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Bachelorarbeit, 2011
61 Seiten
Abbildungsverzeichnis
Tabellenverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Einführung
1.2 Problemstellung und Zielsetzung
1.3 Aufbau und Vorgehensweise
2 Die Idee der Balanced Scorecard
2.1 Die Balanced Scorecard als Kennzahlensystem
2.1.1 Perspektiven der Balanced Scorecard
2.1.1.1 Die finanzwirtschaftliche Perspektive
2.1.1.2 Die Kundenperspektive
2.1.1.3 Die interne Prozessperspektive
2.1.1.4 Die Lern- und Leistungsperspektive
2.1.2 Ausgewogenheit der Messgrößen
2.1.2.1 Ergebnisgrößen und Leistungstreiber sowie Früh- und Spätindikatoren
2.1.2.2 Finanzielle und nicht-finanzielle Messgrößen
2.1.2.3 Extern und intern ausgerichtete Messgrößen
2.2 Die Balanced Scorecard als Managementsystem
2.2.1 Maßnahmen und Handlungsrahmen
2.2.2 Strategy Maps: Ursache-/Wirkungsketten
2.3 Aktueller Stand in der Praxis
3 Integriertes Supply Chain Management für die BSC
3.1 Supply Chain Management
3.1.1 Definitionen
3.1.2 Ziele und Aufgaben
3.1.3 Bedeutung und Ansatzpunkte für das Supply Chain Management
3.2 Supply Chain-Controlling
3.2.1 Abgrenzung und Anforderungen
3.2.2 Aufgaben und Instrumente
3.3 Die Supply Chain Balanced Scorecard
3.3.1 Definition
3.3.2 Zielsetzung und Aufgaben
3.3.3 Merkmale und Besonderheiten der Supply Chain-BSC
3.3.4 Modifikationserfordernisse einer Supply Chain-BSC für das Controlling von unternehmensübergreifenden W ertschöpfungsketten
3.3.5 Bisherige Ansätze für den Einsatz der BSC im Supply Chain Management
3.3.5.1 Nach Weber
3.3.5.2 Nach Brewer und Speh
3.3.5.3 Nach Lange, Schaefer und Dalrup
3.3.5.4 Nach Stölzle, Heusler und Karrer
3.3.5.5 Auswertung und Zusammenfassung
3.3.6 Erfolgsfaktoren und Hindernisse
4 Leistungs- und Strategiesteuerung durch Kennzahlen
4.1 Definition Kennzahlen
4.1.1 Ausgewogene Maßgrößen
4.1.2 Integrierte Maßgrößen
4.1.3 Standardisierte Maßgrößen
4.2 Beispielkennzahlen für integriertes Supply Chain Management
4.2.1 Finanzwirtschaftliche Perspektive
4.2.2 Kundenperspektive
4.2.3 Prozessperspektive
4.2.4 Entwicklungs- und Lernperspektive
4.2.5 Kooperationsperspektive
4.3 Praxisbeispiel dm drogerie markt
5 Fazit und Ausblick
Literaturverzeichnis
Anhang
Abbildung 1: Die klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard nach Kaplan/ Norton
Abbildung 2: Gesamtzusammenhänge in der internen Prozessperspektive
Abbildung 3: Nutzung und Zufriedenheit der Balanced Scorecard
Abbildung 4: Ebenen der BSC in einer Wert-schöpfungskette
Abbildung 5: Aufbau der Supply Chain Balanced Scorecard nach Weber
Abbildung 6: Auszug aus der Scorecard im Extranet von dm
Abbildung 7: Übersetzung der Mission in gewünschte Ergebnisse
Abbildung 8: Ebenen des SCOR-Modells
Tabelle 1: Aufbau und Vorgehensweise der Arbeit
Tabelle 2: Beispiel für eine ausgewogene Maßgröße
Tabelle 3: Cash-to-cash cycle time als Beispiel für eine integrierte Maßgröße
Tabelle 4: Der wertschöpfungsübergreifende Lagerbestand als integrierte Kennzahl
Tabelle 5: Supply-Chain-bezogene Kennzahlen zur finanzwirtschaftlichen Perspektive
Tabelle 6: Supply-Chain-bezogene Kennzahlen zur Kundenperspektive
Tabelle 7: Supply-Chain-bezogene Kennzahlen zur Prozessperspektive
Tabelle 8: Supply-Chain-bezogene Kennzahlen zur Entwicklungs- und Lernperspektive
Tabelle 9: Kennzahlen zur Messung der Kooperation
Tabelle 10: Definitionen zum Supply Chain Management
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
„If you cannot measure it, you cannot control it.
