Diplomarbeit, 2010
96 Seiten, Note: 1,0
1. Alan Greenspan, Finanzsystemregulierung und die Krise
2. Das systemische Risiko
2.1 Stabilität des Finanzsystems
2.2 Systemische Ereignisse und Ansteckungseffekte
2.3 Systemische Relevanz von Finanzinstituten und Finanzmärkten
3. Grundlegendes zum Transfer von Kreditrisiken
3.1 Das Kreditrisiko
3.2 Instrumente zum Transfer von Kreditrisiken
3.2.1 Kreditderivate: Der Credit Default Swap
3.2.2 Kreditverbriefungen: ABS und CDO
3.3 Anwendungsmöglichkeiten aus Sicht des Originators
3.3.1 Aktives Management von Kreditportfolios
3.3.2 Regulatorische Eigenkapitalentlastung
3.4 Anwendungsmöglichkeiten aus Investorensicht
4. Systemische Risiken des Kreditrisikotransfers
4.1 Anreizprobleme und asymmetrische Informationsverteilung
4.1.1 Das Agency-Modell
4.1.2 Ex-Ante-Problem der Adverse Selection
4.1.3 Komplexität der Verbriefung und Anreizprobleme der Ratingagenturen
4.1.4 Ex-Post-Problem des Moral Hazard
4.2 Das Schattenbankensystem
4.3 Gefahren des Marktes für Credit Default Swaps
4.3.1 Marktgröße und Intransparenz
4.3.2 Marktkonzentration und Interdependenzen
4.3.3 Liquiditätsrisiken
5. Reformen zur Minderung von systemischen Risiken
5.1 Überblick über die aktuelle Debatte zur Reform des Finanzsystems
5.2 Abbau von Anreizkonflikten beim Transfer von Kreditirisiken
5.3 Regulierung der Ratingagenturen
5.3.1 Die Bedeutung von Ratings im Bankenaufsichtsrecht
5.3.2 Anpassen des Geschäftsmodells
5.3.3 Förderung eines qualitätsorientierten Wettbewerbs
5.4 Regulieren des Marktes für Credit Default Swaps
6. Der Kreditrisikotransfer: Die Lehren aus der Krise
Die vorliegende Arbeit untersucht die systemischen Risiken, die durch Instrumente zum Transfer von Kreditrisiken – insbesondere Kreditderivate und Verbriefungen – entstanden sind. Ziel ist es, die Schwachstellen dieser Finanzinnovationen aufzuzeigen, die maßgeblich zur Finanzkrise ab 2007 beigetragen haben, und konkrete Reformvorschläge zur Minderung dieser Risiken zu erarbeiten.
4.1.2 Ex-Ante-Problem der Adverse Selection
Vor Vertragsabschluss, also vor dem Kauf einer Verbriefungstranche oder der Übernahme der Sicherungsposition in einem Kreditderivat, besteht für den Investor die Hauptgefahr darin, dass der Kreditgeber bei der Bonitätsprüfung nachlässig handelt, Vergabestandards seiner Kredite senkt oder bewusst schlechte Kredite mit hohem Risiko weitergibt – also eine negative Auswahl von Krediten (Adverse Selection) trifft. Ein solches Verhalten ist dem Kreditgeber möglich, wenn der Sicherungsgeber nicht in der Lage ist, die Kreditwürdigkeit der zugrundeliegenden Referenzschuldner richtig einzuschätzen und das von ihm übernommene Kreditrisiko nicht umfassend bewerten kann.
Doch vergeben Banken angesichts der Möglichkeit, Kreditrisiken zu transferieren, leichtfertiger Kredite? Vergleicht man amerikanische Banken, die durch die Emission von Collateralized Debt Obligations Kreditrisiken transferieren, mit solchen die sich dieser Instrumente nicht bedienten, so stellt man fest, dass die Kreditvergabe Ersterer über mehrere Jahre um 50 anstieg. Diese Ausweitung der Kreditvergabe bedeutet nicht zwangsläufig, dass es einen direkten Zusammenhang mit gesunkenen Kreditvergabestandards gibt. Doch scheint das tatsächlich der Fall gewesen zu sein: Die Analyse des US-amerikanischen Hypothekenmarkts der Jahre 2001 bis 2006 macht deutlich, dass es einen empirisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen der Ausweitung des Geschäfts mit Kreditverbriefungen und sinkenden Ablehnungsquoten bei Kreditanträgen gab. Auch kam es zu einer Abnahme der ualität der Kredite. So steht die Verdopplung der Emission von Kreditverbriefungen im Zusammenhang mit einer Zunahme der Ausfallrate von 10 bis 25.
