft intellektueller Fehltritt aus Charakterfehlbarkeit, im Zentrum steht, wird die Tragik bei Racine durch eine absolut determinierende, als "Leidenschaft" (passion) verstandene Fremdbestimmtheit des Subjekts in einem jansenistischen Kontext definiert.
Die Rolle der Götter wandelt sich: Bei Euripides sind sie als handelnde Akteure präsent, bei Seneca tritt ihre Bedeutung hinter die stoische Naturgesetzlichkeit zurück, und bei Racine fungieren sie als dieu caché (verborgener Gott), was die menschliche Einsamkeit und das Fehlen göttlicher Gnade unterstreicht.
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