If you cannot control it, you cannot manage it.
If you cannot manage it, you cannot improve it. ”
(Harrington, 1991)
Besser und schneller sein als die Konkurrenz - daran arbeiten heute alle Unternehmen, um trotz des raschen und turbulenteren Wandels in der Unternehmensumwelt die eigene Stellung zu verteidigen und zu überleben. Doch wie kann die bisherige Leistung erhalten und sogar verbessert werden? Bereits 1991 hat Harrington festgestellt, dass Dinge nur dann verbessert werden können, wenn sie messbar und damit auch kontrollierbar sind.
Verschiedene Entwicklungstrends, wie beispielsweise die Globalisierung der Märkte, die Konzentration auf Kernkompetenzen, die zunehmende Arbeitsteilung sowie der Wandel vom Verkäufer- zum Käufermarkt verändern nicht nur die Unternehmensumwelt, sondern auch die Anforderungen an die Unternehmen. Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, muss sich der Blick daher zunehmend über die Unternehmensgrenzen hinaus weiten, wodurch das Management von Supply Chains[1] zunehmend in den Mittelpunkt von Theorie und Praxis rückt. Wird versucht, die Lieferkette eines Produktes von Anfang bis zum Ende nachzuverfolgen, muss festgestellt werden, dass es nahezu unmöglich ist, diese in unserer heutigen vernetzen Welt noch zu überblicken, da sie sich von der Rohstoffquelle bis zum Endkunden erstrecken kann. Die gesamte Supply Chain kann aufgrund ihrer Länge und Größe nur noch mithilfe von Managementinstrumenten erfasst, kontrolliert und kontinuierlich verbessert werden.
Entscheidungen des Supply Chain Managements sind folglich in einer Umwelt zu treffen, die einem kontinuierlichen Wandel unterliegt und sich durch steigende Dynamik, Komplexität und Intransparenz von Handlungssituationen auszeichnet.
Durch die angesprochenen Problemfelder wird der notwendige Koordinations- und Steuerungsbedarf erhöht. Das Supply Chain Management benötigt durch den gestiegenen Koordi- nations- und Steuerungsbedarf eine Unterstützung durch das Supply Chain Controlling. Die veränderten Umweltbedingungen stellen steigende Anforderungen an die Instrumente, die im Supply Chain Management und Supply Chain Controlling zum Einsatz kommen. Von der Wissenschaft werden diesbezüglich verschiedene Instrumente[2] vorgeschlagen, um eine erfolgsorientierte Steuerung der Supply Chain zu gewährleisten.
Im Rahmen dieser Arbeit wird das Instrument der Balanced Scorecard (BSC), das zurzeit in Theorie und Praxis eine hohe Aufmerksamkeit genießt, bezüglich seiner Anwendung im Rahmen des Supply Chain Managements eingehend untersucht. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen daher folgende zentrale Fragen: Stellt die Balanced Scorecard ein geeignetes Instrument dar, um das Supply Chain Management und -Controlling zu unterstützen, und wie ist die Balanced Scorecard inhaltlich und strukturell zu gestalten, um den spezifischen Anforderungen bzw. Aufgaben des Supply Chain Managements und -Controllings gerecht zu werden?