Die Verbriefung von Krediten hat jedoch nicht nur zu einer Ausweitung des Volumens der Kreditvergabe geführt und die Standards bei der Bonitätsprüfung gesenkt, sondern auch Banken dazu verleitet, die schlechten Kredite aus ihren Büchern zu entfernen und die guten Kredite weiterhin zu halten. In den Jahren 2003 bis 2007 entwickelten sich verbriefte US-Hypothekenkredite deutlich schlechter, als jene, die die Kreditgeber nicht verbrieften und bis zum Ende der Laufzeit halten wollten. Die Ausfallraten der verbrieften Kredite lagen dabei um bis zu 20 höher als die der einbehaltenen Kredite.
1. Alan Greenspan, Finanzsystemregulierung und die Krise: Dieses Kapitel thematisiert die Rolle von Alan Greenspan und die Entwicklung der Finanzkrise, wobei der Fokus auf dem Vertrauen in die Selbstregulierung der Märkte und den anschließenden systemischen Erschütterungen liegt.
2. Das systemische Risiko: Es wird das Konzept des systemischen Risikos erläutert, wobei Stabilität, Ansteckungseffekte und die Relevanz von Finanzinstituten zentral behandelt werden.
3. Grundlegendes zum Transfer von Kreditrisiken: Hier werden die technischen Grundlagen von Kreditrisiken sowie die Instrumente wie Kreditderivate und Kreditverbriefungen aus der Perspektive von Originatoren und Investoren dargestellt.
4. Systemische Risiken des Kreditrisikotransfers: Dieses Kapitel analysiert die durch den Risikotransfer entstandenen Anreizprobleme, das Schattenbankensystem und die spezifischen Gefahren im Markt für Credit Default Swaps.
5. Reformen zur Minderung von systemischen Risiken: Es werden konkrete Reformvorschläge diskutiert, darunter die Anpassung von Anreizstrukturen beim Risikotransfer, die Regulierung von Ratingagenturen und die Stärkung des CDS-Marktes durch zentrale Kontrahenten.
6. Der Kreditrisikotransfer: Die Lehren aus der Krise: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse aus der Finanzkrise zusammengefasst und die Notwendigkeit einer umfassenden Finanzsystemregulierung hervorgehoben.
Kreditrisikotransfer, Systemisches Risiko, Finanzkrise, Verbriefung, Kreditderivate, Credit Default Swap, Schattenbankensystem, Adverse Selection, Moral Hazard, Ratingagenturen, Finanzmarktregulierung, Eigenkapitalentlastung, Counterparty-Risiko, Ansteckungseffekte, Finanzinnovationen
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle von Kreditrisikotransferinstrumenten bei der Entstehung systemischer Risiken und der Finanzkrise ab 2007 sowie Lösungsansätze für eine stabilere Finanzmarktarchitektur.
Zu den Kernpunkten gehören die Analyse von Verbriefungsstrukturen (ABS, CDO), der Markt für Kreditderivate (CDS), agency-theoretische Probleme wie Adverse Selection und Moral Hazard sowie regulatorische Reformen.
Das Ziel ist es, die Schwachstellen des Kreditrisikotransfers aufzudecken, die zu einer Destabilisierung des Finanzsystems führten, und Vorschläge zur Minderung dieser systemischen Risiken unter Einbeziehung von Aufsichtsmaßnahmen zu formulieren.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und einer deskriptiven Auswertung finanzökonomischer Konzepte sowie empirischer Erkenntnisse zur Finanzkrise und zur Wirkung regulatorischer Rahmenbedingungen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung technischer Grundlagen, die Analyse systemischer Risiken (agency-theoretische Probleme, Schattenbanken, Intransparenz der CDS-Märkte) und die Diskussion konkreter Reformvorschläge (Trancheneinbehalt, Regulierung von Ratingagenturen, Einführung zentraler Gegenparteien).
Die zentralen Begriffe sind Kreditrisikotransfer, systemisches Risiko, Finanzkrise, Verbriefung, Kreditderivate, Credit Default Swap und Finanzmarktregulierung.
Im Issuer-Pays-Modell bezahlen die Emittenten der Wertpapiere die Agenturen, was zu Interessenkonflikten führen kann. Beim Investor-Pays-Modell übernehmen Investoren die Kosten, um die Abhängigkeit der Agenturen von den Originatoren zu verringern, was jedoch operative Hürden und Free-Rider-Probleme schafft.
CDS-Märkte sind stark konzentriert, intransparent und durch komplexe Interdependenzen gekennzeichnet, wobei das Fehlen zentraler Clearing-Stellen und die Problematik von Leerpositionen die Anfälligkeit für Kettenreaktionen bei Ausfällen erhöht.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