Die zentralen Hauptfragen habe ich in folgende Unterfragen untergliedert:
- Welche Merkmale muss ein Instrument haben, um den Anforderungen des Supply Chain Management gerecht zu werden?
- Könnten die globalen Netzwerke und Beziehungen in bestehende unternehmensinterne Strategieinstrumente integriert werden?
- Welche Kennzahlen sind für die Integration der Supply Chain in der BSC notwendig?
- Welche Kennzahlen bildet die Realität der Supply Chain in der BSC am besten und sinnvollsten ab?
- Welche Änderungen ergeben sich für die BSC, wenn die Supply Chain integriert wird?
- Welche Änderungen ergeben sich, wenn die BSC um die Supply Chain erweitert wird?
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Tabelle 1: Aufbau und Vorgehensweise der Arbeit
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Zunächst soll ein Überblick über die Idee der Balanced Scorecard (BSC) gegeben werden, um dem Leser ein Grundverständnis für dieses Strategieinstrument zu vermitteln.
Vor dem Hintergrund von vermehrter Kritik an der Eindimensionalität finanzieller Kennzahlen[3] in den USA haben Kaplan und Norton Anfang der neunziger Jahre ein Forschungsprojekt mit zwölf amerikanischen Unternehmen durchgeführt[4]. Sie wollten dabei die vorhandenen Kennzahlen an die gestiegenen Anforderungen der Unternehmen anpassen und den Unternehmern nicht nur ein Kennzahlensystem, sondern ein umfassendes Managementsystem an die Hand geben. Dieses System verknüpft sowohl die strategische als auch operative Planung, wird dadurch ganzheitlich auf die Unternehmensstrategie ausgerichtet und enthält nebenbei noch Kennzahlen.
Die BSC wird im Folgenden aus zwei Blickwinkeln betrachtet:
Zunächst gehe ich auf die BSC als Kennzahlensystem ein, um den Aufbau und die Struktur deutlich zu machen, anschließend stelle ich diese in einen strategischen Zusammenhang, um den Wert der BSC als Strategieinstrument aufzuzeigen.
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
In einem Kennzahlensystem steht eine Menge von Kennzahlen in Beziehung oder ergänzt sich, um eine vollständige Erfassung eines betriebswirtschaftlichen Sachverhalts abzubilden.[5] Dabei gibt es Kennzahlensysteme wie das DuPont- Kennzahlensystem[6] und das ZVEI-Kennzahlensystem[7], die als Rechensysteme[8] definiert werden. Auf der anderen Seite gibt es auch so genannte Ordnungssysteme[9] wie die BSC.[10]
Kennzahlensysteme bieten Verantwortlichen in Unternehmen frühzeitig Informationen über Abweichungen vom gewünschten Unternehmenskurs, die Identifikation von Stärken und Schwächen des Unternehmens in Relation zu Konkurrenten und erleichtern die Lösung von Zielkonflikten.[11]
Die Balanced Scorecard ist ein Ordnungssystem und verknüpft sachlogisch Kennzahlen aus verschiedenen Perspektiven, mit denen der Unternehmenserfolg gemessen wird. Der finanzielle Aspekt als Haupterfolgsmaßstab bleibt erhalten, wird jedoch durch die Kunden-, Prozess- und Lern- und Entwicklungsziele ergänzt. Es werden Querverbindungen und Synergieeffekte zwischen den Einzelzielen genutzt und die Unternehmen konzentrieren sich auf wenige, jedoch voneinander abhängige Kennzahlen.[12]
Charakteristisch für die BSC sind folgende Aufbauprinzipien[13]: Mehrdimensionalität, Strategieorientierung, Instrumentalprinzip und Ausgewogenheit. Dabei beinhaltet die Mehrdimen- sionalität wiederum vier Perspektiven, die in einem Ursache-Wirkungszusammenhang stehen und im Abschnitt 2.1.1 erläutert werden: Finanzielle Perspektive (Abschnitt 2.1.1.1), Kundenperspektive (Abschnitt 2.1.1.2), interne Prozessperspektive (Abschnitt 2.1.1.3), Lern- und Entwicklungsperspektive (Abschnitt 2.1.1.4)[14]. Mit der Strategieorientierung ist die sorgfältige Auswahl der Kennzahlen bezogen auf unterschiedliche Strategieziele wie Investitionsstrategien, Selektionsstrategien oder Abschöpfungsstrategien gemeint. Die Zusammensetzung unterschiedlicher Kennzahlen wie Ergebnisgrößen oder Treibergrößen wird unter dem Begriff Instrumentalprinzip zusammengefasst. Auf die Anforderungen und Merkmale an die Ausgewogenheit der Kennzahlen gehe ich im folgenden Abschnitt näher ein.
Ausgangspunkt für die unterschiedlichen, aber in Zusammenhang stehenden Perspektiven ist die Unternehmensvision. Dabei kann die Vision auch von den bisherigen Entwicklungen ab
weichen und ein Ziel darstellen, das möglicherweise über dem steht, was von den Mitarbeitern und Führungskräften als umsetzbar angesehen wird. Ausgehend von der Vision werden dann die Ziele für die dargestellten Perspektiven festgelegt und den unterschiedlichen Perspektiven zugeordnet.[15] Zu beachten ist dabei, dass nur Ziele aufgenommen werden, die bisher noch nicht erreicht wurden und zu den Schwächen des Unternehmens zählen. Stärken wie beispielsweise die Produktqualität[16] werden nicht aufgenommen, sondern für selbstverständlich erklärt.
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abbildung 1: Die klassischen Perspektiven der Balanced Scorecard nach Kaplan/ Norton[17]
Aller Perspektiven sind in sich identisch aufgebaut und beinhalten Strategien, Maß- sowie Zielgrößen und Maßnahmen, um diese Zielwerte soweit wie möglich zu konkretisieren. Im Folgenden gehe ich nun auf die von Kaplan und Norton gewählten Perspektiven näher ein.
Die finanzwirtschaftliche Perspektive ist die wichtigste Perspektive. Sie zeigt, ob die Implementierung einer BSC wirklich das Unternehmensergebnis verbessert und gilt somit als Haupterfolgsmaßstab und Basis zur Ableitung aller Perspektivenziele und -kennzahlen. Die Ziele und Kennzahlen haben eine Doppelrolle inne, da sie sowohl das finanzielle Ergebnis widerspiegeln, als auch das Endziel der übrigen Perspektive verkörpern. Jede nichtfinanzielle
Kennzahl sollte daher durch eine Ursache-Wirkungskette mit einer finanziellen Kennzahl verbunden sein, um letztendlich die finanzielle Leistung zu verbessern.[18] Typische Kennzahlen sind die erzielte Gesamtkapitalrendite, Umsatz, der EVA[19] oder CVA[20], jeweils bezogen auf das gesamte Unternehmen und die Nutzungsstruktur von Vermögenswerten. Bei NonProfitorganisationen oder Produktionsabteilungen werden häufig auch Budgetziele festge- legt.[21]
Die Kundenperspektive bildet ab, wie das Unternehmen mit den Kunden kommuniziert und auftritt. Dafür wird versucht, die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden in die gesamte Unternehmensstrategie zu integrieren, da Kunden nur dann die Produkte bzw. Dienstleistungen kaufen, wenn diese den Ansprüchen entsprechen und mindestens der gewünschte Nutzen erreicht wird.[22] Die Kundenperspektive enthält sowohl marktbezogene als auch kundenbezogene Ziele, damit nicht nur Kennzahlen wie Kundenzufriedenheit, -bindung und -treue gemessen werden, sondern auch Marktanteil und mögliche Neukunden.[23] Letztendlich liegt der Fokus aber auf den Endkunden der Wertschöpfungskette[24], da letztendlich die Kaufentscheidung für den Unternehmenserfolg entscheidend ist. Beispielsweise könnte eine kurze Lieferzeit für Cabrios am Sommeranfang ein ausschlaggebender Punkt für die Kaufentscheidung des Kunden sein. Kaplan und Norton nennen folgende Punkte, die ihrer Meinung nach entscheidend für die Kunden sind: Produkt- und Serviceeigenschaften, Image und Reputation und die Beziehungen zum Kunden.[25]
Wenn ein Unternehmen intern so strukturiert ist, dass die Erreichung der Kundenziele durch die Prozesse unterstützt wird, können Kunden langfristig an das Unternehmen gebunden werden und Gewinne erzielt werden. Es werden daher Ziele und Kennzahlen für diejenigen Abläufe definiert, die für die Leistungserbringung kritisch sind. Dazu gehört auch das Entwickeln von Wachstumsstrategien, um neue Märkte und damit neue Kunden und deren Wünsche zu identifizieren.
Kaplan und Norton unterteilen die unternehmensinternen Prozesse in drei wichtige Bereiche: Innovationsprozess, Betriebsprozess und Kundendienstprozess. In der internen Prozessperspektive wird die gesamte Wertschöpfungskette innerhalb des Unternehmens, beginnend mit der Entwicklung des Produkts über die Anlieferung der Rohstoffe bzw. Vorprodukte bis zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Endprodukts dargestellt. Dabei wird auch der anschließende Service für die Kunden betrachtet und zu den jeweiligen Bereichen Teilziele abgeleitet.[26]
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Abbildung 2: Gesamtzusammenhänge in der internen Prozessperspektive nach Kaplan/ Norton (1997)[27]
Die hieraus entstehende Prozesslandschaft fördert die Transparenz innerhalb des Unternehmens und trägt zur Kundenfokussierung in allen Unternehmensbereichen bei.[28]
Die Lern- und Entwicklungsperspektive, auch Potentialperspektive[29] genannt, betrachtet Möglichkeiten und Voraussetzungen für zukünftige Leistungssteigerungen und Unternehmenswachstum, aber auch die Fähigkeit, sich an eine verändernde Umwelt proaktiv anzupassen[30]. Auch hier unterteilen Kaplan und Norton die Ansatzpunkte in drei Bereiche: Mitarbeiterpotentiale, Potentiale der Informationssysteme und Motivation, Empowerment und Zielausrichtung.[31] Werden diese Potentiale entwickelt und vom Unternehmen ausgeschöpft, besitzt das Unternehmen eine ausreichende Infrastruktur, auf der die anderen Perspektiven aufbauen. Um langfristig als Unternehmen zu wachsen, müssen Mitarbeiter über das notwendige Fachwissen und die Kompetenzen verfügen. Das Unternehmen ist daher an dieser Stelle für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter verantwortlich. Die Mitarbeiter erwerben nicht nur neue Qualifikationen, sondern Zufriedenheit und Motivation steigern auch die Produktivität.
So wird das gesamte Unternehmen zielorientiert vorangebracht.[32] Messgrößen sind hier beispielsweise die Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation, die Weiterbildungsquote oder die Anzahl neuer Produkte.
Je nach Branche und Größe des Unternehmens werden zu den bisher vorgestellten Perspektiven noch weitere Perspektiven hinzugefügt. Kaplan und Norton raten jedoch nur dann zu einer Erweiterung der Perspektiven, wenn dies strategisch und unternehmensspezifisch sinnvoll ist.[33] Zum Beispiel arbeiten Banken mit einer zusätzlichen Risikoperspektive oder Handelsunternehmen mit einer Lieferantenperspektive.
Nicht umsonst trägt die Balanced Scorecard den Begriff „Balance“ in ihrem Namen, der auf die Ausgewogenheit des Konzepts hindeutet[34]. Das Konzept bezieht sich sowohl auf die verschiedenen Stakeholdergruppen der Unternehmen als auch auf die Ausgeglichenheit der Kennzahlen innerhalb des Konzepts selbst und drückt dies mit unterschiedlichen Messgrößen aus, die im Folgenden näher erläutert werden.
Ausgewogene Maßgrößen beinhalten nicht nur die Leistung des Unternehmens, sondern beziehen auch die Ursachen für die entstandene Leistung mit ein. Hinzu kommt, dass nur diejenigen Aspekte erfasst werden, die für die Zielerreichung notwendig sind oder die als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Unternehmen dienen. Aspekte, die zwar zur Zielerreichung beitragen, aber bereits erfüllt sind, werden in der BSC nicht erfasst, da sie nicht dazu beitragen, das eigene Unternehmen gegenüber anderen besser zu positionieren bzw. Alleinstellungsmerkmale aufzubauen.
Ergebnisgrößen zeigen die Ergebnisse von Handlungen oder Prozessen an, die in der Vergangenheit liegen. Daher handelt es sich in den meisten Fällen auch gleichzeitig um Spätindikatoren, die Aktivitäten widerspiegeln, die bereits stattgefunden haben. In der Regel handelt es sich bei Ergebnisgrößen um objektive und leicht quantifizierbare Messgrößen[35]. Leistungsgrößen hingegen sind subjektiv und urteilsabhängig, da sie sich auf Entwicklungen beziehen, die erst in der Zukunft stattfinden werden. Diese Kennzahlen können maßgeblich das Betriebsgeschehen beeinflussen und schon früh können mögliche Problemfelder identifiziert werden. Daher werden sie auch zu den Frühindikatoren gezählt, die aus UrsacheWirkungszusammenhängen abgeleitet werden und mögliche Ereignisse der Zukunft aufzeigen[36]. Häufig werden Leistungstreiber in der Lern- und Entwicklungsperspektive sowie der internen Prozessperspektive und der Kundenperspektive verwendet. Frühindikatoren sind beispielsweise die Beziehung zu den Kunden, der Absatzbereich, der Krankenstand innerhalb des Unternehmens und die Mitarbeiterzufriedenheit. Zum Absatzbereich gehören die Auftragseingänge, der Auftragsbestand, die Reklamationsraten, das Bestell- und Kaufverhalten der Kunden und das Image der eigenen und der konkurrierenden Produkte.[37] Vor allem in den Frühindikatoren und den Leistungstreibern liegen die höchsten Erfolgspotentiale für Unternehmen, da sie die tägliche Arbeit und die Wettbewerbsvorteile widerspiegeln. Sie geben dem Management die Möglichkeit, den Unternehmenskurs je nach Ergebnis der erhobenen Kennzahlen, gezielt zu lenken.[38]
Da die in der BSC verwendeten Kennzahlen verschiedene Zwecke verfolgen, muss das Unternehmen sich darüber klar werden, welche Indikatoren zu welchem Zeitpunkt wirksam sind, um die Messgrößen richtig zu interpretieren. Wird auf eine ausgewogene Darstellung der Kennzahlen verzichtet und werden nur Ergebniskennzahlen, jedoch keine Leistungstreiber verwendet, wissen die Mitarbeiter zwar, wie das Ziel aussieht, nicht jedoch, wie der Weg dorthin verlaufen soll. Auf der anderen Seite führt die reine Verwendung von Leistungstreiber zu kurzfristigen Verbesserungen, es kann jedoch nicht festgestellt werden, welche Auswirkungen dies auf die Ergebnisgrößen mit sich bringt. Hier ist es wichtig, bei der Erhebung der Kennzahlen darauf zu achten, dass pro Perspektive sowohl auf lange als auch auf kurze Frist bezogene Kennzahlen verwendet werden, die entweder Ergebnisziffern oder Leistungstreiber sind.[39] Tendenziell ist es aber so, dass in der finanzwirtschaftlichen Perspektive Ergebniskennzahlen und mit zunehmender Entfernung der Perspektiven von der Finanzperspektive eher Leistungstreiber verwendet werden.[40]
Laut Kaplan und Norton werden die finanziellen um nicht-finanzielle Messgrößen in allen Unternehmensebenen ergänzt und sinnvoll aufeinander abgestimmt.[41] Zimmermann weist
darauf hin, dass finanzielle Messgrößen häufig „nachlaufende Ergebnisgrößen“ sind, wohingegen die „vorlaufenden Leistungstreiber“[42] nicht-finanzielle Messgrößen repräsentieren. Finanzielle Messgrößen werden häufig auch als harte Kennzahlen bezeichnet, die den Unternehmenserfolg in Form von Umsatz, Gewinn und Verlust darstellen. Mit den nichtfinanziellen,. auch als weich bezeichneten Kennzahlen können Informationen über die Mitarbeiter zum Beispiel anhand von Krankentage pro Mitarbeiter oder durchgeführter Schulungen gesammelt werden.[43] Allerdings wird in den wenigsten Fällen mit weichen Kennzahlen das eigentlich Relevante, wie die Qualität und der Nutzen oder Einfluss der Schulungen auf die finanziellen Kennzahlen, gemessen. Hier ist es nun Aufgabe der Balanced Scorecard die Kennzahlen so in einen Wirkungs-Zusammenhang zu stellen, dass nur Schulungen angeboten werden, die tatsächlich für die Mitarbeiter und damit auch für den Unternehmenserfolg nützlich sind.
Externe Messgrößen drücken die Beziehungen zu Stakeholdern und Kunden aus und beziehen sich auf die ersten beiden Ebenen der BSC. Interne Messgrößen beziehen sich dagegen auf die unternehmensinternen Prozesse und die Innovations- und Entwicklungskraft des Unterneh- mens.[44] Besonders gut kann hier die Ausgewogenheit der Kennzahlen erkannt werden, die zwar in unterschiedlichen Perspektiven der BSC abgebildet werden, jedoch immer in Beziehung stehen.
Bei der Entwicklung und Einführung einer BSC muss immer beachtet werden, dass das Konzept der BSC Ausgewogenheit fordert, was bedeutet, dass alle Kennzahlen gleichgewichtet berücksichtigt werden.[45] Auf Beispielkennzahlen gehe ich in Kapitel 4 noch detailliert ein.
[...]
[1] Unter dem Begriff „Supply Chain“ wird eine Wertschöpfungskette verstanden, die aus künstlich geschaffenen soziotechnischen Systemen besteht.
[2] Unter einem Instrument wird hier ein Konzept verstanden, das Einfluss auf das Management hat und mit Hilfe dessen der Unternehmenserfolg gesteuert und kontrolliert wird.
[3] Kennzahlen sind abstrakt formulierte und systematisch aufbereitete quantitative Daten, die zur Abbildung einer komplexen und verdichteten Realität dienen und über Sachzwecke innerhalb der Unternehmen informieren und unternehmerische Entscheidungen unterstützen.
[4] Vgl. Weber/ Bacher/ Groll (2003), S. 22.
[5] Vgl. Staehle (1973), S. 223.
[6] Ziel des DuPont-Kennzahlensystem ist die reine Gewinnmaximierung, weswegen nur finanzielle Kennzahlen erfasst werden. Diese Kennzahlen bauen aufeinander auf und aus ihnen können die Haupteinflussfaktoren des Unternehmenserfolgs identifiziert werden. Als Leitkennzahl gilt der „Return on Investment“, die systematisch in ihre Bestandteile zerlegt wird.
[7] Das ZVEI-Kennzahlensystem basiert ebenfalls auf mathematischen Beziehungen, ist jedoch auf die Effizienz des Unternehmens fokussiert. Für die Ermittlung dieser Effizienz wird zwischen Wachstums- und Strukturkomponenten unterschieden und kann daher sowohl für interne als auch externe Analysen eingesetzt werden. (vgl. Corsten/ Gössinger (2008), S. 377.)
[8] Rechensysteme basieren hauptsächlich auf Daten aus dem Rechnungswesen und sind in der Regel pyramidenförmig aufgebaut, da sich aus den unteren Kennzahlen, die weiter oben angesiedelten ergeben.
[9] Bei Ordnungssystemen steht nicht eine Spitzenkennzahl am Ende der Erhebung, sondern eine Entscheidungsunterstützung zur ganzheitlichen Optimierung der Prozesse. Diese Systematisierung dient dazu, dass Managern nach Festlegung der Strategie klare Ziele vorgegeben werden und zur Entscheidungsunterstützung.
[10] Vgl. Pollmeier (2008), S. 161.
[11] Vgl. Arndt (2008), S. 148.
[12] Vgl. Scheibeler (2004), S. 10.
[13] Vgl. Bea/ Friedl/ Schweitzer (2005), S. 293 ff.
[14] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 24ff.
[15] Vgl. Greischel (2003), S. 7.
[16] Vgl. Greischel (2003), S. 9.
[17] Kaplan/ Norton (1996), S. 76.
[18] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a) S. 46; Kortes-Schultes (2003), S. 60.
[19] Der EVA misst die Vorteilhaftigkeit einer Investition. Er gibt den Nettogewinn an, indem vom eingesetzten Kapital die Kapitalkosten abgezogen werden.
[20] Der CVA ist ebenso wie der EVA eine Residualkenngröße und misst die Wertschaffung. Wenn der in einer Periode erzielte Cashflow größer als der zur Deckung der Kapitalkosten notwendige Mindest-Cashflow ist, fällt der CVA positiv aus und es wird eine Wertsteigerung generiert.
[21] Vgl. Greischel (2003), S. 7.
[22] Vgl. Erdmann (2003), S. 191; Greischel (2003), S. 7.
[23] Vgl. Gerberich/ Schäfer/ Teuber (2006), S. 42.
[24] In einer Wertschöpfungskette werden die Material-, Dienstleistungs- und Kommunikationsflüsse vom ersten Rohstofflieferanten bis hin zum Endkunden zusammengefasst, aus der am Ende eine Dienstleistung oder ein Produkt entsteht.
[25] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 71ff.; Kortus-Schultes (2003), S. 61ff.
[26] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 92ff; Greischel (2003), S. 8; Kortus-Schultes (2003), S. 66ff.
[27] Eigene Darstellung
[28] Vgl. Gerberich/ Schäfer/ Teuber (2006), S. 42.
[29] Vgl. Gerberich/ Schäfer/ Teuber (2006), S. 43.
[30] Vgl. Greischel (2003), S. 8.
[31] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 127ff.
[32] Vgl. Richert (2006), S. 91; Kortus-Schultes (2003), S. 66ff.
[33] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 33/34.
[34] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 10.
[35] Vgl. Kaplan/ Norton (1997a), S. 144.
[36] Vgl. Zimmermann (2003), S. 65; Kortus-Schultes (2003), S. 26.
[37] Vgl. Scheibeler (2004), S. 41ff.
[38] Vgl. Kortus-Schultes (2003), S. 13.
[39] Vgl. Kortus-Schultes (2003), S. 24ff.
[40] Vgl. Bosshardt (2007), S. 55.
[41] Vgl. Kaplan/ Nort45*20on (1997b), S. S. 71
[42] Zimmermann (2003), S. 66.
[43] Vgl. Scheibeler (2004), S. 4.
[44] Vgl. Zimmermann (2003), S. 66.
[45] Vgl. Bea/ Friedl/ Schweitzer (2005), S. 296.